„Das Thema Abnehmen ist für mich menschenfeindlich, frauenfeindlich und dickenfeindlich. Jede Frau darf natürlich für sich selbst wählen was sie machen will und es ist meinerseits kein Aburteilen sondern lediglich eine Feststellung. Jede Frau muss in ihrer Selbstentscheidung bestärkt und nicht beeinflusst werden. Die Missionierung anderer zum Abnehmen ist daher meiner Meinung nach gänzlich abzulehnen. So auch die mediale Aufarbeitung von sogenannten Abnehmtipps.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Dicke Menschen erfahren täglich aus dem Fernsehen, aus der Zeitung, aus Büchern, aus Filmen, auch bereits aus Spielen, dass sie so wie sie sind nicht angenommen werden. Es wird sich öffentlich über sie lustig gemacht: es gibt kaum Filme, Serien, Artikel oder Romane, die sich neutral oder positiv über Dicke äußern. Meist ekeln sich die Protagonisten vor der dicken oder dem dicken Darsteller, oder sie machen sich über ihn bzw. sie lustig. Doch wenn Sie jetzt glauben die Nachrichten wären eine Ausnahme so irren Sie sich. In den Nachrichten wird Übergewicht als entweder bemitleidenswert oder als selbstverschuldet aber auf jeden Fall krankhaft, ekelhaft und angsteinflößend dargestellt.  Es werden jegliche Vorurteile gegenüber Dicken immer wieder medial aufgearbeitet. Diese mediale Hetzkampagne muss aufhören. Denn Sie führt dazu, dass Menschen glauben es wäre in Ordnung über Dicke zu lachen, sie zu verurteilen, zu beschimpfen, sie zu verachten und sie zu diskriminieren.“

Mitglied der ARGE dicken Weiber

„Essen als Sucht übersieht die Lebensnotwendigkeit von Essen – schließlich ist es bei den meisten Süchten so, dass durch den absoluten Verzicht auf das Süchtigmachende eine Gesundung eintritt. Schon bei dem kleinsten Nichteinhalten des Verzichts schaffen es viele nicht und werden sofort wieder süchtig und abhängig. Doch Essen ist lebensnotwendig – jeder Mensch muss essen sonst sterben wir. Was bedeutet es Menschen von der Nahrungsaufnahme (die lebenswichtig ist) abzutrennen?“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Risiken und Langzeitfolgen einer Magenbypass Operation

Der vierte Text zum ARGE Dicke Weiber Themenschwerpunkt »Übergewichtschirurgie«.

Bei der Magenbypass-Operation wird eine kleine Magentasche gebildet, die direkt mit dem Dünndarm verbunden wird. Der restliche Magen, der Zwölffingerdarm und ein Teil des oberen Dünndarmes sind damit ausgeschaltet, das heißt, die Nahrung gelangt sofort unter Umgehung des Magens in den Dünndarm. Da der Magen und der Zwölffingerdarm mit Klammernähten abgeklammert werden, kann weder ein Kontrastmittel in diese Teile des Magens gelangen (kein Röntgen möglich) noch eine endoskopische Untersuchung und Behandlungen stattfinden. Somit lassen sich im abgeklammerten Magenbereich keine Geschwüre oder andere Krankheiten feststellen und behandeln. Der blind verschlossene Magen kann durch Magenspiegelung in der Regel nicht mehr eingesehen werden, ausser mit einer kleinen Operation.

Gefährlich sind auch Probleme durch Lecks im Bereich der Klammernahtreihen. An den Klammernähten und im Bereich der Verbindungsstelle von Magen und Dünndarm kann es zu Blutungen kommen oder es können Schwachstellen auftreten. Dabei kann es zum Austritt von Magen-Darminhalt und in weiterer Folge zu einer Bauchfellentzündung kommen. Auch Schleimhautentzündungen, Geschwüre an den Verbindungsstellen sowie Infektionen und Abszess Bildungen in der Bauchhöhle sind wahrscheinlich und führen zu Folgeoperationen. Darüber hinaus müssen langfristig säurereduzierende Medikamente zum Schutz der Schleimhaut vor allem im Bereich der Nahtverbindung Magen/Dünndarm eingenommen werden. Die Verbindung zwischen Magen und Dünndarm kann sich nach mehreren Wochen bis Monaten so weit verengen das selbst Flüssigkeiten nicht mehr durchkommen. Die Verengungen müssen mittels mehrmaliger Magenspiegelung gedehnt werden. Selten können sich beide Magenteile wieder miteinander verbinden.

Weiterlesen

Was passiert bei den einzelnen Verfahren der Adipositaschirurgie?

Der dritte Text zum ARGE Dicke Weiber Themenschwerpunkt »Übergewichtschirurgie«.

Dieser Artikel soll als Kurzüberblick dienen, auf die Komplikationen und Langzeitfolgen der verschiedenen Verfahren werden wir noch gesondert eingehen.

Magenballon

Der Magenballon wird ohne Operation mittels Speiseröhre in den Magen eingeführt und dort mit Wasser und Luft gefüllt. Der Fremdkörper soll die Nahrungsaufnahme für maximal sechs Monate regulieren und auf eine chirurgische Maßnahme vorbereiten.

Da das Material mit der Zeit spröde wird, kann es bei einem unbemerkten Abgang zu einem Darmverschluss (Ileus) kommen.

Magenband

Das Magenband ist ein körperfremdes Implantat aus Silikon und wird ringförmig um den obersten Teil des Magens platziert. Über ein Schlauchsystem steht das Magenband mit einem «Reservoir»-System in Verbindung, welches unter die Haut implantiert wird. Es muss immer wieder eingestellt werden und kann zu verschiedenen Komplikationen führen, die dann eine Entfernung notwendig machen. Meist wird ein Magenband nach einigen Jahren umgebaut zu einem Schlauchmagen oder einem Magenbypass.

Komplikationen sind: Infektionen und Verwachsungen am Magen, eine sackförmige Erweiterung der Speiseröhre, Leckagen des Schlauchsystems, das Verrutschen des Magenbandes, Vormagenerweiterungen auch Pouch-Dilatation genannt (Intoleranz für feste und im späteren Verlauf auch für flüssige Kost), Probleme im Bereich des Ports (Infektionen, Verrutschen/Drehen der Portkammer, Abreißen des Schlauches etc., gefährliche Blutvergiftung), gehäuftes Erbrechen.

Außerdem sollte Aspirin nicht mehr eingenommen werden (zu große Nahrungsbrocken oder Medikamente reizen die Magenschleimhäute).

Weiterlesen

Warum Dicke auch dickenfeindlich sein können!

Indirekte, implizierte oder mitgedachte Dickenfeindlichkeit

Zuerst möchte ich gerne auf unseren Artikel Dickenfeindlichkeit ist… verweisen – es mag darin aber nicht genug herauskommen, dass auch dicke Frauen dickenfeindlich sein können und zwar dadurch, dass sie den Dickenhass schon so automatisiert haben, dass er ihnen nicht einmal mehr auffällt. Indirekter Dickenhass wird nicht als Dickenhass erkannt, sondern wird oft als positive Selbstliebe getarnt – indem frau schließlich ja nur etwas für sich tue und sich »gesund« halte durch das »Abnehmen« (in welcher Form nun auch immer abgenommen wird). Persönliche Übergriffe und Angriffe sind dann nicht selten die Reaktion auf die Feststellung der impliziten und indirekten Dickenfeindlichkeit.

Implizite und indirekte Dickenfeindlichkeit ist im Sprachgebrauch sowie in unhinterfragten und unreflektierten Vorstellungen erkennbar, die Vorurteile gegenüber dem Dicksein und Dickerwerden bedienen. Als diskriminierenden Sprachgebrauch verstehen wir alle Verlächerlichungen des dicken Körpers sowie alle verallgemeinernde Aussagen, die dem dicken Körper an sich seine Schönheit, seine Gesundheit und seine Beweglichkeit absprechen. Ebenso zählt dazu jede Bemerkung, die Ekel gegenüber dem dicken Körper (dem Dickerwerden, dem Dicksein) ausdrückt bzw. den dicken Körper an sich als ekelhaft darstellt. (Zum Beispiel: »Mein schwabbeliges Fett muss jetzt endlich weg, es macht schon so komische Beulen und ist überhaupt einfach lasch.«) Jede Herabwürdigung des dicken Körpers sowie jede Herabwürdigung des Dickseins bzw. Dickerwerdens an sich ist eine dickenfeindliche Aussage.

Weiterlesen

Adipositaschirurgie – Was ist das?

Adipositaschirurgie – Übergewichtschirurgie – Bariatrische Chirurgie

Ein Überblick von Malena Glück

Unter Adipositaschirurgie werden verschiedene medizinische Eingriffe zusammengefasst, die mittels chirurgischer Veränderung des »gesunden« Magen-Darmtraktes zur »Bekämpfung« (»Heilung«) von »Übergewicht« beitragen sollen. Dabei dient die chirurgische Maßnahme lediglich als Hilfestellung um die medizinisch empfohlene »Ernährungsumstellung« auch ein Leben lang durchzuhalten. Zu den zahlreichen Operationsverfahren zählen derzeit vorrangig: Magenband, Schlauchmagen, Magenbypass (Roux-Y-Magen-Bypass) und biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD-DS).

Die Adipositaschirurgie bedient sich dabei eines großen Vorurteils gegenüber Dicken: »Dicke essen viel zu viel bzw. sind einfach sehr gute Nahrungsverwerter«, denn das einzige was die chirurgischen Eingriffe wirklich bewirken ist, die Nahrungszufuhr massiv zu begrenzen. Eine solche begrenzte Nahrungszufuhr wird Restriktion genannt. Es gibt auch chirurgische Maßnahmen, dazu zählt vor allem die biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD-DS) und teilweise der Magenbypass, die nicht nur die Nahrungszufuhr sondern auch die Verwertung der Nahrung also die Nahrungsinhaltstoffaufnahme beschränken, dies wird dann Malabsorption bzw. Malresorption genannt.

Weiterlesen

Gegen Übergewichtschirurgie

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Hier ist der erste Text zum großen Thema »Übergewichtschirurgie«.

Warum ist die ARGE Dicke Weiber gegen Übergewichtschirurgie?

Übergewichtschirurgie ist ein Experimentieren am Körper, das schwerwiegende Folgen für Gesundheit und Lebensqualität mit sich führt, die eine lebenslange medizinische Nachbetreuung erforderlich machen. Getarnt als endgültige und einfache Heilsversprechung und unter dem Druck ärztlicher Empfehlungen werden Dicke überall dazu aufgefordert. Dabei handelt es sich um eine ähnliche Geschäftemacherei wie bei Schönheitschirurgie, Gebärmutterentfernungen und Kaiserschnitten.

Es wird weder gesagt welche Lebenseinschränkungen frau nach so einer Operation erwarten kann noch, dass frau trotzdem dick bleiben oder nach anfänglichem Abnehmen wieder dicker werden kann. Es wird nicht aufgeklärt darüber, dass frau sich ständig mit Essen befassen muss (vor allem mit dem, was frau noch essen kann und in welcher Form, vor allem wie viel) – die gesamte Denkweise wird dann zunehmend eingenommen von diesem Thema (Dünn bleiben, Essen). Ebenso wenig wird darüber informiert, dass, wenn frau abnimmt die überzählige Haut operativ entfernt werden sollte, da ansonsten unter den Hautlappen Ekzeme, Pilze, etc.  entstehen können, die ebenfalls einer lebenslangen Behandlung bedürfen. Eine solche Hautreduktion muss selbst bezahlt werden und ist ebenso riskant wie eine Magenverkleinerung. Weitere Ausführungen zu den gesundheitlichen Gefahren von Übergewichtschirurgie findet ihr in unserem eigenen Artikel.

Weiterlesen

Warum dieser Dickenhass?

von Malena Glück

Heute als Europäerin aufzuwachsen heißt, bereits mit der Einstellung geboren zu werden, es gäbe ein »richtiges« Körpermaß und ein »falsches« Körpermaß. Dem richtigen Körper wird jede positive Eigenschaft zugeschrieben, die wir uns nur vorstellen können: schlank, klug, schön, beweglich, diszipliniert, gesund. Dem falschen Körper schreiben wir alle negativen Eigenschaften zu: dick, dumm, hässlich, unbeweglich, faul, ungesund. Ein Mensch dieser Zeit wird von einer »gefährlichen Epidemie« namens »Adipositas« »heimgesucht«, die es unbedingt zu »bekämpfen« gälte. Solche Aussagen werden von Ärzten und Ärztinnen, Lehrern und Lehrerinnen, Politikern und Politikerinnen, Journalisten und Journalistinnen, Eltern, Großeltern, Verwandten, Bekannten, Freunden und sogar von einer selbst ständig wiederholt – bis frau es schließlich glaubt.

Ein Kind muss gar nicht mehr davon überzeugt werden, es hat es so oft gehört, dass es dies gar nicht mehr hinterfragt. Niemand hinterfragt mehr den Dickenhass und die Dickendiskriminierung, die in Verallgemeinerungen wie »Dicke sind ungesund. Dicke sind krank.«, »Dicke essen einfach viel zu viel.« und »Dicke sind doch selbst schuld« stecken. Der Hass auf dicke Körper ist das neue Feindbild, es ist nicht mehr angebracht mit einem anderen Land Krieg zu führen – führen wir halt Krieg gegen den dicken Körper.

Weiterlesen