Erinnerung für andere

„Manchmal stelle ich fest, dass ich etwas aufgrund meiner Schwere und Fülle nicht kann und dann macht mich das traurig und wütend und ich fühle mich dann gefangen in mir drinnen. Und dann braucht es wieder bis ich auf meinen Körper sehe und begreife: ohne ihn wäre ich nicht hier. Ich könnte mich nicht einmal ärgern oder traurig sein. Und am besten ist es wenn mich jemand in den Arm nimmt und mich erinnert, dass ohne meinen Körper ich auch soetwas schönes wie eine Umarmung nicht fühlen könnte. Also wünsche ich euch allen auch jemanden, der dann für euch da ist und euch umarmt. Damit ihr nicht vergesst, dass euer Körper auch wunderbares kann.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Wertschätzender Umgang mit dem Körper

„Als Kind einer dicken Mutter und selbst dicke Mutter interessiere ich mich dafür meinem Kind grundlegende Werte von Würde und Achtung einem jedem Mitmenschen gegenüber zu vermitteln. Ich versuche meinem Sohn Selbstliebe und Freude am eigenen Leben vorzuleben und sein eigenes Körpergefühl zu stärken – damit er selbst ein positives Körperbild entwickeln kann. Als Mutter interessiere ich mich auch dafür was Kindern beigebracht wird und wie wir Kindern einen liebevollen, wertschätzenden und würdevollen Umgang mit ihrem eigenen Körper und aber auch mit den Körpern anderer beibringen können.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Rund herum ein Panzer

Rund herum ein Panzer,
doch keiner der beschützt,
kein Schild das abhält,
sondern eines das einlädt,
aber nichts, dass ich gerne eingeladen hätte,

rund herum ein Panzer,
aber alles trifft genau,
und Worte hallen nach,
sie rollen von allen Seiten an mich heran,
und sie stechen mich hier,
und sie schneiden mich da,

rund herum ein Panzer,
und ich bin immer sichtbar,
kann gar nicht anders sein,
kann mich nicht verstecken,
wie ein Berg, so riesig,
wie ein Meer, so weit,
wie die Sonne strahlend,
und das zu jeder Zeit,

rund herum ein Panzer,
und alles was mir bleibt sind meine Gedanken,
alles was mir bleibt bin ich selbst,
und ich denke gutes von mir,
denke gutes von meinem Panzer,
der kein Panzer ist,
ich entscheide mich zu lieben,
ich entscheide mich zu freuen,
ich entscheide keinen Panzer zu tragen,
sondern einfach dick und fett zu sein.
Und bin damit glücklich.

verfasst von Malena Glück

Zeigefinger

„Schau wie dick“,
und schon sehe ich den Zeigefinger,
und er richtet sich auf mich,
mein Fett,
er prangert mich an,
er verurteilt mich, verhöhnt mich,
und was macht mein Fett?
was mache ich?
ich dehne mich aus,
ich werde groß,
ich nehme mir Raum und gebe zu:
„ja ich bin dick,
schau her,
ich stehe zu mir, zu meinem Fett,
zu meinem Bauch, zu meinem Po, zu meinen Hüften,
zu meinen Beinen, meinem Doppelkinn,
DAS BIN ICH
und du bist nur ein Zeigefinger!“

verfasst von Malena Glück

Mein Körper gehört mir

„Um eins deutlich zu machen: Nicht mein dicker Körper macht mir zu schaffen, sondern die täglichen Abwertungen. Nicht meine dicken Beine, meine schwabbeligen Arme, mein Doppel­kinn oder der ausladende Po schaden meiner Gesund­heit, sondern über­griffe Menschen, die denken, meinen gesund­heitlichen Zustand anhand eines Blickes auf meinen Körper ablesen zu können. Mein Körper – egal in welcher gesund­heitlichen Verfassung übrigens! – geht nur mich etwas an.“

Magda Albrecht