Magenbypass und andere Eingriffe der Adipositaschirurgie

Anlässlich eines neuen Kommentars zu unserem Artikel Risiken und Folgen eines Magenbypass ist folgendes noch einmal deutlich festzuhalten:

Angst ist in der ganzen Diskussion rund um Magenbypass und Gesundheit ein großartiges Treibmittel um Menschen zu allem möglichen zu bewegen. Die Angst vor dem Tod, Schmerzen oder dem gesellschaftlichen Ausschluss treibt Menschen dazu einfach alles zu probieren und zu glauben. Der derzeitige Diskurs um Gesundheit schürt vor allem Angst und erhöht den Druck auf Dicke/Fette sich der „Autorität“ der Mediziner unterzuordnen. Menschen werden dabei entmündigt. Aber was vergessen wird der Arzt muss mit den Konsequenzen nicht leben sondern der Mensch, der sich diesen Operationen unterzieht muss es!

Und um eines ganz klar zu stellen, die ARGE Dicke Weiber verurteilt niemanden, der sich zu einer solchen Maßnahme entscheidet. Ganz im Gegenteil diese Menschen haben unser größtes Mitgefühl! Wir wissen, dass es keinesfalls eine leichte Entscheidung ist sich eines solchen Eingriffs zu unterziehen. Wir wissen, welchem Druck mensch ausgeliefert wird und welche Gehirnwäsche jeder einzelne von uns täglich ausgeliefert ist. Wir wissen um die Ängste, die geschürt werden, und wie gut die Heilsversprechen klingen. So oder so muss der jeweilige Mensch selbst mit seinen Entscheidungen leben. Die Verfahren kann man nicht rückgängig machen und man wird damit endgültig leben müssen. Insofern ist es gut, wenn die Menschen, die sich einem solchen Verfahren unterziehen, damit im Nachhinein zufrieden sind. Wir freuen uns über jeden Menschen, der erstens die Operation überlebt (eine Operation ist riskant) und zweitens ein für ihn/sie „besseres“ Leben (nach eigener Definition) danach führt. Leider ist das nicht bei jedem, der sich das machen lässt, der Fall.

Und noch eins Diabetes, Arthritis, Skoliose, Bluthochdruck und Schuppenflechte können auch dünne Menschen bekommen. Nur weil Ärzte es automatisch aufs Dicksein schieben heißt das nicht das es die tatsächliche Ursache ist. Bei einem dünnen Menschen würden sie andere Abklärungen machen! Und kann es wirklich gesund sein – einen gesunden Körperteil klein zu schnippeln oder abzubinden, bis er in einem selbst abstirbt? Langzeitfolgen von solchen Maßnahmen sind nicht bekannt und Folgeschäden auch nicht! Was ist daran gesund?

Menschen, die eine solche Maßnahme in Betracht ziehen, sollten es sich einfach gut überlegen. Was ist für mich selbst gesund? Womit kann ich leben? Womit will ich leben? Was bin ich bereit zu riskieren (ich könnte bei der Operation sterben)?

Menschen, die eine solche Maßnahme hinter sich haben, haben sowieso nur die Wahl einen Weg zu finden damit auf eine für sie positive Weise umzugehen. Sie müssen es gut finden, schließlich müssen sie jetzt damit leben! Und was wäre es für ein Leben, wenn die Schmerzen und Risiken einer solchen Maßnahme, nicht den gewünschten Erfolg brächten? Also gut, wenn sie die positiven Aspekte für sich betonen und damit jetzt hoffentlich endlich ein glückliches Leben führen können. Denn wir machen solche Maßnahmen nicht wegen der Gesundheit sondern aus Angst, Sorge und Verzweiflung! Wir machen es um unsere Leben zu verbessern und insofern möge es auch für jeden der es macht eine Verbesserung sein und nicht ein schlimmerer Albtraum als davor! Die Probleme löst es auf lange Sicht nicht. Wir bleiben immer noch die Menschen, die wir sind!

Insofern sollten wir eine Basis schaffen, dass Menschen nicht mehr aufgrund von Angst Entscheidungen treffen bzw. andere für sie diese Entscheidungen treffen zu lassen, weil sie es ja angeblich besser wissen bzw. besser wissen sollten.

Wichtig bleibt immer, dass wir uns selbst und unsere Entscheidungen gut heißen und mögen! Wir brauchen sie nicht anderen auf die Nase binden und wir müssen uns auch nicht für sie rechtfertigen! Wir müssen mit uns und unseren Entscheidungen leben und das hoffentlich auf eine für uns selbst großartige und wunderbare Weise!

Die ARGE Dicke Weiber unterstützt jeden dicken/fetten Menschen. Wir unterstützen jede individuelle Entscheidung. Wir lehnen Übergewichtschirurgie ab – aber nicht die Menschen, die aus ihrer Not heraus sich solchen Maßnahmen unterziehen. Wir lehnen Diäten ab – aber nicht die Menschen, die aus ihrer Not heraus Diäten machen. Wir wollen dicke Menschen bestärken selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen und mit ihren Entscheidungen ein für sie glückliches Leben zu führen! Es geht uns um ein selbstbestimmtes, freudvolles Leben im eigenen Körper. Es geht um individuelle Definitionen von einem freudvollen, selbstbestimmten, würdevollen Leben.

Auch in einem dicken/fetten Körper lässt es sich gut leben! Auch in einem kranken Körper kann man ein für sich gelungenes Leben führen! Auch wenn man Unterstützung braucht, auf Hilfe angewiesen ist, bestimmte Beschränkungen und Grenzen hat, etc. kann man ein würdevolles, wunderbares und für einen selbst erfülltes Leben leben!

Die ARGE Dicke Weiber will andere darin unterstützen ein für sie selbst lebenswertes Leben zu führen! Und wir kämpfen darum auch gegen Vorurteile, gesellschaftliche Vorgaben, mediale Gehirnwäsche, medizinische Bevormundung! Und jede/r ist herzlich eingeladen mit uns für ein lebenswertes und selbstbestimmtes Leben zu kämpfen.

Risiken und Langzeitfolgen einer Magenbypass Operation

Der vierte Text zum ARGE Dicke Weiber Themenschwerpunkt »Übergewichtschirurgie«.

Bei der Magenbypass-Operation wird eine kleine Magentasche gebildet, die direkt mit dem Dünndarm verbunden wird. Der restliche Magen, der Zwölffingerdarm und ein Teil des oberen Dünndarmes sind damit ausgeschaltet, das heißt, die Nahrung gelangt sofort unter Umgehung des Magens in den Dünndarm. Da der Magen und der Zwölffingerdarm mit Klammernähten abgeklammert werden, kann weder ein Kontrastmittel in diese Teile des Magens gelangen (kein Röntgen möglich) noch eine endoskopische Untersuchung und Behandlungen stattfinden. Somit lassen sich im abgeklammerten Magenbereich keine Geschwüre oder andere Krankheiten feststellen und behandeln. Der blind verschlossene Magen kann durch Magenspiegelung in der Regel nicht mehr eingesehen werden, ausser mit einer kleinen Operation.

Gefährlich sind auch Probleme durch Lecks im Bereich der Klammernahtreihen. An den Klammernähten und im Bereich der Verbindungsstelle von Magen und Dünndarm kann es zu Blutungen kommen oder es können Schwachstellen auftreten. Dabei kann es zum Austritt von Magen-Darminhalt und in weiterer Folge zu einer Bauchfellentzündung kommen. Auch Schleimhautentzündungen, Geschwüre an den Verbindungsstellen sowie Infektionen und Abszess Bildungen in der Bauchhöhle sind wahrscheinlich und führen zu Folgeoperationen. Darüber hinaus müssen langfristig säurereduzierende Medikamente zum Schutz der Schleimhaut vor allem im Bereich der Nahtverbindung Magen/Dünndarm eingenommen werden. Die Verbindung zwischen Magen und Dünndarm kann sich nach mehreren Wochen bis Monaten so weit verengen das selbst Flüssigkeiten nicht mehr durchkommen. Die Verengungen müssen mittels mehrmaliger Magenspiegelung gedehnt werden. Selten können sich beide Magenteile wieder miteinander verbinden.

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Was passiert bei den einzelnen Verfahren der Adipositaschirurgie?

Der dritte Text zum ARGE Dicke Weiber Themenschwerpunkt »Übergewichtschirurgie«.

Dieser Artikel soll als Kurzüberblick dienen, auf die Komplikationen und Langzeitfolgen der verschiedenen Verfahren werden wir noch gesondert eingehen.

Magenballon

Der Magenballon wird ohne Operation mittels Speiseröhre in den Magen eingeführt und dort mit Wasser und Luft gefüllt. Der Fremdkörper soll die Nahrungsaufnahme für maximal sechs Monate regulieren und auf eine chirurgische Maßnahme vorbereiten.

Da das Material mit der Zeit spröde wird, kann es bei einem unbemerkten Abgang zu einem Darmverschluss (Ileus) kommen.

Magenband

Das Magenband ist ein körperfremdes Implantat aus Silikon und wird ringförmig um den obersten Teil des Magens platziert. Über ein Schlauchsystem steht das Magenband mit einem «Reservoir»-System in Verbindung, welches unter die Haut implantiert wird. Es muss immer wieder eingestellt werden und kann zu verschiedenen Komplikationen führen, die dann eine Entfernung notwendig machen. Meist wird ein Magenband nach einigen Jahren umgebaut zu einem Schlauchmagen oder einem Magenbypass.

Komplikationen sind: Infektionen und Verwachsungen am Magen, eine sackförmige Erweiterung der Speiseröhre, Leckagen des Schlauchsystems, das Verrutschen des Magenbandes, Vormagenerweiterungen auch Pouch-Dilatation genannt (Intoleranz für feste und im späteren Verlauf auch für flüssige Kost), Probleme im Bereich des Ports (Infektionen, Verrutschen/Drehen der Portkammer, Abreißen des Schlauches etc., gefährliche Blutvergiftung), gehäuftes Erbrechen.

Außerdem sollte Aspirin nicht mehr eingenommen werden (zu große Nahrungsbrocken oder Medikamente reizen die Magenschleimhäute).

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Adipositaschirurgie – Was ist das?

Adipositaschirurgie – Übergewichtschirurgie – Bariatrische Chirurgie

Ein Überblick von Malena Glück

Unter Adipositaschirurgie werden verschiedene medizinische Eingriffe zusammengefasst, die mittels chirurgischer Veränderung des »gesunden« Magen-Darmtraktes zur »Bekämpfung« (»Heilung«) von »Übergewicht« beitragen sollen. Dabei dient die chirurgische Maßnahme lediglich als Hilfestellung um die medizinisch empfohlene »Ernährungsumstellung« auch ein Leben lang durchzuhalten. Zu den zahlreichen Operationsverfahren zählen derzeit vorrangig: Magenband, Schlauchmagen, Magenbypass (Roux-Y-Magen-Bypass) und biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD-DS).

Die Adipositaschirurgie bedient sich dabei eines großen Vorurteils gegenüber Dicken: »Dicke essen viel zu viel bzw. sind einfach sehr gute Nahrungsverwerter«, denn das einzige was die chirurgischen Eingriffe wirklich bewirken ist, die Nahrungszufuhr massiv zu begrenzen. Eine solche begrenzte Nahrungszufuhr wird Restriktion genannt. Es gibt auch chirurgische Maßnahmen, dazu zählt vor allem die biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD-DS) und teilweise der Magenbypass, die nicht nur die Nahrungszufuhr sondern auch die Verwertung der Nahrung also die Nahrungsinhaltstoffaufnahme beschränken, dies wird dann Malabsorption bzw. Malresorption genannt.

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Gegen Übergewichtschirurgie

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Hier ist der erste Text zum großen Thema »Übergewichtschirurgie«.

Warum ist die ARGE Dicke Weiber gegen Übergewichtschirurgie?

Übergewichtschirurgie ist ein Experimentieren am Körper, das schwerwiegende Folgen für Gesundheit und Lebensqualität mit sich führt, die eine lebenslange medizinische Nachbetreuung erforderlich machen. Getarnt als endgültige und einfache Heilsversprechung und unter dem Druck ärztlicher Empfehlungen werden Dicke überall dazu aufgefordert. Dabei handelt es sich um eine ähnliche Geschäftemacherei wie bei Schönheitschirurgie, Gebärmutterentfernungen und Kaiserschnitten.

Es wird weder gesagt welche Lebenseinschränkungen frau nach so einer Operation erwarten kann noch, dass frau trotzdem dick bleiben oder nach anfänglichem Abnehmen wieder dicker werden kann. Es wird nicht aufgeklärt darüber, dass frau sich ständig mit Essen befassen muss (vor allem mit dem, was frau noch essen kann und in welcher Form, vor allem wie viel) – die gesamte Denkweise wird dann zunehmend eingenommen von diesem Thema (Dünn bleiben, Essen). Ebenso wenig wird darüber informiert, dass, wenn frau abnimmt die überzählige Haut operativ entfernt werden sollte, da ansonsten unter den Hautlappen Ekzeme, Pilze, etc.  entstehen können, die ebenfalls einer lebenslangen Behandlung bedürfen. Eine solche Hautreduktion muss selbst bezahlt werden und ist ebenso riskant wie eine Magenverkleinerung. Weitere Ausführungen zu den gesundheitlichen Gefahren von Übergewichtschirurgie findet ihr in unserem eigenen Artikel.

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Warum dieser Dickenhass?

von Malena Glück

Heute als Europäerin aufzuwachsen heißt, bereits mit der Einstellung geboren zu werden, es gäbe ein »richtiges« Körpermaß und ein »falsches« Körpermaß. Dem richtigen Körper wird jede positive Eigenschaft zugeschrieben, die wir uns nur vorstellen können: schlank, klug, schön, beweglich, diszipliniert, gesund. Dem falschen Körper schreiben wir alle negativen Eigenschaften zu: dick, dumm, hässlich, unbeweglich, faul, ungesund. Ein Mensch dieser Zeit wird von einer »gefährlichen Epidemie« namens »Adipositas« »heimgesucht«, die es unbedingt zu »bekämpfen« gälte. Solche Aussagen werden von Ärzten und Ärztinnen, Lehrern und Lehrerinnen, Politikern und Politikerinnen, Journalisten und Journalistinnen, Eltern, Großeltern, Verwandten, Bekannten, Freunden und sogar von einer selbst ständig wiederholt – bis frau es schließlich glaubt.

Ein Kind muss gar nicht mehr davon überzeugt werden, es hat es so oft gehört, dass es dies gar nicht mehr hinterfragt. Niemand hinterfragt mehr den Dickenhass und die Dickendiskriminierung, die in Verallgemeinerungen wie »Dicke sind ungesund. Dicke sind krank.«, »Dicke essen einfach viel zu viel.« und »Dicke sind doch selbst schuld« stecken. Der Hass auf dicke Körper ist das neue Feindbild, es ist nicht mehr angebracht mit einem anderen Land Krieg zu führen – führen wir halt Krieg gegen den dicken Körper.

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»Mythos Übergewicht« von Achim Peters

Eine Buchrezension von Malena Glück

Achim Peters: Mythos ÜbergewichtAchim Peters schreibt in seinem Werk »Mythos Übergewicht« über die wissenschaftliche Arbeitstheorie, dass Dicksein eine gesunde Reaktion auf Stress darstellt und gestresste Dicke gesundheitlich besser dastehen als gestresste Dünne. Denn Dicke, so seine Annahme, gleichen Stress und den Mehrbedarf an Zucker im Gehirn durch Mehressen aus.

Laut seiner Forschung sind unter anderem soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit Ursachen für das Dicksein und Dickerwerden. Insbesondere die Diskriminierung von Dicken im Gesundheitswesen und in der gesamten Gesellschaft tragen dazu bei, den Stress von allen zu erhöhen und damit auch ihr Gewicht. Dabei teilt er alle Menschen in zwei unterschiedliche Typen. Je nachdem wie sie mit Stress umgehen gehören einige dem Typ A an und andere dem Typ B. Typ B sind Menschen, die unter Stress zunehmen. Während Typ A Menschen sind, die unter Stress abnehmen, aber dafür auch bei Dauerstress Bauchfett ansetzen und einen sehr hohen Cortisolspiegel aufweisen. Typ A Menschen, so Achim Peters, hätten gesundheitliche Nachteile gegenüber den Typ B Menschen aufgrund des höheren Cortisolspiegels und des Bauchfettes.

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