Gängiger Irrglaube

„Als dicker Mensch über Ernährung zu reden – disqualifiziert dich im Auge deines Gegenübers bereits bevor ein Gespräch überhaupt begonnen hat. Gängiger Irrglaube ist: du als dicke/fette Person weißt gar nichts zu diesem Thema beizutragen außer wie es eben nicht geht oder wie mensch es eben nicht tun sollte. Schließlich kann angeblich mit Ernährung gesteuert werden, welches Gewicht ein Mensch hat – und dabei gibt es „natürlich“ ein Gewicht das auch jeder Mensch zu haben hat. Worauf sich dieses vorgeschriebene Gewicht stützt ist unterschiedlich – behauptet wird es ginge dabei um das für den Körper vorgesehene und angemessene Maß, dass dem Körper bei richtiger Lebensweise (also auch Ernährung, Bewegung, etc.) die optimale Lebensspanne garantiert.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Kein Kommentieren mehr

„Als individuelle Entscheidung einer jeden einzelnen bedarf Abnehmen keiner weiteren Anerkennung, Bestätigung oder Beratschlagung anderer. Diese individuelle Entscheidung muss auch nicht öffentlich breitgetreten werden bzw. öffentlich diskutiert, dokumentiert und bewertet werden. Einzig und allein der Umstand das Abnehmen so eine öffentliche Zustimmung erfährt und gesellschaftlich mehr als erwünscht sogar erzwungen wird (durch den Druck auf Dicke sich zum Beispiel einer chirurgischen Maßnahme zu unterziehen) macht es notwendig unsere Einstellung des NICHT-Abnehmen-Wollens ÖFFENTLICH auszubreiten. Hören wir auf eine Körperform zu bevorzugen so gibt es überhaupt keinen Grund für irgendwelche Lobeshymnen auf das Abnehmen. Es gibt dann nicht einmal einen Grund das individuelle Ab- oder Zunehmen zu kommentieren.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Was wir brauchen in Sachen »Übergewicht«, ist vor allem Gelassenheit und Verständnis dafür, daß Menschen gerade nicht gleich sind, sondern daß es sie in vielen Formen, Farben und Größen gibt. Und das ist auch gut so. Denken Sie daran: Essen macht nicht schlank, schön oder gesund. Essen macht satt. Und wenn es gut gekocht ist, auch zufrieden.“

Udo Pollmer

(Esst endlich Normal! Das Anti-Diät-Buch. Piper Verlag GmbH, München. 4.Auflage März 2011, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Seite 264)

„Was ist SUCHT? Ich gehe heute nicht weg, weil ich essen will – soziale Definition. Doch gehen wir wirklich nicht weg weil wir essen wollen oder wollen wir nur nicht vor anderen essen? Ich gehe nicht raus weil ich vor anderen nicht essen will – ich schäme mich vor anderen zu essen, weil mir unterstellt wird ein Vielfraß zu sein und ich will kein Vielfraß sein. – Also soziale Ausgrenzung und Beschämung sind die Ursache warum ich nicht raus gehe, nicht das Essen selbst.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Essen als Sucht übersieht die Lebensnotwendigkeit von Essen – schließlich ist es bei den meisten Süchten so, dass durch den absoluten Verzicht auf das Süchtigmachende eine Gesundung eintritt. Schon bei dem kleinsten Nichteinhalten des Verzichts schaffen es viele nicht und werden sofort wieder süchtig und abhängig. Doch Essen ist lebensnotwendig – jeder Mensch muss essen sonst sterben wir. Was bedeutet es Menschen von der Nahrungsaufnahme (die lebenswichtig ist) abzutrennen?“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Die Geschichte der Diäten zur Gewichtsreduktion ist eine Geschichte des Scheiterns. Warum gibt es wohl jedes Frühjahr ein Dutzend neuer Diäten? Etwa, weil die alten so wunderbar funktioniert haben? (…) Diäten sind heute, und das schon seit Jahrzehnten, eine der wichtigsten Ursachen für »Übergewicht«. Warum gibt es keine Kampagne gegen Diäten als Dickmacher? Warum kämpft die Gesellschaft heroisch gegen den Genuß von Pralinen, Pizza und Pommes, nicht aber gegen den Kalorienverzicht, obwohl er nachweislich ein Dickmacher par excellence ist?“

Udo Pollmer

(Esst endlich Normal! Das Anti-Diät-Buch. Piper Verlag GmbH, München. 4.Auflage März 2011, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Seite  95, 99)

Risiken und Langzeitfolgen einer Magenbypass Operation

Der vierte Text zum ARGE Dicke Weiber Themenschwerpunkt »Übergewichtschirurgie«.

Bei der Magenbypass-Operation wird eine kleine Magentasche gebildet, die direkt mit dem Dünndarm verbunden wird. Der restliche Magen, der Zwölffingerdarm und ein Teil des oberen Dünndarmes sind damit ausgeschaltet, das heißt, die Nahrung gelangt sofort unter Umgehung des Magens in den Dünndarm. Da der Magen und der Zwölffingerdarm mit Klammernähten abgeklammert werden, kann weder ein Kontrastmittel in diese Teile des Magens gelangen (kein Röntgen möglich) noch eine endoskopische Untersuchung und Behandlungen stattfinden. Somit lassen sich im abgeklammerten Magenbereich keine Geschwüre oder andere Krankheiten feststellen und behandeln. Der blind verschlossene Magen kann durch Magenspiegelung in der Regel nicht mehr eingesehen werden, ausser mit einer kleinen Operation.

Gefährlich sind auch Probleme durch Lecks im Bereich der Klammernahtreihen. An den Klammernähten und im Bereich der Verbindungsstelle von Magen und Dünndarm kann es zu Blutungen kommen oder es können Schwachstellen auftreten. Dabei kann es zum Austritt von Magen-Darminhalt und in weiterer Folge zu einer Bauchfellentzündung kommen. Auch Schleimhautentzündungen, Geschwüre an den Verbindungsstellen sowie Infektionen und Abszess Bildungen in der Bauchhöhle sind wahrscheinlich und führen zu Folgeoperationen. Darüber hinaus müssen langfristig säurereduzierende Medikamente zum Schutz der Schleimhaut vor allem im Bereich der Nahtverbindung Magen/Dünndarm eingenommen werden. Die Verbindung zwischen Magen und Dünndarm kann sich nach mehreren Wochen bis Monaten so weit verengen das selbst Flüssigkeiten nicht mehr durchkommen. Die Verengungen müssen mittels mehrmaliger Magenspiegelung gedehnt werden. Selten können sich beide Magenteile wieder miteinander verbinden.

Weiterlesen

Gegen Diäten zur Gewichtsreduktion

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Mittlerweile haben wir schon einige Diskussionen geführt und auch Texte verfasst und wollen sie so nach und nach veröffentlichen.

Warum ist die ARGE Dicke Weiber gegen Diäten zur Gewichtsreduktion?

Wir sind aus ethischen, gesundheitlichen und erfahrungsbedingten Gründen gegen Diäten zur Gewichtsreduktion.

Diäten sind mit dem Denken verbunden, dass frau ihren Körper an eine »Norm« anpassen muss. Diese Norm wird von einem kapitalistischen, patriarchalen System festgelegt, dem es um Leistungsfähigkeit, Unterwerfung, Unsterblichkeit, Ersetzbarkeit etc. geht.

Weiterlesen

Lisa Isherwood: The Fat Jesus

Eine Buchrezension von Maike Kittelmann

Lisa Isherwood: The Fat Jesus»The Fat Jesus« ist ein Buch der britischen feministischen Befreiungstheologin Lisa Isherwood, und schon 2007 erschienen. Jetzt sagt vielleicht jemand: »Theologie??« Aber es gibt gute Gründe, das Buch zu lesen!

Vor allem ist die Verurteilung Dicker in unserer Gesellschaft definitiv eine moralische Verurteilung. Auch wer mit Religion nichts anfangen kann, sieht sich damit konfrontiert, dass das Christentum 2000 Jahre westliche Werte beeinflusst hat. Wenn wir also fragen, woher die absurde moralische Verdammung des Dickseins kommt, ist es unvermeidbar, einen Blick in die Geschichte des religiösen Denkens zum Thema Essen und Nicht-Essen zu werfen.

Ein zweiter Grund, das Thema von einer religiösen Perspektive zu analysieren, ist der unübersehbare, definitiv religiöse Charakter der Diät- und Fitness-Ideologie. Es geht nicht einfach um den Körper. Es geht um Lebensveränderung, Gewichtsverlust wird mit Persönlichkeitswachstum gleichgesetzt, »gut« und »böse« werden in den Bereich der Lebensmittel verschoben, es geht um eine »Bekehrung« zum Dünn-Sein, man hofft auf eine Art »Erlösung«, alles soll besser werden durch das Fit-Sein, Schön-Sein, Dünn-Sein. Aber es gibt »Versuchungen«, und die Dicken haben ihre »Verdammnis« verdient. All das sind eigentlich religiöse Denkweisen. Und viele Leuten verdienen sehr viel Geld an dieser »Religion«. Es ist beruhigend, dass sich eine Theologie-Professorin, die selber dick ist, das mal genauer angesehen hat.

Weiterlesen