Glückliches Leben – auf meinem Sofa

„Es reicht nicht mehr glücklich zu sein mit dem was ist und sich über das Zusammensein mit Freuden/Familie/geliebten Menschen zu freuen. Es scheint uns zu klein zu sagen, da haben wir gemeinsam einen schönen Film angesehen und gelacht, geweint und uns umarmt. Und weil uns das zu klein erscheint, zu wenig um vor anderen das eigene Leben darzustellen sagen wir naja wir haben ein bisschen Ferngesehen und mehr machen wir nicht. Es tut sich bei uns nichts und naja es ist halt nicht viel los aber ich arbeite daran. Irgendwie muss mensch immer an seinem Leben arbeiten, daran arbeiten großes zu Vollbringen – am besten Wunder. Wer kein Tatmensch ist sondern einfach das Sein so genießt wie es ist – der genießt eben nicht richtig. Schließlich kann das Sitzen im eigenen Heim ja nicht erfüllend und bereichernd sein – nein, es muss schon Fallschirmspringen, Bungee-Jumping, Billard spielen und der gleichen sein. Es muss aufregend sein und ein Erlebnis wo auch etwas getan wird und mit viel Anstrengung verbunden. Da muss jeden Tag eine Party steigen und ein Drama nach dem anderen überstanden werden. Dies ist als Idealbild einfach eingeimpft worden von einer Konsumgesellschaft, die immer mehr immer schneller konsumiert und mit nichts mehr ganz zufrieden ist und auch nicht sein darf. Da schämt mensch sich zu sagen – „du ich war zu Hause“ und macht daraus ein schuldbewusstes – „du ich war nur zu Hause“. Überall das Wörtchen „nur“, dass aus dem schönen Beisammensein und ruhigen, entspannenden Fernsehabend eine beschämende Angelegenheit macht. Und Menschen, die behaupten gern zu Hause zu sein und auf dem Sofa zu sitzen, bekommen herabwürdigende Beinamen wie Couch-Potato und die damit einhergehenden negativen Vorurteile und Verurteilungen inklusive dem mitschwingenden Vorwurf das Leben zu verschwenden, das einem geschenkt wird. Denn Leben darf nicht verschwendet werden, es darf nicht faul verbracht werden oder gar nach den eigenen Vorstellungen gestaltet werden. Es hat nach einem bestimmten Idealschema zu verlaufen oder mensch hat zumindest zu versuchen, das eigene Leben diesem Schema anzupassen. Glücklich zu sein hat auf eine ganz bestimmte Weise auszusehen und Zufriedenheit und Dankbarkeit sind unnütze, veraltete Dinge – deren Bedeutung mensch heute nicht mehr kennt. So ich gestehe: Ich liebe mein Sofa und ich sehe gerne Fern – und ja ich bin dick/fett – und ja ich liebe mein Leben und zwar ganz besonders an den Tagen wo ich zu Hause bin und mit meiner Familie lache, weine und fernsehe.

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

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