Schlagwort: Gesundheit

geschrieben von Malena Glück

Gesundheit ist ein großes Schlagwort. Im wahrsten Sinne des Wortes wird jeder damit erschlagen der sich nicht diktieren lassen will wie er/sie lebt und aussieht. Gesundheit wird hier getarnt als persönlicher Wunsch, den doch jeder zu haben hat, ist aber in Wahrheit ein Zwang sich „nützlich“ zu machen für die Gesellschaft in die man geboren wird bzw. in der man lebt. Gesundheit wird zum Wert, den wir einbringen um unserer Gemeinschaft zu dienen, mitunter als wertvolle Arbeitskraft oder Ressource. Wenn in den Medien,  in der Politik, ja selbst in kleinen Internetblogs von Gesundheit und über Gesundheit geschrieben wird – dann immer nur getarnt als ganz persönlicher Anreiz und Ziel (denn wer ist nicht gerne gesund?) aber in Wirklichkeit geht es um den Wert des Lebens – das was uns (also der Gemeinschaft) dieses Leben einbringt. Deswegen war auch und ist auch immer wieder von den Kosten des Gesundheitssystems die Rede und es werden Menschen hinterfragt, die mehr nehmen als geben – in jeglicher Hinsicht – so werden Sozialhilfebezieher, Arbeitslose, Kranke, Behinderte, Migranten, Dicke/Fette gerne als Schmarotzer dargestellt. Der Wert des einzelnen Lebens beschränkt sich dann auf seinen Wert für die Gesellschaft und von Menschenwürde ist dann keine Rede mehr. Gesundheit wird zum Machtwort über Menschen. Damit werden sie kontrolliert und kontrollieren sich gegenseitig selbst. Wer gesund ist trägt noch etwas bei, zumindest schwächt er die Gesellschaft nicht durch „Krankheit“ und im weiteren Sinne durch anfällige Kosten, die diese „Krankheit“ nach sich zieht.

 

Die Debatte um die Gesundheit insbesondere dicker/fetter Menschen

Die Debatte suggeriert, dass jeder immer und zu jeder Zeit die volle Kontrolle und Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit hat. Sie unterstellt, dass der Mensch gesund zu sein hat und Dicke nicht gesund sein wollen. Sie wollen so die Annahme der Gesundheitsfanatiker gar nicht gesund sein, sie wollen nicht an der Gesellschaft teilhaben, sie wollen gar nicht Leben – sie sind ja morbid adipös – also auf lange Sicht Selbstmörder, die alle samt ihre Leben hassen und lieber tot wären. So erklären sich ja dann auch Kommentare von dünnen Menschen wie „also wenn ich so aussehen würde wäre ich lieber tot!“ Würden sie gesund sein wollen, so die weitere Annahme, dann würden sie ja etwas ändern und nicht mehr dick/fett sein. Sie verfestigt das Vorurteil dicke Menschen seien selbst schuld, unaufgeklärt, depressiv, faul und am Leben nicht mehr interessiert. Sie wären traurige Jammergestalten sonst wären sie ja nicht dick. Sie haben sich ja alle schon aufgegeben.

 

Gehirnwäsche?

Natürlich kann unsere Sicht auf Gesundheit in einer kapitalistischen auf materiellen Werten beruhenden Gesellschaft nur wirtschaftlich, statistisch und unterdrückend seien. Wir befinden uns im Zeitalter wo durch unhinterfragtes Konsumieren von Inhalten jeglicher Art via Internet, Smartphone, Fernsehen, Tablet, sogenannten „Infoscreens“ (in den öffentlichen Verkehrsmitteln), etc., die Beeinflussung menschlicher Gedanken und Meinungen immer einfacher geworden ist. Man kann sich nun fragen ob den Menschen, die etwas berichten, schreiben, veröffentlichen und screenen eigentlich klar ist wieviel Macht sie haben? Ob sie sich ihrer eigenen Vorurteile bewusst sind? Jene Vorurteile, die sich vervielfältigen, durch die Vielzahl an Menschen, die sie unhinterfragt einfach irgendwo in ihrem Unterbewusstsein abspeichern?

Facebook und Konsorten werden heutzutage von Journalisten angeprangert unsere politische Meinung und unser Wählerverhalten zu beeinflussen, dabei machen die Journalisten und Nachrichten etc. es ja gar nicht anders. Medien und ihre Vertreter sind sich anscheinend ihrer Beeinflussung gar nicht bewusst. Jede Nachricht und jede Schlagzeile beeinflusst. Themen werden so aufgearbeitet, dass sie reißerisch sind und sich gut verkaufen. Interviews werden zurechtgeschnitten. Fragen so gestellt, dass man passende Antworten erhält. Durchkalkulation und Wiedergabe dessen was sich gut verkaufen lässt. Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, aber wer hat schon die Zeit oder Platz ein langes Kommentar vollkommen wiederzugeben. Die Wortwahl, Satzbetonung und Mimik beeinflussen den Inhalt enorm. Nehmen wir das Thema: „Übergewicht“. Allein die Wortwahl „Übergewicht“ und meist auch die Betonung des Wortes „Übergewicht“ mit der leicht angewiderten Mimik und der tiefen Überzeugung der Furchtbarkeit von „Übergewicht“ – und schon haben wir eine Panik oder wie Medien gerne nahelegen eine „Epidemie“ (eine Seuche). Meine Güte wirklich Dicksein ist furchtbar ansteckend. Also ich greif mir dabei auf den Kopf. Und dieselben Medien und Medienmacher echauffieren sich jetzt weil Facebook und Co das auch so machen. Tja man will halt nicht, dass jemand anderer im Geschäft mitmischt. Aber was verkauft sich gut? Vorurteile verkaufen sich gut, Angst verkauft sich gut, Wut verkauft sich gut. Alles was interessant ist, ablenkt und über das nicht viel nachgedacht werden muss. Einfach alles was leicht konsumiert werden kann ohne sich mehr damit auseinandersetzen zu müssen. Es verkauft sich gut, was leicht und unkritisch wiedergegeben werden kann und auch mal als Anekdote beim Abendessen oder als Kaffeeklatsch herhalten kann!

 

Aber es ist doch wirklich ungesund!?

Und ja, das alles hat mit dem Gesundheitsbild von heute zu tun. Mit dem Vorwurf, dass die ARGE Dicke Weiber leider allzu oft zu hören bekommt: „Dicksein ist aber einfach ungesund“ – Mit diesem Satz versuchen uns andere Mundtot zu machen. Es ist ihr schlagendes Argument um uns zum Schweigen zu bringen. Sie fühlen sich bemächtigt es uns um die Ohren zu hauen als wären die Stempel „Gesund“ und „Ungesund“ ausschlaggebend für unser Recht in und mit Würde zu leben. Als würde es über unser Menschsein bestimmen ob wir gesund oder ungesund sind. Die Menschen glauben, es gibt wirklich einen Unterschied, ob man Dicke wegen ihrer Gesundheit diskriminiert oder wegen ihrer Schönheit – zu dem einen fühlen sie sich berechtigt, denn das mächtige Diktat der Gesundheit stärkt ihnen das fehlende Rückgrat, dass ihnen ein schlechtes Gewissen einreden will wenn sie uns einfach nicht schön finden! Dicke aufgrund ihrer Gesundheit bzw. angeblich fehlenden Gesundheit zu diskriminieren ist anerkanntes Mobbing, das auch noch gefeiert wird – schließlich tut man den dummen Dicken etwas Gutes wenn man sie darauf hinweist, dass sie nicht gesund sind! Meiner Meinung nach ist das nur eine weitere Art seinen Dickenhass auszuleben. Denn die eigene Gesundheit ist keine Sache der Allgemeinheit. Auch wenn die Mehrheit der Menschen das längst unhinterfragt konsumiert hat und die Unterscheidung gar nicht mehr vornehmen will zwischen persönlichem Recht auf Gesundheit und gesellschaftlichem Zwang zur Gesundheit.

 

Body-Positivity? & Medizinische Fachbegriffe des Grauens?

Die Body-positiv-Bewegung wird hinterfragt wenn es um Menschen ab 120 Kilo aufwärts geht. Gut wir könnten die Grenze auf jede X-beliebige Zahl setzen ab der man von Medizinern als „Adipös“ oder gar noch viel schlimmer als „Morbid Adipös“ bezeichnet wird. So allein bei dem Satz kam mir das Grausen. Diese widerlichen Worte und der Kontext (als Epidemie/Seuche, etc.) in dem sie oft benutzt werden zeugen von abgrundtiefen Dickenhass, sie entmenschlichen und entwürdigen alle Dicken/Fetten – und gehören eigentlich aus dem Sprachgebrauch und Wortschatz entfernt. Dennoch gehört es zu den Schlagworten im Zusammenhang mit dem Machtwort Gesundheit. Diese entmenschlichenden Worte werden benutzt um Dicke/Fette klein zu reden, sie herabzuwürdigen, ihnen ihr Recht auf Selbstbestimmung abzusprechen, sie zu mobben und ihnen Selbstzweifel, Selbsthass, Schamgefühle und Schuldgefühle einzureden. Und das alles damit sie gehorchen lernen! Um sie zu unterdrücken und Macht auf sie auszuüben. Denn damit kann man Dicke/Fette zu allem bewegen und anders Denkende auch gerne zum Schweigen bringen. Denn diese Worte haben auch sehr viel Macht, so wie Gesundheit heutzutage Macht hat. Am besten nutzt man das Wort Gesundheit um es allen, die anderer Meinung sind, einmal kräftig um die Ohren zu schlagen! Denn wenn es um Gesundheit geht hat doch jeder Recht oder? Denn ach es ist ja „Fakt“, dass ein „gesunder Lebenswandel“ ab „120 Kilo“ nicht mehr möglich ist?

Und deswegen sieht man sich ja ganz im Recht dahingehend die Body-positiv-Bewegung anzukreiden?  Aber dabei wird vergessen, darum geht es gar nicht bei dieser Bewegung! Es geht der Bewegung um Selbstliebe und um Menschenwürde. Also sagen sie nichts anderes als Selbstliebe ist ab sagen wir „120 Kilo“ nicht mehr angebracht?? Selbstliebe und Menschenwürde haben ab „120 Kilo“ keinen Platz mehr??? Und nein es ist ganz sicher nicht Mobbing oder Diskriminierung wenn man Menschen ab sagen wir „120 Kilo“ einfach ihre Selbstliebe und die Menschenwürde abspricht, denn wir sind ja so besorgt um ihre Gesundheit!!!!!!!! Oder um wessen Gesundheit sind wir besorgt??? Dicke zu beschämen, zu beschuldigen, an den Pranger zu stellen, weil man ihnen eben „ansieht“ – dass sie anders sind – weil man ihnen ansieht das sie „ungesund“ sind, zeugt einfach nur von Dickenhass und Dickendiskriminierung!!!

Möchte denn die dünne Person gerne ihre Gesundheitsgeschichte im medialen Bereich aufgearbeitet sehen und würde sie sich dann angesprochen und unterstützt oder eher angegriffen und in ihrer Menschenwürde verletzt fühlen??? Darf ich jetzt überhaupt dünne Person schreiben (meistens fühlen sie sich da schon angegriffen, aber ich soll mir Begriffe wie oben einfach gefallen lassen bei denen mir das kotzen kommt nur weil ich dick/fett bin??) Aber ich vergesse, um das Dünnsein geht es ja nicht.

 

Anorexie?

Uns wird immer wieder vorgeworfen, dass wir von einem Extrem ins andere kommen, schließlich spräche man doch nur vom „Idealgewicht“, dem „Normgewicht“, dem „Wohlfühlgewicht“ oder eben dem Gewicht, das gesund ist? Gesundes Gewicht? Und wenn das alles nicht wirkt, dann schmeißen wir am besten noch ein paar Anorexie Vergleiche hin und meinen, das findet ja auch niemand gut und das ist ja auch ungesund. Und wie könnte man auch was anderes sagen oder ist man doch Pro-Anorexie? Das Gegenüber glaubt dann immer es hätte gewonnen, es muss nur häufig genug mit irgendwelchen Worten auf uns einschlagen und fertig. Denn wie könnte man die Anorexie-Debatte gewinnen? Denn wie kann man Pro-Anorexie sein? Da hast du dich ja schon als furchtbarer Mensch geoutet, dessen Meinung einfach nur weltfremd ist? Schließlich ging die ganze fat-acceptance und Body-positivity-Bewegung ja doch auch wegen den „furchtbaren“ Magermodels los und weil das ja so „ungesund“ war? Eigentlich wollten Dicke doch auch nur schön sein oder als schön gelten und überhaupt hat das alles mit Models zu tun und dem Gesundheitsbild, das sie verkörpern? Solche Dinge zu schreiben tut richtig weh – ich muss mir ständig an den Kopf greifen – so unfassbar ist es mit welchem Gedankengut man sich hier auseinandersetzen muss!!! Und jeder der sich ein bisschen auseinandersetzt mit den Themen und die Inhalte nicht nur konsumiert sondern hinterfragt tut es mir wohl gleich – denn nein um Magermodels geht es nicht bei fat-acceptance und Body-positivity!!!!

Zur Anorexie und den „Magermodels“: mir würde im Traum nicht einfallen ein Urteil über diese Menschen und ihre Leben zu fällen. Ihre Gesundheit geht mich nichts an. Der Zwang des Models nur auf eine bestimmte Weise aussehen zu dürfen, der ist es, der hinterfragt gehört – die einzelne Person nicht! Das Schönheitsideal gehört hinterfragt, nicht die Person, die ihm entspricht. Die mediale Verbreitung des Schönheitsideals und der gesellschaftliche Druck und Zwang zur Schönheit (Leistung, Gesundheit, etc.) gehören hinterfragt und aufgehalten – deren Resultat es ist, dass Menschen alles tun um sich dem Diktat zur Schönheit und Gesundheit zu unterwerfen. Menschen, die unter dem Druck der Gesellschaft krank werden, denen gehört geholfen – indem man den gesellschaftlichen Rahmen ändert indem sie leben/ indem wir alle leben. Ich weiß nicht ob Menschen mit Anorexie hier hinein fallen und ihr Leben geht mich nichts an. Erwachsene Menschen sind mündige Menschen, die meiner Meinung nach Entscheidungen über ihr Leben selber treffen dürfen. Über ihren Tod oder ihr Sterben eine Aussage zu machen ist menschenverachtend, denn ich bin nicht Gott/Göttin und kann auch nicht in die Zukunft sehen. Menschen mit psychischen oder sonstigen Krankheiten können sich Hilfe suchen bzw. ihre Angehörigen können ihnen Hilfe und Unterstützung suchen und zwar bei Menschen, die hoffentlich ihre Menschenwürde achten und sie in ihrem Menschsein wertschätzen, sich bemühen auf den individuellen Menschen und seine Bedürfnisse einzugehen und sich in ihrem jeweiligen Bereich wirklich auskennen (also damit sich wirklich auseinander gesetzt haben) – die Allgemeinheit und die Meinung der Allgemeinheit ist diese Hilfe/Unterstützung nicht. Die Vorurteile die hier bedient werden von x-beliebigen anonymen aber auch nicht anonymen, fremden Personen im Netz sind nicht hilfreich. Sie sind entwürdigend. Sie werden den tatsächlichen Lebensumständen, Lebensbedingungen, Lebensbedürfnissen und Lebensmöglichkeiten nicht gerecht. Diese können nicht mit Verallgemeinerungen und lapidaren Aussagen erfasst werden.

 

Selbstbestimmtes Leben?

Wichtig ist für mich: Menschen dürfen auch krank sein und es hat sie dahingehend niemand zu verurteilen!!! Ob ich nun etwas für meine Gesundheit tun will oder nicht – und ob ich es tue, das kann man nicht an meinem Aussehen sehen!!!!  – egal  –   es geht niemanden etwas an!!!

Inwiefern wollen wir uns in unsere Leben eingreifen lassen? Inwiefern darf die Gesellschaft in unsere Leben, in unsere Freiheit und Selbstbestimmung eingreifen – mittels Maßnahmen wie Mobbing und Diskriminierung uns dazu disziplinieren nach einem gewissen Schema zu leben? Ist das wirklich in unserem Interesse oder nicht doch Freiheitsberaubung – Bevormundung und massive Herabwürdigung eines Menschen und seiner eigenen Vorstellungen, aber auch ein außeracht lassen der individuellen Lebensbedingungen, Lebensgeschichten und Lebensmöglichkeiten!!!? „Gesunder Lebensstil“ bedarf auch gleicher Voraussetzungen – die sind nicht gegeben, wir sind nicht gleich – body positivitiy kämpft für die Anerkennung der menschlichen Vielfalt – die Anerkennung der Vielfalt von Lebensbedingungen, Lebensbedürfnissen, Lebensgeschichten und Lebensmöglichkeiten!!!

Wohlfühlen und Selbstliebe heißt nicht, dass man sich schön fühlt – das Thema darauf zu reduzieren heißt man hat nicht verstanden was Selbstliebe ist!!!

Selbstliebe heißt sich so zu lieben wie man eben ist!!! Gerade in diesem Moment, gerade jetzt – nicht irgendwann – sondern sich so wie man jetzt ist anzunehmen, mit allem!!! Und das ist mehr als gesund – das ist lebenswichtig – das gibt dem Leben Würde und dem Menschsein Sinn.

 

Bewusstsein vom Tod und der eigenen Sterblichkeit?

Das Thema Gesundheit ist so weitreichend und verzweigt. Es umschließt Meinungsmacherei durch unhinterfragtes Konsumieren von verallgemeinernden Aussagen, die dazu dienen auf uns Macht auszuüben und uns zu disziplinieren (Funktionsfähigkeit, Leistungsfähigkeit, Optimierung, Arbeitskraft, Kaufkraft, Wirtschaft, Gesundheit etc.), aber auch Selbstbestimmung sowie der Zugang zu bestimmten „gesunden“ Waren, die Herstellung von „gesunden“ Waren, unser gesellschaftliches Bild, unser Bild vom Menschen und Menschsein, unseren Wertvorstellungen und Vorurteilen, unserer Vorstellung von Wissenschaft, Medizin, Politik und vielem mehr. Es bedarf einer echten Auseinandersetzung und keiner leeren Wiedergabe der vorgekauten Vorurteile anderer. Auch bei Gesundheit geht es um Geld, Macht, Angst, Leistung, Nützlichkeit, Menschen. So vielfältig Menschen sind so vielfältig ist auch dieses Thema. Ja mit diesem Wort kann man Menschen wirklich erschlagen! Man kann sie wirklich zum Schweigen bringen, nein sogar schlimmer man kann sie gefügig machen. Denn mit Gesundheit kommt der Tod getarnt in unsere Leben zurück und vor allem unser Versuch den Tod so weit weg wie möglich von uns davon zu jagen – denn wer sucht nicht die Unsterblichkeit? Wem macht es keine Angst seine Lieben nicht wieder zu sehen, nicht zu wissen was dann kommt? Wer hat keine Angst sein Leben zu verlieren? Gesundheit ist unsere neue Religion und wem kann man es verdenken, wer hat keine Angst vorm Sensenmann? Und wer würde nicht vom Sensenmann zum Schweigen gebracht werden? Unsere neue Auszeichnung, die uns besser sein lässt als andere ist – das uns der Sensenmann noch nicht geholt hat und wahrscheinlich auch nicht holen wird. Die statistischen Berechnungen von Wahrscheinlichkeiten und unsere darauf beruhenden Vorbereitungen, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, ermächtigen uns andere mit dem Zeigefinger zu ermahnen und sie in ihrem Menschsein zu entwürdigen – wir nennen es halt nicht so. Aber nichts anderes ist es, wenn wir wildfremden Menschen ihre fehlende Gesundheit und ihren fehlenden Willen zur Gesundheit vorwerfen.

 

Mut anders zu denken und für eine bessere Gesellschaft einzutreten?

Gesundheit kann man nicht einfach abhandeln. Es kann nicht einfach auf eine kleine Formel reduziert werden und ganz sicher nicht auf das Aussehen. Gesundheit darf nicht mehr ein Schlagwort sein. Ein Wort, das andere zum Schweigen bringt. Ein Wort mit dem wild herumgeschlagen wird, um auf diese Weise vieles und gar nichts auszusagen. Im Endeffekt muss sich jeder wieder selbst hinsetzen und ausdefinieren was für ihn selbst „gesund“ ist, wie er/sie selbst leben will und eigenmächtig, selbstbestimmt die Entscheidung treffen. Dazu bedarf es viel Mut und Kraft sich auch gegen die Vereinnahmung medialer Meinungen und Vorurteile zu wehren! Und es bedarf Raum dafür! Es bedarf eine Gesellschaft, die Raum geben kann und Raum gibt für die Meinungsvielfalt, die Vielfalt menschlichen Lebens und menschlicher Entscheidungen! Es bedarf einer Gesellschaft, die der menschlichen Vielfalt Raum schafft und gibt! Und da wir die Gesellschaft sind – müssen wir auch anfangen! Dazu ist die ARGE Dicke Weiber da! Wir schaffen Raum! Wir schaffen Raum für den dicken/fetten Körper! Wir schaffen Raum für die menschliche Vielfalt und selbstbestimmte Lebensentscheidungen! Und ihr alle seid auch dazu aufgerufen, Raum zu schaffen für die Vielfalt!!

Magenbypass und andere Eingriffe der Adipositaschirurgie

Anlässlich eines neuen Kommentars zu unserem Artikel Risiken und Folgen eines Magenbypass ist folgendes noch einmal deutlich festzuhalten:

Angst ist in der ganzen Diskussion rund um Magenbypass und Gesundheit ein großartiges Treibmittel um Menschen zu allem möglichen zu bewegen. Die Angst vor dem Tod, Schmerzen oder dem gesellschaftlichen Ausschluss treibt Menschen dazu einfach alles zu probieren und zu glauben. Der derzeitige Diskurs um Gesundheit schürt vor allem Angst und erhöht den Druck auf Dicke/Fette sich der „Autorität“ der Mediziner unterzuordnen. Menschen werden dabei entmündigt. Aber was vergessen wird der Arzt muss mit den Konsequenzen nicht leben sondern der Mensch, der sich diesen Operationen unterzieht muss es!

Und um eines ganz klar zu stellen, die ARGE Dicke Weiber verurteilt niemanden, der sich zu einer solchen Maßnahme entscheidet. Ganz im Gegenteil diese Menschen haben unser größtes Mitgefühl! Wir wissen, dass es keinesfalls eine leichte Entscheidung ist sich eines solchen Eingriffs zu unterziehen. Wir wissen, welchem Druck mensch ausgeliefert wird und welche Gehirnwäsche jeder einzelne von uns täglich ausgeliefert ist. Wir wissen um die Ängste, die geschürt werden, und wie gut die Heilsversprechen klingen. So oder so muss der jeweilige Mensch selbst mit seinen Entscheidungen leben. Die Verfahren kann man nicht rückgängig machen und man wird damit endgültig leben müssen. Insofern ist es gut, wenn die Menschen, die sich einem solchen Verfahren unterziehen, damit im Nachhinein zufrieden sind. Wir freuen uns über jeden Menschen, der erstens die Operation überlebt (eine Operation ist riskant) und zweitens ein für ihn/sie „besseres“ Leben (nach eigener Definition) danach führt. Leider ist das nicht bei jedem, der sich das machen lässt, der Fall.

Und noch eins Diabetes, Arthritis, Skoliose, Bluthochdruck und Schuppenflechte können auch dünne Menschen bekommen. Nur weil Ärzte es automatisch aufs Dicksein schieben heißt das nicht das es die tatsächliche Ursache ist. Bei einem dünnen Menschen würden sie andere Abklärungen machen! Und kann es wirklich gesund sein – einen gesunden Körperteil klein zu schnippeln oder abzubinden, bis er in einem selbst abstirbt? Langzeitfolgen von solchen Maßnahmen sind nicht bekannt und Folgeschäden auch nicht! Was ist daran gesund?

Menschen, die eine solche Maßnahme in Betracht ziehen, sollten es sich einfach gut überlegen. Was ist für mich selbst gesund? Womit kann ich leben? Womit will ich leben? Was bin ich bereit zu riskieren (ich könnte bei der Operation sterben)?

Menschen, die eine solche Maßnahme hinter sich haben, haben sowieso nur die Wahl einen Weg zu finden damit auf eine für sie positive Weise umzugehen. Sie müssen es gut finden, schließlich müssen sie jetzt damit leben! Und was wäre es für ein Leben, wenn die Schmerzen und Risiken einer solchen Maßnahme, nicht den gewünschten Erfolg brächten? Also gut, wenn sie die positiven Aspekte für sich betonen und damit jetzt hoffentlich endlich ein glückliches Leben führen können. Denn wir machen solche Maßnahmen nicht wegen der Gesundheit sondern aus Angst, Sorge und Verzweiflung! Wir machen es um unsere Leben zu verbessern und insofern möge es auch für jeden der es macht eine Verbesserung sein und nicht ein schlimmerer Albtraum als davor! Die Probleme löst es auf lange Sicht nicht. Wir bleiben immer noch die Menschen, die wir sind!

Insofern sollten wir eine Basis schaffen, dass Menschen nicht mehr aufgrund von Angst Entscheidungen treffen bzw. andere für sie diese Entscheidungen treffen zu lassen, weil sie es ja angeblich besser wissen bzw. besser wissen sollten.

Wichtig bleibt immer, dass wir uns selbst und unsere Entscheidungen gut heißen und mögen! Wir brauchen sie nicht anderen auf die Nase binden und wir müssen uns auch nicht für sie rechtfertigen! Wir müssen mit uns und unseren Entscheidungen leben und das hoffentlich auf eine für uns selbst großartige und wunderbare Weise!

Die ARGE Dicke Weiber unterstützt jeden dicken/fetten Menschen. Wir unterstützen jede individuelle Entscheidung. Wir lehnen Übergewichtschirurgie ab – aber nicht die Menschen, die aus ihrer Not heraus sich solchen Maßnahmen unterziehen. Wir lehnen Diäten ab – aber nicht die Menschen, die aus ihrer Not heraus Diäten machen. Wir wollen dicke Menschen bestärken selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen und mit ihren Entscheidungen ein für sie glückliches Leben zu führen! Es geht uns um ein selbstbestimmtes, freudvolles Leben im eigenen Körper. Es geht um individuelle Definitionen von einem freudvollen, selbstbestimmten, würdevollen Leben.

Auch in einem dicken/fetten Körper lässt es sich gut leben! Auch in einem kranken Körper kann man ein für sich gelungenes Leben führen! Auch wenn man Unterstützung braucht, auf Hilfe angewiesen ist, bestimmte Beschränkungen und Grenzen hat, etc. kann man ein würdevolles, wunderbares und für einen selbst erfülltes Leben leben!

Die ARGE Dicke Weiber will andere darin unterstützen ein für sie selbst lebenswertes Leben zu führen! Und wir kämpfen darum auch gegen Vorurteile, gesellschaftliche Vorgaben, mediale Gehirnwäsche, medizinische Bevormundung! Und jede/r ist herzlich eingeladen mit uns für ein lebenswertes und selbstbestimmtes Leben zu kämpfen.

Septembertreffen der ARGE Dicken Weiber

Bei unserem Treffen am Freitag den 28.09.2018 haben wir einige neue Projekte besprochen und können mit gutem Gewissen folgendes bekannt geben.

Die ARGE Dicke Weiber wurde zu „KINDHEIT OHNE ROLLENKLISCHEES“ am 6.11.2018 im Festsaal Margareten eingeladen. Wir werden dort einen Infotisch haben. Dazu haben wir uns einige Gedanken gemacht wie unter anderem die Schwierigkeit menschliche Körper zu beschreiben, da Sprache sehr verletzend sein kann und sehr verletzend aufgenommen werden kann. Je nach Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung können Kränkungen entstehen ohne beabsichtigt zu sein. Der Gebrauch bestimmter Wörter ist stets abhängig vom Kontext, der Tonlage, der eigenen Vorgeschichte aber auch vom gesellschaftlichen Umfeld und Gebrauch. Kinder, die mit Körper-positiven Gedankengut aufwachsen müssen dahingehend sensibilisiert werden, dass manche Menschen Begriffe wie dick und fett als kränkend empfinden – auch wenn es selbst diese Begriffe als einfach beschreibend und neutral kennen lernte. Insbesondere gehören Medien denen wir unsere Kinder aussetzen gefiltert und überprüft ob ihre Wortwahl und der Kontext körper-positiv die menschliche Vielfalt darstellen.

Wie können wir einen respektvollen Blick unseren Kinder lehren? Durch unser Vorbild! Bei Beschreibungen von Körpern auf die Wortwahl, den Kontext und die Tonlage achten sowie Fremd- und Selbstwahrnehmung. Daraufhinweisen, das manches für einen anderen kränkend sein kann. Abwertendes Gerede, über den eigenen Körper oder andere Körper, muss aufhören. Vorurteile wie der/die ist so weil faul, verfressen, etc. – müssen aufhören und strikt hinterfragt werden – und das auch in Medien. Medien, die dicke Menschen ob Kinder oder Erwachsene als entweder Ulknudeln  oder tragische, kranke, arme Persönlichkeiten darstellen, müssen kritisch betrachtet und auch vermehrt einfach nicht mehr angesehen, angehört etc. werden.

Doch was kann man dann noch anschauen? Denn oft sind die Personen hinter Filmen etc. fragwürdig siehe zum Beispiel Harvey Weinstein! Und will man diese Personen auch unterstützen? Und bei den anderen weiß man es einfach nicht. Dennoch mag man auch bestimmte Filme etc. Es wird immer individuell entschieden und mit sich selbst vereinbart werden müssen. Wichtig ist sich hierüber bewusst zu sein und es als einen bewussten Akt seinen Kindern auch vorzuleben.

Indoktrinierte Werte und Vorstellungen der Gesellschaft gehören hinterfragt wie zum Beispiel.: Sport und gesunde Ernährung im Kampf gegen die Epidemie Adipositas – hierbei geht es nicht um Spaß an der Bewegung sondern darum das eigene Körpergewicht zu kontrollieren und zu halten – und damit einer gewissen Norm zu entsprechen. Dies züchtet Selbsthass und verhindert einen positiven Zugang zum eigenen Körper, den eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Spaß an der Bewegung gehört gefördert und nicht zwanghafte Esskontrolle, die lernt nur auf das äußere zu achten.

Neben diesen Gedanken zum Infotisch wurde auch noch die Gruppendiskussion im Zusammenhang mit Gesundheit besprochen, die im Auftrag des Wiener Programms für Frauengesundheit stattfindet. Hierzu wurde wieder ein aktueller Fall besprochen an dem eine dicke/fette Frau ins Krankenhaus wegen einem schmerzenden Knie (nach einem Unfall) kam und mit der Diagnose Übergewicht und Rezept: Magenbypass entlassen wurde. Dazu wurde die Frau auch noch herzhaft ausgelacht und in ihrer Menschenwürde verletzt. So schnell wird sie kein Krankenhaus mehr aufsuchen, selbst wenn es notwendig wäre. Und wie ihr geht es leider sehr vielen dicken/fetten Menschen!

Nach all dem hast du vielleicht Lust bekommen auch bei uns mitzumachen? Schreib uns einfach eine Email oder hinterlasse einen Kommentar.

Termine für die nächsten ARGE dicke Weiber Treffen

OKTOBER:          Mittwoch 24.10.2018 um 18:00

NOVEMBER:      Freitag 23.11.2018

DEZEMBER:        Freitag 07.12.2018

Und mit einem letzten Augenzwinkern kann ich euch auch verraten, dass unser neues, geheimes Anti-Diät-Tag-Video schon Fahrt aufnimmt! Für nähere Informationen musst du schon mitmachen!

Mit den letzten Worten kann ich euch noch ein großartiges Buch empfehlen: Die Wolfsfrau von Clarissa Pinkola Estes

Ganz dicke Grüße,

eure ARGE Dicke Weiber

Fett schwimmt oben – ein Badetag mit argen dicken Weibern

Wir hoffen auch ihr hattet und habt einen wunderbaren Sommer. Hier sind ein paar Schmankerln aus unserer gemeinsamen Aktion „Badetag mit argen dicken Weibern“.

Bei diesen gemeinsamen Aktionen der ARGE Dicke Weiber geht es auch immer um das Sichtbarmachen dicker Menschen insbesondere dicker Frauen und das Ermöglichen von positiven Erlebnissen in der Öffentlichkeit mit dem dicken Körper insbesondere bei Tätigkeiten, die ansonsten zu Diskriminierungen und Ausgrenzung führen. Sie dienen einerseits uns als dicken Frauen persönlich gehen aber weit über diesen Persönlichkeitsbezug hinaus – wir tun das auch für andere und all jene, die sich noch nicht trauen mit ihrem dicken/fetten Körper ihr Leben voll und ganz zu leben als wertvoller Teil der Gesellschaft. Es ist wichtig sich als Teil einer Gemeinschaft begreifen zu können und zu begreifen das wir alle gut sind so wie wir sind. Unsere Aktionen verändern unseren eigenen Blick auf das Außen und hoffentlich mit unseren Fotos auch den Blick vom Außen, den Anderen, auf uns und unsere dicken/fetten Körper. Jeder Körper ist ein guter Körper.

Lasst uns gemeinsam Raum schaffen für die Vielfalt. Gehen wir gemeinsam mit lächelnden Gesichtern durch die Welt und blicken wir mit freundlichen Augen auf uns selbst und auch auf andere. Dicke Grüße eure ARGE Dicke Weiber

Das Ende der Fahnenstange?

Nach Jahren des Dickenaktivismus ist wohl alles gesagt. Wie oft können wir schreiben, dass jeder Körper ein guter Körper ist und der Wert eines Menschen nicht an seinem Körpergewicht gemessen wird. Es soll also darum gehen, wie es mit der ARGE dicke Weiber weiter geht.

Wir treffen uns selten.
Wir posten wenig.
Wir sind uns nicht immer einig.
Wir sind auch nicht sehr viele.
ABER es gibt uns noch.

Schreibt uns, wenn ihr zu einem Treffen kommen wollt! Anregungen, Ideen, Wünsche – wir sind für alles offen! Aktionen für den Herbst sind geplant, bis dahin gehen wir schwimmen, gerne auch gemeinsam.