Zitat 26 Aug

„Dicke Menschen erfahren täglich aus dem Fernsehen, aus der Zeitung, aus Büchern, aus Filmen, auch bereits aus Spielen, dass sie so wie sie sind nicht angenommen werden. Es wird sich öffentlich über sie lustig gemacht: es gibt kaum Filme, Serien, Artikel oder Romane, die sich neutral oder positiv über Dicke äußern. Meist ekeln sich die Protagonisten vor der dicken oder dem dicken Darsteller, oder sie machen sich über ihn bzw. sie lustig. Doch wenn Sie jetzt glauben die Nachrichten wären eine Ausnahme so irren Sie sich. In den Nachrichten wird Übergewicht als entweder bemitleidenswert oder als selbstverschuldet aber auf jeden Fall krankhaft, ekelhaft und angsteinflößend dargestellt.  Es werden jegliche Vorurteile gegenüber Dicken immer wieder medial aufgearbeitet. Diese mediale Hetzkampagne muss aufhören. Denn Sie führt dazu, dass Menschen glauben es wäre in Ordnung über Dicke zu lachen, sie zu verurteilen, zu beschimpfen, sie zu verachten und sie zu diskriminieren.“

Mitglied der ARGE dicken Weiber

Zitat 14 Aug

„Damit das Geschäft mit den Dicken floriert, genügt es nicht, Mythen zu streuen, mit falschen Zahlen zu operieren und Angst zu verbreiten, es ist auch notwendig, die Opfer wehrlos zu machen: Dicke dürfen nicht aufgrund ihrer ethnischen Herkunft dick sein, sonst müßte man sich den Vorwurf eines neuen Rassismus gefallen lassen. Dicke dürfen aber auch nicht ohne eigenes Verschulden dick sein, das käme einer Diskriminierung Behinderter gleich. (…) Die Psychologin Marlene Schwartz von der Yale University sieht das ähnlich. Das Gesundheitsargument sei allenfalls vorgeschoben, um die Diskriminierung fettleibiger Menschen besser verschleiern zu können. (…) Die Dicken der Gesellschaft als neue Sündenböcke zu präsentieren war eigentlich genial. Denn anders als früher etwa die Hautfarbe oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk ist Dicksein nichts, vor dem man selbst dauerhaft sicher sein kann. (…) Die »Gefahr«, dick zu werden, droht uns allen – ein ganzes Leben lang. Und die Angst davor, womöglich plötzlich zu den neuen Aussätzigen der Gesellschaft zu gehören, veranlaßt viele Menschen, sich völlig sinnlosen, ja sogar kontraproduktiven Maßnahmen zu unterziehen, dafür zu leiden und zu zahlen.“

Udo Pollmer

(Esst endlich Normal! Das Anti-Diät-Buch. Piper Verlag GmbH, München. 4.Auflage März 2011, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Seite 251f)

Das Ende des Versteckens

12 Aug

Das Ende des Versteckens
von Anita Drexler

Es ist jedes Jahr dasselbe. Die Hitze kommt dahergerollt und man möchte sich eigentlich nirgendwo lieber aufhalten als im kühlen Nass eines Schwimmbeckens.

Nur sind Schwimmbäder für viele Dicke negativ besetzte Orte. Man fühlt die abwertenden Blicke der anderen, hört Gekicher und Getuschel à la „die schaut aus, wie eine Knackwurst“ oder „der hängt der Arsch aus der Hose“ und fühlt sich erbärmlich.

Schwimmbäder sind Orte des Ausgeliefert-Seins und der Sommer damit die Zeit, in der man als dicke Frau am meisten das Gefühl hat, in der Gesellschaft nichts verloren zu haben.

Das spiegelt sich auch wider im Umgang mit Badebekleidung für füllige Frauen.

Die Badeanzüge, die es allgemein in Geschäften zu kaufen gibt, sind einfach nicht für Dicke gemacht. Bikinis enden in der Regel bei Größe 44 – zumindest alles, was nicht schwarz ist oder keinen Oma-Print hat.

Das stylishe Neon-Zeugs, das es bei Tezenis uns Co. zu kaufen gibt, hört sowieso oft schon bei Größe 42 auf. Frauen mit Kurven dürfen maximal auf Badeanzüge mit „kaschierenden“ Raffungen oder Tankinis mit großen Mustern hoffen.

Was immer vergessen wird: Auch dicke Haut bräunt und sieht in Leuchtfarben und gewagten Schnitten gut aus – die amerikanische Designerin Gabi Fresh, die dieses Jahr gemeinsam mit dem US-amerikanischen Bademodenhersteller „Swimsuits for all“ ihre zweite Kollektion unter dem Label „Swim Sexy“ herausgebracht hat, beweist es. Die erste Kollektion mit Galaxy-Prints war letztes Jahr im Handumdrehen weg, auch aus der diesjährigen Kollektion sind viele Stücke schon vergriffen.

Dabei sind diese Badeanzüge, zumindest in meinen Augen, nicht einmal das Nonplusultra, setzt sie doch ganz auf den Entwurf der „selbstbewussten kurvigen Frau, die es versteht, Ihre Rundungen gekonnt zu inszenieren“. Nun will halt nicht jede Frau sexy sein. Aber ihre Entwürfe und deren Beliebtheit zeigen dennoch, wie notwendig es ist, diesen Markt noch weiter zu bedienen.

Ich frage mich also: Wo sind die Hersteller, die Produkte auf den Markt bringen, die sich um dicke Probleme wie reibende Oberschenkel (es gibt kaum Produkte mit Bein), raushängende Brüste (die Körbchengrößen spielen sich immer irgendwo zwischen C und DD ab – alles drüber und drunter wird außen vor gelassen) oder aus dem Höschen quellenden Hüftspeck kümmern? Und warum gibt es in ganz Wien nicht ein Geschäft, das wirklich dickenfreundliche Bademode anbietet? Muss man wirklich in den USA bestellen?

Warum muss das Wenige, das angeboten wird, immer dunkel und unscheinbar und hässlich sein? Vielleicht, weil das Eigenschaften sind, die Dicken zugeschrieben werden? Vielleicht, weil der gesellschaftliche Tenor uns sagen will: versteckt euch, schämt euch, macht euch unsichtbar, verändert euch!

Was niemand versteht: Vielleicht wollen wir uns gar nicht verändern. Wir wollen stolz sein auf unsere Körper jenseits der Norm und trotzdem auf unser Recht pochen, uns würdevoll in der Gesellschaft bewegen zu dürfen – dazu gehört auch das Recht, sich vernünftig kleiden zu können.

Unser Kampf ist ein Kampf gegen die Gleichförmigkeit, die Gleichmacherei und die Indoktrinierung durch die Medien.

Was können wir also tun gegen das Diktat des Marktes? Ich sage: den Mund aufmachen. Briefe an Hersteller schreiben. Kaufen, was am Markt ist und zumindest am Rande den eigenen Vorstellungen entspricht und sich nicht mit den erbärmlichen Resten abgeben, die derzeit den heimischen Anbietern vom Reißbrett fallen. Oder gleich Selbermachen und darüber schreiben oder bloggen. Fast die Hälfte der österreichischen Bevölkerung gilt als übergewichtig. Es wäre also genug Potential vorhanden, um den Markt zu verändern. Das ist vielleicht der einzige Vorteil unserer kapitalistischen Konsumgesellschaft. Der Markt diktiert. Die Kunden bestimmen im Endeffekt das Angebot.

Wenn sie sich laut und konsequent genug dafür einsetzen.

Zitat 9 Aug

„Wer mit sich selbst in Frieden leben will, muss sich so akzeptieren, wie er ist.“

Selma Lagerlöf

Zitat 1 Aug

„Wohlbefinden und Selbstliebe stellen sich nicht automatisch ein. Es ist ein lebenslanger Lernprozess.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Bild

Tanzend – Lebend – Dick

30 Jul

TanzendDick

gezeichnet von Malena Glück

Zitat 28 Jul

„Ganz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern.“

Sophia Loren

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