„Die frühen Klimatheroien arbeiten an einer Verortung des Menschen, die davon ausgeht, dass man nicht nur Körper, sondern auch Kulturen, Charaktere und sogar die Form des Gemeinwesens nur vor dem Hintergrund dieser Verortung denken kann. Der Mensch ist, wo er wohnt. Klimatheorie ist damit allerding keine frühe Theorie der Umwelt, denn sie denkt nicht in Kategorien eines Organismus im Zentrum und seiner Um-Welt drumherum. Sie ist vielmehr eine Theorie des An-einem-Ort-Seins, eine Theorie, die einen Blick auf menschliche Lebensbedingungen mit einem Interesse an Kulturen, Mentalitäten und politischen Formen verbindet – und zwar im Plural. Denn so wie es nicht den einen Ort gibt, gibt es für sie nicht den einen Menschen oder eine Norm des Menschseins, sondern nur verschiedene Typen, nicht eine Kultur, nur Kulturen. Klimatheroie ist damit eine Theorie des Vergleichens von menschlichen Lebensformen. Das hindert sie natürlich nicht daran, sehr häufig zu werten: Es gibt bessere und schlechtere Klimata und so natürlich immer auch bessere und schlechtere, höher oder niedriger stehende Kulturen. Aber ihre Pointe liegt, so meine ich, in einer anderen Einsicht: der in die Verortung des Menschen in einer Atmosphäre, die ihn unausweichlich umfängt, durchdringt und formt.“

Eva Horn

(Philosophicum Lech. Neue Menschen! Bilden, optimieren, perfektionieren. Konrad Paul Liessmann Hg., Paul Zsolnay Verlag, Wien 2016, S.81f)

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