Gemeinsam Mensch sein

Wir reichen uns die Hände,
wir hören einander,
wir wissen und versuchen zu verstehen,
wie es ist dick zu sein,
fett zu sein,
wie es ist mit unterschiedlichen Körpern zu leben,
wir leihen uns unsere Stärke, unsere Stimmen,
wir stehen füreinander ein,
und wir geben einander Raum,
den Raum, den wir brauchen,

wir unterstützen uns und schauen hin,
selbst dann wenn es nicht schön ist,
wir sehen die Vorurteile der Gesellschaft,
den Ausschluss, wo Barrieren aufgebaut werden,
wo es Grenzen gibt,
wir sehen den Hass der Dicken/Fetten begegnet,
wir schenken uns gegenseitig den Mut weiterzumachen,
und wenn es noch so lange dauert,

was wir tun ist wichtig,
denn jeder und jede verdient Würde,
und so schenken wir sie uns gegenseitig
und hoffen andere mit unserem Vorbild zu ermutigen,
auf ihre Würde zu bestehen und für sie einzustehen!

Danke, Ihr wunderbaren und starken VorgängerInnen,
Danke, Euch, die Ihr uns die Hände reicht.
Danke für das Gemeinsame Mensch sein.

verfasst von Malena Glück

Raumgebendes Miteinander?

Meine Füße tun weh,
sie tragen eine große Last,
ja ich bin schwer, das weiß ich selbst,
mein Rücken der schmerzt vom zu langen Stehen,
will mich setzen, muss mich umsehen,
da ist kein Platz, kein Sitz, kein Raum für mich,
die Türen sind zu klein, die Sessel sind zu eng,

da ist ein Stuhl ohne Lehnen aber er sieht zerbrechlich aus,
ich setze mich, krach und er bricht,
ich stürze mit den Resten des Stuhls zu Boden,
jetzt habe ich blaue Flecken überall,
glück muss ich sagen, es hätte mehr brechen können,
mehr als der Stuhl, bin gut gefallen,
Schmerzen habe ich doch,

dumme Blicke, helfen nicht, verächtliches Kopfschütteln,
erschrockene Gesichter, doch keines ist erschütterter als ich,
mein Herz pumpt rasch, ich rapple mich mühsam auf,
der Stuhl ist hin, ich lebe noch,

so wie diesen Stuhl, da gibt es viele,
beim Arzt, im Kaffee oder in einem Theater,
keiner will passen, keiner hat Platz,
neben Sessel gibt es auch Betten und andere Sachen,
die mit meinem Gewicht mir keine Freude machen,
im Krankenhaus da gibt es wenig Betten,
auch kaum Operationstische, die mich tragen,
Fahrräder oder Autogurte, kann ich lange suchen,

es gibt so viele Dinge auf die ich aufpassen muss,
wo Raum fehlt, wo kein Platz ist,
wo ich mir erst Raum schaffen muss,
Raum für meinen dicken/fetten Körper,
auch in den Köpfen der anderen,
muss erst Raum geschaffen werden,
für meinen dicken/fetten Körper,
für das Dicksein, das Fettsein an sich.
Als müsste ich mir als Dicke/Fette erst einen Platz als Mensch erkämpfen.

Die Bedürfnisse sind anders als Dicke/Fette,
doch Möglichkeiten sind da,
nur als Beispiel: wenn wir nur wollen wäre es möglich Sessel zu haben,
die das Gewicht tragen,
es ist möglich Dicken/Fetten Platz zu schaffen,
und unser Menschsein zu achten.
Und zwar durch die Möglichkeit am Leben,
an der Gesellschaft Anteil zu haben.

Also gehe ich weiter,
auf meinen schmerzenden Beinen,
durch eine Welt,
die mich und meines Gleichen ausschließen will,
und versuche uns Raum zu schaffen,
indem ich ihn mir nehme,
indem ich weiter lebe
und auch mal einen Stuhl zerbreche,
das Porzellan zertrample,
die Grenzen mit meiner Körperfülle ramme,
und mir einfach den Raum nehme,
den ich brauche.

verfasst von Malena Glück

Was ich mir für eine Politik wünschen würde:

geschrieben von Malena Glück

Abschließend zu unserer Artikelreihe zum Themenblock „Wahlprogramme“ noch ein paar Gedanken über Demokratie und Politik im Allgemeinen. Die Wahl ist nun geschlagen es gilt sich auf die nächsten Wahlen vorzubereiten bzw. jetzt politische Entscheidungen und Handlungen abzuwarten um zu sehen ob sie das hält was sie verspricht. Im Allgemeinen zur Vorbereitung auf nächste Wahlen wäre es notwendig Weiterlesen

Medialer Raum

Wo ist wilde dicke Rotzgöre in den Filmen,
die auf all die Klischees scheißt,
wo ist das dicke, fette Vorbild für einen Körper,
wie den meinen,
wo sind die reichen, starken und unabhängigen Filmfiguren,
die dick ihr Leben meistern,
wo sind die dicken, fetten Menschen in Serien,
die ein positives Körperbild und Körpergefühl vermitteln,
keine selbstzerfleischenden und selbstverzweifelnden
unglücklichen Trauergestalten, keine selbstmitleidigen Witzfiguren,
keine selbsthassenden Persönlichkeiten und Nebensächlichkeiten,
sondern selbstbewusste, lebendige Rollen für dicke, fette Menschen,
die uns auch gerecht werden?

Wir sind keine weinerlichen Jammerer, wir sind keine vorurteilbeladene Klischees,
wir haben Partner, wir haben Kinder, wir haben Berufe, wir sind Menschen,
keine Nebenrollen sondern auch Hauptfiguren,
keine der Diätkeule ausgelieferten Selbstzweifler sondern starke Persönlichkeiten,
wir sind mehr als eure Vorurteile,
wir verdienen mehr als verächtliche Gesten,
dummes Gerede und die bildliche Manifestation des Dickenhasses,
wir haben auch Liebesbeziehungen, wie haben auch Sex,
wir haben auch Erfolg, wir haben auch ein Leben,
wir sind nicht nur lieb oder freundlich oder traurig oder witzig,
wir sind nicht nur die böse, hässliche oder skurrile Gestalt,
wir können alle Rollen spielen und wir können alle Rollen verkörpern,
und das wollen wir auch sehen,
– wir wollen mehr Dicke, Fette mit positiven Körperbezug in Medien sehen.

Dicke/Fette, die sich eben nicht ihres Körpers schämen,
sondern die zu sich stehen,
Dicke/Fette, denen ihr Gewicht egal ist,
denen egal ist ob sie ab oder zunehmen,
die sich so annehmen wie sie sind,
Dicke/Fette, die sich verlieben, die Beziehungen haben,
die geliebt werden, die stark sind, erfolgreich sind,
die frech sind und alle möglichen Rollen spielen,
nicht nur eine beschränkte, sehr diskriminierende Darstellung ständig wiederholen.

Und wir wollen eine Berichterstattung, die sich nicht den Klischees bedient,
die keine Panikmache oder Dickenhetze darstellt,
wir wollen keine manipulierenden und populistischen Artikel über angebliche „Epidemien“,
die das Feindbild des Dicken/Fetten schaffen,
der kein Mensch mehr ist
sondern je nach Belieben der Nachrichten
nur mehr eine Krankheit, Dummheit oder Disziplinlosigkeit,
wir wollen Medien, die unsere Menschenwürde achten und vertreten,
die uns nicht aus der Gesellschaft ausschließen sondern Dicke/Fette inkludieren,
die Raum geben: jedem Körper, jedem Menschen.
Wir wollen eine Gemeinschaft, ein raumgebendes Miteinander.
Und Medien können viel dazu beitragen ein solches zu erschaffen.
Also wo ist die wilde dicke Rotzgöre?

verfasst von Malena Glück

Referat in der Schule

Aufstehen, vortreten,
mit jedem Schritt schwerer werden,
noch an Masse zulegen,
sich nicht auflösen können,
weil einfach zu viel von einem da ist,
und die Stimme im Kopf redet auf mich ein,
was alle denken flüstert sie:
„….fett….dick….“
und es könnte auch etwas Nettes sein,

aber in der Gesellschaft,
in der ich aufwuchs,
hörte ich nie auch nur irgendwelche Nettigkeiten
über mein Aussehen, meinen Körper,
und all das Gesagte, all das Gehörte,
all der Spott, all die Gehässigkeiten,
sind schon tief in mir,
in meinem Kopf, in meinem Denken,
und sie flüstern immer zu,
bis alles andere verstummt,
bis ich vor euch stehe und keine Stimme mehr habe,
bis ich mich selbst anklage,
bis ich mich selbst anfeinde,
bis ich für mich selbst das Monster wurde,
zudem ihr mich gemacht habt,

und ich stehe da und soll jetzt einen Vortrag halten,
soll in all diese Augen blicken,
soll mich noch mehr entblößen,
als es mein Aussehen vermag,
in jedem eurer Herzen wohnt Spott und Hohn,
da wohnt Gemeinheit und schlimmer noch Ignoranz,
und in meinem Herz da ist niemand mehr,
nur mehr Verachtung und Angst,
ich stehe da und so schnell ich kann,
bringe ich es hinter mich,
leise, schnell und ungenügend,
doch am Ende bin ich wieder hinter dem Tisch,
ganz im Eck, dort wo man selten hinsieht,
selten mich entdeckt.

Und heute weiß ich es könnte auch anders sein,
und heute weiß ich die Gesellschaft könnte anders sein,
heute weiß ich, ich bin nicht allein,
heute unterbreche ich die Stimmen,
die flüstern wollen,
oder auch schreien,
heute unterbreche ich sie alle,
und sage: Nein!
In meinem Herzen wohnt wieder Liebe,
dort wohnt Vergebung und Verzeihen,
und ich maße mir nicht mehr an zu urteilen,
was in euren Herzen wohnt,
denn ich kann nicht in euch hineinsehen,
und ihr auch nicht in mich.

verfasst von Malena Glück

Es ist heiß und ich schwitze

Es ist heiß und ich schwitze,
meine Jacke fällt, kann sie nicht mehr tragen,
es ist heiß und ich schwitze,
meine Socken müssen fort, kann sie nicht mehr tragen,
es ist heiß und ich schwitze,
eine kurze Hose muss jetzt sein, und die Haare auf den Beinen?
es ist heiß und ich schwitze,
also meine dicken Arme zeigen, und die Haare unter den Achseln?
es ist heiß und ich schwitze,
also was soll es, es gibt nichts zu verstecken,
meine Warzen am Hals, meine Beulen am Bein,
meine Haare am Kinn, meine Streifen am Bauch,

es ist heiß und ich schwitze,
und ich zeige mich, meinen Körper,
ich verhülle mich nicht,
und ich ernte die Blicke, und ich ernte den Spott,
und ich ernte den Hass und die Worte und den Zorn,
es wird gepöbelt, wird gelästert, wird die Nase gerümpft,

es ist heiß und ich schwitze,
und ich lasse mich nicht in Kleider sperren,
und auch nicht in Konventionen oder in Modetrends,
also kurz und eng und knapp – bedecke ich was notwendig ist,
und kleide mich wie ich mich wohlfühle,
und zwar vor allem auch dem Wetter nach.

Es ist heiß und ich schwitze,
das bin ich und ich nehme mich so wie ich bin.
Ich lebe mit mir,
und ich nehme mir das was ich brauche,
auch die Freiheit mich so zu zeigen wie ich bin,
die Freiheit meinen Körper zu zeigen wie er eben ist.

Es ist heiß und ich schwitze,
und ich erfreue mich am Sommer,
an der Sonne und am Sonnenschein.

verfasst von Malena Glück