Adipositaschirurgie – Was ist das?

Adipositaschirurgie – Übergewichtschirurgie – Bariatrische Chirurgie

Ein Überblick von Malena Glück

Unter Adipositaschirurgie werden verschiedene medizinische Eingriffe zusammengefasst, die mittels chirurgischer Veränderung des »gesunden« Magen-Darmtraktes zur »Bekämpfung« (»Heilung«) von »Übergewicht« beitragen sollen. Dabei dient die chirurgische Maßnahme lediglich als Hilfestellung um die medizinisch empfohlene »Ernährungsumstellung« auch ein Leben lang durchzuhalten. Zu den zahlreichen Operationsverfahren zählen derzeit vorrangig: Magenband, Schlauchmagen, Magenbypass (Roux-Y-Magen-Bypass) und biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD-DS).

Die Adipositaschirurgie bedient sich dabei eines großen Vorurteils gegenüber Dicken: »Dicke essen viel zu viel bzw. sind einfach sehr gute Nahrungsverwerter«, denn das einzige was die chirurgischen Eingriffe wirklich bewirken ist, die Nahrungszufuhr massiv zu begrenzen. Eine solche begrenzte Nahrungszufuhr wird Restriktion genannt. Es gibt auch chirurgische Maßnahmen, dazu zählt vor allem die biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD-DS) und teilweise der Magenbypass, die nicht nur die Nahrungszufuhr sondern auch die Verwertung der Nahrung also die Nahrungsinhaltstoffaufnahme beschränken, dies wird dann Malabsorption bzw. Malresorption genannt.

Die meisten bariatrischen Eingriffe sind nicht mehr rückgängig zu machen. Operiert werden gesunde Organe ohne direkte medizinische Notwendigkeit. Operiert wird im gesunden Abdomen, damit entstehen alle Risiken einer Bauchoperation (intraoperativ z.B. Verletzung von Nachbarorganen, postoperativ z.B. Nahtinsuffizienzen oder Lungenentzündung, Langfristkomplikationen wie z.B. Verwachsungen). Und dies alles wegen eines weiteren Vorurteils, dem die Adipositaschirurgie verfallen ist: »Dicke sind krank, ungesund. Es gibt für jedes Individuum ein zu bestimmendes Normgewicht, welches von einem Arzt meist mittels BMI berechnet werden kann und das unbedingt anzustreben ist, falls frau nicht sofort tot umfallen will. Weiters ist prinzipiell jedes Leiden, das Dicke haben, durch ihr Dicksein ausgelöst, auch ein Schnupfen. Dicksein ist Ursache aller Krankheiten, damit wird geschlussfolgert, frau muss ja nur das Dicksein beheben und schon sei sie gesund und lebe ewig. Dies hängt mit dem Irrglauben zusammen: Schlanksein ist gesund. Das Heilmittel für Dicke ist damit, Schlankheit um jeden Preis. Doch ist das wirklich GESUND?«

Adipositaschirurgie ist Diskriminierung dicker Körper im Namen der angeblichen »Gesundheit« oder vielleicht doch im Namen des »Geldes«? Nach den meisten Operationsverfahren müssen ein Leben lang Elektrolyte, Vitamine, Eisen und Spurenelemente zusätzlich (supplementierend) zugeführt werden. Zu bedenken ist auch, dass sich die Resorption von Medikamenten verändert.

Es kann und muss mittlerweile wirklich hinterfragt werden, ob die angeblichen Folgekrankheiten von »Adipositas« wirklich mittels dieser Methode behoben werden können – hierzu herrscht auch in Fachkreisen Uneinigkeit. Auch bei der angeblichen Folgekrankheit Diabetes wird jetzt bestätigt, dass die Operation keine Garantie biete Diabetes auf Dauer zu heilen. Es bestärkt die Annahme, dass die bariatrischen Operationen nicht den Erfolg bringen, den sie sollen: bestenfalls werden bisher bekannte »Probleme« mit neuen gefährlichen Problemen getauscht oder im schlimmsten Fall kommen neue Krankheiten und Probleme zu den bereits vorhandenen dazu.

Bariatrische Eingriffe machen auch aus jeder Schwangerschaft ein Risiko für Mutter und Kind. Kinder von Frauen, die sich einer bariatrischen Operation unterzogen haben, werden häufig zu früh oder zu klein geboren. Die verminderte Absorptionskapazität des Darms kann während der Schwangerschaft schnell zu Versorgungsengpässen führen, unter denen der Fötus zu leiden hat.

Adipositaschirurgie ist keine Garantie für ein schlankes Leben, viele nehmen nach einer gewissen Zeit wieder zu. Und gerade dabei wird, wie bei einer Diät, den PatientInnen selbst die Schuld zugeschoben. »Sie sind VersagerInnen und einfach zu undiszipliniert um mit dieser angeblichen Hilfestellung ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.« Die Betroffenen sind erfüllt von Scham und Schuldgefühlen und internalisieren nochmals die Vorurteile gegenüber dem Dicksein. Aus Versagensangst muss dann eben »umgebaut« werden, noch einmal operiert werden, solange bis man eben selbst genug »Disziplin« hat um schlank zu bleiben. Dabei wird wieder ein Vorurteil gegenüber Dicken bedient, denn Dicke sind angeblich »undiszipliniert« und jeder Dünne automatisch »diszipliniert«. Genau wie bei den Diäten wird hier einfach bei Misserfolg eine andere Diät bzw. ein anderes operatives Verfahren angeboten – natürlich mit weiteren Risiken und auch finanziellen Kosten.

Schlimmer als die VersagerInnen, die ihr Gewicht trotz OP nicht halten können, sind wohl jene dran, die bei der OP bzw. nach dem Eingriff aufgrund des Eingriffes sterben. Der Tod wird zwar als tragisch angesehen, doch er betrifft immer nur die anderen. Bei vielen, die einen chirurgischen Eingriff erwägen, wird das Risiko verglichen mit der Möglichkeit einen Unfall beim Autofahren oder zu Hause zu erleben und daran zu sterben. Auch herrscht der Irrglaube vor, dass die, die dabei gestorben sind, eben ein schlechtes Krankenhaus, einen schlechten Arzt, etc. erwischt haben – ja sie haben nicht genug aufgepasst auf sich selbst. Und sowieso an »Adipositas« sterben ja auch ganz junge Menschen – was heißt das eigentlich? UND NEIN DAS GLAUBE ICH NICHT. Mag sein, dass es eine statistische Wahrscheinlichkeit gibt, die besagt, dass dicke Menschen eine geringere Lebenserwartung haben als dünne Menschen – dabei handelt es sich aber immer noch um eine Lebenserwartung von durchschnittlich 62 Jahren.

Dir wird dein Magen rausgeschnitten, du wirst dabei unter schwere Narkose gesetzt, du wirst aufgeschlitzt, es wird dir etwas rausgerissen und dann wirst du zugetackert – von da an lebst du mit einer Magenhälfte weniger – und das hat absolut nichts mit deinem Tod zu tun, sondern es ist dein eigener Fehler, wenn du dabei bzw. kurz darauf stirbst? Die Opfer sind nicht Schuld, sie sind nicht schwach gewesen, sie waren keine VersagerInnen, sie hatten nicht Pech indem sie ein schlechtes Krankenhaus oder einen schlechten Arzt erwischt haben – doch sie werden nicht gesehen, sie werden verschwiegen. Die Todesfälle werden nur selten bekannt und wenn sie bekannt werden beschwichtigen sich alle gegenseitig, dass das eben das Risiko ist, aber die Lebenserwartung bei den Überlebenden doch steigt. Doch geschieht es wirklich so selten? Und steigt die Lebenserwartung wirklich? Wie will man das bei einer noch experimentellen Vorgehensweise wissen – die derzeit in ihren Kinderschuhen steckt? Falls dies von Menschen gelesen wird, die jemanden genau durch solche Operationen verloren haben, dann bitte hinterlasst doch Name und Alter in den Kommentaren, damit sie nicht vergessen werden.

Adipositaschirurgie ist eine Waffe im Krieg gegen das »Übergewicht«. Im Krieg ist eben alles erlaubt so auch im Krieg gegen Dicke – wir werden entmenschlicht, entwürdigt und zu Versuchskaninchen. Die Epidemie »Adipositas« muss um jeden Preis ausgerottet werden. Tote werden in Kauf genommen, solange doch nur die Gelder unaufhaltsam weiterfließen und noch ein bisschen mehr Profit rausgeschlagen werden kann. Wir unterziehen uns selbst lebenslanger Folter nur um nicht mehr das Feindbild schlechthin zu sein. Denn ein durch Adipositaschirurgie verstümmelter Körper ist Folter.

Unser schweigen tötet Menschen. Lasst uns beginnen laut zu werden: Auch ein dickes Leben ist ein gutes, ein glückliches und ein wunderbares Leben.

Recherchegrundlagen:
de.wikipedia.org/wiki/Adipositaschirurgie
das-dicke-forum.de
adipositas24.de
forum.fettsucht.at
Sowie die Links, die im Text eingefügt wurden.

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