Septembertreffen der ARGE Dicken Weiber

Bei unserem Treffen am Freitag den 28.09.2018 haben wir einige neue Projekte besprochen und können mit gutem Gewissen folgendes bekannt geben.

Die ARGE Dicke Weiber wurde zu „KINDHEIT OHNE ROLLENKLISCHEES“ am 6.11.2018 im Festsaal Margareten eingeladen. Wir werden dort einen Infotisch haben. Dazu haben wir uns einige Gedanken gemacht wie unter anderem die Schwierigkeit menschliche Körper zu beschreiben, da Sprache sehr verletzend sein kann und sehr verletzend aufgenommen werden kann. Je nach Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung können Kränkungen entstehen ohne beabsichtigt zu sein. Der Gebrauch bestimmter Wörter ist stets abhängig vom Kontext, der Tonlage, der eigenen Vorgeschichte aber auch vom gesellschaftlichen Umfeld und Gebrauch. Kinder, die mit Körper-positiven Gedankengut aufwachsen müssen dahingehend sensibilisiert werden, dass manche Menschen Begriffe wie dick und fett als kränkend empfinden – auch wenn es selbst diese Begriffe als einfach beschreibend und neutral kennen lernte. Insbesondere gehören Medien denen wir unsere Kinder aussetzen gefiltert und überprüft ob ihre Wortwahl und der Kontext körper-positiv die menschliche Vielfalt darstellen.

Wie können wir einen respektvollen Blick unseren Kinder lehren? Durch unser Vorbild! Bei Beschreibungen von Körpern auf die Wortwahl, den Kontext und die Tonlage achten sowie Fremd- und Selbstwahrnehmung. Daraufhinweisen, das manches für einen anderen kränkend sein kann. Abwertendes Gerede, über den eigenen Körper oder andere Körper, muss aufhören. Vorurteile wie der/die ist so weil faul, verfressen, etc. – müssen aufhören und strikt hinterfragt werden – und das auch in Medien. Medien, die dicke Menschen ob Kinder oder Erwachsene als entweder Ulknudeln  oder tragische, kranke, arme Persönlichkeiten darstellen, müssen kritisch betrachtet und auch vermehrt einfach nicht mehr angesehen, angehört etc. werden.

Doch was kann man dann noch anschauen? Denn oft sind die Personen hinter Filmen etc. fragwürdig siehe zum Beispiel Harvey Weinstein! Und will man diese Personen auch unterstützen? Und bei den anderen weiß man es einfach nicht. Dennoch mag man auch bestimmte Filme etc. Es wird immer individuell entschieden und mit sich selbst vereinbart werden müssen. Wichtig ist sich hierüber bewusst zu sein und es als einen bewussten Akt seinen Kindern auch vorzuleben.

Indoktrinierte Werte und Vorstellungen der Gesellschaft gehören hinterfragt wie zum Beispiel.: Sport und gesunde Ernährung im Kampf gegen die Epidemie Adipositas – hierbei geht es nicht um Spaß an der Bewegung sondern darum das eigene Körpergewicht zu kontrollieren und zu halten – und damit einer gewissen Norm zu entsprechen. Dies züchtet Selbsthass und verhindert einen positiven Zugang zum eigenen Körper, den eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Spaß an der Bewegung gehört gefördert und nicht zwanghafte Esskontrolle, die lernt nur auf das äußere zu achten.

Neben diesen Gedanken zum Infotisch wurde auch noch die Gruppendiskussion im Zusammenhang mit Gesundheit besprochen, die im Auftrag des Wiener Programms für Frauengesundheit stattfindet. Hierzu wurde wieder ein aktueller Fall besprochen an dem eine dicke/fette Frau ins Krankenhaus wegen einem schmerzenden Knie (nach einem Unfall) kam und mit der Diagnose Übergewicht und Rezept: Magenbypass entlassen wurde. Dazu wurde die Frau auch noch herzhaft ausgelacht und in ihrer Menschenwürde verletzt. So schnell wird sie kein Krankenhaus mehr aufsuchen, selbst wenn es notwendig wäre. Und wie ihr geht es leider sehr vielen dicken/fetten Menschen!

Nach all dem hast du vielleicht Lust bekommen auch bei uns mitzumachen? Schreib uns einfach eine Email oder hinterlasse einen Kommentar.

Termine für die nächsten ARGE dicke Weiber Treffen

OKTOBER:          Mittwoch 24.10.2018 um 18:00

NOVEMBER:      Freitag 23.11.2018

DEZEMBER:        Freitag 07.12.2018

Und mit einem letzten Augenzwinkern kann ich euch auch verraten, dass unser neues, geheimes Anti-Diät-Tag-Video schon Fahrt aufnimmt! Für nähere Informationen musst du schon mitmachen!

Mit den letzten Worten kann ich euch noch ein großartiges Buch empfehlen: Die Wolfsfrau von Clarissa Pinkola Estes

Ganz dicke Grüße,

eure ARGE Dicke Weiber

Fett schwimmt oben – ein Badetag mit argen dicken Weibern

Wir hoffen auch ihr hattet und habt einen wunderbaren Sommer. Hier sind ein paar Schmankerln aus unserer gemeinsamen Aktion „Badetag mit argen dicken Weibern“.

Bei diesen gemeinsamen Aktionen der ARGE Dicke Weiber geht es auch immer um das Sichtbarmachen dicker Menschen insbesondere dicker Frauen und das Ermöglichen von positiven Erlebnissen in der Öffentlichkeit mit dem dicken Körper insbesondere bei Tätigkeiten, die ansonsten zu Diskriminierungen und Ausgrenzung führen. Sie dienen einerseits uns als dicken Frauen persönlich gehen aber weit über diesen Persönlichkeitsbezug hinaus – wir tun das auch für andere und all jene, die sich noch nicht trauen mit ihrem dicken/fetten Körper ihr Leben voll und ganz zu leben als wertvoller Teil der Gesellschaft. Es ist wichtig sich als Teil einer Gemeinschaft begreifen zu können und zu begreifen das wir alle gut sind so wie wir sind. Unsere Aktionen verändern unseren eigenen Blick auf das Außen und hoffentlich mit unseren Fotos auch den Blick vom Außen, den Anderen, auf uns und unsere dicken/fetten Körper. Jeder Körper ist ein guter Körper.

Lasst uns gemeinsam Raum schaffen für die Vielfalt. Gehen wir gemeinsam mit lächelnden Gesichtern durch die Welt und blicken wir mit freundlichen Augen auf uns selbst und auch auf andere. Dicke Grüße eure ARGE Dicke Weiber

Überall Bäuche

Überall Bäuche,
manche sind schmal,
manche sind fest,
manche hängen hinab,
manche wölben sich vor,

überall Bäuche,
manche sind gefüllt,
manche sind leer,
manche knurren,
manche grummeln,
manche glucksen, Weiterlesen

Dickenbewegung

geschrieben von Malena Glück

Seit Gründung der ARGE Dicke Weiber im September 2009 entwickelte sich in mir ein Bewusstsein für die gesellschaftlichen Strukturen, die dicke/fette Menschen zu Menschen zweiter Klasse herabsetzten. Diese gesellschaftlichen Strukturen sorgen dafür, dass dicke/fette Personen zunehmend aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Verinnerlichte Gedankenstrukturen sorgen dafür, dass wir diese gesellschaftlichen Verhältnisse aufrechterhalten und immer wieder von neuem erschaffen und verschärfen. Weiterlesen

EINFACH GÖTTLICH

„NEHMEN WIR MAL DIE SCHILDKRÖTE UND DEN ADLER. Die Schildkröte lebt nahe am Boden. Noch näher dran wäre schon fast unterirdisch. Der Horizont der Schildkröte beschränkt sich auf wenige Zentimeter, und ihre Höchstgeschwindigkeit reicht locker aus, um ein Salatblatt zu jagen und zu erlegen. Während die übrige Evolution an ihr vorbeigezogen ist, hat sie überlebt, indem sie – im Großen und Ganzen – für niemanden eine Bedrohung darstellte und ziemlich umständlich zu verspeisen war. Auf der anderen Seite der Adler. Ein Geschöpf der luftigen Höhen, dessen Horizont sich bis zum Rand der Welt erstreckt. Sein Blick ist so scharf, dass ihm selbst aus einer halben Meile Entfernung nicht die kleinste Bewegung eines noch so winzigen Pelztierchens entgeht. Der Adler, das ist schiere Kraft gepaart mit schierer Beherrschung – der geflügelte, blitzschnell zuschlagende Tod. (…) Und kurz darauf sieht die Schildkröte, wie die Welt unter ihr ins Bodenlose entschwindet. Sie sieht sie zum allerersten Mal nicht nur aus einem Zoll Entfernung sondern aus einer Höhe von fünfhundert Fuß, und sie denkt erstaunt: Was ist mir der Adler doch für ein wunderbarer Freund! Dann lässt der Adler los. Und fast immer stürzt die Schildkröte in den Tod. Jeder weiß, wieso die Schildkröte sich so verhält. Schwerkraft ist eine Gewohnheit, die man nur sehr schwer ablegen kann. Niemand weiß, warum der Adler sich so verhält. So eine Schildkröte gibt zwar eine leckere Mahlzeit ab, aber zieht man den zu betreibenden Aufwand in Betracht, kann man sich so gut wie allem anderen wesentlich bequemer ernähren. Es liegt einfach daran, dass Adler großen Spaß daran haben, Schildkröten zu schikanieren. Natürlich ist dem Adler nicht bewusst, dass er sich damit an einer sehr brutalen Methode der natürlichen Auslese beteiligt. Eines Tages werden Schildkröten fliegen lernen.

Terry Pratchett (Einfach göttlich, Taschenbuchausgabe Mai 2016, S.5f)

act of rebellion

„In a society that profits from our self-doubt, choosing to love oneself is an act of rebellion. When people see my husband and I — he, the ‘good looking’ male and me, the ‘fat’ woman — supporting each other and showcasing our love, it challenges stereotypes. Sure, it makes certain people extremely uncomfortable. But if you are not ashamed of your body and if your partner is not ashamed of your body, those outsider opinions begins to grow mute.“

Kat Stroud