body activism

„All body issues (we’re talkin‘: race, ability, gender, age etc etc etc) must be included in our body activism if we want to create change. All of them. Because, even if you are not invested in other people’s safety in this world (I hope that changes for you, but even if it doesn’t) all oppression is connected. And as long as one group is being harmed, none of us will ever see real safety in our future.“

Jes Baker

Die Erforschung des Dickseins

verfasst von Christine Abdel Maguid-Fiedler

In den letzten Jahren beschäftigt sich die medizinische Wissenschaft intensiver mit der Erforschung der „Volksseuche Nr.1“. Es scheint in das Bewusstsein der Forschung eingedrungen zu sein, dass nicht alle dicken Menschen einfach undisziplinierte Fresssäcke sind, deren Mägen man verkleinern muss, um sie der gültigen Körpernorm anzupassen. Natürlich wird auch das immer noch gemacht, und es gibt weltweit viele Institutionen, die Übergewichtschirurgie als das alleinige Lösungsmittel für Adipositas propagieren.

Allerdings stellt sich den Forschern immer mehr die Frage, warum es immer noch so viele dicke Menschen gibt. Von einer Endemie ist sogar die Rede, da muss es doch auch andere Ursachen geben, als nur unkontrolliertes Essen.

Ich möchte hier einen kurzen Überblick geben, was die Wissenschaft im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren so alles herausgefunden hat. Weiterlesen

„Da die Züchtigungsziele auf maximale Leistungsfähigkeit und Produktivität ausgerichtet sind, wurde die Frage nach der Gesundung des ‘geschädigten Volkskörpers’ im Zusammenhang mit den dafür notwendigen allgemeinen Erhaltungskosten gestellt: ’Was kosten die schlechten Elemente dem Staat?‘(…)Arbeitsunfähige Personen, Invalide, Kranke oder Alte stellen nach diesem Kalkül als ‘Unproduktive’ eine Belastung für den Staat und die öffentlichen Einrichtungen dar. Ihre Denunziation als ’leere Menschenhüllen‘ oder ‘Balllastexistenzen’ legitimiert den Diskurs um deren Ausschaltung aus dem Fortpflanzungsgeschehen. Das idealisierte Bild des perfekten Volkskörpers verlangte nach Opfern.“

Lisbeth N. Trallori

(Der Körper als Ware, mandelbaum kritik und utopie, Wien 2015, S.113f)

Ich, der Kinderwagen!

„Ja ich bin ein Fass und ja ich kann mich nicht auflösen und ja der Kinderwagenplatz, diese kleine Nische ist wunderbar für mich und bietet mir genug Platz zum Stehen und ja ich verfalle wenn ich sehe dass jetzt ein Kinderwagen bei mir einsteigt und ich weiß nicht wohin ich verschwinden soll – ich kann mich nicht auflösen, ich kann mich nicht kleiner machen, ich kann mich nicht zusammenfalten oder was einziehen, das hat bei mir gar keinen Sinn – und nein ich kann mich nicht in den Spalt zwischen den sitzen auf der einen Seite und Kinderwagen auf der anderen Seite zwängen. Und wenn ich in dem Gelenk stehe, dann habe ich Angst wenn vor mir und hinter mir ein Kinderwagen am Kinderwagenplatz steht, dass ich nicht daran vorbei komme und aussteigen kann – ich sitze fest. also was tun wenn ein Kinderwagen doch einsteigt – flüchten nur wohin?“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Wie das Leben so spielt

erlebt und geschrieben von Malena Glück

Es war einmal eine Prinzessin, die mit ihrer runden, weichen Form so manche Blicke erntete. Nicht alle waren freundlicher Natur. Wenn die Prinzessin einen guten Tag hatte schob sie diese bösen Blicke auf den Umstand des Neides. Sie selbst sah sich gerne im Spiegel an und fand gar nichts dabei anders als viele auszusehen. Alles in ihrem Schloss war ihren Bedürfnissen angepasst und so lebte sie hier auch ein sehr glückliches Leben.

Eines Tages hatte sie genug vom allein sein. So nahm sie gerne die reichlichen Einladungen der unterschiedlichsten Verehrer an. Doch stets musste sie feststellen: die waren ganz und gar nicht nach ihrem Geschmack. Viele stellten sich gleich beim ersten Treffen als unpassend heraus. Entweder waren es ihre abwertenden und abfälligen Blicke auf den dicken Körper der Prinzessin oder ihre beleidigende Art mit ihr zu reden. Sie redeten so als müsste sie sich glücklich schätzen, dass die verehrten Herren sich mit ihr abgaben. Das fand die Prinzessin aber nicht. Ihre dicke Figur war für sie selbstverständlich und das Benehmen der Prinzen einfach empörend. So etwas kam ihr nicht ins Schloss.

Es gab auch einen mit dem sprach sie länger. Es stellte sich heraus, er würde sie verlassen wenn seine Traumfrau käme und ihn wolle (wobei er sich selbstmitleidig nicht viele Chancen auf so ein „Wunder“ ausrechnete). Die Prinzessin war geduldig und hörte sich alles an. Aber so jemanden zu ihrem Mann zu machen, das viel ihr im Traum nicht ein. Sie disqualifizierten sich alle selbst.

Von einem dieser vergeudeten Nachmittage nun schon etwas mürrisch fuhr sie abends zu einem Ball. Diese festliche Veranstaltung konnte sie nicht umgehen – schließlich auch als Prinzessin hat man Pflichten. So stieg sie genervt in ihre eigens für sie gefertigte Kutsche und plante schon während der Fahrt ihr frühzeitiges Verlassen des Balles um sich des späteren Abends noch ein gutes Buch zu gönnen.

Plötzlich holperte der Wagen, es krachte laut und der Wagen stoppte abrupt. Die Prinzessin schälte sich aus der Kutsche und kam etwas mitgenommen am Straßenboden zum Stehen. Der Kutscher und sein Zögling waren untröstlich. Sie machten sich daran die Kutsche zu reparieren. Die Reparatur würde länger dauern aber es war auch noch ein ganzes Stück weit zum Gehen.

Die Prinzessin ließ Kutscher und Zögling bei der Kutsche zurück und schritt verärgert die Straße entlang zum Schloss. Sie war ziemlich sauer. Sie war nicht für einen Spaziergang gekleidet. Das Schicksal, so dachte die Prinzessin finster, war heute nicht auf ihrer Seite. Sie würde viel zu spät zum Ball kommen und alle guten Plätze wären dann schon belegt. Die Vorstellung, jetzt auch noch die ganze Zeit stehen zu müssen, war ihr ein Graus. Dafür hatte sie eindeutig nicht die passenden Schuhe an. Dieser innere Dialog flammte ihren Zorn immer mehr auf und der war es wohl, der sie den langen Fußweg meistern ließ.

Endlich kam sie ramponiert, müde, gereizt und viel zu spät beim Schloss an. Keuchend stampfte sie wenig elegant die Stiegen hoch. Sie war verschwitzt, ihr Kleid war schmutzig und sie zog ein grantiges Gesicht auf dem zu lesen war: sprich mich nicht an oder du wirst gefressen. Mürrisch schritt sie an den Wachen vorbei, die bemüht waren rasch zur Seite zu sehen und der Prinzessin ja keinen Grund zu geben sich mit ihnen näher zu beschäftigen. Etwas leiser werdend aber immer noch schnaubend ging sie durch den Eingangsbereich zum Ballsaal. Dem Ausrufer strafte sie mit einem bösen Blick und kam so unbemerkt hinein.

Drinnen waren wie schon gedacht alle Plätze vergeben und der Ball war im vollen Gange. Sie wollte jetzt nur mehr eine Verschnaufpause und unentdeckt den Abend irgendwie hinter sich bringen. Sie stapfte hinter eine der Säulen. Auch hier standen einige Bekannte, die der Etikette nach eine Begrüßung einforderten. Und dann war da ein unbekannter Mann, der sich ebenfalls freundlich vorstellte. Ihm gefror jedoch jedes weitere Wort nachdem sie ihm mit ihrem bissigen Blick durchbohrte und ihm dann ohne weiteres  ihre kalte Schulter zeigte.

Nach einer Weile verflog der erste Stress dieses anstrengenden Abends und sie bedachte sich wieder ihrer höfflichen Herkunft als Prinzessin. Sie wandte sich noch einmal dem Unbekannten zu und entschuldigte sich aufrichtig für ihre Unhöflichkeit. Sofort begann ein wunderbares Gespräch bis sie so sehr miteinander beschäftigt waren und ineinander vertieft waren, dass sie gar nicht mehr bemerkten was um sie herum geschah. Und als es Mitternacht schlug da küsste der Prinz die Prinzessin. Er liebte alles an ihr und sie liebte alles an ihm. Jetzt hatte sie ihre Liebe gefunden. Seit da leben sie gemeinsam glücklich zusammen und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

hard to be a self-loving fatty

„I’ve been working in the body  positive, Fat Acceptance and Health At Every Size movements for nearly 20 years now.  And while certain things have gotten better and certain things have gotten worse, one thing is consistent. It’s tough.  I mean really tough.  And I admit that I have certain privileges that many others in the space don’t have.  I’m sort of medium fat.  That means I face fat discrimination but nothing like as much as bigger fats.  I am white and cisgendered and heterosexual among my many, many other privileges.  And even with these privileges it’s hard to be a self-loving fatty in this world.“

Jeanette DePatie (AKA The Fat Chick)