„Damit das Geschäft mit den Dicken floriert, genügt es nicht, Mythen zu streuen, mit falschen Zahlen zu operieren und Angst zu verbreiten, es ist auch notwendig, die Opfer wehrlos zu machen: Dicke dürfen nicht aufgrund ihrer ethnischen Herkunft dick sein, sonst müßte man sich den Vorwurf eines neuen Rassismus gefallen lassen. Dicke dürfen aber auch nicht ohne eigenes Verschulden dick sein, das käme einer Diskriminierung Behinderter gleich. (…) Die Psychologin Marlene Schwartz von der Yale University sieht das ähnlich. Das Gesundheitsargument sei allenfalls vorgeschoben, um die Diskriminierung fettleibiger Menschen besser verschleiern zu können. (…) Die Dicken der Gesellschaft als neue Sündenböcke zu präsentieren war eigentlich genial. Denn anders als früher etwa die Hautfarbe oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk ist Dicksein nichts, vor dem man selbst dauerhaft sicher sein kann. (…) Die »Gefahr«, dick zu werden, droht uns allen – ein ganzes Leben lang. Und die Angst davor, womöglich plötzlich zu den neuen Aussätzigen der Gesellschaft zu gehören, veranlaßt viele Menschen, sich völlig sinnlosen, ja sogar kontraproduktiven Maßnahmen zu unterziehen, dafür zu leiden und zu zahlen.“

Udo Pollmer

(Esst endlich Normal! Das Anti-Diät-Buch. Piper Verlag GmbH, München. 4.Auflage März 2011, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Seite 251f)

Dicker Erfahrungsbericht: „Staunende Kinder“

Ich bin mit meinem Sohn am Spielplatz. Mein Kind spielt bei der Rutsche und ich sitze im Gras und schaue zu. Ein paar Kinder kommen auf mich zu und sagen laut und vorwurfsvoll: „Du bist aber dick!“ Ich antworte lächelnd: „Ja das bin ich und das ist gut so!“ Der Blick der Kinder ändert sich, sie lächeln und nicken. Dann fragen sie mich ob ich denn in ein Bett passe und ich antworte lachend: „Ja klar!“ Sie sind erstaunt und ein Mädchen sagt es hätte auch eine dicke Tante und das sei für sie in Ordnung. Dann gehen sie wieder spielen und mein Sohn winkt mir von der Rutsche aus zu. Ich lächle innerlich.

„Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist gewollt, wir sollen uns unzufrieden fühlen. Nur damit werden alle Produkte zur Gewichtsreduktion auch verkauft und Profit aus unserem Leid, unserem Selbsthass und der Diskriminierung geschlagen. Ernährungswahn, Bewegungshype und Schönheitsfanatismus müssen hinterfragt und gestoppt werden, denn sie dienen einzig und allein dem Profit jener die Produkte zur Gewichtsreduktion herstellen und verkaufen.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Aus dem dicken Leben

/aus dem Dickenleben

geschrieben von Magda Scheiblbrandner

Schauplatz ist das Gänsehäufel (ein großes Wiener Freibad), am Oststrand im FKK-Bereich. Der Strandbereich ist vom Rest der Alten Donau durch ein Stahlseil getrennt, mensch sollte nicht darüber hinaus schwimmen. Im unteren FKK-Bereich ist ein Gummiponton zum Sonnenbaden verankert. Der Abstand zwischen Ponton und Stahlseil beträgt etwa 3 m. Frau schwimmt zwischen Ponton und Stahlseil, in einigen Metern Entfernung schaukeln zwei Jünglinge auf den Stahlseil. Der eine Jüngling sagt im Schnöselton zum anderen: “Da draussen (im Rest des Gänsehäufels) ist ja der Pupperlstrand, aber da herinnen ist es eine Katastrophe”. Frau hat das gehört und überlegt, ob sie umkehren und einen Umweg schwimmen soll, um den Schnöseln auszuweichen. ‘Ach was’, denkt sie dann, ‘ich bin sowieso Katastrophe’ (ältlich, dicklich, verbirgt ihre stark kurzsichtigen Augen hinter dicken Brillengläsern – was braucht es mehr) und schwimmt an den Jünglingen vorbei. Demjenigen, der diese Bemerkung gemacht hatte, schien das dann etwas peinlich zu sein.