Dicksein / Fettsein in Film und Fernsehen

„Ich wünsche mir Filme und Serien in denen dicke, fette Menschen einmal nicht mit Nebensätzen abgewertet, mit Diät oder Magenband abgespeist oder selbstbemitleidend als Witzfiguren herumlaufen. Ich wünsche mir Filme und Serien in der die dicke Hauptrolle nicht sich glücklich schätzen muss, dass sie irgendwer doch noch liebt nachdem sie abgenommen hat oder sich zumindest bemühte abzunehmen. Ich wünsche mir Filme und Serien in denen Dicke vorkommen, die ganz normale Leben führen und das heißt die auch Partner haben, die auch Sex haben, die auch Erfolg haben, die auch mal die Hauptrolle haben und die Heldin oder der Held sind. Ich wünsche mir also Filme mit Vorbildern für mich und meinen Körperbau – damit ich wieder fernsehen kann oder ins Kino gehen kann ohne mich ständig beleidigt zu fühlen. Denn das ist alles was Dickenhetze in Serien und Film machen – sie bleidigen mich und alle anderen dicken, fetten Menschen und nehmen uns unsere Menschenwürde. Es wird Zeit, dass wir Dicken auf unser Menschsein beharren und es auch von Film und Serien einfordern.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Dicksein / Fettsein und ungewollte Fotos

„Seit jedes Handy annehmbare Fotos machen kann ist es als Dicke manchmal recht unangenehm – jetzt folgt nicht ein Zeigefinger, ein starrer Blick des Entsetzens oder ein verstohlenes Kopfzeichen zum Nachbarn und hämisches Gelächter  sondern es wird einfach ein Foto geschossen und herzhaft und immer wieder von neuem über uns hergezogen. Eventuell landet es im Internet mit Spott, Hohn und Dickenhass versehenen Mitteilungen. Mein Körper gehört mir, er dient nicht eurem Begaffen, er dient nicht eure Hetze, er dient nicht eurer Belustigung und eurem Voyeurismus. Unsere dicken/fetten Körper gehören euch nicht, also schämt euch für eure Anmassung ein Foto von uns ohne unsere Erlaubnis zu machen. Wir schämen uns nicht für unsere Körper. Und wir lassen uns auch keine Scham mehr einreden. Wir erlauben es nicht, dass ihr uns zum Objekt eures Spottes und Hasses macht. Wir sind alle Menschen.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Warum Dicke auch dickenfeindlich sein können!

Indirekte, implizierte oder mitgedachte Dickenfeindlichkeit

Zuerst möchte ich gerne auf unseren Artikel Dickenfeindlichkeit ist… verweisen – es mag darin aber nicht genug herauskommen, dass auch dicke Frauen dickenfeindlich sein können und zwar dadurch, dass sie den Dickenhass schon so automatisiert haben, dass er ihnen nicht einmal mehr auffällt. Indirekter Dickenhass wird nicht als Dickenhass erkannt, sondern wird oft als positive Selbstliebe getarnt – indem frau schließlich ja nur etwas für sich tue und sich »gesund« halte durch das »Abnehmen« (in welcher Form nun auch immer abgenommen wird). Persönliche Übergriffe und Angriffe sind dann nicht selten die Reaktion auf die Feststellung der impliziten und indirekten Dickenfeindlichkeit.

Implizite und indirekte Dickenfeindlichkeit ist im Sprachgebrauch sowie in unhinterfragten und unreflektierten Vorstellungen erkennbar, die Vorurteile gegenüber dem Dicksein und Dickerwerden bedienen. Als diskriminierenden Sprachgebrauch verstehen wir alle Verlächerlichungen des dicken Körpers sowie alle verallgemeinernde Aussagen, die dem dicken Körper an sich seine Schönheit, seine Gesundheit und seine Beweglichkeit absprechen. Ebenso zählt dazu jede Bemerkung, die Ekel gegenüber dem dicken Körper (dem Dickerwerden, dem Dicksein) ausdrückt bzw. den dicken Körper an sich als ekelhaft darstellt. (Zum Beispiel: »Mein schwabbeliges Fett muss jetzt endlich weg, es macht schon so komische Beulen und ist überhaupt einfach lasch.«) Jede Herabwürdigung des dicken Körpers sowie jede Herabwürdigung des Dickseins bzw. Dickerwerdens an sich ist eine dickenfeindliche Aussage.

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Warum dieser Dickenhass?

von Malena Glück

Heute als Europäerin aufzuwachsen heißt, bereits mit der Einstellung geboren zu werden, es gäbe ein »richtiges« Körpermaß und ein »falsches« Körpermaß. Dem richtigen Körper wird jede positive Eigenschaft zugeschrieben, die wir uns nur vorstellen können: schlank, klug, schön, beweglich, diszipliniert, gesund. Dem falschen Körper schreiben wir alle negativen Eigenschaften zu: dick, dumm, hässlich, unbeweglich, faul, ungesund. Ein Mensch dieser Zeit wird von einer »gefährlichen Epidemie« namens »Adipositas« »heimgesucht«, die es unbedingt zu »bekämpfen« gälte. Solche Aussagen werden von Ärzten und Ärztinnen, Lehrern und Lehrerinnen, Politikern und Politikerinnen, Journalisten und Journalistinnen, Eltern, Großeltern, Verwandten, Bekannten, Freunden und sogar von einer selbst ständig wiederholt – bis frau es schließlich glaubt.

Ein Kind muss gar nicht mehr davon überzeugt werden, es hat es so oft gehört, dass es dies gar nicht mehr hinterfragt. Niemand hinterfragt mehr den Dickenhass und die Dickendiskriminierung, die in Verallgemeinerungen wie »Dicke sind ungesund. Dicke sind krank.«, »Dicke essen einfach viel zu viel.« und »Dicke sind doch selbst schuld« stecken. Der Hass auf dicke Körper ist das neue Feindbild, es ist nicht mehr angebracht mit einem anderen Land Krieg zu führen – führen wir halt Krieg gegen den dicken Körper.

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