„Das Optimum ist der gesunde Mensch – im Gegensatz zum kranken. (…) Die Grenzen zwischen ››krank‹‹ und ››gesund‹‹ sind oft nur schwer zu ziehen, weil eigentlich immer fließend. Ab wann ist zu klein zu klein, und ab wann ist zu groß krank? Und was ist krank oder eigentlich einfach nur anders?“

Markus Hengstschläger

(Philosophicum Lech. Neue Menschen! Bilden, optimieren, perfektionieren. Konrad Paul Liessmann Hg., Paul Zsolnay Verlag, Wien 2016, S.213)

Media representation of fat people

„Representation matters, and the fact that almost all media representation of fat people is based on negative stereotypes and diet culture is a problem.  It means that we don’t have role models who look like us (and like looking like us,) and that nearly every time that fat-positive fat people find out that we are actually going to represented (which is, in and of itself, pretty rare in television and movies) it’s not long before we find out that the we aren’t going to be represented at all – the only fat people who are represented are fat people who don’t want to be fat any more.“

Ragen Chastain

„Grundsätzlich aber muss man fragen, ob Körper, die nicht den gesellschaftlichen Normvorstellungen entsprechen, an und für sich problematisch sind oder ob sie nicht vielmehr zu einem Problem gemacht werden?“

Ulrike Klöppel

(‘Problematische Körper?’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, Torsten Junge/ Imke Schminke Hg., UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.45)

„Eine Grundannahme im Anschluss an Foucault ist, das Körper nicht a priori, als eine Naturtatsachen vorhanden sind, sondern durhc Diskurse und in Diskursen konstruiert werden. Vor allem die Humanwissenschaften wie Medizin, Psychologie und Pädagogik produzieren Wissensordnungen die entscheidend mitbestimmen, wie Körper wahrgenommen werden. (….) Diskurse regulieren und beschränken das Wissen vom Körper, sie konstruieren Körperbilder und beeinflussen Körpererfahrung, gleichzeitig generieren sie – im Sinne einer Produktivität und Positivität von Macht – immer auch Neues, beispielsweise neuartige Grenzziehungen zwischem dem, was als ›ganz normal‹, als ›noch normal‹ oder als ›anormal‹ zu gelten hat.“

Anne Waldschmidt

(‘Behinderte Körper:Stigmatheorie, Diskurstheorie und Disability Stduies im Vergleich’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, Torsten Junge/ Imke Schminke Hg., UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.34f)

Medialer Raum

Wo ist wilde dicke Rotzgöre in den Filmen,
die auf all die Klischees scheißt,
wo ist das dicke, fette Vorbild für einen Körper,
wie den meinen,
wo sind die reichen, starken und unabhängigen Filmfiguren,
die dick ihr Leben meistern,
wo sind die dicken, fetten Menschen in Serien,
die ein positives Körperbild und Körpergefühl vermitteln,
keine selbstzerfleischenden und selbstverzweifelnden
unglücklichen Trauergestalten, keine selbstmitleidigen Witzfiguren,
keine selbsthassenden Persönlichkeiten und Nebensächlichkeiten,
sondern selbstbewusste, lebendige Rollen für dicke, fette Menschen,
die uns auch gerecht werden?

Wir sind keine weinerlichen Jammerer, wir sind keine vorurteilbeladene Klischees,
wir haben Partner, wir haben Kinder, wir haben Berufe, wir sind Menschen,
keine Nebenrollen sondern auch Hauptfiguren,
keine der Diätkeule ausgelieferten Selbstzweifler sondern starke Persönlichkeiten,
wir sind mehr als eure Vorurteile,
wir verdienen mehr als verächtliche Gesten,
dummes Gerede und die bildliche Manifestation des Dickenhasses,
wir haben auch Liebesbeziehungen, wie haben auch Sex,
wir haben auch Erfolg, wir haben auch ein Leben,
wir sind nicht nur lieb oder freundlich oder traurig oder witzig,
wir sind nicht nur die böse, hässliche oder skurrile Gestalt,
wir können alle Rollen spielen und wir können alle Rollen verkörpern,
und das wollen wir auch sehen,
– wir wollen mehr Dicke, Fette mit positiven Körperbezug in Medien sehen.

Dicke/Fette, die sich eben nicht ihres Körpers schämen,
sondern die zu sich stehen,
Dicke/Fette, denen ihr Gewicht egal ist,
denen egal ist ob sie ab oder zunehmen,
die sich so annehmen wie sie sind,
Dicke/Fette, die sich verlieben, die Beziehungen haben,
die geliebt werden, die stark sind, erfolgreich sind,
die frech sind und alle möglichen Rollen spielen,
nicht nur eine beschränkte, sehr diskriminierende Darstellung ständig wiederholen.

Und wir wollen eine Berichterstattung, die sich nicht den Klischees bedient,
die keine Panikmache oder Dickenhetze darstellt,
wir wollen keine manipulierenden und populistischen Artikel über angebliche „Epidemien“,
die das Feindbild des Dicken/Fetten schaffen,
der kein Mensch mehr ist
sondern je nach Belieben der Nachrichten
nur mehr eine Krankheit, Dummheit oder Disziplinlosigkeit,
wir wollen Medien, die unsere Menschenwürde achten und vertreten,
die uns nicht aus der Gesellschaft ausschließen sondern Dicke/Fette inkludieren,
die Raum geben: jedem Körper, jedem Menschen.
Wir wollen eine Gemeinschaft, ein raumgebendes Miteinander.
Und Medien können viel dazu beitragen ein solches zu erschaffen.
Also wo ist die wilde dicke Rotzgöre?

verfasst von Malena Glück