Dicksein / Fettsein und ungewollte Fotos

„Seit jedes Handy annehmbare Fotos machen kann ist es als Dicke manchmal recht unangenehm – jetzt folgt nicht ein Zeigefinger, ein starrer Blick des Entsetzens oder ein verstohlenes Kopfzeichen zum Nachbarn und hämisches Gelächter  sondern es wird einfach ein Foto geschossen und herzhaft und immer wieder von neuem über uns hergezogen. Eventuell landet es im Internet mit Spott, Hohn und Dickenhass versehenen Mitteilungen. Mein Körper gehört mir, er dient nicht eurem Begaffen, er dient nicht eure Hetze, er dient nicht eurer Belustigung und eurem Voyeurismus. Unsere dicken/fetten Körper gehören euch nicht, also schämt euch für eure Anmassung ein Foto von uns ohne unsere Erlaubnis zu machen. Wir schämen uns nicht für unsere Körper. Und wir lassen uns auch keine Scham mehr einreden. Wir erlauben es nicht, dass ihr uns zum Objekt eures Spottes und Hasses macht. Wir sind alle Menschen.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Die Bevölkerung wird nicht mehr an einer vorgegebenen Norm ausgerichtet, sie wird entlang statistischer Normen, die sich aus Berechnungen von Wahrscheinlichkeiten und Risiken ergeben, reguliert und für biopolitische Programme nutzbar gemacht.“

Imke Schmincke

(‘Außergewöhnliche Körper’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.18)

„Foucault stellt in seinen Arbeiten heraus, dass die Norm zum einen die individuellen Körper diszipliniert und zum anderen die kollektiven Körper, die Bevölkerung, reguliert. Die kapitalistische Gesellschaft hat zunächst den individuellen Körper als Produktivkraft entdeckt und in Beschlag genommen, sie hat darüber hinaus im 19.Jahrhundert die Bevölkerung mittels Programmen, die Gesundheit, Reproduktion, Mortalität und Natalität steuern, als produktiv zu machendes neues Element der Politik erschlossen.“

Imke Schmincke

(‘Außergewöhnliche Körper’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.17)

„Die frühen Klimatheroien arbeiten an einer Verortung des Menschen, die davon ausgeht, dass man nicht nur Körper, sondern auch Kulturen, Charaktere und sogar die Form des Gemeinwesens nur vor dem Hintergrund dieser Verortung denken kann. Der Mensch ist, wo er wohnt. Klimatheorie ist damit allerding keine frühe Theorie der Umwelt, denn sie denkt nicht in Kategorien eines Organismus im Zentrum und seiner Um-Welt drumherum. Sie ist vielmehr eine Theorie des An-einem-Ort-Seins, eine Theorie, die einen Blick auf menschliche Lebensbedingungen mit einem Interesse an Kulturen, Mentalitäten und politischen Formen verbindet – und zwar im Plural. Denn so wie es nicht den einen Ort gibt, gibt es für sie nicht den einen Menschen oder eine Norm des Menschseins, sondern nur verschiedene Typen, nicht eine Kultur, nur Kulturen. Klimatheroie ist damit eine Theorie des Vergleichens von menschlichen Lebensformen. Das hindert sie natürlich nicht daran, sehr häufig zu werten: Es gibt bessere und schlechtere Klimata und so natürlich immer auch bessere und schlechtere, höher oder niedriger stehende Kulturen. Aber ihre Pointe liegt, so meine ich, in einer anderen Einsicht: der in die Verortung des Menschen in einer Atmosphäre, die ihn unausweichlich umfängt, durchdringt und formt.“

Eva Horn

(Philosophicum Lech. Neue Menschen! Bilden, optimieren, perfektionieren. Konrad Paul Liessmann Hg., Paul Zsolnay Verlag, Wien 2016, S.81f)

„Seit dem Ende des 18.Jahrhunderts produzierten Anthropologie, Medizin und Biowissenschaften am Körper naturalisierte Vorstellungen von Normalität und Devianz, die dann in konkrete Politik umgesetzt wurden. Unter den mikroskopischen Blicken der sich konstituierenden Wissenschaften wurden soziale Klassifizierungen auf körperliche Merkmale projiziert und diese dann wiederum zur Legitimation sozialer Ungleichheit herangezogen.“

Imke Schmincke

(‘Außergewöhnliche Körper’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.15)

But it could be

„The world is not built for fat people, and the larger we are the more things are inaccessible (and this often intersects with the oppression of other marginalized identities that some fat people hold, including racism, ableism, healthism, ageism, classism, homophobia, transphobia and more.) Sometimes it’s annoying – like when there’s a restaurant we want to try, but they only have booths that are too small.  Sometimes it affects us professionally – like if a conference room only has chairs with arms that don’t accommodate us. Sometimes it limits our ability to move around our world – like fat people who aren’t able or are unwilling to pay twice as much as thin people for the same airline trip.  Sometimes it affects our health – like when the doctor doesn’t have the proper sized cuff to take our blood pressure. Sometimes it affects our survival – like when they don’t have an ambulance built to transport us or medical equipment made to save us, or we have surgeons who don’t have any training working on fat bodies.  Sometimes it affects our death, like when we find out that the reasons doctors don’t have training on fat bodies is that they won’t accept our donation of our bodies into medical programs.“

Ragen Chastain