Dicker Erfahrungsbericht: „Staunende Kinder“

Ich bin mit meinem Sohn am Spielplatz. Mein Kind spielt bei der Rutsche und ich sitze im Gras und schaue zu. Ein paar Kinder kommen auf mich zu und sagen laut und vorwurfsvoll: „Du bist aber dick!“ Ich antworte lächelnd: „Ja das bin ich und das ist gut so!“ Der Blick der Kinder ändert sich, sie lächeln und nicken. Dann fragen sie mich ob ich denn in ein Bett passe und ich antworte lachend: „Ja klar!“ Sie sind erstaunt und ein Mädchen sagt es hätte auch eine dicke Tante und das sei für sie in Ordnung. Dann gehen sie wieder spielen und mein Sohn winkt mir von der Rutsche aus zu. Ich lächle innerlich.

Dicker Erfahrungsbericht: 100kg

Ich bin gerade auf dem Heimweg. Ein ungefähr zwölfjähriger Junge kommt mir entgegen. Er schaut mich an und sagt provokant: „Boah ey du 100kg Fass, hast du dich schon mal angeschaut“ Ich beginne innerlich zu lachen, denkt er doch wirklich ich wiege nur 100kg.

100kg sind keine Beleidung mehr sobald frau sie mal überschritten hat. Es ist teilweise sogar witzig wie wenig wir Menschen uns unter bestimmten kg Angaben vorstellen können. Da wird einfach jede die dicker ist als 100kg schwer abgestempelt. Hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir so selten die Wahrheit über unser Gewicht sagen: es gilt als schick die Kilos runter zu reduzieren – denn es wäre ja peinlich zu sagen wie viel frau wirklich wiegt. Dabei verliert die Zahl genau durch dieses offen zu ihr stehen aber ihre bedrohliche und angst-einflößende Wirkung.

Dicker Erfahrungsbericht: Sitzen?

Im Turnsaal, Dezember 2010, 5

© ARGE Dicke Weiber

Ich bin eingeladen zu einer Party. Kaum dort angekommen stelle ich fest, dass das kleine Sofa leider schon besetzt ist. Ich schaue mich um, da sind noch so Korbsesseln, die aber schon krachen bei meinem leichtgewichtigen Sohn und mit deren Lehnen ich sicher meine Probleme hätte. Ich schaue weiter da sind Hocker aus Bambus mit Bambusmatten, ziemlich filigran aussehend und klein. Da passt nicht einmal die Hälfte meines Hinterns drauf. Gut, dann gibt es noch so alte Holzsesseln mit samtbezogenen Sitzflächen aus ich weiß nicht welchem Jahrhundert (ziemlich alt, ziemlich schmal, ziemlich dünn und nicht sehr robust). Ich komm mir leicht komisch vor – das einzige wo ich mit meinem Gewicht sitzen könnte ohne es zu ruinieren wäre das Sofa. Doch gerade da sitzen zwei dünne Personen. Ich überlege eine Weile und bleibe stehen – ist nur komisch, wenn die meisten sitzen und ich von oben auf sie herab blicke. Also entscheide ich mich doch wieder mal für den Boden. Witzig dabei ist nur, dass mir da ich das sehr oft tun muss auch schon unterstellt wird ich säße aus voller Überzeugung und mit Freude auf dem Boden. So kam es, dass mir mal jemand angeboten hat für mich aufzustehen und mir den Platz am Sofa zu überlassen und dann gleich von jemand anderem die Aussage kam: „Ach lass nur sie sitzt lieber am Boden“ (Und das war nicht böse gemeint – das meinte diese Person wirklich mit guter Absicht ernst).

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Dicker Erfahrungsbericht: „Selbstreflexion“

Ich stehe bei der Straßenbahnstation und beobachte die Menschen um mich herum. Ich entdecke eine dicke Frau vor mir. Sie sieht hübsch aus und ich betrachte sie lange und genau. Auf einmal erschrecke ich, denn ich merke es könnte für sie wirken als würde ich sie anstarren. Ich schaue schnell weg und weiß nicht mehr so recht ob ich mich jetzt richtig verhalten habe. Ich wollte sie keinesfalls anstarren oder ihr anders ein negatives Gefühl vermitteln. Mir fällt auf, dass das Dicksein doch noch so „besonders“ in meiner Sehgewohnheit ist und ich selbst mit starrenden, verachtenden Blicken leider soviele Erfahrungen gemacht habe, dass ich selbst nicht mehr weiß wie ich mich hier richtig verhalten kann. Schließlich kann sie ja nicht wissen, dass ich keinesfalls negativ über sie gedacht habe. Ich habe es eher genossen auch einen anderen dicken Menschen auf der Straße zu sehen auf der ich als Dicke ansonsten alleine bin.

ARGE Dicke Weiber im Rückblick

Die ARGE Dicke Weiber hat sich in den vergangenen 5 1/2 Jahren mit so einigem auseinandergesetzt. Wir wollen hier nun einen kurzen Überblick geben über unsere wichtigsten Beiträge:

Wir sind sehr stolz auf alles was wir bisher erreicht haben. Unsere Botschaft ist: Es lebe die menschliche körperliche Vielfalt.

Wir wünschen uns eine Zukunft in der wir alle ob dick oder dünn die Würde des Anderen achten und füreinander einstehen. Wichtig dafür ist sich selbst lieben und annehmen zu lernen so wie frau ist – und nicht wie irgendwer anderer sie gerne hätte. Wir wollen uns lösen von allen medial suggerierten Vorstellungen wie wir zu sein hätten – und uns so lieben wie wir sind. Wir leben unser Leben jetzt voll und ganz mit Freude und Genuss. Mit unserem Vorbild wollen wir positive Selbstbilder in diese Welt tragen und wir hoffen, dass sich uns viele Menschen anschließen.

Dicke Grüße,

eure ARGE Dicke Weiber

Gewicht und Bewegung ?

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Dazu zählt auch die Beschäftigung mit der Frage: 

Warum ist die ARGE Dicke Weiber folgender Überzeugung „Gewicht und Bewegung hängen nicht miteinander zusammen“?

Beim Thema Gewicht und Bewegung müssen wir die eigenen, inneren Vorurteile und Tabus brechen – um uns offen und frei dem Thema zu nähern. Diese Befreiung von jeglichen assoziativen Verknüpfungen die bisher zwischen Gewicht und Bewegung hergestellt wurden – ermöglicht uns Schuldzuweisungen, Scham und Selbsthass zu stoppen.

Das Vorurteil „BEWEGUNG = GewichtsREDUKTION“ ist selbst unter Ärzten weit verbreitet. Unser Erfahrungswissen zeigt, dass GewichtsREDUKTION und BEWEGUNG nichts miteinander zu tun haben. Um mit diesem Vorurteil zu brechen hat die ARGE Dicke Weiber beschlossen: GEWICHT und BEWEGUNG in einem ersten Schritt zu trennen.

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Die Freude am Leben zu sein

geschrieben von Malena Glück

Nana nach Niki de Saint PhalleDer Spruch „Wenn ich so dick wäre, würde ich mich umbringen“ hat mich sehr zum Nachdenken angeregt, denn ich bin so dick. Ich bin oftmals sogar dicker als das hier gemeinte „Dick“. Menschen die das hinter meinem Rücken flüstern oder Menschen, die es mir direkt ins Gesicht sagen, gibt es viele. Also ich finde mein Leben schön. Ich bin dick, so richtig fett. Mein Leben besteht aber nicht nur aus diesem Dicksein, diesem Fettsein. Ich bin jeden Tag dankbar wenn ich meinen Sohn beim Spielen beobachten kann, wenn ich sehe wie er lacht und glücklich ist. Ich freue mich wenn ich mit Freunden wunderbare Diskussionen führe. Ich liebe es zu tanzen und ganz laut Musik zu hören – so dass ich den Rhythmus richtig im Körper fühlen kann. Ich liebe es mit meinem Mann zu kuscheln und die Zeit zu genießen. Wunderbar sind auch Spaziergänge an der frischen Luft, selbst wenn es Stadtluft ist. Ich bin dankbar für das Spielen mit meinem Kind, das Lachen mit Freunden, das Küssen mit meinem Mann. Mein Leben weg zu werfen, weil ich dick oder sogar fett bin – nein, das will ich nicht.

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