Platz haben, Raum haben

Ich entscheide mich das Lachen zu erwidern,
doch zum Lachen ist mir nicht,
ich entscheide mich ruhig zu bleiben,
doch ruhig bin ich nicht,
ich höre den Hass, ich höre die Worte,
und die die nicht betroffen sind sagen leicht dahin:
„das betrifft mich nicht,
es kann mich nicht treffen,
es hat nichts mit mir zu tun,
lass sie doch reden“
aber es macht etwas mit mir,
es macht mich traurig,
es macht mich wütend.

Ich gehe hinaus und kann so vieles nicht tun,
bin in so vielem beschränkt,
da ist kein Platz im Bus,
kein Platz im Theater,
kein Platz im Kino,
keiner im Café,
da ist kein Platz im Kleidergeschäft,
kein Platz für einen Körper wie meinen,
selbst beim Gehen auf der Straße,
wo ist Platz für mich?
Platz für meinen dicken/fetten Körper?
und ich atme durch und schaffe mir Platz.

Doch das ist harte Arbeit,
das ist ein echter Kampf,
einfach nur hier zu stehen und
den Raum einzunehmen, den mensch braucht,
mit der Anfeindung fertig zu werden,
und mit den eigenen Gefühlen,
das ist echt harte Arbeit,
und sie beginnt jeden Tag von neuem.

Meinen Raum zu haben,
ihn zu erfüllen, ihn auszufüllen,
dass gehört zum Menschsein dazu,
und ich lasse mir mein Menschsein nicht nehmen.

verfasst von Malena Glück

Wertschätzender Umgang mit dem Körper

„Als Kind einer dicken Mutter und selbst dicke Mutter interessiere ich mich dafür meinem Kind grundlegende Werte von Würde und Achtung einem jedem Mitmenschen gegenüber zu vermitteln. Ich versuche meinem Sohn Selbstliebe und Freude am eigenen Leben vorzuleben und sein eigenes Körpergefühl zu stärken – damit er selbst ein positives Körperbild entwickeln kann. Als Mutter interessiere ich mich auch dafür was Kindern beigebracht wird und wie wir Kindern einen liebevollen, wertschätzenden und würdevollen Umgang mit ihrem eigenen Körper und aber auch mit den Körpern anderer beibringen können.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

body activism

„All body issues (we’re talkin‘: race, ability, gender, age etc etc etc) must be included in our body activism if we want to create change. All of them. Because, even if you are not invested in other people’s safety in this world (I hope that changes for you, but even if it doesn’t) all oppression is connected. And as long as one group is being harmed, none of us will ever see real safety in our future.“

Jes Baker

Rund herum ein Panzer

Rund herum ein Panzer,
doch keiner der beschützt,
kein Schild das abhält,
sondern eines das einlädt,
aber nichts, dass ich gerne eingeladen hätte,

rund herum ein Panzer,
aber alles trifft genau,
und Worte hallen nach,
sie rollen von allen Seiten an mich heran,
und sie stechen mich hier,
und sie schneiden mich da,

rund herum ein Panzer,
und ich bin immer sichtbar,
kann gar nicht anders sein,
kann mich nicht verstecken,
wie ein Berg, so riesig,
wie ein Meer, so weit,
wie die Sonne strahlend,
und das zu jeder Zeit,

rund herum ein Panzer,
und alles was mir bleibt sind meine Gedanken,
alles was mir bleibt bin ich selbst,
und ich denke gutes von mir,
denke gutes von meinem Panzer,
der kein Panzer ist,
ich entscheide mich zu lieben,
ich entscheide mich zu freuen,
ich entscheide keinen Panzer zu tragen,
sondern einfach dick und fett zu sein.
Und bin damit glücklich.

verfasst von Malena Glück

I don’t like being the victim of fatphobia

„As a queer woman I’ve been told that if I don’t like being the victim of homophobia I should date a dude. As a fat woman I’ve been told that if I don’t like being the victim of fatphobia I should become thin.  In both cases it doesn’t actually matter if it’s possible to change myself, because the cure for social stigma is ending social stigma – not for stigmatized people to try to squeeze ourselves in a mold someone else created for us. I will not try to manipulate my body size for some kind of twisted victim-blaming concept of “revenge.” I will wield my beautiful fat body like a weapon.  I will love it, I will care for it, I will move it, I will show it in public, I will viciously defend my body against anyone who seeks to classify it as anything but amazing. The problem here isn’t how we look, it’s that people bully us for how we look. I don’t care about revenge, but I do demand social change.“

Ragen Chastain

Wie das Leben so spielt

erlebt und geschrieben von Malena Glück

Es war einmal eine Prinzessin, die mit ihrer runden, weichen Form so manche Blicke erntete. Nicht alle waren freundlicher Natur. Wenn die Prinzessin einen guten Tag hatte schob sie diese bösen Blicke auf den Umstand des Neides. Sie selbst sah sich gerne im Spiegel an und fand gar nichts dabei anders als viele auszusehen. Alles in ihrem Schloss war ihren Bedürfnissen angepasst und so lebte sie hier auch ein sehr glückliches Leben.

Eines Tages hatte sie genug vom allein sein. So nahm sie gerne die reichlichen Einladungen der unterschiedlichsten Verehrer an. Doch stets musste sie feststellen: die waren ganz und gar nicht nach ihrem Geschmack. Viele stellten sich gleich beim ersten Treffen als unpassend heraus. Entweder waren es ihre abwertenden und abfälligen Blicke auf den dicken Körper der Prinzessin oder ihre beleidigende Art mit ihr zu reden. Sie redeten so als müsste sie sich glücklich schätzen, dass die verehrten Herren sich mit ihr abgaben. Das fand die Prinzessin aber nicht. Ihre dicke Figur war für sie selbstverständlich und das Benehmen der Prinzen einfach empörend. So etwas kam ihr nicht ins Schloss.

Es gab auch einen mit dem sprach sie länger. Es stellte sich heraus, er würde sie verlassen wenn seine Traumfrau käme und ihn wolle (wobei er sich selbstmitleidig nicht viele Chancen auf so ein „Wunder“ ausrechnete). Die Prinzessin war geduldig und hörte sich alles an. Aber so jemanden zu ihrem Mann zu machen, das viel ihr im Traum nicht ein. Sie disqualifizierten sich alle selbst.

Von einem dieser vergeudeten Nachmittage nun schon etwas mürrisch fuhr sie abends zu einem Ball. Diese festliche Veranstaltung konnte sie nicht umgehen – schließlich auch als Prinzessin hat man Pflichten. So stieg sie genervt in ihre eigens für sie gefertigte Kutsche und plante schon während der Fahrt ihr frühzeitiges Verlassen des Balles um sich des späteren Abends noch ein gutes Buch zu gönnen.

Plötzlich holperte der Wagen, es krachte laut und der Wagen stoppte abrupt. Die Prinzessin schälte sich aus der Kutsche und kam etwas mitgenommen am Straßenboden zum Stehen. Der Kutscher und sein Zögling waren untröstlich. Sie machten sich daran die Kutsche zu reparieren. Die Reparatur würde länger dauern aber es war auch noch ein ganzes Stück weit zum Gehen.

Die Prinzessin ließ Kutscher und Zögling bei der Kutsche zurück und schritt verärgert die Straße entlang zum Schloss. Sie war ziemlich sauer. Sie war nicht für einen Spaziergang gekleidet. Das Schicksal, so dachte die Prinzessin finster, war heute nicht auf ihrer Seite. Sie würde viel zu spät zum Ball kommen und alle guten Plätze wären dann schon belegt. Die Vorstellung, jetzt auch noch die ganze Zeit stehen zu müssen, war ihr ein Graus. Dafür hatte sie eindeutig nicht die passenden Schuhe an. Dieser innere Dialog flammte ihren Zorn immer mehr auf und der war es wohl, der sie den langen Fußweg meistern ließ.

Endlich kam sie ramponiert, müde, gereizt und viel zu spät beim Schloss an. Keuchend stampfte sie wenig elegant die Stiegen hoch. Sie war verschwitzt, ihr Kleid war schmutzig und sie zog ein grantiges Gesicht auf dem zu lesen war: sprich mich nicht an oder du wirst gefressen. Mürrisch schritt sie an den Wachen vorbei, die bemüht waren rasch zur Seite zu sehen und der Prinzessin ja keinen Grund zu geben sich mit ihnen näher zu beschäftigen. Etwas leiser werdend aber immer noch schnaubend ging sie durch den Eingangsbereich zum Ballsaal. Dem Ausrufer strafte sie mit einem bösen Blick und kam so unbemerkt hinein.

Drinnen waren wie schon gedacht alle Plätze vergeben und der Ball war im vollen Gange. Sie wollte jetzt nur mehr eine Verschnaufpause und unentdeckt den Abend irgendwie hinter sich bringen. Sie stapfte hinter eine der Säulen. Auch hier standen einige Bekannte, die der Etikette nach eine Begrüßung einforderten. Und dann war da ein unbekannter Mann, der sich ebenfalls freundlich vorstellte. Ihm gefror jedoch jedes weitere Wort nachdem sie ihm mit ihrem bissigen Blick durchbohrte und ihm dann ohne weiteres  ihre kalte Schulter zeigte.

Nach einer Weile verflog der erste Stress dieses anstrengenden Abends und sie bedachte sich wieder ihrer höfflichen Herkunft als Prinzessin. Sie wandte sich noch einmal dem Unbekannten zu und entschuldigte sich aufrichtig für ihre Unhöflichkeit. Sofort begann ein wunderbares Gespräch bis sie so sehr miteinander beschäftigt waren und ineinander vertieft waren, dass sie gar nicht mehr bemerkten was um sie herum geschah. Und als es Mitternacht schlug da küsste der Prinz die Prinzessin. Er liebte alles an ihr und sie liebte alles an ihm. Jetzt hatte sie ihre Liebe gefunden. Seit da leben sie gemeinsam glücklich zusammen und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

hard to be a self-loving fatty

„I’ve been working in the body  positive, Fat Acceptance and Health At Every Size movements for nearly 20 years now.  And while certain things have gotten better and certain things have gotten worse, one thing is consistent. It’s tough.  I mean really tough.  And I admit that I have certain privileges that many others in the space don’t have.  I’m sort of medium fat.  That means I face fat discrimination but nothing like as much as bigger fats.  I am white and cisgendered and heterosexual among my many, many other privileges.  And even with these privileges it’s hard to be a self-loving fatty in this world.“

Jeanette DePatie (AKA The Fat Chick)