Vereinsamung

geschrieben von Malena Glück

Wir unterliegen in unserem Denken sehr häufig gewissen Täuschungen. Eine große Täuschung in Zeiten von Facebook, Twitter, Instagram und Co. liegt darin eingebunden zu sein in menschliche Gemeinschaften. Es täuscht darüber hinweg, dass viele Menschen sehr vereinsamen. Ihre menschlichen Kontakte beschränken sich zunehmend auf das Lesen und Verfassen von Mitteilungen und Bekundungen im Internet.

Ist mensch kein extrovertierter Charakter fällt es einem im realen Leben nicht so einfach Freundschaften zu schließen. Es gibt dazu in der Gesellschaft Weiterlesen

Projekt: Raum einnehmen & Möglichkeiten haben

Die ARGE Dicke Weiber startet etwas verspätet in dieses wunderbare Jahr 2018. Das letzte Jahr war sehr ernüchternd. Wir mussten feststellen, dass es nicht genug aktive Mitglieder gibt um die ARGE Dicke Weiber treffen in ihrer Regelmäßigkeit aufrechtzuerhalten. Dennoch lebt die ARGE Dicke Weiber in den Herzen vieler Menschen weiter und so wird es vielleicht nicht mehr so regelmäßig aber dennoch hin und wieder zu ARGE Dicke Weiber Treffen kommen. Auch auf Email-anfragen können wir nur sehr langsam reagieren und bitten um Verständnis.

Nichts desto trotz gibt es uns noch und so wollen wir an unserem Projekt: „Raum schaffen und Möglichkeiten haben“ weiterarbeiten. Dieses Projekt soll erstens dicken/fetten Menschen insbesondere dicken/fetten Frauen Möglichkeiten aufzeigen am sozialen Leben und an der Gesellschaft teilhaben zu können und zweitens soll es dicke/fette Menschen zeigen die aktiv an der Gesellschaft teilhaben, sich also nicht ausschließen lassen und damit eben auch Raum schaffen für andere dicke/fette Menschen.

Die ARGE Dicke Weiber war im Kino. Ja es gibt Kinosessel in die auch ein dicker Körper bequem platz findet. In der Urania (Uraniastraße 1, 1010 Wien – Innere Stadt) hat der Kinosaal 55 cm breite Sessel sowie in den letzten 4 Reihen Kinosessel mit einer Breite von 65 cm. Im Vergleich dazu haben die meisten Kinos Sitzbreiten von 45 cm. Es ist zudem barrierefrei und angenehm überschaubar. Vor allem für Mütter mit Kindern ist es sehr interessant, denn es bietet Kino für Kinder (wienXtra-cinemagic, für kleinere Kinder ist hier besonders das Bilderbuch-Kino von Interesse). Auch mal mit dem eigenen Kind ins Kino gehen und bequem sitzen wird hier ermöglicht. Danke für die Möglichkeit Urania!

Da könnten sich andere Kinos etwas abschauen!

Falls ihr Erfahrungen habt mit Kinos und Kinosessel – schreibt einfach einen Kommentar. Wir würden uns freuen vielleicht den ein oder anderen Tipp zu lesen aber auch über jede Kritik an unbequemen Kinosesseln etc. ist uns willkommen.

In diesem Sinne lasst euch nicht abbringen euer Leben mit Freude und Liebe zu leben, geht hinaus und schaut euch auch mal einen Film im Kino an. Lacht dabei, esst Popkorn und genießt die Gemeinschaft mit anderen Menschen! Es ist schön Teilhaben zu können! Und es macht glücklich!

Dicke Grüße,

eure ARGE Dicke Weiber

„Etwas wird also als problematisch qualifiziert , indem es als ›unvertraut‹ und ›unselbstverständlich‹ fokussiert wird. Ein Gegenstand erscheint als Problematisch in dem Maße, wie er im Verhältnis zu einem bestimmten Kontext als zweifelhaft und fragwürdig, als ein Brennpunkt der Verunsicherung, Störung oder auch Gefährdung des Bestehenden dargestellt wird (…)“

Ulrike Klöppel

(‘Problematische Körper?’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, Torsten Junge/ Imke Schminke Hg., UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.50)

Dicksein / Fettsein in Film und Fernsehen

„Ich wünsche mir Filme und Serien in denen dicke, fette Menschen einmal nicht mit Nebensätzen abgewertet, mit Diät oder Magenband abgespeist oder selbstbemitleidend als Witzfiguren herumlaufen. Ich wünsche mir Filme und Serien in der die dicke Hauptrolle nicht sich glücklich schätzen muss, dass sie irgendwer doch noch liebt nachdem sie abgenommen hat oder sich zumindest bemühte abzunehmen. Ich wünsche mir Filme und Serien in denen Dicke vorkommen, die ganz normale Leben führen und das heißt die auch Partner haben, die auch Sex haben, die auch Erfolg haben, die auch mal die Hauptrolle haben und die Heldin oder der Held sind. Ich wünsche mir also Filme mit Vorbildern für mich und meinen Körperbau – damit ich wieder fernsehen kann oder ins Kino gehen kann ohne mich ständig beleidigt zu fühlen. Denn das ist alles was Dickenhetze in Serien und Film machen – sie bleidigen mich und alle anderen dicken, fetten Menschen und nehmen uns unsere Menschenwürde. Es wird Zeit, dass wir Dicken auf unser Menschsein beharren und es auch von Film und Serien einfordern.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„››Was du da sagst, hört sich nicht gerade an wie die Worte eines Gottes.‹‹ ››Das hängt mit diesem Schildkrötengehirn zusammen.‹‹ ››Was?‹‹ ››Weißt du denn überhaupt nichts? Körper sind nicht nur nützliche Verpackungen, in denen man seinen Verstand aufbewahren kann. Deine Gestalt beeinflusst dein Denken. Es ist diese ganze Morphologie überall.‹‹ ››Was?‹‹ Om seufzte. ››Wenn ich mich nicht konzentriere. denke ich wie eine Schildkröte!‹‹ ››Was? Du meinst – langsam?‹‹ ››Nein! Schildkröten sind Zyniker. Sie rechnen immer mit dem Schlimmsten.‹‹ ››Warum?‹‹ ››Keine Ahnung. Vermutlich, weil es ihnen oft zustößt.‹‹“

Terry Pratchett

(Einfach Göttlich. Ein Scheibenwelt-Roman. Wilhelm Goldmann Verlag, München, Taschenbuchausgabe Mai 2016, S.138)

Raumgebendes Miteinander?

Meine Füße tun weh,
sie tragen eine große Last,
ja ich bin schwer, das weiß ich selbst,
mein Rücken der schmerzt vom zu langen Stehen,
will mich setzen, muss mich umsehen,
da ist kein Platz, kein Sitz, kein Raum für mich,
die Türen sind zu klein, die Sessel sind zu eng,

da ist ein Stuhl ohne Lehnen aber er sieht zerbrechlich aus,
ich setze mich, krach und er bricht,
ich stürze mit den Resten des Stuhls zu Boden,
jetzt habe ich blaue Flecken überall,
glück muss ich sagen, es hätte mehr brechen können,
mehr als der Stuhl, bin gut gefallen,
Schmerzen habe ich doch,

dumme Blicke, helfen nicht, verächtliches Kopfschütteln,
erschrockene Gesichter, doch keines ist erschütterter als ich,
mein Herz pumpt rasch, ich rapple mich mühsam auf,
der Stuhl ist hin, ich lebe noch,

so wie diesen Stuhl, da gibt es viele,
beim Arzt, im Kaffee oder in einem Theater,
keiner will passen, keiner hat Platz,
neben Sessel gibt es auch Betten und andere Sachen,
die mit meinem Gewicht mir keine Freude machen,
im Krankenhaus da gibt es wenig Betten,
auch kaum Operationstische, die mich tragen,
Fahrräder oder Autogurte, kann ich lange suchen,

es gibt so viele Dinge auf die ich aufpassen muss,
wo Raum fehlt, wo kein Platz ist,
wo ich mir erst Raum schaffen muss,
Raum für meinen dicken/fetten Körper,
auch in den Köpfen der anderen,
muss erst Raum geschaffen werden,
für meinen dicken/fetten Körper,
für das Dicksein, das Fettsein an sich.
Als müsste ich mir als Dicke/Fette erst einen Platz als Mensch erkämpfen.

Die Bedürfnisse sind anders als Dicke/Fette,
doch Möglichkeiten sind da,
nur als Beispiel: wenn wir nur wollen wäre es möglich Sessel zu haben,
die das Gewicht tragen,
es ist möglich Dicken/Fetten Platz zu schaffen,
und unser Menschsein zu achten.
Und zwar durch die Möglichkeit am Leben,
an der Gesellschaft Anteil zu haben.

Also gehe ich weiter,
auf meinen schmerzenden Beinen,
durch eine Welt,
die mich und meines Gleichen ausschließen will,
und versuche uns Raum zu schaffen,
indem ich ihn mir nehme,
indem ich weiter lebe
und auch mal einen Stuhl zerbreche,
das Porzellan zertrample,
die Grenzen mit meiner Körperfülle ramme,
und mir einfach den Raum nehme,
den ich brauche.

verfasst von Malena Glück

Dicksein / Fettsein und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

„Ich würde gerne mal ins Theater gehen aber ich habe Angst vor den Stühlen und ihren Lehnen. Ich denke da pass ich nicht hinein – schließlich müsste ich da ja mind. eine Stunde drin sitzen und dazu ist es einfach viel zu unbequem. Das hält mich auch oft von Kino besuchen aber – es gab einmal ein paar Kinosäale wo man die Sessellehnen hochklappen konnte, das fand ich praktisch. Mittlerweile nehme ich mir mit meinem Mann zusammen den Paarsessel, der hat keine Lehnen und wir passen zu zweit schön bequem drauf. Aber soviele von diesen Sesseln gibt es halt auch nicht und sie haben meistens nicht die beste Lage. Ich denke Kinos und Theaters würden wieder mehr Geschäft machen wenn ihre Sitze bequemer wären und auch andere Körperformen einschließen würden.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber