Lenika hat uns einen Text zugeschickt, den wir sehr spannend finden und den wir hier gerne veröffentlichen und zur Diskussion stellen wollen. Vielen Dank für den Beitrag!
Fett: Letztes Wochenende hörte ich es wieder. Und es war affirmativ gemeint. Ausgesprochen von einer nichtfetten Person.
Immer mehr Anglizismen bereichern unsere Sprache. Sie sollen etwas ausdrücken, wofür es keinen passenden Begriff in der eigenen Sprache gibt. Das Wort »fett« für dicke Menschen ist ein Anglizismus, der gleichzeitig ein deutsches Wort ist, hier aber etwas anderes bedeutet. Auf englisch heißt das »fat« und es gibt Politisierungen, die sich gegen fat oppression und fat hatred richten, es gibt Bewegungen und Netzwerke, die mit verschiedenen Begriffen und kreativen Wortspielen fat positive sind.
Immer öfter höre ich »fett« in »neutraler« Bedeutung als Bezeichnung für Personen, auch schon in Druckwerken. Wie kommt das? Es gibt ja schon den Begriff »dick«, warum wird nicht dieser verwendet? Plötzlich wird so getan, als sei »fett« nie ein Schimpfwort gewesen beziehungsweise dass es nun Nichtfetten zusteht, diesen Begriff als »neutral« zu definieren. Und ich frage mich, welches Körperbild nichtfette »fett«aussprechende Mitmenschen von sich haben, würden sie sich oder Personengruppen als knochig, fleischig, sehnig usw. bezeichnen? Na, da würden sich doch viele wie vom Fleischhauer begutachtet fühlen.
Anglizismen werden eingeführt, wenn es in der eigenen Sprache keinen passenden Begriff gibt. Offenbar ist das Wort »dick« als Bezeichnung für Menschen kein gebräuchlicher Begriff. Anstatt dessen sind andere Begriffe im Umlauf: übergewichtig, mollig, untergroß, vollschlank, adipös, Rubens… (also unzeitgemäß), blad, ungünstig proportioniert, nicht gesundheitsbewußt, »trotzdem« attraktiv/sympathisch/sexy/intelligent,…
Eine positive Verwendung besteht nicht darin, das Wort »fett« scheinbar zu neutraliseren, sondern »dick« zu enttabuisieren und real in den Sprachgebrauch einzuführen. Dicke sind dick. Ganz einfach.
lenika
Tags:Übergewicht, dickenfreundlich, Fat Acceptance, fett, Körperbild