Projekt: Raum einnehmen & Möglichkeiten haben

Es wird mal wieder Zeit für ein paar kleine Tipps für Unternehmungen in Wien als dicker/fetter Mensch. Die ARGE Dicke Weiber war im Kino diesmal im Cineplexx Donau Plex (1220 Wien) und zwar im Film: Wunder.

Zunächst zu den Sitzplätzen: es gibt die Möglichkeit sich einen Lovechair zu teilen. Diese Lovechairs sind auch für zwei dicke Menschen bequem. Es gibt aber von diesen Lovechairs nicht sehr viele und deshalb wäre reservieren wahrscheinlich das Beste, damit man auch ganz sicher einen Lovechair bekommt.

Der Film „Wunder“ behandelt das Thema Mobbing aufgrund äußerer Merkmale – es geht nicht ums Dicksein/Fettsein aber um die Problematik anders auszusehen als andere. Er hat eine positive Botschaft und hinterlässt ein wohliges Gefühl. Optimistisch regt er zum Nachdenken an. Daher können wir ihn gerne empfehlen.

Für alle die eine Freizeitbeschäftigung suchen, die nichts kostet: die ARGE Dicke Weiber war spazieren im  Kurpark Oberlaa. Es gibt für jene die eher gemütlich unterwegs sind, die Möglichkeit mit dem Bus (68A) zum oberen Eingang zu fahren, von dort zu Fuß nach unten zu spazieren und unten in die U1 einzusteigen. Es dauert nicht lange, es ist angenehm ruhig und man ist doch etwas an der frischen Luft.

Hier unsere Eindrücke als kleines Schmankerl:

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Vereinsamung

geschrieben von Malena Glück

Wir unterliegen in unserem Denken sehr häufig gewissen Täuschungen. Eine große Täuschung in Zeiten von Facebook, Twitter, Instagram und Co. liegt darin eingebunden zu sein in menschliche Gemeinschaften. Es täuscht darüber hinweg, dass viele Menschen sehr vereinsamen. Ihre menschlichen Kontakte beschränken sich zunehmend auf das Lesen und Verfassen von Mitteilungen und Bekundungen im Internet.

Ist mensch kein extrovertierter Charakter fällt es einem im realen Leben nicht so einfach Freundschaften zu schließen. Es gibt dazu in der Gesellschaft Weiterlesen

Warum ich dafür plädiere das Trumps Gewicht egal ist!

geschrieben von Malena Glück

Vor ein paar Tagen im Fernsehen kam die Aussage Präsident Trump sollte sich öffentlich wiegen, weil er angeblich bei seinem Gewicht gelogen hat.

Irgendein Arzt hat ihm Gesundheit bescheinigt und alle regen sich auf wegen seinem „Übergewicht“ würde das nicht stimmen können. Auf einmal steht im Raum das ein dicker Mensch kein Präsident sein kann bzw. sollte.

Egal wie mensch zu Trump steht oder nicht, das sind dickenfeindliche Aussagen.

Egal was mensch zu der Tatsache sagt das Trump Präsident ist: jede Aussage über „Übergewicht“, die damit verbundene angebliche „Gesundheitsgefährdung“ in Verbindung mit einer Anzweiflung ob jemand für den Job/Beruf geeignet ist, ist dickenfeindlich.

Sie betätigt das gesellschaftliche Bild von Dicken als unfähig einen Job/Beruf auszuüben sowie als Gesundheitsrisiko.

Aber weil es sich hier um Trump handelt fällt es nicht weiter ins Gewicht? Alle Bewegungen die auf positive Körperbilder aus sind müssten hier aufschreien.

Was ist das für eine Aussage für unsere Kinder: ihr könnt nicht Präsident werden, weil ihr dick seid? Weil ihr den Anforderungen als dicker Mensch nicht entsprechen könnt? Weil ihr ein zu hohes Gesundheitsrisiko tragt? Ihr könnt euer Land nicht repräsentieren, weil ihr einen dicken Körper habt?

Und wir sollen angeblich gerade einen Aufschwung erleben von positiven Körperbildern und „Body positiv“-Bewegungen. Also bei mir ist da nichts zu spüren. Das ist wohl eher mehr Schein als Sein.

Die Internetkultur zeigt sich vor allem durch Flüchtigkeit und kurzem, spontanen Aufflackern ohne langlebig, aufrichtig für seine Überzeugungen einzustehen. Ein „Like“ oder „Dislike“ ist schnell angeklickt, das auch zu leben und zu verwirklichen ist schon was ganz anderes.

Verantwortungsvolles Benehmen und verantwortungsvolles, nachhaltiges Verhalten ist in Zeiten von „facebook“, „twitter“, „Instagramm“ nicht mehr angesagt – es wird geteilt, geklickt, gelikt und nach drei Tagen ist es vergessen. Gut manchmal geht es ein Jahr und dann hat es auch keine vertiefenden, gesellschaftlichen Auswirkungen. Es verändert nichts.

Gerade noch wird gelikt mensch solle nicht nach seinem Aussehen beurteilt werden schon heißt es der Präsident lügt wegen seinem „Übergewicht“ – Trump kann ja wegen vielem beurteilt werden und hinterfragt werden aber weil er wegen seinem Gewicht lügt?

Entschuldigung da muss man sich ja als Körperaktivistin an den Kopf greifen. Sein Gewicht geht niemanden etwas an. Was für einen einzelnen Menschen gilt muss auch für Trump gelten. Niemanden geht das Gewicht oder die Gesundheit eines anderen Menschen an – auch nicht wenn derjenige Präsident ist.

Nein, mensch muss nicht alles preisgeben für einen Beruf – auch nicht als Präsident. Der Präsident versinnbildlicht hier ein gesellschaftliches Bild, das auf alle anderen Menschen umgemünzt werden kann. Als Körperaktivistin setze ich mich dafür ein, dass wir nicht nach unserem Körper, Aussehen und Gewicht beurteilt werden.

Es geht also gar nicht, dass darüber diskutiert wird: ob jemand wegen seinem Körper, Aussehen und Gewicht geeignet oder nicht geeignet für einen Job/Beruf ist. Das geht definitiv gegen mein Verständnis von Menschenwürde. Wir müssen an anderen Kriterien messen ob jemand seinen Job/Beruf ausüben kann als sein „Übergewicht“ oder ob die Person der Menschheit sein Gewicht mitteilen will oder nicht (und deswegen lügt).

Ihn vorführen zu wollen indem man vorschlägt ihn öffentlich zu wiegen ist widerlich und entbehrt jegliche Menschenwürde.

Allein die Vorstellung sich öffentlich wiegen zu müssen, so wie es in Schulen oft üblich ist, ist für viele dicke Menschen grauenhaft. Es beraubt uns unserer Menschenwürde, wer so etwas in der Schule erlebt hat weiß wovon ich spreche. Auch in einer kleinen Gruppe ist das bereits öffentlich, denn für ein Kind sind bereits drei bis vier andere Mitschülerinnen oder Mitschüler viel. Vor allem kann man sich den Spott und Hohn sicher sein, der dann darauf in der ganzen Klasse folgt.

Wer den Schularzt schon erlebt hat und die dazugehörige Belustigung der anderen Kinder sowie die Beschämung und die Scham die mensch dabei fühlt eben nicht das Gewicht zu haben sondern „Übergewicht“, weiß um die menschenverachtenden Mechanismen hinter der zur Schaustellung des Wiegens eines Menschen in der Öffentlichkeit.

Aber es wird zur Kenntnis genommen. Hingenommen wie das Menschenbild das dahintersteckt. Der Körperaktivismus im Zeitalter des Internets hat keine Nachhaltigkeit im Kopf der Menschen. Vereinzelt werden Gedanken mit einem „like“ versehen aber sie greifen nicht tief, bleiben Sprüche im Kopf ohne ins Herz zu wandern. Ohne Handlungen, die darauf folgen.

Wo ist der Aufschrei nach solchen Kommentaren selbst wenn es Trump betrifft? – Denn es betrifft uns alle! Die dahinterliegenden Gesellschaftsstrukturen und gesellschaftlichen Menschenbilder betreffen uns alle! Diese gehören geändert und nicht einfach nur mit „like“ und „dislike“ versehen. Dieses Nachaußen bin ich bei der Bewegung dabei aber innerlich verändert sich nichts – ist eben mehr Schein als Sein. Wir sind dafür verantwortlich unsere Meinungen zu verwirklichen und zu leben und nicht nur schwammig im Internet dem Mainstream zu folgen und wiederzugeben. Wir müssen weniger „liken“ und mehr hinterfragen. „Body positiv“ also Körper-positive Menschenbilder gehören gelebt, auch vorgelebt.

Es kann nicht sein, dass wir wirklich jemanden auffordern (selbst im Scherz, der keiner ist – ich fand es nicht lustig, sondern erschreckend) sich öffentlich zu wiegen! Es kann aber auch nicht sein, dass wir Gesundheitsrisiko „Übergewicht“ zum Ausschlusskriterium für bestimmte Berufe machen.

Als Menschen, die erfinderisch sind und kreativ, muss es doch viele Möglichkeiten geben Berufe auch zum Beispiel für dicke Menschen zugänglich zu machen – vielleicht ist es nicht gerade im Interesse das zu tun, weil es gar nicht genug Arbeitsplätze gibt aber auch hier besteht sicher die Möglichkeit mit Kreativität und Erfindungsgeist neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Wir müssen nur endlich aus unseren festgefahrenen Gedankenmuster und Gedankenbilder herauskommen und unser volles Potential als Menschen nutzen. Dazu bedarf es aber auch den Willen es zu verwirklichen und zu leben – und eben nicht nur zu liken bzw. zu disliken oder schlimmer Hasspostings zu schreiben.

In diesem Sinne auf ein Schaffen tiefer-gehender gesellschaftlicher Veränderungen durch das kreative Denken, Verwirklichen und Leben von neuen Möglichkeiten! Auch im Sinne von einem neuen, verantwortungsvolleren und nachhaltigeren Umgang mit Medien insbesondere dem Internet! Danke!

Projekt: Raum einnehmen & Möglichkeiten haben

Die ARGE Dicke Weiber startet etwas verspätet in dieses wunderbare Jahr 2018. Das letzte Jahr war sehr ernüchternd. Wir mussten feststellen, dass es nicht genug aktive Mitglieder gibt um die ARGE Dicke Weiber treffen in ihrer Regelmäßigkeit aufrechtzuerhalten. Dennoch lebt die ARGE Dicke Weiber in den Herzen vieler Menschen weiter und so wird es vielleicht nicht mehr so regelmäßig aber dennoch hin und wieder zu ARGE Dicke Weiber Treffen kommen. Auch auf Email-anfragen können wir nur sehr langsam reagieren und bitten um Verständnis.

Nichts desto trotz gibt es uns noch und so wollen wir an unserem Projekt: „Raum schaffen und Möglichkeiten haben“ weiterarbeiten. Dieses Projekt soll erstens dicken/fetten Menschen insbesondere dicken/fetten Frauen Möglichkeiten aufzeigen am sozialen Leben und an der Gesellschaft teilhaben zu können und zweitens soll es dicke/fette Menschen zeigen die aktiv an der Gesellschaft teilhaben, sich also nicht ausschließen lassen und damit eben auch Raum schaffen für andere dicke/fette Menschen.

Die ARGE Dicke Weiber war im Kino. Ja es gibt Kinosessel in die auch ein dicker Körper bequem platz findet. In der Urania (Uraniastraße 1, 1010 Wien – Innere Stadt) hat der Kinosaal 55 cm breite Sessel sowie in den letzten 4 Reihen Kinosessel mit einer Breite von 65 cm. Im Vergleich dazu haben die meisten Kinos Sitzbreiten von 45 cm. Es ist zudem barrierefrei und angenehm überschaubar. Vor allem für Mütter mit Kindern ist es sehr interessant, denn es bietet Kino für Kinder (wienXtra-cinemagic, für kleinere Kinder ist hier besonders das Bilderbuch-Kino von Interesse). Auch mal mit dem eigenen Kind ins Kino gehen und bequem sitzen wird hier ermöglicht. Danke für die Möglichkeit Urania!

Da könnten sich andere Kinos etwas abschauen!

Falls ihr Erfahrungen habt mit Kinos und Kinosessel – schreibt einfach einen Kommentar. Wir würden uns freuen vielleicht den ein oder anderen Tipp zu lesen aber auch über jede Kritik an unbequemen Kinosesseln etc. ist uns willkommen.

In diesem Sinne lasst euch nicht abbringen euer Leben mit Freude und Liebe zu leben, geht hinaus und schaut euch auch mal einen Film im Kino an. Lacht dabei, esst Popkorn und genießt die Gemeinschaft mit anderen Menschen! Es ist schön Teilhaben zu können! Und es macht glücklich!

Dicke Grüße,

eure ARGE Dicke Weiber

„Etwas wird also als problematisch qualifiziert , indem es als ›unvertraut‹ und ›unselbstverständlich‹ fokussiert wird. Ein Gegenstand erscheint als Problematisch in dem Maße, wie er im Verhältnis zu einem bestimmten Kontext als zweifelhaft und fragwürdig, als ein Brennpunkt der Verunsicherung, Störung oder auch Gefährdung des Bestehenden dargestellt wird (…)“

Ulrike Klöppel

(‘Problematische Körper?’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, Torsten Junge/ Imke Schminke Hg., UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.50)

„››Weißt du, ich bin dick‹‹, sagte Jackrum. ››Die Leute glauben, Dicke könnten nicht kämpfen. Sie halten Dicke für komisch. Da irren sie sich. Hab ihm einen Hieb gegen die Kehle verpasst.‹‹“

Terry Pratchett

(Weiberregiment. Ein Scheibenwelt-Roman. Wilhelm Goldmann Verlag, München, 8.Auflage, Taschenbuchausgabe August 2006, S.288)