Eine Solidaritätserklärung

Die ARGE Dicke Weiber hat ein sehr nettes Email von Daniela Maria Schwarz bekommen, das wir gerne hier veröffentlichen und für das wir uns bedanken.

Ihr lieben, argen, dicken Weiber!

Ich habe heute beim Surfen Eure Seite gefunden und gratuliere zu dieser bewußtseinsfördernden Aktion. Die Verklärung von Hungerhaken, das völlig falsche Frauenbild, das Medien jungen Frauen auf den Lebensweg mitgeben, das Gefühl der Unwürdigkeit auch chices Gewand zu tragen und das Diktat der Modebranche – es gibt nichts in Normalo-Shops über Größe 44 (allenfalls noch vereinzelte Stücke bis Gr. 48, ganz hinten im Geschäft), etc. gehen mir seit langem sehr gegen den Strich und wenn endlich eine Gruppe von Aktivistinnen anfängt, das zu hinterfragen, dann kann es »uns« nur gut tun: uns Dicken und unserer Gesellschaft ganz allgemein.

Während alle über »Diversity« groß reden und die Vorteile der Vielfalt preisen, wird die natürliche Vielfalt unterschiedlicher Körperformen diktatorisch normiert. Frau hat einfach nicht so zu sein wie ich: 1,80 groß. Sie hat auch nicht über 100 kg zu haben. Sie darf keine tiefe Stimme haben (am Telefon höre ich häufig die Frage: Kann ich Ihre Frau sprechen? Wenn ich antworte: Ich bin meine Frau! folgt immer entsetztes Schweigen für ein paar Schrecksekunden, während die Denkerbse in der Umlaufbahn im Hirn des Anrufers Karussel fährt…). Frau hat einfach nicht Schuhgröße 42, 110/C um den wogenden Busen geschnallt und Kleidergröße 54. Das geht einfach alles gar nicht – mit all diesen features ist jemand keine »Frau« sondern ein »Freak«.

Während mehrfache Mütter mit Geburtsdaten in den 50er Jahren noch amtierende Sexsymbole der Filmbranche sind, hat mich eine Schilddrüsenerkrankung aus dem Rennen geworfen. Seit der Geburt meiner Tochter entwickelte ich mich von einer Bohnenstange zu einem Wal. 40 Kilo und 30 Jahre plus bedeuten auch für eine humor- und temperamentvolle Frau mit starkem Selbstbewußtsein und funktionierendem Gehirn einen Zustand der Ohnmacht gegen Urteile und Vorurteile.

Bitte setzt Euch ein für

  • einen Boykott aller Geschäfte (vor allem Online-Shops und Versandhäuser), die große Größen teurer verkaufen als kleine! Es ist wohl ein Witz, dass ein paar Zentimeter mehr Stoff eine Preisdifferenz rechtfertigen sollen, wo doch Transportspesen und Zölle, Handelsspannen und Produktionskosten, Markenlizenzen und Steuern für alle Teile gleich hoch sind; die Materialkosten sind verschwindend dagegen. (Und: Dicke sind eben nicht blöd und können rechnen.)
  • eine (humorvolle!) Kampagne, die der Wirtschaft zeigt wie viele fette Euros in unseren fetten Händen liegen, an die sie niemals herankommen können, wenn sie an unserem Bedarf vorbei produzieren! Es muss doch nicht in eine Ganztagsralley durch Shoppingcities ausarten, wenn wir ein neues Outfit suchen. Modeketten, Schuhhäuser, Wäschefirmen, Bademoden und Sportbekleidungsläden brauchen keine eigenen Fetten-Filialen, sondern nur ein paar Stücke im Sortiment, in die auch erwachsene Frauen reinpassen.
  • Boutiquen, Second-Hand-Shops, Spezialgeschäfte, wo unseren Bedürfnissen Rechnung getragen wird! Es kann in Form von Empfehlungen (z.B. auf Eurer Homepage), durch Aufkleber an der Türe, durch Weiterempfehlung, etc. geschehen. UnternehmerInnen sollten uns endlich als Zielgruppe entdecken. (Langsam entdecken sie gerade die Generation 50plus (Golden Girls), Personen mit Handicap oder Singles – aber dicke Frauen sind noch absolutes Neuland für die Wirtschaft und brauchen wahrscheinlich einen netten Namen für ein flächendeckendes Marketing (Mollys, echt fett, Bladinen, Überfrauen, Venus von Kilo, Megafrauen, etc.).

Es gibt viel zu tun 😉

Ich biete meine Unterstützung an durch das Verfassen professioneller Texte, da ich als Journalistin & Autorin, aber auch als Betroffene der Sache damit am besten helfen kann. Wenn Ihr etwas diesbezüglich braucht, bitte ich um ein Mail.

Viel Erfolg und liebe Grüße von

Daniela Maria Schwarz
www.die-schwarz.at

Ein Gedanke zu “Eine Solidaritätserklärung

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