Wie das Leben so spielt

erlebt und geschrieben von Malena Glück

Es war einmal eine Prinzessin, die mit ihrer runden, weichen Form so manche Blicke erntete. Nicht alle waren freundlicher Natur. Wenn die Prinzessin einen guten Tag hatte schob sie diese bösen Blicke auf den Umstand des Neides. Sie selbst sah sich gerne im Spiegel an und fand gar nichts dabei anders als viele auszusehen. Alles in ihrem Schloss war ihren Bedürfnissen angepasst und so lebte sie hier auch ein sehr glückliches Leben.

Eines Tages hatte sie genug vom allein sein. So nahm sie gerne die reichlichen Einladungen der unterschiedlichsten Verehrer an. Doch stets musste sie feststellen: die waren ganz und gar nicht nach ihrem Geschmack. Viele stellten sich gleich beim ersten Treffen als unpassend heraus. Entweder waren es ihre abwertenden und abfälligen Blicke auf den dicken Körper der Prinzessin oder ihre beleidigende Art mit ihr zu reden. Sie redeten so als müsste sie sich glücklich schätzen, dass die verehrten Herren sich mit ihr abgaben. Das fand die Prinzessin aber nicht. Ihre dicke Figur war für sie selbstverständlich und das Benehmen der Prinzen einfach empörend. So etwas kam ihr nicht ins Schloss.

Es gab auch einen mit dem sprach sie länger. Es stellte sich heraus, er würde sie verlassen wenn seine Traumfrau käme und ihn wolle (wobei er sich selbstmitleidig nicht viele Chancen auf so ein „Wunder“ ausrechnete). Die Prinzessin war geduldig und hörte sich alles an. Aber so jemanden zu ihrem Mann zu machen, das viel ihr im Traum nicht ein. Sie disqualifizierten sich alle selbst.

Von einem dieser vergeudeten Nachmittage nun schon etwas mürrisch fuhr sie abends zu einem Ball. Diese festliche Veranstaltung konnte sie nicht umgehen – schließlich auch als Prinzessin hat man Pflichten. So stieg sie genervt in ihre eigens für sie gefertigte Kutsche und plante schon während der Fahrt ihr frühzeitiges Verlassen des Balles um sich des späteren Abends noch ein gutes Buch zu gönnen.

Plötzlich holperte der Wagen, es krachte laut und der Wagen stoppte abrupt. Die Prinzessin schälte sich aus der Kutsche und kam etwas mitgenommen am Straßenboden zum Stehen. Der Kutscher und sein Zögling waren untröstlich. Sie machten sich daran die Kutsche zu reparieren. Die Reparatur würde länger dauern aber es war auch noch ein ganzes Stück weit zum Gehen.

Die Prinzessin ließ Kutscher und Zögling bei der Kutsche zurück und schritt verärgert die Straße entlang zum Schloss. Sie war ziemlich sauer. Sie war nicht für einen Spaziergang gekleidet. Das Schicksal, so dachte die Prinzessin finster, war heute nicht auf ihrer Seite. Sie würde viel zu spät zum Ball kommen und alle guten Plätze wären dann schon belegt. Die Vorstellung, jetzt auch noch die ganze Zeit stehen zu müssen, war ihr ein Graus. Dafür hatte sie eindeutig nicht die passenden Schuhe an. Dieser innere Dialog flammte ihren Zorn immer mehr auf und der war es wohl, der sie den langen Fußweg meistern ließ.

Endlich kam sie ramponiert, müde, gereizt und viel zu spät beim Schloss an. Keuchend stampfte sie wenig elegant die Stiegen hoch. Sie war verschwitzt, ihr Kleid war schmutzig und sie zog ein grantiges Gesicht auf dem zu lesen war: sprich mich nicht an oder du wirst gefressen. Mürrisch schritt sie an den Wachen vorbei, die bemüht waren rasch zur Seite zu sehen und der Prinzessin ja keinen Grund zu geben sich mit ihnen näher zu beschäftigen. Etwas leiser werdend aber immer noch schnaubend ging sie durch den Eingangsbereich zum Ballsaal. Dem Ausrufer strafte sie mit einem bösen Blick und kam so unbemerkt hinein.

Drinnen waren wie schon gedacht alle Plätze vergeben und der Ball war im vollen Gange. Sie wollte jetzt nur mehr eine Verschnaufpause und unentdeckt den Abend irgendwie hinter sich bringen. Sie stapfte hinter eine der Säulen. Auch hier standen einige Bekannte, die der Etikette nach eine Begrüßung einforderten. Und dann war da ein unbekannter Mann, der sich ebenfalls freundlich vorstellte. Ihm gefror jedoch jedes weitere Wort nachdem sie ihm mit ihrem bissigen Blick durchbohrte und ihm dann ohne weiteres  ihre kalte Schulter zeigte.

Nach einer Weile verflog der erste Stress dieses anstrengenden Abends und sie bedachte sich wieder ihrer höfflichen Herkunft als Prinzessin. Sie wandte sich noch einmal dem Unbekannten zu und entschuldigte sich aufrichtig für ihre Unhöflichkeit. Sofort begann ein wunderbares Gespräch bis sie so sehr miteinander beschäftigt waren und ineinander vertieft waren, dass sie gar nicht mehr bemerkten was um sie herum geschah. Und als es Mitternacht schlug da küsste der Prinz die Prinzessin. Er liebte alles an ihr und sie liebte alles an ihm. Jetzt hatte sie ihre Liebe gefunden. Seit da leben sie gemeinsam glücklich zusammen und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

EINFACH GÖTTLICH

„NEHMEN WIR MAL DIE SCHILDKRÖTE UND DEN ADLER. Die Schildkröte lebt nahe am Boden. Noch näher dran wäre schon fast unterirdisch. Der Horizont der Schildkröte beschränkt sich auf wenige Zentimeter, und ihre Höchstgeschwindigkeit reicht locker aus, um ein Salatblatt zu jagen und zu erlegen. Während die übrige Evolution an ihr vorbeigezogen ist, hat sie überlebt, indem sie – im Großen und Ganzen – für niemanden eine Bedrohung darstellte und ziemlich umständlich zu verspeisen war. Auf der anderen Seite der Adler. Ein Geschöpf der luftigen Höhen, dessen Horizont sich bis zum Rand der Welt erstreckt. Sein Blick ist so scharf, dass ihm selbst aus einer halben Meile Entfernung nicht die kleinste Bewegung eines noch so winzigen Pelztierchens entgeht. Der Adler, das ist schiere Kraft gepaart mit schierer Beherrschung – der geflügelte, blitzschnell zuschlagende Tod. (…) Und kurz darauf sieht die Schildkröte, wie die Welt unter ihr ins Bodenlose entschwindet. Sie sieht sie zum allerersten Mal nicht nur aus einem Zoll Entfernung sondern aus einer Höhe von fünfhundert Fuß, und sie denkt erstaunt: Was ist mir der Adler doch für ein wunderbarer Freund! Dann lässt der Adler los. Und fast immer stürzt die Schildkröte in den Tod. Jeder weiß, wieso die Schildkröte sich so verhält. Schwerkraft ist eine Gewohnheit, die man nur sehr schwer ablegen kann. Niemand weiß, warum der Adler sich so verhält. So eine Schildkröte gibt zwar eine leckere Mahlzeit ab, aber zieht man den zu betreibenden Aufwand in Betracht, kann man sich so gut wie allem anderen wesentlich bequemer ernähren. Es liegt einfach daran, dass Adler großen Spaß daran haben, Schildkröten zu schikanieren. Natürlich ist dem Adler nicht bewusst, dass er sich damit an einer sehr brutalen Methode der natürlichen Auslese beteiligt. Eines Tages werden Schildkröten fliegen lernen.

Terry Pratchett (Einfach göttlich, Taschenbuchausgabe Mai 2016, S.5f)

Bewegung mit Freude

„Es fühlt sich gut an mich nach meinen eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten zu bewegen. Die Musik fließt richtig durch mich durch und ich bin ganz bei mir. Ich bewege mich nur soweit wie es mir gut tut und achte nur auf meinen eigenen Körper, auf dessen Signale von Freude und Glück. Ich spüre in mich hinein und es macht richtig viel Spaß in diesem dicken/fetten Körper der Musik in meinem eigenen Rhythmus zu folgen. Mein dicker/fetter Körper bewegt sich mit Liebe und wackelt voller Freude.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Disease

„There should be absolutely no shame in having a disease.  None.  It does not matter what disease someone has, they should never be shamed for it.  I advocate for nothing less than shame-free, blame-free, future-oriented healthcare.  It does not matter why someone has a disease, it matters what happens moving forward.  We can never change the past so after a diagnosis it’s all about options and choices, not blame or shame.  People who are diagnosed with a disease should be given true information, all of their options, and compassionate care on their terms based on their choices. “

Ragen Chastain

change reality

„But for change to happen somebody has to do it. Somebody – and then more somebodies – must buck the system.  In the course of changing ‘reality’ I notice that a lot of people to sacrifice a little, some people to sacrifice a lot, and a few people to sacrifice everything.  None of those people has to be you, but they could if you choose. I am very clear that I stand on the shoulders of thousands of people who sacrificed time, money, relationships, personal comfort, and even their lives to create parts of reality which I now enjoy.  I don’t take those sacrifices for granted and I can’t think of any better way to show gratitude than to become part of that tradition. And remember that it doesn’t have to be something huge.  Every little bit helps.  So consider organizing a ‘No Make-Up Monday’ at your school or work, or wear a sleeveless shirt and proudly show your arms, tell people your real weight.  To be clear, I have nothing against those who choose to wear make-up, or try for intentional weight loss cover their bodies, or lie about their weight.  If that’s what you want to do then I respect your choice just like I want my choices respected – what I’m interested in is having the opportunity to choose things just because we want to, without the consideration that if we don’t choose them, the herd will say we’re baaaaaaaad and we’ll suffer consequences.“

Ragen Chastain

Sinn unserer Arbeit

„Bei unserem Tun als Aktivistinnen (Körper-, Dicken-, etc.) geht es also darum festzustellen, dass jede ihre eigenen Qualitäten, Fähigkeiten, Fertigkeiten hat – und alle etwas zur Gemeinschaft beitragen – sowie dass alle ganz individuelle Leben haben – und wir nun herausfinden wollen wie wir unsere Leben verbessern können. Ein wichtiger Bestandteil ist zu sagen: wir können so sein wie wir sind und das ist gut so.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

fat furniture

„When a fat person asks for furniture that accommodates us or enough room to sit on a plane or plus sizes (or, as I like to call them, sizes) this is not asking for something special – it’s asking for what others already have.  If the other patients at your doctor’s office walk into the office and sit down, but you can’t because the chairs all have arms and don’t work for you, then when you ask for an armless chair you’re not asking for something special – you’re asking for what the other patients already have.“

Ragen Chastain