Rund herum ein Panzer

Rund herum ein Panzer,
doch keiner der beschützt,
kein Schild das abhält,
sondern eines das einlädt,
aber nichts, dass ich gerne eingeladen hätte,

rund herum ein Panzer,
aber alles trifft genau,
und Worte hallen nach,
sie rollen von allen Seiten an mich heran,
und sie stechen mich hier,
und sie schneiden mich da,

rund herum ein Panzer,
und ich bin immer sichtbar,
kann gar nicht anders sein,
kann mich nicht verstecken,
wie ein Berg, so riesig,
wie ein Meer, so weit,
wie die Sonne strahlend,
und das zu jeder Zeit,

rund herum ein Panzer,
und alles was mir bleibt sind meine Gedanken,
alles was mir bleibt bin ich selbst,
und ich denke gutes von mir,
denke gutes von meinem Panzer,
der kein Panzer ist,
ich entscheide mich zu lieben,
ich entscheide mich zu freuen,
ich entscheide keinen Panzer zu tragen,
sondern einfach dick und fett zu sein.
Und bin damit glücklich.

verfasst von Malena Glück

Ich, der Kinderwagen!

„Ja ich bin ein Fass und ja ich kann mich nicht auflösen und ja der Kinderwagenplatz, diese kleine Nische ist wunderbar für mich und bietet mir genug Platz zum Stehen und ja ich verfalle wenn ich sehe dass jetzt ein Kinderwagen bei mir einsteigt und ich weiß nicht wohin ich verschwinden soll – ich kann mich nicht auflösen, ich kann mich nicht kleiner machen, ich kann mich nicht zusammenfalten oder was einziehen, das hat bei mir gar keinen Sinn – und nein ich kann mich nicht in den Spalt zwischen den sitzen auf der einen Seite und Kinderwagen auf der anderen Seite zwängen. Und wenn ich in dem Gelenk stehe, dann habe ich Angst wenn vor mir und hinter mir ein Kinderwagen am Kinderwagenplatz steht, dass ich nicht daran vorbei komme und aussteigen kann – ich sitze fest. also was tun wenn ein Kinderwagen doch einsteigt – flüchten nur wohin?“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Gängiger Irrglaube

„Als dicker Mensch über Ernährung zu reden – disqualifiziert dich im Auge deines Gegenübers bereits bevor ein Gespräch überhaupt begonnen hat. Gängiger Irrglaube ist: du als dicke/fette Person weißt gar nichts zu diesem Thema beizutragen außer wie es eben nicht geht oder wie mensch es eben nicht tun sollte. Schließlich kann angeblich mit Ernährung gesteuert werden, welches Gewicht ein Mensch hat – und dabei gibt es „natürlich“ ein Gewicht das auch jeder Mensch zu haben hat. Worauf sich dieses vorgeschriebene Gewicht stützt ist unterschiedlich – behauptet wird es ginge dabei um das für den Körper vorgesehene und angemessene Maß, dass dem Körper bei richtiger Lebensweise (also auch Ernährung, Bewegung, etc.) die optimale Lebensspanne garantiert.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Zeigefinger

„Schau wie dick“,
und schon sehe ich den Zeigefinger,
und er richtet sich auf mich,
mein Fett,
er prangert mich an,
er verurteilt mich, verhöhnt mich,
und was macht mein Fett?
was mache ich?
ich dehne mich aus,
ich werde groß,
ich nehme mir Raum und gebe zu:
„ja ich bin dick,
schau her,
ich stehe zu mir, zu meinem Fett,
zu meinem Bauch, zu meinem Po, zu meinen Hüften,
zu meinen Beinen, meinem Doppelkinn,
DAS BIN ICH
und du bist nur ein Zeigefinger!“

verfasst von Malena Glück

Dicksein / Fettsein und Gesundheit – aktuelle Situation

Zunächst wird von Medien Dicksein bzw. Fettsein als angsteinflößender Alptraum präsentiert und als Krankheit, Seuche oder Epidemie entmenschlicht zu einem Feindbild ummodeliert. Durch diese mediale Aufarbeitung „geschult“ wird „Jedermann“ (auch jede Frau) zum Experten über die Gesundheit von Dicken und Fetten – wobei die Gesundheit Dicken, Fetten prinzipiell einmal abgesprochen wird. Schlagzeilen über die Kosten des Gesundheitssystems machen die Gesundheit Dicker und Fetter zum „angeblichen Eigentum der Allgemeinheit“. Dicke, Fette müssen sich für ihr Dicksein/Fettsein „rechtfertigen“ bzw. ihre Gesundheit stets aufs Neue vorführen und beweisen. „Abnehmen“ wird zum Heilsversprechen – und das auch bei Schnupfen und Halsweh. Dabei gibt es keinerlei Beweis dafür, dass langanhaltende Gewichtsabnahme das Leben verlängert oder verbessert bzw. überhaupt für alle möglich ist. Weiterlesen

Bewegung mit Freude

„Es fühlt sich gut an mich nach meinen eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten zu bewegen. Die Musik fließt richtig durch mich durch und ich bin ganz bei mir. Ich bewege mich nur soweit wie es mir gut tut und achte nur auf meinen eigenen Körper, auf dessen Signale von Freude und Glück. Ich spüre in mich hinein und es macht richtig viel Spaß in diesem dicken/fetten Körper der Musik in meinem eigenen Rhythmus zu folgen. Mein dicker/fetter Körper bewegt sich mit Liebe und wackelt voller Freude.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber