„Wieviel Lust, wieviel Lebensfreude sind wir bereit einzutauschen? Und wogegen eigentlich? Wie gesagt: Abnehmen macht eher krank als gesund, auf Dauer funktioniert es sowieso so gut wie nie und selbst wenn, ist noch nicht einmal ein Mehr an Lebensjahren für Verschlankte nachgewiesen. Wenn es den Begriff der Loose-Loose-Situation noch nicht geben sollte, hierfür würde er zutreffen.“

Udo Pollmer

(Esst endlich Normal! Das Anti-Diät-Buch. Piper Verlag GmbH, München. 4.Auflage März 2011, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Seite 260f)

„Dicke Menschen erfahren täglich aus dem Fernsehen, aus der Zeitung, aus Büchern, aus Filmen, auch bereits aus Spielen, dass sie so wie sie sind nicht angenommen werden. Es wird sich öffentlich über sie lustig gemacht: es gibt kaum Filme, Serien, Artikel oder Romane, die sich neutral oder positiv über Dicke äußern. Meist ekeln sich die Protagonisten vor der dicken oder dem dicken Darsteller, oder sie machen sich über ihn bzw. sie lustig. Doch wenn Sie jetzt glauben die Nachrichten wären eine Ausnahme so irren Sie sich. In den Nachrichten wird Übergewicht als entweder bemitleidenswert oder als selbstverschuldet aber auf jeden Fall krankhaft, ekelhaft und angsteinflößend dargestellt.  Es werden jegliche Vorurteile gegenüber Dicken immer wieder medial aufgearbeitet. Diese mediale Hetzkampagne muss aufhören. Denn Sie führt dazu, dass Menschen glauben es wäre in Ordnung über Dicke zu lachen, sie zu verurteilen, zu beschimpfen, sie zu verachten und sie zu diskriminieren.“

Mitglied der ARGE dicken Weiber

„Damit das Geschäft mit den Dicken floriert, genügt es nicht, Mythen zu streuen, mit falschen Zahlen zu operieren und Angst zu verbreiten, es ist auch notwendig, die Opfer wehrlos zu machen: Dicke dürfen nicht aufgrund ihrer ethnischen Herkunft dick sein, sonst müßte man sich den Vorwurf eines neuen Rassismus gefallen lassen. Dicke dürfen aber auch nicht ohne eigenes Verschulden dick sein, das käme einer Diskriminierung Behinderter gleich. (…) Die Psychologin Marlene Schwartz von der Yale University sieht das ähnlich. Das Gesundheitsargument sei allenfalls vorgeschoben, um die Diskriminierung fettleibiger Menschen besser verschleiern zu können. (…) Die Dicken der Gesellschaft als neue Sündenböcke zu präsentieren war eigentlich genial. Denn anders als früher etwa die Hautfarbe oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk ist Dicksein nichts, vor dem man selbst dauerhaft sicher sein kann. (…) Die »Gefahr«, dick zu werden, droht uns allen – ein ganzes Leben lang. Und die Angst davor, womöglich plötzlich zu den neuen Aussätzigen der Gesellschaft zu gehören, veranlaßt viele Menschen, sich völlig sinnlosen, ja sogar kontraproduktiven Maßnahmen zu unterziehen, dafür zu leiden und zu zahlen.“

Udo Pollmer

(Esst endlich Normal! Das Anti-Diät-Buch. Piper Verlag GmbH, München. 4.Auflage März 2011, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Seite 251f)

Feministische Initiative?

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Dazu zählt auch die Beschäftigung mit der Frage: „Warum bezeichnen wir uns als eine feministische Gruppe?“

Feministisch heißt für uns Solidarität unter Frauen, ihre Lebenssituation soll verbessert, ihr Selbstwertgefühl gestärkt werden. Wir schließen alle Frauen* mit ein, die sich als solche verstehen. Feminismus beginnt für uns im privaten Bereich und erstreckt sich von dort in die öffentliche, politische Dimension.  Der Appelle, schlank zu sein, ist zum größten Teil an Frauen gerichtet und ein wirksames Mittel ihr Selbstwertgefühl zu erschüttern. Schlank sein heißt, weniger Platz einzunehmen, damit können Frauen klein gehalten werden, sie sollen in der Öffentlichkeit möglichst wenig sichtbar sein und wenn, dann entsprechend den genormten Maßen. Frauen soll klar sein, daß sie das Andere, das Ungenügende sind.

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„Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist gewollt, wir sollen uns unzufrieden fühlen. Nur damit werden alle Produkte zur Gewichtsreduktion auch verkauft und Profit aus unserem Leid, unserem Selbsthass und der Diskriminierung geschlagen. Ernährungswahn, Bewegungshype und Schönheitsfanatismus müssen hinterfragt und gestoppt werden, denn sie dienen einzig und allein dem Profit jener die Produkte zur Gewichtsreduktion herstellen und verkaufen.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Essen als Sucht übersieht die Lebensnotwendigkeit von Essen – schließlich ist es bei den meisten Süchten so, dass durch den absoluten Verzicht auf das Süchtigmachende eine Gesundung eintritt. Schon bei dem kleinsten Nichteinhalten des Verzichts schaffen es viele nicht und werden sofort wieder süchtig und abhängig. Doch Essen ist lebensnotwendig – jeder Mensch muss essen sonst sterben wir. Was bedeutet es Menschen von der Nahrungsaufnahme (die lebenswichtig ist) abzutrennen?“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Gewicht und Gesundheit?

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Dazu zählt auch die Beschäftigung mit der Frage:

Warum ist die ARGE Dicke Weiber der Überzeugung „Gewicht und Gesundheit hängen nicht miteinander zusammen“?

Zu allererst bedarf es hierfür eine genauere Definition was Gesundheit ist. Für die Mitglieder der ARGE Dicke Weiber ist Gesundheit eine persönliche Empfindung (Selbstwahrnehmung) – ein Wohlgefühl. Empfindungen sind schwierig in Worte zu fassen. Schmerzempfinden, Hitzeempfinden, Kälteempfinden und Wohlgefühl sind bei allen Menschen ganz unterschiedlich. Beim Wohlgefühl steht im Mittelpunkt gut mit sich selbst leben zu können – sich in sich selbst und mit sich selbst wohl zu fühlen – egal in welchem „gesundheitlichen Zustand“ (hier im schulmedizinischen Sinne) frau sich befindet. Für das persönliche Wohlgefühl bedarf es: Lebensfreude, Lebensliebe, Vertrauen und Hoffnung, sowie einen positiven stabilen Selbstwert. Alle menschlichen Grundbedürfnisse sollen erfüllt werden: neben Wärme, Essen, Schlafen, Trinken, Hygiene – haben wir auch ein Bedürfniss nach einem Sinn im Leben, Interessen und Leidenschaften, soziale Kontakte, Teilhabe an der Gesellschaft, nach Liebe und Anerkennung, respektvoller Umgang, Sicherheit und Geborgenheit. Die Erfüllung der Bedürfnisse ist leider nicht immer gegeben und liegt nicht immer unter eigener Kontrolle –so hängt es auch vom Geld ab ob ich Essen und Heizen kann etc. Es liegt nicht im eigenen Ermessen wo wir geboren werden, in welchen sozialen Verhältnissen wir leben, mit welchen körperlichen Bedingungen wir ausgestattet sind (wie groß wir werden, wie unsere Knochen geformt werden, ob wir eine Behinderung haben bzw. bekommen).

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