Überall Bäuche

Überall Bäuche,
manche sind schmal,
manche sind fest,
manche hängen hinab,
manche wölben sich vor,

überall Bäuche,
manche sind gefüllt,
manche sind leer,
manche knurren,
manche grummeln,
manche glucksen, Weiterlesen

Sie tanzt

Meine Füße berühren den Boden,
die Schwere meines Körpers drückt sie fest zur Erde,
doch ich hebe und senke sie
und schreite mit Schwung durch die Straße,
mein Fett wackelt und schwabbelt nur so dahin,
auf den Lippen trage ich ein Lächeln,
in meinem Herzen höre ich den Rhythmus,
den Rhythmus der Großen Mutter,
und sie tanzt mit mir,

dick und fett schwinge ich um die nächste Ecke,
fröhlich lache ich meinen Gegenübern ins Gesicht,
wer immer mir begegnet sieht mich beben,
spürt mich durch die Welt stampfen,
mit Freude bewege ich mich an staunenden Gesichtern vorbei,
ja mein Bauch hüpft auf und ab,
und ja mein Busen schwingt rechts und links von mir,
und ja meine Beine schwabbeln herum,
und ja ich brauche Platz, ich brauche Raum,
und ich nehme ihn mir.

Dick und Fett und voller Freude tanze ich durch mein Leben,
stampfend, laut schnaufend, den Boden erbebend,
und wisst ihr was, die Große Mutter,
Sie tanzt mit mir.

Ich bin einfach umwerfend,
mit all meiner Fülle kann ich einiges bewegen,
ich halte meinen Kopf hoch und trage mein Gewicht mit Leichtigkeit,
und wenn ich nicht mehr kann, dann mache ich Pause,
denn ich weiß Sie tanzt für mich weiter,
Sie tanzt für jeden von uns.

verfasst von Malena Glück

Platz haben, Raum haben

Ich entscheide mich das Lachen zu erwidern,
doch zum Lachen ist mir nicht,
ich entscheide mich ruhig zu bleiben,
doch ruhig bin ich nicht,
ich höre den Hass, ich höre die Worte,
und die die nicht betroffen sind sagen leicht dahin:
„das betrifft mich nicht,
es kann mich nicht treffen,
es hat nichts mit mir zu tun,
lass sie doch reden“
aber es macht etwas mit mir,
es macht mich traurig,
es macht mich wütend.

Ich gehe hinaus und kann so vieles nicht tun,
bin in so vielem beschränkt,
da ist kein Platz im Bus,
kein Platz im Theater,
kein Platz im Kino,
keiner im Café,
da ist kein Platz im Kleidergeschäft,
kein Platz für einen Körper wie meinen,
selbst beim Gehen auf der Straße,
wo ist Platz für mich?
Platz für meinen dicken/fetten Körper?
und ich atme durch und schaffe mir Platz.

Doch das ist harte Arbeit,
das ist ein echter Kampf,
einfach nur hier zu stehen und
den Raum einzunehmen, den mensch braucht,
mit der Anfeindung fertig zu werden,
und mit den eigenen Gefühlen,
das ist echt harte Arbeit,
und sie beginnt jeden Tag von neuem.

Meinen Raum zu haben,
ihn zu erfüllen, ihn auszufüllen,
dass gehört zum Menschsein dazu,
und ich lasse mir mein Menschsein nicht nehmen.

verfasst von Malena Glück

Rund herum ein Panzer

Rund herum ein Panzer,
doch keiner der beschützt,
kein Schild das abhält,
sondern eines das einlädt,
aber nichts, dass ich gerne eingeladen hätte,

rund herum ein Panzer,
aber alles trifft genau,
und Worte hallen nach,
sie rollen von allen Seiten an mich heran,
und sie stechen mich hier,
und sie schneiden mich da,

rund herum ein Panzer,
und ich bin immer sichtbar,
kann gar nicht anders sein,
kann mich nicht verstecken,
wie ein Berg, so riesig,
wie ein Meer, so weit,
wie die Sonne strahlend,
und das zu jeder Zeit,

rund herum ein Panzer,
und alles was mir bleibt sind meine Gedanken,
alles was mir bleibt bin ich selbst,
und ich denke gutes von mir,
denke gutes von meinem Panzer,
der kein Panzer ist,
ich entscheide mich zu lieben,
ich entscheide mich zu freuen,
ich entscheide keinen Panzer zu tragen,
sondern einfach dick und fett zu sein.
Und bin damit glücklich.

verfasst von Malena Glück

Eure Blicke

Ich gehe durch die Straßen,
eure Blicke treffen mich,
sie starren auf meine dicken Beine,
das wackelnde Fett,
sie starren auf meinen Bauch,
die volle Fülle,
sie starren auf meine hängenden Brüste,
die weiche Masse,
sie starren auf mein Kinn,
mit samt seiner Umrahmung,
sie treffen meine Augen und blicken weg,
als hätten sie etwas verbotenes gemacht,
als wäre es ihnen unangenehm,
sie gehen an mir vorbei,
sie rempeln mich oder ducken sich,
sie wissen nicht so recht,
ich nehme so viel Platz…

und ich begegne euren Blicken,
und sie treffen mich,
und dennoch nehme ich mir den Platz,
ich mache mich nicht klein,
ich weine nicht und ich stoppe den eigenen inneren Dialog,
ich höre nicht hin auf den Hass, der in manchen eurer Blicke ruht,
ich begegne euren Blicken,
und gehe weiter, atme weiter,
ich habe Platz in all meiner Fülle,
und ich nehme ihn mir,
ich stehe zu mir,
manchmal stehe ich allein…

manchmal da ist es echt hart euren Blicken zu begegnen,
da brauche ich jemanden der mich erinnert,
der mich erinnert, dass ich ein Mensch bin und kein Ding,
also bin ich heute für alle anderen,
diese Erinnerung, damit sie es für mich sein können,
wenn ich sie brauche,
ich begegne euren Blicken,
wandle hoch erhobenen Hauptes meines Weges,
und nehme den Platz ein, der mir zu steht,
und ich alleine bestimme wieviel das ist,
denn ich bin ein Mensch in voller Pracht,
und ich begegne euren Blicken mit Würde und Respekt,
begegne eurem Hass mit Mitgefühl und Nachsicht,
und ich nehme lachend meinen Platz ein….

verfasst von Malena Glück

Zeigefinger

„Schau wie dick“,
und schon sehe ich den Zeigefinger,
und er richtet sich auf mich,
mein Fett,
er prangert mich an,
er verurteilt mich, verhöhnt mich,
und was macht mein Fett?
was mache ich?
ich dehne mich aus,
ich werde groß,
ich nehme mir Raum und gebe zu:
„ja ich bin dick,
schau her,
ich stehe zu mir, zu meinem Fett,
zu meinem Bauch, zu meinem Po, zu meinen Hüften,
zu meinen Beinen, meinem Doppelkinn,
DAS BIN ICH
und du bist nur ein Zeigefinger!“

verfasst von Malena Glück

Gedicht: Meine dicken Arme

geschrieben von Malena Glück

ArgeDiWe4Stattlich nennen sie manche,
breit und dick und fett,
weit und weich und gewichtig,
ja so sind meine Arme – richtig,
und ist das nicht wunderbar?
Eines ist doch sonnenklar,
so wie sie sind – so sind sie tadellos,
so wie sie sind – sind sie famos.

Starke Arme, die zupacken, loslegen,
die rempeln und raufen,
die halten und walten,
die sich wehren und Selbstachtung lehren,
die Raum einnehmen und imponieren,
die sich auch mal amüsieren,

dicke Arme, die drücken und sich entzücken,MuttermondARGE
die beglücken und verrücken,

fette Arme, die bewegen und bestärken,
die streicheln und berühren,

breite Arme, die umarmen und umfassen,
die umschließen und prassen.

Ich liebe meine Arme,
liebe ihr tun, ihr fühlen, ihr begreifen,
sie sind umwerfend, überwältigend, sagenhaft,
sie sind wuchtig, massiv und mächtig,
sie sind beeindruckend und prägend.

Ich bin meine dicken Arme,
sie gehören zu mir,
und das Dicke, das Fette, das Breite, das Weite,
das Gewichtige und Mächtige ist Teil von mir,
so wunderbar, so einprägsam, so tief verwurzelt,
so unglaublich und berauschend,
so lebhaft und beglückend – ich bin einfach entzückend!