Dick / Fett & Schwanger

In den öffentlichen Verkehrsmitteln soll auf eine schwangere Frau Rücksicht genommen und ihr der Sitzplatz überlassen werden. Also bei dicken, fetten Frauen ist eine Schwangerschaft nicht immer so ersichtlich, zumindest habe ich diese Erfahrung bei mir selbst gemacht. Bei mir konnte man nicht wirklich unterscheiden bin ich nun schwanger oder einfach nur dick/fett. Und niemand lässt dich hinsetzen nur weil du dick/fett bist. Das ist so ähnlich wie in vielen Filmen wo man sich über die Dicke lustig macht indem man den Hauptdarsteller irgendwelche Glückwünsche zur Schwangerschaft ausdrücken lässt und die aber gar nicht schwanger ist.

Warum erwähne ich das zuerst, weil es mir zuallererst auffiel. Sagst du nicht selbst du seist schwanger wird es niemand merken, du wirst eventuell einfach nur dicker/fetter.

Das nächste was ist: als Dicke, Fette wurde mir von den Ärzten ständig Panik gemacht ich würde meinem Kind schaden und müsste mehr auf mich achten – am besten abnehmen und Diät halten während ich schwanger bin. In den letzten Monaten wollten sie mich jede Woche sehen um mich zu wiegen. Diese Ablehnung und Panikmache machen einem unheimlich viel Stress. Dir werden Zweifel eingeredet und du wirst total verunsichert, dein ungeborenes Kind wird zum Ventil um dir Vorwürfe wegen deinem Gewicht machen zu können. Du bist selbst schuld so die Devise von den Ärzten und wie kannst du das nur dem ungeborenen Kind antun – es wird deinetwegen noch sterben oder leiden oder krank werden. Und du fragst dich haben sie Recht? Und in dieser Situation ist es sehr schwer auf sich selbst und seinen eigenen Körper zu hören. Es ist so verdammt schwer mit sich im reinen zu sein und sich selbst zu lieben und sich wohl zufühlen. Aber genau das ist für ein ungeborenes Kind wichtig, dass ich mich wohlfühle als werdende Mutter, denn alles was ich fühle erlebt es ja mit. Also wieso ist es so schwer eine Umgebung für dicke/fette Schwangere zu erschaffen in denen sie sich wohl fühlen. Wieso glaubt man gerade in der Zeit einer Schwangerschaft die Vorurteile und Diskriminierungen die Dicke erleben noch einmal verschärfen zu müssen?dickmitkind
In der Schwangerschaft wird von Ärzten/Innen alles aus dem Körper hinaus genommen und so getan als könnten andere über den eigenen Körper entscheiden und besser wissen wie er sich anfühlt. Da gibt es jede Menge Tests und Untersuchungen – verschiedenste Messungen und Messwerte. Und es wird so getan als hätte dein Körper keine andere Funktion mehr – als wäre er eine Maschine, die nur richtig eingestellt gehört oder eben ein Brutkasten (der nur gut gewartet gehört). Diese Wartung kann dann so die schulmedizinische Ansicht von außen erfolgen und zwar von Ärzten/Innen. Aber Schwangerschaft ist nichts äußerliches, es ist absolut körperlich und in dem Körper der Schwangeren. Dadurch dass Ärzte/innen angeblich so viel Wissen haben genießen sie auch eine große Autorität und wir lassen sie Entscheidungen treffen – doch was wir übersehen, die Entscheidungen werden unser Leben dann bestimmen und nicht das der Ärzte/innen. Wir müssen dann die Konsequenzen tragen und damit leben und niemand sonst.

Während der Schwangerschaft hat Mensch so viele Entscheidungen zu treffen und so viele Voruntersuchungen. Da kommt es dann zu Fragen wie: „Wie werden wir damit umgehen wenn der Fötus im Bauch missgebildet ist und damit unser Kind eine Behinderung haben wird“ oder auch „Wollen wir das Geschlecht wissen?“.

In der Schwangerschaft stellen Ärzte/innen oft eine Trennung her dickmitkind3zwischen dem Körper und der Schwangeren. Sie erschaffen diese Trennung indem sie versuchen die Schwangerschaft „sicher“ zu gewährleisten. Es entsteht das Bild, sie allein würden das schon alles schaffen und die Schwangere müsse ihnen nur vertrauen und sich in ihre Obhut begeben damit sei dann schon alles getan. Während der Geburt ist frau dann wirklich im Körper, dass kann einem niemand abnehmen auch wenn vorher das so suggeriert wird: frau ist dann Körper und das in seiner Gesamtheit. Da gibt es dann keine Trennung mehr und frau muss sich auf diesen Körper, auf sich selbst verlassen und es sich auch zutrauen. Frau muss sich in sich fallen lassen und Körper sein. Das ist mir selbst sehr schwer gefallen,  da ich damit keine Erfahrung hatte wirklich im Körper zu sein und auf mich, diesen Körper, auch zu vertrauen. Es ist aber wichtig zu wissen: ich als Körper kann das schaffen, mein Körper weiß wie es geht auch wenn ich es im Bewusstsein nicht steuern kann.

Es werden einem die verschiedensten Gefühle während der Schwangerschaft und erst recht während der Geburt begegnen – und frau sollte darauf vorbereitet sein, diese Gefühle auch zeigen zu können und auf eine für sie positive Art und Weise damit umzugehen. Schwangerschaft und Geburt sind auf allen Ebenen des Seins, körperlich, geistig und emotional, eine Achterbahnfahrt und dabei ist es ganz wichtig: Die richtigen Menschen neben sich sitzen zu haben. Ich kann nur hoffen, dass sich in der Medizin einiges verändert damit Ärzte/innen das Vertrauen auch wieder verdienen.

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Mein Tipp

Umgib dich während der Schwangerschaft mit Menschen, die dich lieben so wie du bist – die aber auch deine Entscheidungen für dich unterstützen und respektieren können. Das heißt, niemanden der aus Sorge um dich dir einreden versucht, dass du doch lieber Diät halten solltest. Niemanden der versucht dir Schuldgefühle einzureden und deine Sorge um dein Kind noch schürt nur um dich zu zwingen abzunehmen. Suche dir Menschen, die nicht gleich glauben dick/fett ist krank. Sprich mit diesen Menschen über die Zweifel, Ängste und Sorgen – die dir von außen eingeredet werden.

Versuche mit deinem ungeborenen Kind zu sprechen und deinen eigenen Körper zu spüren – deine Bedürfnisse und die deines Kindes. Nimm dir für deinen Körper und das Erspüren deines Körpers jeden Tag viel Zeit. Versuche dich wohl zu fühlen und versuche dich so oft wie möglich zu entspannen.

Lache viel, auch über die blöden Bemerkungen während zum Beispiel medizinischer Untersuchungen (insbesondere, wenn es heißt – aufgrund deines Gewichtes wäre die Ultraschalluntersuchung schwieriger und weniger ergiebig). Lache innerlich über Aussagen, die dich auffordern während der Schwangerschaft abzunehmen. Lache über alle, die deinetwegen die Nase rümpfen und dir Bluthochdruck, Wasser in den Beinen, etc. unterstellen alleine aufgrund dessen weil du dick/fett bist. Lache über alle die glauben du lügst sie an. Und lache über die lächerliche Waage, auf die sie dich regelmäßig stellen. Lache wenn sie beginnen mit den Kopf zu schütteln, weil du laut ihnen einfach zu viel zugenommen hast. Nimm es wie es ist. Ach ja und atme tief durch.

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Nimm dir viel Zeit für dich richtige Entscheidungen zu treffen und sorge dafür, dass jemand diese Entscheidungen auch während der Geburt  für dich durchsetzt. Denn gerade während der Geburt selbst wirst du als Gebärende keine Zeit haben dich mit den Anderen auseinander zusetzen und dich gegen ihre Bevormundung zu wehren – und dann kann es leicht sein, dass dir etwas aufgezwungen wird was sich für dich nicht richtig anfühlt zum Beispiel im Liegen zu gebären anstatt in der Hocke oder im Wasser (Badewanne) etc. Dicke/ fette Schwangere werden meist als Risikoschwangerschaft eingestuft und dürfen daher meist nur im Bett liegend gebären. Gerade während der Geburt ist frau einfach nur Körper und totales Körpererleben und Körperspüren – und damit diese Bedürfnisse, die frau dann hat auch gehört werden wird es jemanden an deiner Seite brauchen der für dich einsteht und dafür was du willst.

Lass dich unterstützen und bestärken. Schenke dir selbst vertrauen und spüre dieses Vertrauen. Es kommt während einer Schwangerschaft oft zu Ängsten und Sorgen über alles Mögliche und später während der Geburt können sich diese Ängste und Sorgen verschärfen – hier ist es dann ganz wichtig vertrauen in sich selbst aufgebaut zu haben – zu wissen ich (als Körper) schaffe das und werde mein Bestes geben. Und dann die Ängste, Sorgen und Zweifel loslassen zu können. Also übe das Loslassen von Dinge, die du kaum bis gar nicht beeinflussen kannst und das Vertrauen in deinen Körper.

Denke immer daran dein Kind in dir spürt was du spürst – vielleicht kann es auch deine Gedanken hören oder wahrnehmen also schenke ihm jetzt schon alle Liebe, die du aufbringen kannst. Sei deinem Baby jetzt schon ein gutes Vorbild indem du eine liebevolle, positive Beziehung zu deinem eigenen Körper jeden Tag lebst.

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