Dickenbewegung

geschrieben von Malena Glück

Seit Gründung der ARGE Dicke Weiber im September 2009 entwickelte sich in mir ein Bewusstsein für die gesellschaftlichen Strukturen, die dicke/fette Menschen zu Menschen zweiter Klasse herabsetzten. Diese gesellschaftlichen Strukturen sorgen dafür, dass dicke/fette Personen zunehmend aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Verinnerlichte Gedankenstrukturen sorgen dafür, dass wir diese gesellschaftlichen Verhältnisse aufrechterhalten und immer wieder von neuem erschaffen und verschärfen. Weiterlesen

Dicke Kleidung: Anna Scholz

geschrieben von Anita Drexler

Manchmal braucht man Kleidung, die nicht gar zu viel über einen selbst aussagt. Die nicht gewagt wirkt, sondern stilsicher, hochwertig und konservativ. Stücke, mit denen nichts schief gehen kann. Genau das verkörpert das Label „Anna Scholz“ für mich.

Über „Anna Scholz“  wurde schon viel geschrieben. Die Marke ist ein großer Name in der Plus-Size-Szene, bekannt für exzellent geschnittene Kleider und die gekonnte Verwendung von Farben und Mustern. Im Wesentlichen kann ich die Reputation der Marke nur bestätigen.

Die Designerin Anna Scholz designet für zwei Linien – einmal die mit den regulären Stücken in Premiumqualität, die in ihrem eigenen Onlineshop angeboten werden und zusätzlich seit dem Jahr 2014 eine Kollektion für den bekannten Online-Shop „sheego“, die insgesamt etwas konventioneller und preisgünstiger ausfällt.

Dieser Artikel bezieht sich vornehmlich auf meine Einkaufserfahrungen im regulären „Anna Scholz“ –Shop; sollte ich einmal bei sheego bestellen, wird ein Artikel darüber nachgereicht bzw. dieser hier ergänzt.

Das Angebot auf der Website ist übersichtlich aufgeteilt in einen Bereich für die Abverkaufs-Artikel und einen für jene Stücke mit den regulären Preisen – praktisch, wenn man schon vorher weiß, dass man aufs Geld wird achten müssen/wollen. Auf der Shopseite befindet sich außerdem ein kleiner Blog mit Blicken hinter die Kulissen des Designprozesses,, den ich sehr lesenswert fand.

Kommen wir zum Wichtigsten, zur Kleidung.

Der Onlineshop bietet eine feine Auswahl an Business- Abend- Freizeit und Sportmode. Dabei dürften vor allem Liebhaberinnen von Röcken und Kleidern fündig werden – die Auswahl an Hosen ist hingegen etwas zu limitiert und sollte noch erweitert werden. Als Zielgruppe würde ich Frauen ab 30 Jahren erkennen, die an femininer Mode mit eher konventionellen Schnitten und eher unkonventionellen Mustern Spaß haben.

Zur Auswahl an Konfektionsgrößen lässt sich sagen: Auf der regulären Website findet sich Kleidung von den UK-Größen 16 (hierzulande Größe 42) bis 28 (bei uns Größe 54), sheego bieten ihre „Anna Scholz“- Linie in den deutschen Konfektionsgrößen 40 – 58 an. Wie immer möchte ich anmerken, dass diese Auswahl, gerade bei sheego, eigentlich schon ganz gut ist, man aber bitte auch einmal an die Damen mit Konfektionsgröße 60 und mehr denken sollte, die ebenfalls gut gekleidet sein wollen.

Die Verarbeitung der Produkte ist sehr gut, die Stoffqualität schön und anhand der Fotos gut abzuschätzen. Die Produkte, die ich besitze, wurden allesamt nicht in Dumpinglohnländern wie Kambodscha oder Vietnam produziert, sondern in Polen – was  durchaus für das soziale Gewissen des Labels spricht und für mich immer ein Grund ist, etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen. Auch die Passform hat bisher 1:1 mit den Größentabellen auf der Website übereingestimmt – man muss sich keine Sorgen machen, dass die Notwendigkeit bestehen könnte, eine Größe rauf- oder runterzubestellen. Das ist sehr angenehm, aber auch etwas, das man in diesem Qualitätsbereich erwarten darf.

Preislich bewegen wir uns im unteren bis mittleren oberen Segment. Für eine Jacke zahlt man schon einmal €500.-, für ein Kleid €300.-. Selbst im Abverkauf kosten die Stücke dann noch so viel, wie ähnliche Produkte in etablierten (Mittelklasse-) Kaufhäusern zum Regulärpreis. Eine Alternative ist sicher die günstigere sheego – Linie, wo ein Kleid regulär um die  €130.- (im Abverkauf aber auch deutlich darunter) zu haben ist. Wie diese Preisdifferenz sich erklärt, konnte ich bis dato nicht genau ermitteln, ich tippe auf Faktoren wie größere Stückzahl, höhere Reichweite, weniger komplexe Muster, andere Stoffwahl und eventuell auch Unterschiede in den Produktionsstätten. Designtechnisch lässt sich jedoch sowohl bei der sheego- wie auch bei der  Premiumlinie der Stil der Designerin Anna Scholz ganz klar erkennen und es sind in beiden Kollektionen sehr schöne Stücke dabei.

Die Präsentation der Kleidung im „Anna Scholz“- Onlineshop zeigt sich ethnisch divers, durch altersmäßige Streuung der Models konnte sie sich jedoch leider nicht hervortun [1]. Hilfreich für die Kaufentscheidung wäre auch, wenn man die Kleidung an verschiedenen Körpertypen zeigen würde, da ein und dasselbe Stück an einer kleinen Frau einfach anders sitzt als an einer mittelgroßen oder großen Trägerin derselben Konfektionsgröße.

Physische Läden gibt es von „Anna Scholz“ leider keine mehr, nachdem der deutsche Flagshipstore mangels Rentabilität wieder geschlossen werden musste, allerdings gibt es einige große Kaufhäuser, die die Linie führen. Sollte es technisch und logistisch möglich sein, wäre es begrüßenswert, würde man einen Shopfinder in die Website integrieren.

Versandkosten fallen  im „Anna Scholz“- Onlineshop bis zu einem Einkaufswert von £125.- an – derzeit in der Höhe von €13.-. Bei sheego zahlt man laut Website eine versandkostenunabhängige Lieferpauschale von €6,95.-. Mit Retouren musste ich bisher zwar  noch keine Erfahrungen machen, allerdings hat man mit einem Wohnsitz außerhalb Großbritanniens die Kosten dafür selbst zu tragen.

Zusammengefasst gesagt:
Pro: hochwertige Verarbeitung, durchdachte Designs, zwei unterschiedliche Preiskonzepte
Contra: Premiumlinie selbst im Sale teilweise unerschwinglich, keine physischen Läden (mehr), Produktpräsentation könnte inklusiver sein
Kaufempfehlung für: elegante, konservative Mode, Businessmode für Frauen ab 30,  Kleider und Röcke

[1] Es ist sicher nicht die primäre Aufgabe von Modelabels politisch korrekt zu sein, aber schön zu sehen ist es dennoch, weswegen in diesem Blog darauf Wert gelegt werden soll.

FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL: Party machen für ein positives Selbstbild

 

Neulich war ich bei einer interessanten Veranstaltung zu Gast, einem Abend unter dem Motto „FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL“ in einer alternativen Partylocation namens Celeste in Margareten .

Dort  gab es gute Musik, eine ziemlich geniale Performance von Julischka Stengele und eine Diskussionsrunde mit illustren Gästen wie Sara Ablinger, Vina Yun, Denise Kottlett und Hengameh Yagoobifarah.

Thema des Abends waren dicke/fette Femmes, ihre Repräsentation in der Szene, ihre Probleme und die Ursachen dieser.

Was nämlich auch ich in meiner linksliberalen Kreativmilieu-Blase, in der ich mich in den vergangenen Jahren bewegen durfte, vergessen hatte: Auch in der sogenannten „Szene“ gibt es Ausgrenzung auf Grund körperlicher oder geistiger Unterschiede, Gewichtsdiskriminierung und Klassismus. Immer noch. Denn: Die LGBTIQA-Community darf nicht automatisch gleichgesetzt werden mit einem queerfeministischen Umfeld oder auch nur von Vornherein im aufgeklärt-iberalen Umfeld verortet werden. Und nicht jede_r, die_r sich als nicht heterosexuell definiert, ist automatisch an der totalen Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt interessiert.

Besonders gut sichtbar wird das am Beispiel an der Fat Femme. Denn ihr schlagen, obwohl in einem vermeintlich alternativen Umfeld verwurzelt, all jene Probleme ins Gesicht, mit denen die heterosexuelle Frau sich auch herumzuplagen hat. Reduktion auf das Körperliche, permanente Unterschätzung der Fähigkeiten, Geringschätzung emotionaler Qualitäten. Geachtet wird nur auf die Fassade -die Person hinter dem Speck bleibt unsichtbar.

Ein dicker/fetter Körper erzeugt bei der Partner_innensuche normalerweise zwei Reaktionen; eine Entsexualisierung oder eine Hypersexualisierung des jeweiligen Körpers. Entweder wird frau* durch den runden Körper gleich jedweder Anspruch auf  Sexualität abgesprochen und sie* zum „Kumpeltyp“  oder zur „Gruppenmama“ abgestempelt oder sie* darf auf Grund ihres* Körpers als Fetischobjekt herhalten. So weit, so schlecht. Addiert man nun noch die „klassischen“ Probleme einer feminin oder hyperfeminin auftretenden Nicht-Hetera; die fehlende Sichtbarkeit und damit einhergehend die fehlende Anerkennung in Teilen der Szene, wird klar, in welchem Spannungsfeld wir uns bewegen.

Dazu kommt dann noch, dass die, eigentlich konstruierte Ungleichheit zweier Gruppen biologischer Frauen* ( in diesem Fall die immer noch gerne benutzte Selbstkateorisierung mancher Frauen* als Butch oder Femme) zwar in erotischer Hinsicht reizvoll sein kann,sich deren Kehrseite aber offenbart, sobald es um Bodyshaming oder Fatshaming geht.

So können Butches z.B. auf Grund der Konstruktion ihrer Rolle als „männerorientiert“ einige Aspekte ihres Dick/fettseins besser für ihre Zwecke nutzen als Femmes. Zwar findet auch hier der oben beschriebene Vorgang der Entsexualisierung ihres Körpers  durch Fett statt, allerdings kann diese auch als Distanzierung zum weiblichen Anteil gelesen werden. Dadurch kann die ohnehin schon durch andere Komponenten wie Kleidungsstil, Haarschnitt, Körperhaltung, Make-up erzeugte Betonung des männlichen Anteils noch stärker akzentuiert werden. Auch, das durch ein größeres Körpervolumen mehr Raum eingenommen wird, lässt dich eher mit der männlich-orientierten Rolle vereinbaren, als mit der weiblich-orientierten. Jede_r, die_r mit den Öffis fährt, kennt das Phänomen. Das Fett bringt also nicht jeder* in gleichem Maße Nachteile², was für die benachteiligte  Gruppe zu Frust führen kann und mitunter Feindseligkeiten erzeugt.

„FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL“ – eigentlich klingt nichts mehr wie ein Event für die Randgruppe einer Randgruppe einer Randgruppe. Aber erstens wäre das nicht schlimm und zweitens ist das auch nur auf den ersten Blick der Fall. Natürlich brauchen gerade jene, die außerhalb der breitgetretenen Pfade durchs Leben gehen so viele Möglichkeiten zur Selbstermächtigung wie möglich und Abende wie dieser bieten genau das. Allein schon dadurch war die Veranstaltung eine, auf die ich gerne mein, sagen wir, 16-jähriges Ich mitgenommen hätte, um ihm zu zeigen, wie die Welt auch noch aussehen kann. Besonders bereichernd fand ich dabei jedoch, dass man, gerade durch Performance und Diskussionsrunde, verstehen lernen konnte, wie weit patriachale Grundstrukturen in unsere Gesellschaft hineinreichen und welche ungeahnten Blüten sie tragen.

Ich würde es daher wahnsinnig begrüßen, fänden sich künftig Gelegenheiten, mehr Veranstatungen dieser Art zu organisieren.

 

² Was klargestellt werden muss: Es geht hier keinesfalls darum, verschiedene Identitäten gegeneinander auszuspielen – im Sinne von „Gruppe A hat es besser als Gruppe B“ oder „nur Gruppe B hat Probleme“. Es ist aber so, dass man anhand dieses Beispieles das gesamtgesellschaftliche Problem gut erkennen kann da es uns zeigt, dass Gewichtsdiskriminierung und Sexismus keine Geschlechtergrenzen kennen.

 

 

Dick / Fett & Schwanger

In den öffentlichen Verkehrsmitteln soll auf eine schwangere Frau Rücksicht genommen und ihr der Sitzplatz überlassen werden. Also bei dicken, fetten Frauen ist eine Schwangerschaft nicht immer so ersichtlich, zumindest habe ich diese Erfahrung bei mir selbst gemacht. Bei mir konnte man nicht wirklich unterscheiden bin ich nun schwanger oder einfach nur dick/fett. Und niemand lässt dich hinsetzen nur weil du dick/fett bist. Das ist so ähnlich wie in vielen Filmen wo man sich über die Dicke lustig macht indem man den Hauptdarsteller irgendwelche Glückwünsche zur Schwangerschaft ausdrücken lässt und die aber gar nicht schwanger ist. Weiterlesen

Dickenhass online!!!11

https://i2.wp.com/www.dor-lomin.com/wp-content/uploads/2009/03/lebowski-opinion.jpg

(Dieser Text befasst sich spezifisch mit dem Hass, der dicken Frauen in Medien wie z.B. dem Internet entgegengebracht wird. Ein kritischer Umgang mit Medienkonsum betrifft aber natürlich nicht nur Dicke.)

Ein Beispiel von vielen: Ragen Chastain ist eine amerikanische Bloggerin und Tänzerin. Auf ihrem Blog setzt sie sich u.a. mit den Themen Körpervielfalt und Dickenaktivismus auseinander. Die Welle an Hass, die ihr bei dieser Arbeit entgegenschlägt, ist erschreckend. Sie schreibt selbst davon, wie sie von anonymen Internetusern beschimpft und im realen Leben verfolgt wird. Es gibt eigene Blogs, die sich ihrer vermeintlichen Heuchelei widmen und seitenweise Artikel posten, in denen die „Wahrheit“ über diese freche dicke Frau aufgedeckt wird. Hier einer ihrer Blogeinträge über die Stalkingvorfälle.

Für meinen persönlichen Umgang mit Medien allgemein, aber insbesondere ONLINE habe ich 1. langsam gelernt meinen Körper von der Dummheit, Boshaftigkeit und dem Hass anderer Menschen zu trennen 2. gelernt meine Medienerfahrung bewusst zu steuern, zu sortieren und unnötige Wut/Enttäuschung über „The Biggest Loser“ usw. zu vermeiden und 3. durch die Arbeit für die ARGE versucht meinen kleinen Teil beitragen, um Veränderung zu bewirken.

Diese Methoden kommen nach vielen Jahren des nicht regulierten Konsumierens von Körper- und Lebensidealen, die ich nicht erfüllen kann. Ich bin ein Popkultur-Opfer. Konsumentin von vielen Mainstream Filmen, Fernsehserien, Büchern, Musikvideos, Blogs und Magazinen.

Diese Medien bieten nicht viel Platz für dicke Frauen, außer als herablassende Pointe oder Objekt des Mitleids. Die Tatsache, dass mein Körper als verächtlich gilt, war mir schon lange klar.
Wenn ich als Kind im Fernsehen dicke Frauen gesehen habe, die ihre massigen Körper mit schwerem Atem durchs Bild hieven, um dann auf der Couch mit einer Packung Chips zusammenzubrechen, dann war klar: das ist das Allerletzte! Niemand will diese Frau. Wenn ich Bücher gelesen habe, in denen im Nebensatz auf die unglückliche, dicke Freundin verwiesen wurde, war klar: das will ich niemals sein. Ich will keine Nebenrolle in meinem eigenen Leben spielen. Wenn Heidi Klum erklärt hat, dass Schönheit harte Arbeit ist und ihre Mädchen daraufhin unter Tränen vom Laufband zur Waage und zurück rennen, war klar: so gehört sich das. Ich will nicht weinen müssen, weil niemand meinen dicken Körper sehen will.

Hundert Filme und Fernsehserien, Seitenblicke Magazine und Bravo-Mädchen Hefte später und ich hatte die Nachricht verinnerlicht. Dicksein ist die größte Schande, die sich eine Frau leisten kann. Oder nicht?

Wie kann das alles stimmen? Wieso kann ich nicht einfach sein ohne dauernd an Besserung, Veränderung oder Verwandlung denken zu müssen? Wie kann es nur einen guten Körper geben? Wie kann ich mich genug hassen, um mich irgendwann schön zu finden? Wieso dürfen andere Leute solche Entscheidungen über mich treffen? Warum bin ich nicht wütend?

Ich kann die Meinung anderer nicht ändern (und ich habe auch nicht die Kraft oder das Interesse Leuten zu erklären, warum es nicht OK ist mich als fette Sau zu beschimpfen und mir den Tod zu wünschen), aber ich weigere mich zu glauben, dass mein Körper das Problem ist.

Im Internet darf man ja bekanntlich eh alles sagen und jeder hat eine Stimme und Meinungen sind Fakten. Deswegen bewege ich mich online fast ausschließlich auf intersektional feministischen, body positiven Blogs und Kanälen, konsumiere Videos, Bilder und Texte, die sich dem Leben konventionell ignorierter und verachteter Körper und Menschen widmen. Siehe z. B. die Ressourcen auf unserem Blog unter „Links“.

Ich sehe die Gestaltung meiner Online-Erfahrung als aktive Handlung gegen Hass. Ich kann die Realität meines Körpers so oder so nicht vermeiden, dafür muss ich mich nur in die U-Bahn setzen oder meine Mutter anrufen. Ich nehme mir aber das Recht heraus, mich zuhause vorm Computer sicher und bestärkt zu fühlen.

Und trotzdem: der Hass bleibt mir nicht erspart. Er bleibt keiner dicken Frau erspart. Deswegen spielt die ARGE für mich eine große Rolle in der Bewältigung des Alltagswahnsinns. Hier kann ich durch Blogeinträge, Treffen mit anderen Frauen, Teilnahme an diversen Aktionen/Parties/Modemärkten aus dem Schatten treten und mich aktiv an Veränderung beteiligen.

 

 

 

Dickenfreundliche Ärzt_innen gesucht!

Liebe Leser_innen, eure Unterstützung ist gefragt!

Wir als ARGE Dicke Weiber versuchen, neben Öffentlichkeitsarbeit auch gezielt Informationen zu erschließen, die dicken und fetten Menschen eine Hilfestellung im täglichen Leben bietet.

Ein wichtiges Anliegen ist es uns, Daten zu dickenfreunlichen¹ Ärzt_innen zu sammeln. Viel zu viele von uns schieben Arztbesuche auf Grund tatsächlicher oder befürcheter Diskriminierungserfahrungen bis zur äußersten Schmerzgrenze hinaus oder vermeiden sie sogar gänzlich.

Das Unterfangen, eine Ärzteliste zu erstellen, die dann unseren Leser_innen zur Verfügung gestellt werden soll,  wurde unsererseits schon vor Jahren initiiert, bisher mit eher mäßigem Erfolg.Um es nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, möchten wir noch einmal einen Aufruf starten.

Wir suchen dezidiert dickenfreundliche Mediziner_innen, egal welchen Faches! Besonders gefragt sind aber sicher Gynäkolog_innen, die unter diese Kategorie fallen, weil es als ganz besonders entwürdigend wahrgenommen wird, sich auf dem Gynstuhl sitzend sexistischen und / oder dickendfeindlichen Kommentaren aussetzen zu müssen.

Sehr gerne nehmen wir auch Tipps für Mediziner_innen aus den Bundesländern entgegen. Da unsere gestaltenden Mitglieder alle in Wien wohnen, sind unsere Aktivitäten meistens sehr auf Wien fokussiert, aber wir freuen uns über Tipps andere Bundesländer betreffend mindestens genauso.

Wenn du also ein besonders positive Erfahrung mit einer Ärzt_in gemacht haben solltest und diese Info auch anderen zur Verfügung stellen würdest, schick uns bitte eine E-Mail an argedickeweiber@gmx.net oder über eine PN auf Facebook mit einer Angabe von Name der Mediziner_in, Adresse der Ordination und ggfs. einigen Zeilen darüber, warum du diese Praxis empfehlen kannst. Die Einsender_innen bleiben selbstverständlich komplett anonym.

Kurze Fußnote zu¹: Was zeichnet dickenfreundliche Ärzt_innen aus? Untenstehend ein paar Anregungen – es kann auch noch um ganz andere Dinge dabei gehen :

  • Gründliche Untersuchung, ohne gleich vorweg Gewicht als Ursache anzussehen
  • Ernstnehmen des Patientenanliegens, ohne Rücksicht auf den BMI
  • Verzicht auf abschätzige Blicke oder beiläufige Kommentare zum Körpergewicht
  • Verzicht auf Abwiegen, wenn nicht zwingend nötig
  • Verzicht auf „gute Ratschläge“ bez. Gewichtsabnahme ( es sei denn, ausdrücklich von der Patientin gewünscht) oder auf Versuche, hauseigene Diätprodukte oder -behandlungen an die frau* zu bringen

Dicke Kleidung: Swimsuits for all

geschrieben von Anita Drexler

Noch ist Sommer, also nehmen wir uns die Zeit, wieder einmal über Bademode zu sprechen.

Dass es einen Mangel an ansprechendem Angebot auf diesem Sektor für dicke und fette Menschen gibt, ist uns allen bekannt. Sucht man nach positiven Beispielen dafür, wie es auch gehen könnte, stößt man immer wieder auf einen ganz bestimmten Anbieter aus den USA, auf „Swimsuits for all“. Ich habe mir nun etwas Zeit genommen, diesen großen Namen zu testen und war durchaus zufrieden mit dem, was ich erlebt habe.

Klickt man sich durch die Website, ist etwas, das sofort ins Auge sticht, das übergroße Angebot: Von  Bikinis, Tankinis, Badeanzügen bis hin zu Schwimmoberteilen mit Ärmeln hat S4A wirklich alles im Sortiment, was das Herz begehrt.
Auch was den Stil angeht, ist Vielfalt vertreten – vom klassischen Badeanzug mit Blumenmuster über den gewagten (und meistens wirklich gut designeten!) Zweiteiler bis hin zur schnörkellosen Badeshort wird alles abgedeckt.

Auch was die Auswahl an Konfektionsgrößen angeht, kann man mit dem, was geboten wird, unterm Strich zufrieden sein:  Das Sortiment reicht von US- Größe 8 (was bei uns einer Größe 36 entspricht)  bis zur US-Größe 34 ( bei uns Größe 62). Dabei gehen die Normalgrößen bis US-Größe 26 ( = Größe 54 in Österreich). In Sachen Körbchengrößen werden kleinere Größen sich schwer tun, denn unter C-Cup wird Vieles aus, vermutlich wirtschaftlichen Gründen, gar nicht hergestellt. Mit Körbchengröße B und darunter kann frau* maximal auf die Softshell-Designs zurückgreifen. Dafür findet man nach oben hin bis zur (US-) Körbchengröße H ein sehr breit gestreutes Angebot.

Mit der Verarbeitung der Produkte habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht – gut vernäht, strapazierbar, leicht zu trocknen. Fairerweise sollte aber erwähnt werden, dass ich niemand bin, der seine Bademode exzessiv nützt – ich gehe, wenn es hoch kommt, drei Mal die Woche ins Schwimmbad – die Ansprüche einer Person, die ihre Badedressen nahezu täglich benutzt, vielleicht noch bei starker Sonneneinstrahlung oder im Salzwasser, weichen von den meinen sicherlich ab.

Preislich bewegen sich einzelnen Stücke im soliden Mittelfeld – dank der diversen, eigentlich fast laufenden, Promotionsangebote und im Abverkauf, der sowieso fast das ganze Jahr über geht, findet man immer wieder auch recht günstige Bademoden.

Besonders positiv herausstreichen möchte ich die Produktpräsentation. Hier bietet S4A mehr als nur ein Gustostückerl. Nicht nur, dass die auf der Website verwendeten Fotos teilweise schon fast ikonenhaft anmuten – sie sind geschmackvoll, gut gewählt und zudem und sehr inklusiv. Zusätzlich zu den Präsentationsfotos hat man auch noch die Möglichkeit, sich die Stücke auf von  Kund_innen eingereichten Fotos, quasi „am echten Körper“ noch einmal anzusehen, was bei einer Kaufentscheidung sehr nützlich ist. Chapeau, genau so sollte es sein!

Negativ am Einkaufserlebnis aufgefallen ist mir das außergewöhnlich hohe Maß an Spam, meist Gutscheincodes für Aktionsangebote, die nach einer Bestellung ins digitale Postfach flatterten. Auch hier glaube ich zwar, dass man das irgendwie abstellen könnte, aber allein die Tatsache, dass man, wenn man dies nicht tut, mehrmals die Woche Werbepost eines einzigen Anbieters zugeschickt bekommt,halte ich für lästig bis an die Grenze zur Dreistigkeit gehend.

Abschließend noch ein Wort zu Lieferung und Versandkosten. Wie sich diese gestalten, ist bei Käufen aus Drittländern immer schwierig vorherzusehen. Bleibt das Stück im Zoll hängen, kann man, zumindest derzeit, gut und gerne 5 Wochen auf ein Paket warten und hat, je nach Höhe der Bestellung, mit zusätzlichen Kosten von etwa 20% des Einkaufspreises als Zollabgabe zu rechnen. Geht hingegen alles glatt, hat man die Lieferung in etwa 14 Tagen in seinem Postkasten liegen und kann sich, je nach Wechselkurs, auch über günstige Preise freuen. Die reinen Versandkosten betrugen immer um die €20.- .

 

 

 

 

Zusammengefasst gesagt:
Pro: leistbar, ansprechende Designs, breites Spektrum an Stilen und Funktionen
Contra: keine physischen Läden, Versand aus den USA ( wenn man Pech hat, bleibt das Paket lange im Zoll), dieser elende Spam
Kaufempfehlung für: Bademoden aller Art für Konfektionsgrößen bis 62

 

Zur Website von Swimsuits for all gelangt ihr hier.