Gemeinsam Mensch sein

Wir reichen uns die Hände,
wir hören einander,
wir wissen und versuchen zu verstehen,
wie es ist dick zu sein,
fett zu sein,
wie es ist mit unterschiedlichen Körpern zu leben,
wir leihen uns unsere Stärke, unsere Stimmen,
wir stehen füreinander ein,
und wir geben einander Raum,
den Raum, den wir brauchen,

wir unterstützen uns und schauen hin,
selbst dann wenn es nicht schön ist,
wir sehen die Vorurteile der Gesellschaft,
den Ausschluss, wo Barrieren aufgebaut werden,
wo es Grenzen gibt,
wir sehen den Hass der Dicken/Fetten begegnet,
wir schenken uns gegenseitig den Mut weiterzumachen,
und wenn es noch so lange dauert,

was wir tun ist wichtig,
denn jeder und jede verdient Würde,
und so schenken wir sie uns gegenseitig
und hoffen andere mit unserem Vorbild zu ermutigen,
auf ihre Würde zu bestehen und für sie einzustehen!

Danke, Ihr wunderbaren und starken VorgängerInnen,
Danke, Euch, die Ihr uns die Hände reicht.
Danke für das Gemeinsame Mensch sein.

verfasst von Malena Glück

Zeit ist wertvoll

„Zeit ist sehr wertvoll und viel zu wertvoll um sie an Menschen zu verschwenden, die einen immer nur anders haben wollen als mensch ist. Seid mir das bewusst wurde habe ich mich von Menschen getrennt, die mich nicht unterstützt und angenommen haben wie ich war. Mein Dicksein/Fettsein war für sie immer ein Problem – in ihren Augen disqualifizierte es mich. Immer tarnten sie ihre Vorurteile unter dem Deckmantel der Gesundheit wie es heute sooft passiert. Es gab mir immer das Gefühl nicht ganz dazuzugehören, nicht ganz angenommen zu werden und vorallem auch nicht ganz gesehen zu werden. Also ein Tipp falls Du deine dicken/fetten Freunde nicht kränken, verletzen, abwerten oder gar verlieren willst – hör auf sie verbiegen zu wollen nur weil du dir so große Sorgen um ihre Gesundheit machst.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Wertschätzender Umgang mit dem Körper

„Als Kind einer dicken Mutter und selbst dicke Mutter interessiere ich mich dafür meinem Kind grundlegende Werte von Würde und Achtung einem jedem Mitmenschen gegenüber zu vermitteln. Ich versuche meinem Sohn Selbstliebe und Freude am eigenen Leben vorzuleben und sein eigenes Körpergefühl zu stärken – damit er selbst ein positives Körperbild entwickeln kann. Als Mutter interessiere ich mich auch dafür was Kindern beigebracht wird und wie wir Kindern einen liebevollen, wertschätzenden und würdevollen Umgang mit ihrem eigenen Körper und aber auch mit den Körpern anderer beibringen können.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

body activism

„All body issues (we’re talkin‘: race, ability, gender, age etc etc etc) must be included in our body activism if we want to create change. All of them. Because, even if you are not invested in other people’s safety in this world (I hope that changes for you, but even if it doesn’t) all oppression is connected. And as long as one group is being harmed, none of us will ever see real safety in our future.“

Jes Baker

I don’t like being the victim of fatphobia

„As a queer woman I’ve been told that if I don’t like being the victim of homophobia I should date a dude. As a fat woman I’ve been told that if I don’t like being the victim of fatphobia I should become thin.  In both cases it doesn’t actually matter if it’s possible to change myself, because the cure for social stigma is ending social stigma – not for stigmatized people to try to squeeze ourselves in a mold someone else created for us. I will not try to manipulate my body size for some kind of twisted victim-blaming concept of “revenge.” I will wield my beautiful fat body like a weapon.  I will love it, I will care for it, I will move it, I will show it in public, I will viciously defend my body against anyone who seeks to classify it as anything but amazing. The problem here isn’t how we look, it’s that people bully us for how we look. I don’t care about revenge, but I do demand social change.“

Ragen Chastain

FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL: Party machen für ein positives Selbstbild

 

Neulich war ich bei einer interessanten Veranstaltung zu Gast, einem Abend unter dem Motto „FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL“ in einer alternativen Partylocation namens Celeste in Margareten .

Dort  gab es gute Musik, eine ziemlich geniale Performance von Julischka Stengele und eine Diskussionsrunde mit illustren Gästen wie Sara Ablinger, Vina Yun, Denise Kottlett und Hengameh Yagoobifarah.

Thema des Abends waren dicke/fette Femmes, ihre Repräsentation in der Szene, ihre Probleme und die Ursachen dieser.

Was nämlich auch ich in meiner linksliberalen Kreativmilieu-Blase, in der ich mich in den vergangenen Jahren bewegen durfte, vergessen hatte: Auch in der sogenannten „Szene“ gibt es Ausgrenzung auf Grund körperlicher oder geistiger Unterschiede, Gewichtsdiskriminierung und Klassismus. Immer noch. Denn: Die LGBTIQA-Community darf nicht automatisch gleichgesetzt werden mit einem queerfeministischen Umfeld oder auch nur von Vornherein im aufgeklärt-iberalen Umfeld verortet werden. Und nicht jede_r, die_r sich als nicht heterosexuell definiert, ist automatisch an der totalen Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt interessiert.

Besonders gut sichtbar wird das am Beispiel an der Fat Femme. Denn ihr schlagen, obwohl in einem vermeintlich alternativen Umfeld verwurzelt, all jene Probleme ins Gesicht, mit denen die heterosexuelle Frau sich auch herumzuplagen hat. Reduktion auf das Körperliche, permanente Unterschätzung der Fähigkeiten, Geringschätzung emotionaler Qualitäten. Geachtet wird nur auf die Fassade -die Person hinter dem Speck bleibt unsichtbar.

Ein dicker/fetter Körper erzeugt bei der Partner_innensuche normalerweise zwei Reaktionen; eine Entsexualisierung oder eine Hypersexualisierung des jeweiligen Körpers. Entweder wird frau* durch den runden Körper gleich jedweder Anspruch auf  Sexualität abgesprochen und sie* zum „Kumpeltyp“  oder zur „Gruppenmama“ abgestempelt oder sie* darf auf Grund ihres* Körpers als Fetischobjekt herhalten. So weit, so schlecht. Addiert man nun noch die „klassischen“ Probleme einer feminin oder hyperfeminin auftretenden Nicht-Hetera; die fehlende Sichtbarkeit und damit einhergehend die fehlende Anerkennung in Teilen der Szene, wird klar, in welchem Spannungsfeld wir uns bewegen.

Dazu kommt dann noch, dass die, eigentlich konstruierte Ungleichheit zweier Gruppen biologischer Frauen* ( in diesem Fall die immer noch gerne benutzte Selbstkateorisierung mancher Frauen* als Butch oder Femme) zwar in erotischer Hinsicht reizvoll sein kann,sich deren Kehrseite aber offenbart, sobald es um Bodyshaming oder Fatshaming geht.

So können Butches z.B. auf Grund der Konstruktion ihrer Rolle als „männerorientiert“ einige Aspekte ihres Dick/fettseins besser für ihre Zwecke nutzen als Femmes. Zwar findet auch hier der oben beschriebene Vorgang der Entsexualisierung ihres Körpers  durch Fett statt, allerdings kann diese auch als Distanzierung zum weiblichen Anteil gelesen werden. Dadurch kann die ohnehin schon durch andere Komponenten wie Kleidungsstil, Haarschnitt, Körperhaltung, Make-up erzeugte Betonung des männlichen Anteils noch stärker akzentuiert werden. Auch, das durch ein größeres Körpervolumen mehr Raum eingenommen wird, lässt dich eher mit der männlich-orientierten Rolle vereinbaren, als mit der weiblich-orientierten. Jede_r, die_r mit den Öffis fährt, kennt das Phänomen. Das Fett bringt also nicht jeder* in gleichem Maße Nachteile², was für die benachteiligte  Gruppe zu Frust führen kann und mitunter Feindseligkeiten erzeugt.

„FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL“ – eigentlich klingt nichts mehr wie ein Event für die Randgruppe einer Randgruppe einer Randgruppe. Aber erstens wäre das nicht schlimm und zweitens ist das auch nur auf den ersten Blick der Fall. Natürlich brauchen gerade jene, die außerhalb der breitgetretenen Pfade durchs Leben gehen so viele Möglichkeiten zur Selbstermächtigung wie möglich und Abende wie dieser bieten genau das. Allein schon dadurch war die Veranstaltung eine, auf die ich gerne mein, sagen wir, 16-jähriges Ich mitgenommen hätte, um ihm zu zeigen, wie die Welt auch noch aussehen kann. Besonders bereichernd fand ich dabei jedoch, dass man, gerade durch Performance und Diskussionsrunde, verstehen lernen konnte, wie weit patriachale Grundstrukturen in unsere Gesellschaft hineinreichen und welche ungeahnten Blüten sie tragen.

Ich würde es daher wahnsinnig begrüßen, fänden sich künftig Gelegenheiten, mehr Veranstaltungen dieser Art zu organisieren.

 

² Was klargestellt werden muss: Es geht hier keinesfalls darum, verschiedene Identitäten gegeneinander auszuspielen – im Sinne von „Gruppe A hat es besser als Gruppe B“ oder „nur Gruppe B hat Probleme“. Es ist aber so, dass man anhand dieses Beispieles das gesamtgesellschaftliche Problem gut erkennen kann da es uns zeigt, dass Gewichtsdiskriminierung und Sexismus keine Geschlechtergrenzen kennen.

 

 

„die eigene Würde erleben“

„Es ist ein tolles Gefühl in einer Runde mit nur dicken Frauen zu sitzen und sich gegenseitig Anerkennung und Respekt zu schicken und diese Anerkennung von den anderen Frauen auch wieder zu empfangen. Dieses Angenommen sein rührt mich zu Tränen. Ich wünsche das allen Menschen. Ich wünsche allen die Erfahrung von Würde und Respekt. Einfach ganz mensch selbst sein zu können und so wie menschen eben ist auch angenommen, beachtet und geachtet zu werden.  Das ist göttlich und sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Rücken an Rücken

„Als dicker Mensch fällt es mir schwer mich fallen zu lassen, denn wer kann mich schon halten? Wer kann mein Gewicht schon tragen? Diese Last auf dem Rücken drückte mich nieder. Dann kam diese Körperübung und ich stand Rücken an Rücken zu einem anderen Menschen. Und da war auf einmal ein Mensch, der mir den Rücken stützt. Ich konnte endlich los lassen und mich fallen lassen und wurde getragen. Rücken an Rücken gelehnt war es möglich endlich gehalten zu werden. Ich musste meine Last nicht mehr alleine tragen. Es war eine solche Erleichterung. Ich war nicht mehr alleine. Es war ein wunderbares Gefühl.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber