„Personengruppen , die qua äußerlicher Erscheinung oder aber sichtbarer Körperpraktiken als ›gefährlich‹ wahrgenommen werden, werden entsprechend aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen. Sie werden in der Stigmatisierung und dem auf diese folgenden Ausschluss zu marginalisierten Körpern. Sie werden als bedrohlich wahrgenommen, weil sie zum einen die Angst vor der Exklusion und der damit zusammenhängenden potenziellen Verelendung verkörpern. Zum anderen sichert die Angst vor der drohenden Marginalisierung das Funktionieren der Norm ab, einer flexiblen Norm der Modulation, an der sich möglichst unauffällige, konforme Körer ausrichten. Diese Norm stabilisieren die herrschenden Diskurse von Eigenverantwortung und Individualisierung  gesellschaftlich produzierter Unsicherheiten und Risiken. Abgesichert werden diese neo-liberalen Diskurse über die Konstruktion von Risiko-Populationen und damit von Risikokörpern, d.h. kranken, behinderten, alten, dicken Körper, die als gesundheitspolitisches ›Problem‹ für den reibungslosen Verwertungsprozess kollektiver Körper produziert werden. Wenn das zeitgenössische Narrativ als eines von Sicherheit und Gefahr beschrieben werden kann, in dem sich gesellschaftliche Ängste und Teilhabe codieren, dann sind die ›gefährlichen‹ Körper die außergewöhnlichen Körper von heute.“

Imke Schmincke

(‘Außergewöhnliche Körper’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.24)

body size and health?

„When it comes to body size and health right now the world is pretty messed up -people insist that bodies are good or bad depending on what size they are and there’s a lot of prejudice, negative body talk, and bullying that happens around size.  There are even some doctors who believe this, and even think that they can make guesses about how healthy someone is by what they look like.  The truth is that people come in lots of different sizes for lots of different reasons and all bodies are good bodies.“

Ragen Chastain

Dicksein / Fettsein und ungewollte Fotos

„Seit jedes Handy annehmbare Fotos machen kann ist es als Dicke manchmal recht unangenehm – jetzt folgt nicht ein Zeigefinger, ein starrer Blick des Entsetzens oder ein verstohlenes Kopfzeichen zum Nachbarn und hämisches Gelächter  sondern es wird einfach ein Foto geschossen und herzhaft und immer wieder von neuem über uns hergezogen. Eventuell landet es im Internet mit Spott, Hohn und Dickenhass versehenen Mitteilungen. Mein Körper gehört mir, er dient nicht eurem Begaffen, er dient nicht eure Hetze, er dient nicht eurer Belustigung und eurem Voyeurismus. Unsere dicken/fetten Körper gehören euch nicht, also schämt euch für eure Anmassung ein Foto von uns ohne unsere Erlaubnis zu machen. Wir schämen uns nicht für unsere Körper. Und wir lassen uns auch keine Scham mehr einreden. Wir erlauben es nicht, dass ihr uns zum Objekt eures Spottes und Hasses macht. Wir sind alle Menschen.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Es ist heiß und ich schwitze

Es ist heiß und ich schwitze,
meine Jacke fällt, kann sie nicht mehr tragen,
es ist heiß und ich schwitze,
meine Socken müssen fort, kann sie nicht mehr tragen,
es ist heiß und ich schwitze,
eine kurze Hose muss jetzt sein, und die Haare auf den Beinen?
es ist heiß und ich schwitze,
also meine dicken Arme zeigen, und die Haare unter den Achseln?
es ist heiß und ich schwitze,
also was soll es, es gibt nichts zu verstecken,
meine Warzen am Hals, meine Beulen am Bein,
meine Haare am Kinn, meine Streifen am Bauch,

es ist heiß und ich schwitze,
und ich zeige mich, meinen Körper,
ich verhülle mich nicht,
und ich ernte die Blicke, und ich ernte den Spott,
und ich ernte den Hass und die Worte und den Zorn,
es wird gepöbelt, wird gelästert, wird die Nase gerümpft,

es ist heiß und ich schwitze,
und ich lasse mich nicht in Kleider sperren,
und auch nicht in Konventionen oder in Modetrends,
also kurz und eng und knapp – bedecke ich was notwendig ist,
und kleide mich wie ich mich wohlfühle,
und zwar vor allem auch dem Wetter nach.

Es ist heiß und ich schwitze,
das bin ich und ich nehme mich so wie ich bin.
Ich lebe mit mir,
und ich nehme mir das was ich brauche,
auch die Freiheit mich so zu zeigen wie ich bin,
die Freiheit meinen Körper zu zeigen wie er eben ist.

Es ist heiß und ich schwitze,
und ich erfreue mich am Sommer,
an der Sonne und am Sonnenschein.

verfasst von Malena Glück