Feministische Initiative?

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Dazu zählt auch die Beschäftigung mit der Frage: „Warum bezeichnen wir uns als eine feministische Gruppe?“

Feministisch heißt für uns Solidarität unter Frauen, ihre Lebenssituation soll verbessert, ihr Selbstwertgefühl gestärkt werden. Wir schließen alle Frauen* mit ein, die sich als solche verstehen. Feminismus beginnt für uns im privaten Bereich und erstreckt sich von dort in die öffentliche, politische Dimension.  Der Appelle, schlank zu sein, ist zum größten Teil an Frauen gerichtet und ein wirksames Mittel ihr Selbstwertgefühl zu erschüttern. Schlank sein heißt, weniger Platz einzunehmen, damit können Frauen klein gehalten werden, sie sollen in der Öffentlichkeit möglichst wenig sichtbar sein und wenn, dann entsprechend den genormten Maßen. Frauen soll klar sein, daß sie das Andere, das Ungenügende sind.

Jede Frau, sei sie noch so schlank, ist zunächst mit dem Schlankheitswahn konfrontiert, dann gelangt sie zum Schönheitszwang. Dazu zählt die Schönheitschirurgie mit Fettabsaugung, Falten glätten, Magen-Bypass. Beinahe schon Pflicht ist das Entfernen von Körperbehaarung, am Ende steht die Altersdiskriminierung. Eine weitere Stufe stellt die Gesundheitsindustrie dar mit dem Zwang zur Gesundheit. Das Motto lautet: „Schön, schlank, gesund und glücklich“. Abmagerungsdiäten werden heute mit Ernährungsumstellung vertauscht. Aggressives Verhalten von ÄrztInnen und ärztlichem Personal dürfte jede von uns schon erlebt haben.

Die Frau ist ein Körper, der Mann ist Geist und Stärke, die Doppelmoral gibt es auch in diesem Bereich – frau ist dick, mann ist stattlich. Der Körper der Frau ist ein Gegenstand, er muß unterdrückt und kontrolliert werden. Frau muß so beschäftigt mit ihrem Körper sein, daß sie sonst an kaum etwas anderes denkt, nicht daran, warum sie als Frau in einer patriarchalen Gesellschaft gering geschätzt wird, Frauenarbeit wenig wert ist und gar nicht soll sie politisch tätig sein. Für schlank/schön/gesund soll sie viel Geld ausgeben, das dient der Wirtschaft.

Wir betrachten es als eine unserer Aufgaben zu vermitteln, dass der Wert einer Frau in ihr selbst liegt, „hör auf, gefallen zu wollen“.

Damit ist die politische Dimension erreicht. Schlankheitsterror, Schönheitszwang und Gesundheitsindustrie hängen zusammen, wir analysieren das und versuchen, Strategien dagegen zu entwickeln.

Wir stellen die gängigen Schönheitsideale in Frage.
Wir lassen Übergewicht nicht als Krankheit gelten.
Wir lehnen die Geschlechterrollen ab.
Wir analysieren die Sprache – wird man/frau verwendet, wird gendergerecht formuliert.
Die Kontrolle des weiblichen Körpers liegt im Interesse des Patriarchats, die mangelnde Anerkennung von Frauenarbeit liegt im Interesse von Wirtschaftsökonomie und Kapitalismus.

Wir lehnen Patriarchat, Wirtschaftsökonomie und Kapitalismus ab.

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