Dicksein / Fettsein und ungewollte Fotos

„Seit jedes Handy annehmbare Fotos machen kann ist es als Dicke manchmal recht unangenehm – jetzt folgt nicht ein Zeigefinger, ein starrer Blick des Entsetzens oder ein verstohlenes Kopfzeichen zum Nachbarn und hämisches Gelächter  sondern es wird einfach ein Foto geschossen und herzhaft und immer wieder von neuem über uns hergezogen. Eventuell landet es im Internet mit Spott, Hohn und Dickenhass versehenen Mitteilungen. Mein Körper gehört mir, er dient nicht eurem Begaffen, er dient nicht eure Hetze, er dient nicht eurer Belustigung und eurem Voyeurismus. Unsere dicken/fetten Körper gehören euch nicht, also schämt euch für eure Anmassung ein Foto von uns ohne unsere Erlaubnis zu machen. Wir schämen uns nicht für unsere Körper. Und wir lassen uns auch keine Scham mehr einreden. Wir erlauben es nicht, dass ihr uns zum Objekt eures Spottes und Hasses macht. Wir sind alle Menschen.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Die frühen Klimatheroien arbeiten an einer Verortung des Menschen, die davon ausgeht, dass man nicht nur Körper, sondern auch Kulturen, Charaktere und sogar die Form des Gemeinwesens nur vor dem Hintergrund dieser Verortung denken kann. Der Mensch ist, wo er wohnt. Klimatheorie ist damit allerding keine frühe Theorie der Umwelt, denn sie denkt nicht in Kategorien eines Organismus im Zentrum und seiner Um-Welt drumherum. Sie ist vielmehr eine Theorie des An-einem-Ort-Seins, eine Theorie, die einen Blick auf menschliche Lebensbedingungen mit einem Interesse an Kulturen, Mentalitäten und politischen Formen verbindet – und zwar im Plural. Denn so wie es nicht den einen Ort gibt, gibt es für sie nicht den einen Menschen oder eine Norm des Menschseins, sondern nur verschiedene Typen, nicht eine Kultur, nur Kulturen. Klimatheroie ist damit eine Theorie des Vergleichens von menschlichen Lebensformen. Das hindert sie natürlich nicht daran, sehr häufig zu werten: Es gibt bessere und schlechtere Klimata und so natürlich immer auch bessere und schlechtere, höher oder niedriger stehende Kulturen. Aber ihre Pointe liegt, so meine ich, in einer anderen Einsicht: der in die Verortung des Menschen in einer Atmosphäre, die ihn unausweichlich umfängt, durchdringt und formt.“

Eva Horn

(Philosophicum Lech. Neue Menschen! Bilden, optimieren, perfektionieren. Konrad Paul Liessmann Hg., Paul Zsolnay Verlag, Wien 2016, S.81f)

Dicksein / Fettsein und Eis essen

„Also ich esse gerne Eis im Sommer und ich würde es auch gerne in einem Eisgeschäft verspeisen aber meistens sind da die Sitze viel zu eng, aus Plastik oder so geformt das sie schon vom hinsehen kaputt gehen. Nein auf soetwas würde ich mich nie setzen. Aber das ist nicht nur bei Eisgeschäften so, viele Café oder Restaurants bieten draußen nur diese klapprigen Gartensessel an – dabei gibt es die auch ohne Lehnen und sehr stabil. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich das eines Tages ändern wird. Schließlich wäre es ein Zeichen, dass auch mein dicker/fetter Körper in der Gesellschaft einen Platz hat. Des wäre ein Zeichen, dass auch dicke/fette Menschen von ganz alltäglichen und für andere selbstverständlichen Gegebenheiten und Lebensfreuden nicht ausgeschlossen werden. Ein Zeichen dafür, dass wir als Menschen anerkannt werden. Das strebe ich an und dafür stehe ich ein.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Zeit ist wertvoll

„Zeit ist sehr wertvoll und viel zu wertvoll um sie an Menschen zu verschwenden, die einen immer nur anders haben wollen als mensch ist. Seid mir das bewusst wurde habe ich mich von Menschen getrennt, die mich nicht unterstützt und angenommen haben wie ich war. Mein Dicksein/Fettsein war für sie immer ein Problem – in ihren Augen disqualifizierte es mich. Immer tarnten sie ihre Vorurteile unter dem Deckmantel der Gesundheit wie es heute sooft passiert. Es gab mir immer das Gefühl nicht ganz dazuzugehören, nicht ganz angenommen zu werden und vorallem auch nicht ganz gesehen zu werden. Also ein Tipp falls Du deine dicken/fetten Freunde nicht kränken, verletzen, abwerten oder gar verlieren willst – hör auf sie verbiegen zu wollen nur weil du dir so große Sorgen um ihre Gesundheit machst.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Your body is yours.

„Your body is not a debt to be paid, not a problem to solve, or an albatross to carry. Your body is yours. All you need to do is have the body you have, keep yourself safe, and build the momentum of your own goodness. Feel it whirring away inside you. Fuel its engine. Remember who are you are, regardless of the body you have.And remember all that’s yours at the end of the day. You have the puttering motor of your goodness, and you have all the fuel it needs. You have a body that keeps you warm, soft and tender. You have lungs that fill with cool, sweet air, and a heart that beats oceans through your veins. You have the tides of your own body, and the moon that governs them.“

Your Fat Friend

„Der Mensch, der nicht weiß, wer er ist, legt fest, wer er ist. Jede dieser Bestimmungen kann deshalb jederzeit durch eine andere ersetzt werden. (…) Aber nach welchem Bilde schaffen wir nun uns selbst? Nicht: Wer sind wir? ist die Frage, sondern: Wie sehen wir uns?“

Konrad Paul Liessmann

(Philosophicum Lech. Neue Menschen! Bilden, optimieren, perfektionieren. Konrad Paul Liessmann Hg., Paul Zsolnay Verlag, Wien 2016, S.11)