Die Erforschung des Dickseins

verfasst von Christine Abdel Maguid-Fiedler

In den letzten Jahren beschäftigt sich die medizinische Wissenschaft intensiver mit der Erforschung der „Volksseuche Nr.1“. Es scheint in das Bewusstsein der Forschung eingedrungen zu sein, dass nicht alle dicken Menschen einfach undisziplinierte Fresssäcke sind, deren Mägen man verkleinern muss, um sie der gültigen Körpernorm anzupassen. Natürlich wird auch das immer noch gemacht, und es gibt weltweit viele Institutionen, die Übergewichtschirurgie als das alleinige Lösungsmittel für Adipositas propagieren.

Allerdings stellt sich den Forschern immer mehr die Frage, warum es immer noch so viele dicke Menschen gibt. Von einer Endemie ist sogar die Rede, da muss es doch auch andere Ursachen geben, als nur unkontrolliertes Essen.

Ich möchte hier einen kurzen Überblick geben, was die Wissenschaft im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren so alles herausgefunden hat. Weiterlesen

Rund herum ein Panzer

Rund herum ein Panzer,
doch keiner der beschützt,
kein Schild das abhält,
sondern eines das einlädt,
aber nichts, dass ich gerne eingeladen hätte,

rund herum ein Panzer,
aber alles trifft genau,
und Worte hallen nach,
sie rollen von allen Seiten an mich heran,
und sie stechen mich hier,
und sie schneiden mich da,

rund herum ein Panzer,
und ich bin immer sichtbar,
kann gar nicht anders sein,
kann mich nicht verstecken,
wie ein Berg, so riesig,
wie ein Meer, so weit,
wie die Sonne strahlend,
und das zu jeder Zeit,

rund herum ein Panzer,
und alles was mir bleibt sind meine Gedanken,
alles was mir bleibt bin ich selbst,
und ich denke gutes von mir,
denke gutes von meinem Panzer,
der kein Panzer ist,
ich entscheide mich zu lieben,
ich entscheide mich zu freuen,
ich entscheide keinen Panzer zu tragen,
sondern einfach dick und fett zu sein.
Und bin damit glücklich.

verfasst von Malena Glück

Ich, der Kinderwagen!

„Ja ich bin ein Fass und ja ich kann mich nicht auflösen und ja der Kinderwagenplatz, diese kleine Nische ist wunderbar für mich und bietet mir genug Platz zum Stehen und ja ich verfalle wenn ich sehe dass jetzt ein Kinderwagen bei mir einsteigt und ich weiß nicht wohin ich verschwinden soll – ich kann mich nicht auflösen, ich kann mich nicht kleiner machen, ich kann mich nicht zusammenfalten oder was einziehen, das hat bei mir gar keinen Sinn – und nein ich kann mich nicht in den Spalt zwischen den sitzen auf der einen Seite und Kinderwagen auf der anderen Seite zwängen. Und wenn ich in dem Gelenk stehe, dann habe ich Angst wenn vor mir und hinter mir ein Kinderwagen am Kinderwagenplatz steht, dass ich nicht daran vorbei komme und aussteigen kann – ich sitze fest. also was tun wenn ein Kinderwagen doch einsteigt – flüchten nur wohin?“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Eure Blicke

Ich gehe durch die Straßen,
eure Blicke treffen mich,
sie starren auf meine dicken Beine,
das wackelnde Fett,
sie starren auf meinen Bauch,
die volle Fülle,
sie starren auf meine hängenden Brüste,
die weiche Masse,
sie starren auf mein Kinn,
mit samt seiner Umrahmung,
sie treffen meine Augen und blicken weg,
als hätten sie etwas verbotenes gemacht,
als wäre es ihnen unangenehm,
sie gehen an mir vorbei,
sie rempeln mich oder ducken sich,
sie wissen nicht so recht,
ich nehme so viel Platz…

und ich begegne euren Blicken,
und sie treffen mich,
und dennoch nehme ich mir den Platz,
ich mache mich nicht klein,
ich weine nicht und ich stoppe den eigenen inneren Dialog,
ich höre nicht hin auf den Hass, der in manchen eurer Blicke ruht,
ich begegne euren Blicken,
und gehe weiter, atme weiter,
ich habe Platz in all meiner Fülle,
und ich nehme ihn mir,
ich stehe zu mir,
manchmal stehe ich allein…

manchmal da ist es echt hart euren Blicken zu begegnen,
da brauche ich jemanden der mich erinnert,
der mich erinnert, dass ich ein Mensch bin und kein Ding,
also bin ich heute für alle anderen,
diese Erinnerung, damit sie es für mich sein können,
wenn ich sie brauche,
ich begegne euren Blicken,
wandle hoch erhobenen Hauptes meines Weges,
und nehme den Platz ein, der mir zu steht,
und ich alleine bestimme wieviel das ist,
denn ich bin ein Mensch in voller Pracht,
und ich begegne euren Blicken mit Würde und Respekt,
begegne eurem Hass mit Mitgefühl und Nachsicht,
und ich nehme lachend meinen Platz ein….

verfasst von Malena Glück

Dickenbewegung

geschrieben von Malena Glück

Seit Gründung der ARGE Dicke Weiber im September 2009 entwickelte sich in mir ein Bewusstsein für die gesellschaftlichen Strukturen, die dicke/fette Menschen zu Menschen zweiter Klasse herabsetzten. Diese gesellschaftlichen Strukturen sorgen dafür, dass dicke/fette Personen zunehmend aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Verinnerlichte Gedankenstrukturen sorgen dafür, dass wir diese gesellschaftlichen Verhältnisse aufrechterhalten und immer wieder von neuem erschaffen und verschärfen. Weiterlesen

But Is It Healthy?

„One of the pieces that my partner and I have been developing is a dance called But Is It Healthy? This is the question that people always ask whenever I talk about fat stuff in public. Sometimes I place bets with friends and colleagues about whether it will be the first question.
When people ask me if fat is healthy or not, they are looking for a yes or no answer, and they expect someone to have that answer, which they believe is based in expert scientific research. But it is an impossible question to answer, not least because fat people are a diverse group, health is constructed in myriad ways, and expert science is not incontrovertible.
I have become sick of this question. Whilst I cannot control who asks it, I can make choices in how I answer. So now I have a dance that I can do whenever it arises, and this feels a lot more satisfying.“

Dr Charlotte Cooper 

Gängiger Irrglaube

„Als dicker Mensch über Ernährung zu reden – disqualifiziert dich im Auge deines Gegenübers bereits bevor ein Gespräch überhaupt begonnen hat. Gängiger Irrglaube ist: du als dicke/fette Person weißt gar nichts zu diesem Thema beizutragen außer wie es eben nicht geht oder wie mensch es eben nicht tun sollte. Schließlich kann angeblich mit Ernährung gesteuert werden, welches Gewicht ein Mensch hat – und dabei gibt es „natürlich“ ein Gewicht das auch jeder Mensch zu haben hat. Worauf sich dieses vorgeschriebene Gewicht stützt ist unterschiedlich – behauptet wird es ginge dabei um das für den Körper vorgesehene und angemessene Maß, dass dem Körper bei richtiger Lebensweise (also auch Ernährung, Bewegung, etc.) die optimale Lebensspanne garantiert.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber