Dicksein / Fettsein und Unsterblichkeitswahn

„Manchmal macht mir all dieses Gerede von Adipositas Angst. Niemand möchte sterben. Das Gerede tut so als ob es in der eigenen Hand läge unsterblich zu werden. Das stimmt aber nicht. Wir werden alle sterben und niemand von uns hat in der Hand wann das sein wird – außer ein Selbstmörder. Und NEIN Adipositas ist nicht eine langsame Version eines Selbstmordes. Dicksein/Fettsein heißt einfach mit anderen Lebensumständen zu leben als andere, bzw. mit anderen Körpereigenschaften als andere. Es kann sein das man fürs Leben andere Bedürfnisse hat und an das Leben andere Erwartungen stellt bzw. stellen muss. Der Tod und das Sterben machen aber keinen Unterschied – es trifft uns alle mal.“ Mitglied der ARGE Dicke Weiber

healthism

„Health and body size are not the same thing, but that’s not particularly germane to the conversation because health is not an obligation or a barometer of worthiness, it’s not entirely within our control or guaranteed in any circumstance, and “health,” by whatever definition, should not be a prerequisite for being a role model or acknowledged for one’s achievements. The idea that someone, of any size, should have to meet some level of “health” in order to be appreciated for their talent or be a role model is horrifying, and is the definition of healthism.“

Ragen Chastain

body size and health?

„When it comes to body size and health right now the world is pretty messed up -people insist that bodies are good or bad depending on what size they are and there’s a lot of prejudice, negative body talk, and bullying that happens around size.  There are even some doctors who believe this, and even think that they can make guesses about how healthy someone is by what they look like.  The truth is that people come in lots of different sizes for lots of different reasons and all bodies are good bodies.“

Ragen Chastain

Dicksein / Fettsein und Gesundheit – aktuelle Situation

Zunächst wird von Medien Dicksein bzw. Fettsein als angsteinflößender Alptraum präsentiert und als Krankheit, Seuche oder Epidemie entmenschlicht zu einem Feindbild ummodeliert. Durch diese mediale Aufarbeitung „geschult“ wird „Jedermann“ (auch jede Frau) zum Experten über die Gesundheit von Dicken und Fetten – wobei die Gesundheit Dicken, Fetten prinzipiell einmal abgesprochen wird. Schlagzeilen über die Kosten des Gesundheitssystems machen die Gesundheit Dicker und Fetter zum „angeblichen Eigentum der Allgemeinheit“. Dicke, Fette müssen sich für ihr Dicksein/Fettsein „rechtfertigen“ bzw. ihre Gesundheit stets aufs Neue vorführen und beweisen. „Abnehmen“ wird zum Heilsversprechen – und das auch bei Schnupfen und Halsweh. Dabei gibt es keinerlei Beweis dafür, dass langanhaltende Gewichtsabnahme das Leben verlängert oder verbessert bzw. überhaupt für alle möglich ist. Weiterlesen

Disease

„There should be absolutely no shame in having a disease.  None.  It does not matter what disease someone has, they should never be shamed for it.  I advocate for nothing less than shame-free, blame-free, future-oriented healthcare.  It does not matter why someone has a disease, it matters what happens moving forward.  We can never change the past so after a diagnosis it’s all about options and choices, not blame or shame.  People who are diagnosed with a disease should be given true information, all of their options, and compassionate care on their terms based on their choices. “

Ragen Chastain

Dicke Sündenböcke

„Dicke dienen gerne als Sündenböcke für politische Probleme. Finanzierungslücken im Gesundheitswesen werden ebenso mit dem angeblich unverantwortlichen Lebensstil dicker Menschen begründet, wie mangelnde Leistungsbereitschaft und die angeblich nicht schnell genug wachsende Produktivität der Bevölkerung. Unsere Position: Soziale und wirtschaftliche Probleme haben nichts mit dem durchschnittlichen Körpergewicht der Bevölkerung oder mit der Zahl dicker Menschen zu tun. Verteilungskonflikte im Sozial- und Gesundheitswesen sollten nicht auf dem Rücken bestimmter Bevölkerungsgruppen ausgetragen werden.“

Gesellschaft gegen Gewichtsdisrkiminierung e.V.

Anmerkungen zum aktuellen Adipositas-Bericht des Wiener Programmes für Frauengesundheit

Quelle: „Wiener Programm für Frauengesundheit“

Quelle: „Wiener Programm für Frauengesundheit“

geschrieben von Anita Drexler

Das Wiener Programm für Frauengesundheit, gefördert durch die Stadt Wien ist eigentlich eine gute Sache. Seit dem Jahr 1998 nimmt man sich dort frauenspezifischer Gesundheitsthemen von Brustkrebs bis hin zum Umgang mit Gewalterfahrungen an und setzt sich sowohl mit der wissenschaftlichen Erschließung als auch der Wissensvermittlung in diesem Kontext auseinander. In der Vergangenheit sind mir die dort veröffentlichten Materialien durch eine analytische Herangehensweise und einen weitgehend ausgewogenen Umgangston positiv aufgefallen. Einen Grund mehr, einen Blick auf den aktuellen Adipositas-Bericht zu werfen der im Jänner 2016 veröffentlicht wurde. Weiterlesen

Wie wünschen wir uns:

dass mit Dicken im Gesundheitsbereich umgegangen wird?

Zunächst sollte die Grundvoraussetzung einer Behandlung geschaffen werden indem passendes Mobiliar in Arztpraxen, Krankenhäusern etc., welches auch das Gewicht aushält, zur Verfügung gestellt wird. Dazu zählen Wartesessel, Behandlungstische, Blutdruckmanschetten, etc.

Ärzte/Ärztinnen müssen die Würde und den Respekt ihrer Patientinnen wahren. Eine Verurteilung von Dicken wie sie derzeit von viel zu vielen Ärzten/Ärztinnen betrieben wird, sowie die Verachtung mit der einige Ärzte/Ärztinnen Dicke „behandeln“ ist strikt abzulehnen. Bei jedem Arztbesuch darauf hingewiesen zu werden wie „gefährlich“ und „tödlich“ das Dicksein ist schürt lediglich Todesangst und ist keinesfalls hilfreich. Die Bezeichnung „Übergewicht“ oder „Adipositas“ – die Dicksein prinzipiell zur Krankheit abstuft – beraubt jeglicher Würde. Der prinzipielle Zwang abnehmen zu müssen und die Angstkampagne sind menschenverachtend. Andere Menschen zu diskriminieren und herabzusetzen um sie dazu zu bringen abzunehmen weil man angeblich so besorgt um ihre Gesundheit ist – ist Machtmissbrauch und Gewalt.

Um eine Aussage machen zu können inwiefern Dicksein sich auf die Gesundheit auswirkt bräuchte es eine Kontrollgruppe Dicker, die noch nie dem Schlankheitsterror und dem Diätwahn ausgesetzt waren. Es ist nicht bewiesen, dass Maßnahmen zum Abnehmen zu medizinischen Vorteilen für die Gesundheit, Lebensqualität und Lebensverlängerung führen. Dick zu sein und dick zu bleiben hindert nicht daran sich selbstständig um die eigene Gesundheit zu kümmern und gesund zu sein.

Die Einstellung der Ärzte/Ärztinnen zum Dicksein ist gefährlich, denn sie vermag Dicke davon abzuhalten zum Arzt/Ärztin zu gehen. Dicke verlangen von Medizinern/Medizinerinnen menschenwürdig „behandelt“ zu werden und das auch bei einem Leiden, dass möglicherweise durch ihr Gewicht verursacht wurde. Sie brauchen keine Schuldzuweisung oder Ermahnung zum Abnehmen. Ärzte/Ärztinnen haben die Selbstbestimmung des Menschen zu wahren. Frau darf auch dick ihr Leben leben. Sie darf sich auch gegen gesundheitliche Maßnahmen entscheiden und sie darf vor allem selbstbestimmen ob sie mit dem Arzt über ihr Dicksein sprechen möchte oder nicht.

Gewicht und Gesundheit?

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Dazu zählt auch die Beschäftigung mit der Frage:

Warum ist die ARGE Dicke Weiber der Überzeugung „Gewicht und Gesundheit hängen nicht miteinander zusammen“?

Zu allererst bedarf es hierfür eine genauere Definition was Gesundheit ist. Für die Mitglieder der ARGE Dicke Weiber ist Gesundheit eine persönliche Empfindung (Selbstwahrnehmung) – ein Wohlgefühl. Empfindungen sind schwierig in Worte zu fassen. Schmerzempfinden, Hitzeempfinden, Kälteempfinden und Wohlgefühl sind bei allen Menschen ganz unterschiedlich. Beim Wohlgefühl steht im Mittelpunkt gut mit sich selbst leben zu können – sich in sich selbst und mit sich selbst wohl zu fühlen – egal in welchem „gesundheitlichen Zustand“ (hier im schulmedizinischen Sinne) frau sich befindet. Für das persönliche Wohlgefühl bedarf es: Lebensfreude, Lebensliebe, Vertrauen und Hoffnung, sowie einen positiven stabilen Selbstwert. Alle menschlichen Grundbedürfnisse sollen erfüllt werden: neben Wärme, Essen, Schlafen, Trinken, Hygiene – haben wir auch ein Bedürfniss nach einem Sinn im Leben, Interessen und Leidenschaften, soziale Kontakte, Teilhabe an der Gesellschaft, nach Liebe und Anerkennung, respektvoller Umgang, Sicherheit und Geborgenheit. Die Erfüllung der Bedürfnisse ist leider nicht immer gegeben und liegt nicht immer unter eigener Kontrolle –so hängt es auch vom Geld ab ob ich Essen und Heizen kann etc. Es liegt nicht im eigenen Ermessen wo wir geboren werden, in welchen sozialen Verhältnissen wir leben, mit welchen körperlichen Bedingungen wir ausgestattet sind (wie groß wir werden, wie unsere Knochen geformt werden, ob wir eine Behinderung haben bzw. bekommen).

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