Raumgebendes Miteinander?

Meine Füße tun weh,
sie tragen eine große Last,
ja ich bin schwer, das weiß ich selbst,
mein Rücken der schmerzt vom zu langen Stehen,
will mich setzen, muss mich umsehen,
da ist kein Platz, kein Sitz, kein Raum für mich,
die Türen sind zu klein, die Sessel sind zu eng,

da ist ein Stuhl ohne Lehnen aber er sieht zerbrechlich aus,
ich setze mich, krach und er bricht,
ich stürze mit den Resten des Stuhls zu Boden,
jetzt habe ich blaue Flecken überall,
glück muss ich sagen, es hätte mehr brechen können,
mehr als der Stuhl, bin gut gefallen,
Schmerzen habe ich doch,

dumme Blicke, helfen nicht, verächtliches Kopfschütteln,
erschrockene Gesichter, doch keines ist erschütterter als ich,
mein Herz pumpt rasch, ich rapple mich mühsam auf,
der Stuhl ist hin, ich lebe noch,

so wie diesen Stuhl, da gibt es viele,
beim Arzt, im Kaffee oder in einem Theater,
keiner will passen, keiner hat Platz,
neben Sessel gibt es auch Betten und andere Sachen,
die mit meinem Gewicht mir keine Freude machen,
im Krankenhaus da gibt es wenig Betten,
auch kaum Operationstische, die mich tragen,
Fahrräder oder Autogurte, kann ich lange suchen,

es gibt so viele Dinge auf die ich aufpassen muss,
wo Raum fehlt, wo kein Platz ist,
wo ich mir erst Raum schaffen muss,
Raum für meinen dicken/fetten Körper,
auch in den Köpfen der anderen,
muss erst Raum geschaffen werden,
für meinen dicken/fetten Körper,
für das Dicksein, das Fettsein an sich.
Als müsste ich mir als Dicke/Fette erst einen Platz als Mensch erkämpfen.

Die Bedürfnisse sind anders als Dicke/Fette,
doch Möglichkeiten sind da,
nur als Beispiel: wenn wir nur wollen wäre es möglich Sessel zu haben,
die das Gewicht tragen,
es ist möglich Dicken/Fetten Platz zu schaffen,
und unser Menschsein zu achten.
Und zwar durch die Möglichkeit am Leben,
an der Gesellschaft Anteil zu haben.

Also gehe ich weiter,
auf meinen schmerzenden Beinen,
durch eine Welt,
die mich und meines Gleichen ausschließen will,
und versuche uns Raum zu schaffen,
indem ich ihn mir nehme,
indem ich weiter lebe
und auch mal einen Stuhl zerbreche,
das Porzellan zertrample,
die Grenzen mit meiner Körperfülle ramme,
und mir einfach den Raum nehme,
den ich brauche.

verfasst von Malena Glück

Es ist heiß und ich schwitze

Es ist heiß und ich schwitze,
meine Jacke fällt, kann sie nicht mehr tragen,
es ist heiß und ich schwitze,
meine Socken müssen fort, kann sie nicht mehr tragen,
es ist heiß und ich schwitze,
eine kurze Hose muss jetzt sein, und die Haare auf den Beinen?
es ist heiß und ich schwitze,
also meine dicken Arme zeigen, und die Haare unter den Achseln?
es ist heiß und ich schwitze,
also was soll es, es gibt nichts zu verstecken,
meine Warzen am Hals, meine Beulen am Bein,
meine Haare am Kinn, meine Streifen am Bauch,

es ist heiß und ich schwitze,
und ich zeige mich, meinen Körper,
ich verhülle mich nicht,
und ich ernte die Blicke, und ich ernte den Spott,
und ich ernte den Hass und die Worte und den Zorn,
es wird gepöbelt, wird gelästert, wird die Nase gerümpft,

es ist heiß und ich schwitze,
und ich lasse mich nicht in Kleider sperren,
und auch nicht in Konventionen oder in Modetrends,
also kurz und eng und knapp – bedecke ich was notwendig ist,
und kleide mich wie ich mich wohlfühle,
und zwar vor allem auch dem Wetter nach.

Es ist heiß und ich schwitze,
das bin ich und ich nehme mich so wie ich bin.
Ich lebe mit mir,
und ich nehme mir das was ich brauche,
auch die Freiheit mich so zu zeigen wie ich bin,
die Freiheit meinen Körper zu zeigen wie er eben ist.

Es ist heiß und ich schwitze,
und ich erfreue mich am Sommer,
an der Sonne und am Sonnenschein.

verfasst von Malena Glück

Schwimmend leicht

Im Wasser treiben,
die wärmende Sonne auf der Haut,
frei schwebend oben auf liegen,
wohlige kühle umspült den erhitzten Körper,
alles schwabbelt, alles wabbelt,
ich höre das Lachen der planschenden Kinder,
und lasse mich treiben im wohligen Nass,
dick und rund gleite ich durch die Wellen,
fett und ausgelassen genieße ich den Sommer,
Leichtigkeit erfüllt meinen Körper,
die Schwere fällt ab,
und ich blicke in den wunderbar blauen Himmel über mir,

es wird leichter zu ertragen,
die verstohlenen Seitenblicke, das aufdringliche Starren,
es wird leichter zu ertragen,
hier in den Wellen, in dem Plätschern des Wassers,
zum Himmel blickend, im Wasser liegend,
sich entspannend,
es wird leichter zu ertragen,
angefeindet zu werden – nur aufgrund meines Aussehens,
hier im Wasser bin ich Mensch, bin ich einfach nur ich,
ich bewege mich leicht und frei,
voller Glückseligkeit erfreue ich mich meines Körpers,

der Weg ins Wasser und zurück mag schwierig sein,
braucht Überwindung,
an starrenden Blicken vorbei,
entblößt, mein Körper unverhüllt,
die Kommentare und abwertenden Gesten,
all das schallte ich ab,
hier im Wasser entschwinde ich der Hitze,
und auch all dem Hass,
es ist zu heiß um mich einschränken zu lassen,
zu heiß um mich in meiner Wohnung zu verstecken,
ich brauche die Sonne, das Licht, die Luft,
ich brauche den blauen Himmel,
ich brauche die Kühle des Wassers,
und ich lasse es mir auch nicht nehmen,
mutig überwinde ich mich,
zeige mich, zeige meinen Körper,
husch ins Wasser und lange, lange nicht hinaus.

verfasst von Malena Glück

Bewegung mit Freude

„Es fühlt sich gut an mich nach meinen eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten zu bewegen. Die Musik fließt richtig durch mich durch und ich bin ganz bei mir. Ich bewege mich nur soweit wie es mir gut tut und achte nur auf meinen eigenen Körper, auf dessen Signale von Freude und Glück. Ich spüre in mich hinein und es macht richtig viel Spaß in diesem dicken/fetten Körper der Musik in meinem eigenen Rhythmus zu folgen. Mein dicker/fetter Körper bewegt sich mit Liebe und wackelt voller Freude.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber