Projekt: Raum einnehmen & Möglichkeiten haben

Es wird mal wieder Zeit für ein paar kleine Tipps für Unternehmungen in Wien als dicker/fetter Mensch. Die ARGE Dicke Weiber war im Kino diesmal im Cineplexx Donau Plex (1220 Wien) und zwar im Film: Wunder.

Zunächst zu den Sitzplätzen: es gibt die Möglichkeit sich einen Lovechair zu teilen. Diese Lovechairs sind auch für zwei dicke Menschen bequem. Es gibt aber von diesen Lovechairs nicht sehr viele und deshalb wäre reservieren wahrscheinlich das Beste, damit man auch ganz sicher einen Lovechair bekommt.

Der Film „Wunder“ behandelt das Thema Mobbing aufgrund äußerer Merkmale – es geht nicht ums Dicksein/Fettsein aber um die Problematik anders auszusehen als andere. Er hat eine positive Botschaft und hinterlässt ein wohliges Gefühl. Optimistisch regt er zum Nachdenken an. Daher können wir ihn gerne empfehlen.

Für alle die eine Freizeitbeschäftigung suchen, die nichts kostet: die ARGE Dicke Weiber war spazieren im  Kurpark Oberlaa. Es gibt für jene die eher gemütlich unterwegs sind, die Möglichkeit mit dem Bus (68A) zum oberen Eingang zu fahren, von dort zu Fuß nach unten zu spazieren und unten in die U1 einzusteigen. Es dauert nicht lange, es ist angenehm ruhig und man ist doch etwas an der frischen Luft.

Hier unsere Eindrücke als kleines Schmankerl:

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Vereinsamung

geschrieben von Malena Glück

Wir unterliegen in unserem Denken sehr häufig gewissen Täuschungen. Eine große Täuschung in Zeiten von Facebook, Twitter, Instagram und Co. liegt darin eingebunden zu sein in menschliche Gemeinschaften. Es täuscht darüber hinweg, dass viele Menschen sehr vereinsamen. Ihre menschlichen Kontakte beschränken sich zunehmend auf das Lesen und Verfassen von Mitteilungen und Bekundungen im Internet.

Ist mensch kein extrovertierter Charakter fällt es einem im realen Leben nicht so einfach Freundschaften zu schließen. Es gibt dazu in der Gesellschaft Weiterlesen

Projekt: Raum einnehmen & Möglichkeiten haben

Die ARGE Dicke Weiber startet etwas verspätet in dieses wunderbare Jahr 2018. Das letzte Jahr war sehr ernüchternd. Wir mussten feststellen, dass es nicht genug aktive Mitglieder gibt um die ARGE Dicke Weiber treffen in ihrer Regelmäßigkeit aufrechtzuerhalten. Dennoch lebt die ARGE Dicke Weiber in den Herzen vieler Menschen weiter und so wird es vielleicht nicht mehr so regelmäßig aber dennoch hin und wieder zu ARGE Dicke Weiber Treffen kommen. Auch auf Email-anfragen können wir nur sehr langsam reagieren und bitten um Verständnis.

Nichts desto trotz gibt es uns noch und so wollen wir an unserem Projekt: „Raum schaffen und Möglichkeiten haben“ weiterarbeiten. Dieses Projekt soll erstens dicken/fetten Menschen insbesondere dicken/fetten Frauen Möglichkeiten aufzeigen am sozialen Leben und an der Gesellschaft teilhaben zu können und zweitens soll es dicke/fette Menschen zeigen die aktiv an der Gesellschaft teilhaben, sich also nicht ausschließen lassen und damit eben auch Raum schaffen für andere dicke/fette Menschen.

Die ARGE Dicke Weiber war im Kino. Ja es gibt Kinosessel in die auch ein dicker Körper bequem platz findet. In der Urania (Uraniastraße 1, 1010 Wien – Innere Stadt) hat der Kinosaal 55 cm breite Sessel sowie in den letzten 4 Reihen Kinosessel mit einer Breite von 65 cm. Im Vergleich dazu haben die meisten Kinos Sitzbreiten von 45 cm. Es ist zudem barrierefrei und angenehm überschaubar. Vor allem für Mütter mit Kindern ist es sehr interessant, denn es bietet Kino für Kinder (wienXtra-cinemagic, für kleinere Kinder ist hier besonders das Bilderbuch-Kino von Interesse). Auch mal mit dem eigenen Kind ins Kino gehen und bequem sitzen wird hier ermöglicht. Danke für die Möglichkeit Urania!

Da könnten sich andere Kinos etwas abschauen!

Falls ihr Erfahrungen habt mit Kinos und Kinosessel – schreibt einfach einen Kommentar. Wir würden uns freuen vielleicht den ein oder anderen Tipp zu lesen aber auch über jede Kritik an unbequemen Kinosesseln etc. ist uns willkommen.

In diesem Sinne lasst euch nicht abbringen euer Leben mit Freude und Liebe zu leben, geht hinaus und schaut euch auch mal einen Film im Kino an. Lacht dabei, esst Popkorn und genießt die Gemeinschaft mit anderen Menschen! Es ist schön Teilhaben zu können! Und es macht glücklich!

Dicke Grüße,

eure ARGE Dicke Weiber

Gemeinsam Mensch sein

Wir reichen uns die Hände,
wir hören einander,
wir wissen und versuchen zu verstehen,
wie es ist dick zu sein,
fett zu sein,
wie es ist mit unterschiedlichen Körpern zu leben,
wir leihen uns unsere Stärke, unsere Stimmen,
wir stehen füreinander ein,
und wir geben einander Raum,
den Raum, den wir brauchen,

wir unterstützen uns und schauen hin,
selbst dann wenn es nicht schön ist,
wir sehen die Vorurteile der Gesellschaft,
den Ausschluss, wo Barrieren aufgebaut werden,
wo es Grenzen gibt,
wir sehen den Hass der Dicken/Fetten begegnet,
wir schenken uns gegenseitig den Mut weiterzumachen,
und wenn es noch so lange dauert,

was wir tun ist wichtig,
denn jeder und jede verdient Würde,
und so schenken wir sie uns gegenseitig
und hoffen andere mit unserem Vorbild zu ermutigen,
auf ihre Würde zu bestehen und für sie einzustehen!

Danke, Ihr wunderbaren und starken VorgängerInnen,
Danke, Euch, die Ihr uns die Hände reicht.
Danke für das Gemeinsame Mensch sein.

verfasst von Malena Glück

to be seen as a human being

„my fight isn’t just to be seen as beautiful or sexy, it’s to be seen as a human being and not a walking “before” picture. It’s about having the chance to get actual health care based on evidence-based interventions rather than being prescribed a bag of not-so-magical weight loss beans. It’s about fat people no longer being hired less and paid less than thin people with the same qualifications.  Being seen as sexy is nice, but what I’m talking about here is seeing people who look like me represented in media as fully actualized, non self-loathing human beings, rejecting diet culture and leading amazing lives.“

Ragen Chastain

„››Was du da sagst, hört sich nicht gerade an wie die Worte eines Gottes.‹‹ ››Das hängt mit diesem Schildkrötengehirn zusammen.‹‹ ››Was?‹‹ ››Weißt du denn überhaupt nichts? Körper sind nicht nur nützliche Verpackungen, in denen man seinen Verstand aufbewahren kann. Deine Gestalt beeinflusst dein Denken. Es ist diese ganze Morphologie überall.‹‹ ››Was?‹‹ Om seufzte. ››Wenn ich mich nicht konzentriere. denke ich wie eine Schildkröte!‹‹ ››Was? Du meinst – langsam?‹‹ ››Nein! Schildkröten sind Zyniker. Sie rechnen immer mit dem Schlimmsten.‹‹ ››Warum?‹‹ ››Keine Ahnung. Vermutlich, weil es ihnen oft zustößt.‹‹“

Terry Pratchett

(Einfach Göttlich. Ein Scheibenwelt-Roman. Wilhelm Goldmann Verlag, München, Taschenbuchausgabe Mai 2016, S.138)

Raumgebendes Miteinander?

Meine Füße tun weh,
sie tragen eine große Last,
ja ich bin schwer, das weiß ich selbst,
mein Rücken der schmerzt vom zu langen Stehen,
will mich setzen, muss mich umsehen,
da ist kein Platz, kein Sitz, kein Raum für mich,
die Türen sind zu klein, die Sessel sind zu eng,

da ist ein Stuhl ohne Lehnen aber er sieht zerbrechlich aus,
ich setze mich, krach und er bricht,
ich stürze mit den Resten des Stuhls zu Boden,
jetzt habe ich blaue Flecken überall,
glück muss ich sagen, es hätte mehr brechen können,
mehr als der Stuhl, bin gut gefallen,
Schmerzen habe ich doch,

dumme Blicke, helfen nicht, verächtliches Kopfschütteln,
erschrockene Gesichter, doch keines ist erschütterter als ich,
mein Herz pumpt rasch, ich rapple mich mühsam auf,
der Stuhl ist hin, ich lebe noch,

so wie diesen Stuhl, da gibt es viele,
beim Arzt, im Kaffee oder in einem Theater,
keiner will passen, keiner hat Platz,
neben Sessel gibt es auch Betten und andere Sachen,
die mit meinem Gewicht mir keine Freude machen,
im Krankenhaus da gibt es wenig Betten,
auch kaum Operationstische, die mich tragen,
Fahrräder oder Autogurte, kann ich lange suchen,

es gibt so viele Dinge auf die ich aufpassen muss,
wo Raum fehlt, wo kein Platz ist,
wo ich mir erst Raum schaffen muss,
Raum für meinen dicken/fetten Körper,
auch in den Köpfen der anderen,
muss erst Raum geschaffen werden,
für meinen dicken/fetten Körper,
für das Dicksein, das Fettsein an sich.
Als müsste ich mir als Dicke/Fette erst einen Platz als Mensch erkämpfen.

Die Bedürfnisse sind anders als Dicke/Fette,
doch Möglichkeiten sind da,
nur als Beispiel: wenn wir nur wollen wäre es möglich Sessel zu haben,
die das Gewicht tragen,
es ist möglich Dicken/Fetten Platz zu schaffen,
und unser Menschsein zu achten.
Und zwar durch die Möglichkeit am Leben,
an der Gesellschaft Anteil zu haben.

Also gehe ich weiter,
auf meinen schmerzenden Beinen,
durch eine Welt,
die mich und meines Gleichen ausschließen will,
und versuche uns Raum zu schaffen,
indem ich ihn mir nehme,
indem ich weiter lebe
und auch mal einen Stuhl zerbreche,
das Porzellan zertrample,
die Grenzen mit meiner Körperfülle ramme,
und mir einfach den Raum nehme,
den ich brauche.

verfasst von Malena Glück