Warum ist Dickenaktivismus / Fat-Activism wichtig?

geschrieben von Malena Glück

Sozialsystem und Krankenversicherungen – warum funktioniert die Gehirnwäsche wonach Dicke am Pleitegeier unserer Gesellschaft Schuld haben? Außer den angeblichen „Kosten“ und dem ästhetischen Missfallen, den Dicke erregen, gibt es kein Argument warum Dicke nicht selbst über ihre Gesundheit und ihr Dasein bestimmen dürften. Und dennoch glaubt ein jeder, da sie ja alle angeblich für mich als Dicke bezahlen, dürften sie über mich auch bestimmen.

Tja über wieviel Bezahlung reden wir da eigentlich und wurde Sklavenhandel nicht abgeschafft? Oder geht jeder davon aus ich verkaufe mich selbst an meine Krankenversicherung und Sozialversicherung und somit an jeden der in ein Krankenversicherungssystem und die Sozialversicherung einzahlt also jeden Steuerzahler? Und wieviel darf ich denn dem System kosten? Und was ist wenn ich diese Kosten überschreite – was darf dann mit mir gemacht werden? Darf ich auch Nein sagen über Dinge die meinen Körper und damit mein Leben betreffen? Habe ich noch die Entscheidungsgewalt über mein Leben oder bin ich allen eine Rechtfertigung schuldig, die in ein System einzahlen, das allen Vorteile bringt.

Dickenaktivismus ist keine Rechtfertigung Dick zu sein oder Dick sein zu dürfen – denn das ist schon unser Recht – wir sind berechtigt selbstbestimmt zu Leben. Dickenaktivismus ist keine Ausrede oder Schuldbefreiung – denn es gibt keine Schuld – Dicksein ist Teil menschlicher Vielfalt. Ich bin so und muss nicht anders sein nur weil irgendwer das so möchte.

Und ja auch ein Raucher darf rauchen – mich stört das nicht – diese ganze Zwangsverordnung mit dem Rauchverbot hat überhaupt keinen Bezug mehr zu tatsächlichen Risiken für die Gesundheit. Also wenn ich in der Stadt lebe und täglich Millionen Autoabgasen ausgesetzt bin kann mir die eine Zigarette vom Tischnachbarn wirklich gleichgültig sein und seine Gesundheit gleich mit. Die Gesundheit des Rauchers geht mich nichts an – das ist sein Leben.

Natürlich in der utopischen Vorstellung der Zukunft gibt es auch keine Autoabgase – aber ich denke der Atomsmoke der mittlerweile schon auf der ganzen Welt niedergeregnet ist reicht wohl um die Gesundheit der nächsten Generationen nachhaltig zu beeinflussen (sofern man dann immer noch auf Nahrung aus dem Erdboden und Grundwasser angewiesen sein wird). Aber gut eine Gefahrenquelle weniger aber eben auch eine Freiheit weniger.

So wir könnten uns jetzt dann alle Freiheiten rauben lassen damit auch ja alle Gefahrenquellen besiegt werden und würden dennoch irgendwann sterben. Ist die Unsterblichkeit überhaupt erstrebenswert? Gäbe es genug Ressourcen für eine sich ewig vermehrende aber nie sterbende Gesellschaft? Oder wäre die letzte Freiheit die uns im Namen unserer Gesundheit und unserer Unsterblichkeit geraubt würde, die Kinder zu bekommen?

Hm gibt es nicht das dumme Gerücht Dicke könnten keine Kinder bekommen? Und wenn sie doch schwanger werden sind sie Risikoschwangerschaften? Also am besten, so die gängige Meinung, Dicke bekämen gar keine Kinder. Und wieweit ist diese Meinung dann noch von dem Verbot entfernt? Schließlich wäre es ja viel gesünder für Dicke keine Kinder zu bekommen oder etwa nicht?

Dickenaktivismus hinterfragt den Gesundheitsfanatismus der heutigen Gesellschaft. Dickenaktivismus zeigt auf dass der aus der Unzufriedenheit entstehende Hass der Gesellschaft gezielt gegen Dicke gelenkt wird. Dickenaktivismus zeigt auf, dass Dickenhetze Machtverhältnisse generiert in denen sich Dünne über ihre dicken Mitmenschen stellen können. Dickenaktivismus tritt für ein würdevolles und respektvolles Miteinander ein. In einem solchen Miteinander gibt es keine Machtverhältnisse, die sich auf die Herabwertung und Herabwürdigung von Menschen stützten.

Wie man die Bewegung jetzt auch immer nennen mag: fat-acceptance, fat-empowerment, fat-activism, Dickenaktivismus, Body-acceptance, etc., diese Bewegung setzt sich für die Würde und Freiheit des Menschen ein. Es geht ihr um eine ganz neue Körperpolitik in der die Selbstliebe im Zentrum steht. Dickenaktivismus bestärkt und ermutigt Menschen in ihrem Dasein. Dickenaktivismus ist ein Versuch das individuelle wie auch das gemeinschaftliche Leben aller Menschen zu verbessern. Selbst wenn manche Forderungen für den ein oder anderen absurd erscheinen mögen: so kann es doch in unserer heutigen Zeit kein Problem sein auf die Bedürfnisse aller in einer Gesellschaft einzugehen und für alle annehmbare Lösungen zu finden.

Ein Gedanke zu “Warum ist Dickenaktivismus / Fat-Activism wichtig?

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