Gemeinsam Mensch sein

Wir reichen uns die Hände,
wir hören einander,
wir wissen und versuchen zu verstehen,
wie es ist dick zu sein,
fett zu sein,
wie es ist mit unterschiedlichen Körpern zu leben,
wir leihen uns unsere Stärke, unsere Stimmen,
wir stehen füreinander ein,
und wir geben einander Raum,
den Raum, den wir brauchen,

wir unterstützen uns und schauen hin,
selbst dann wenn es nicht schön ist,
wir sehen die Vorurteile der Gesellschaft,
den Ausschluss, wo Barrieren aufgebaut werden,
wo es Grenzen gibt,
wir sehen den Hass der Dicken/Fetten begegnet,
wir schenken uns gegenseitig den Mut weiterzumachen,
und wenn es noch so lange dauert,

was wir tun ist wichtig,
denn jeder und jede verdient Würde,
und so schenken wir sie uns gegenseitig
und hoffen andere mit unserem Vorbild zu ermutigen,
auf ihre Würde zu bestehen und für sie einzustehen!

Danke, Ihr wunderbaren und starken VorgängerInnen,
Danke, Euch, die Ihr uns die Hände reicht.
Danke für das Gemeinsame Mensch sein.

verfasst von Malena Glück

to be seen as a human being

„my fight isn’t just to be seen as beautiful or sexy, it’s to be seen as a human being and not a walking “before” picture. It’s about having the chance to get actual health care based on evidence-based interventions rather than being prescribed a bag of not-so-magical weight loss beans. It’s about fat people no longer being hired less and paid less than thin people with the same qualifications.  Being seen as sexy is nice, but what I’m talking about here is seeing people who look like me represented in media as fully actualized, non self-loathing human beings, rejecting diet culture and leading amazing lives.“

Ragen Chastain

„››Was du da sagst, hört sich nicht gerade an wie die Worte eines Gottes.‹‹ ››Das hängt mit diesem Schildkrötengehirn zusammen.‹‹ ››Was?‹‹ ››Weißt du denn überhaupt nichts? Körper sind nicht nur nützliche Verpackungen, in denen man seinen Verstand aufbewahren kann. Deine Gestalt beeinflusst dein Denken. Es ist diese ganze Morphologie überall.‹‹ ››Was?‹‹ Om seufzte. ››Wenn ich mich nicht konzentriere. denke ich wie eine Schildkröte!‹‹ ››Was? Du meinst – langsam?‹‹ ››Nein! Schildkröten sind Zyniker. Sie rechnen immer mit dem Schlimmsten.‹‹ ››Warum?‹‹ ››Keine Ahnung. Vermutlich, weil es ihnen oft zustößt.‹‹“

Terry Pratchett

(Einfach Göttlich. Ein Scheibenwelt-Roman. Wilhelm Goldmann Verlag, München, Taschenbuchausgabe Mai 2016, S.138)

Raumgebendes Miteinander?

Meine Füße tun weh,
sie tragen eine große Last,
ja ich bin schwer, das weiß ich selbst,
mein Rücken der schmerzt vom zu langen Stehen,
will mich setzen, muss mich umsehen,
da ist kein Platz, kein Sitz, kein Raum für mich,
die Türen sind zu klein, die Sessel sind zu eng,

da ist ein Stuhl ohne Lehnen aber er sieht zerbrechlich aus,
ich setze mich, krach und er bricht,
ich stürze mit den Resten des Stuhls zu Boden,
jetzt habe ich blaue Flecken überall,
glück muss ich sagen, es hätte mehr brechen können,
mehr als der Stuhl, bin gut gefallen,
Schmerzen habe ich doch,

dumme Blicke, helfen nicht, verächtliches Kopfschütteln,
erschrockene Gesichter, doch keines ist erschütterter als ich,
mein Herz pumpt rasch, ich rapple mich mühsam auf,
der Stuhl ist hin, ich lebe noch,

so wie diesen Stuhl, da gibt es viele,
beim Arzt, im Kaffee oder in einem Theater,
keiner will passen, keiner hat Platz,
neben Sessel gibt es auch Betten und andere Sachen,
die mit meinem Gewicht mir keine Freude machen,
im Krankenhaus da gibt es wenig Betten,
auch kaum Operationstische, die mich tragen,
Fahrräder oder Autogurte, kann ich lange suchen,

es gibt so viele Dinge auf die ich aufpassen muss,
wo Raum fehlt, wo kein Platz ist,
wo ich mir erst Raum schaffen muss,
Raum für meinen dicken/fetten Körper,
auch in den Köpfen der anderen,
muss erst Raum geschaffen werden,
für meinen dicken/fetten Körper,
für das Dicksein, das Fettsein an sich.
Als müsste ich mir als Dicke/Fette erst einen Platz als Mensch erkämpfen.

Die Bedürfnisse sind anders als Dicke/Fette,
doch Möglichkeiten sind da,
nur als Beispiel: wenn wir nur wollen wäre es möglich Sessel zu haben,
die das Gewicht tragen,
es ist möglich Dicken/Fetten Platz zu schaffen,
und unser Menschsein zu achten.
Und zwar durch die Möglichkeit am Leben,
an der Gesellschaft Anteil zu haben.

Also gehe ich weiter,
auf meinen schmerzenden Beinen,
durch eine Welt,
die mich und meines Gleichen ausschließen will,
und versuche uns Raum zu schaffen,
indem ich ihn mir nehme,
indem ich weiter lebe
und auch mal einen Stuhl zerbreche,
das Porzellan zertrample,
die Grenzen mit meiner Körperfülle ramme,
und mir einfach den Raum nehme,
den ich brauche.

verfasst von Malena Glück

stand alone

„But that isolation, dear friend, is where fat people live every day. When we decide to stand up for ourselves, we are deciding to go it alone. We make little calculations every day. How much can I endure today? How much backlash can I withstand if I defend myself? What do I risk if I stand up for myself with my boss, partner, mother, friend? How can I ignore this, and will it still haunt me anyway? We go it alone because even our dearest friends, our most loving family, can’t comprehend defending a fat person without caveats, excuses, or qualifiers. Many don’t defend us at all. (…)Please, dear friend, do something now. Say something to affirm a fat person. Post something on facebook. Break the isolation. Go out on a limb. Feel the way it sways and cracks beneath you. Remember that some of us feel that unsettling sway every day.“

Your Fat Friend

Dicksein / Fettsein und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

„Ich würde gerne mal ins Theater gehen aber ich habe Angst vor den Stühlen und ihren Lehnen. Ich denke da pass ich nicht hinein – schließlich müsste ich da ja mind. eine Stunde drin sitzen und dazu ist es einfach viel zu unbequem. Das hält mich auch oft von Kino besuchen aber – es gab einmal ein paar Kinosäale wo man die Sessellehnen hochklappen konnte, das fand ich praktisch. Mittlerweile nehme ich mir mit meinem Mann zusammen den Paarsessel, der hat keine Lehnen und wir passen zu zweit schön bequem drauf. Aber soviele von diesen Sesseln gibt es halt auch nicht und sie haben meistens nicht die beste Lage. Ich denke Kinos und Theaters würden wieder mehr Geschäft machen wenn ihre Sitze bequemer wären und auch andere Körperformen einschließen würden.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Sie war natürlich verlegen, aber nicht aus dem offensichtlichen Grund. Es ging dabei eher um die Lektion des Lebens, die manchmal wie ein Knüppelschlag wirkt: Du bist nicht die einzige Person, die die Welt beobachtet. Andere Leute sind Leute. Während du sie beobachtest, beobachten sie dich, und sie denken über dich nach, während du über sie nachdenkst. Die Welt betrifft nicht nur dich.“

Terry Pratchett

(Weiberregiment. Ein Scheibenwelt-Roman. Wilhelm Goldmann Verlag, München, 8.Auflage, Taschenbuchausgabe August 2006, S.121f)