Dicke Kleidung: Swimsuits for all

geschrieben von Anita Drexler

Noch ist Sommer, also nehmen wir uns die Zeit, wieder einmal über Bademode zu sprechen.

Dass es einen Mangel an ansprechendem Angebot auf diesem Sektor für dicke und fette Menschen gibt, ist uns allen bekannt. Sucht man nach positiven Beispielen dafür, wie es auch gehen könnte, stößt man immer wieder auf einen ganz bestimmten Anbieter aus den USA, auf „Swimsuits for all“. Ich habe mir nun etwas Zeit genommen, diesen großen Namen zu testen und war durchaus zufrieden mit dem, was ich erlebt habe.

Klickt man sich durch die Website, ist etwas, das sofort ins Auge sticht, das übergroße Angebot: Von  Bikinis, Tankinis, Badeanzügen bis hin zu Schwimmoberteilen mit Ärmeln hat S4A wirklich alles im Sortiment, was das Herz begehrt.
Auch was den Stil angeht, ist Vielfalt vertreten – vom klassischen Badeanzug mit Blumenmuster über den gewagten (und meistens wirklich gut designeten!) Zweiteiler bis hin zur schnörkellosen Badeshort wird alles abgedeckt.

Auch was die Auswahl an Konfektionsgrößen angeht, kann man mit dem, was geboten wird, unterm Strich zufrieden sein:  Das Sortiment reicht von US- Größe 8 (was bei uns einer Größe 36 entspricht)  bis zur US-Größe 34 ( bei uns Größe 62). Dabei gehen die Normalgrößen bis US-Größe 26 ( = Größe 54 in Österreich). In Sachen Körbchengrößen werden kleinere Größen sich schwer tun, denn unter C-Cup wird Vieles aus, vermutlich wirtschaftlichen Gründen, gar nicht hergestellt. Mit Körbchengröße B und darunter kann frau* maximal auf die Softshell-Designs zurückgreifen. Dafür findet man nach oben hin bis zur (US-) Körbchengröße H ein sehr breit gestreutes Angebot.

Mit der Verarbeitung der Produkte habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht – gut vernäht, strapazierbar, leicht zu trocknen. Fairerweise sollte aber erwähnt werden, dass ich niemand bin, der seine Bademode exzessiv nützt – ich gehe, wenn es hoch kommt, drei Mal die Woche ins Schwimmbad – die Ansprüche einer Person, die ihre Badedressen nahezu täglich benutzt, vielleicht noch bei starker Sonneneinstrahlung oder im Salzwasser, weichen von den meinen sicherlich ab.

Preislich bewegen sich einzelnen Stücke im soliden Mittelfeld – dank der diversen, eigentlich fast laufenden, Promotionsangebote und im Abverkauf, der sowieso fast das ganze Jahr über geht, findet man immer wieder auch recht günstige Bademoden.

Besonders positiv herausstreichen möchte ich die Produktpräsentation. Hier bietet S4A mehr als nur ein Gustostückerl. Nicht nur, dass die auf der Website verwendeten Fotos teilweise schon fast ikonenhaft anmuten – sie sind geschmackvoll, gut gewählt und zudem und sehr inklusiv. Zusätzlich zu den Präsentationsfotos hat man auch noch die Möglichkeit, sich die Stücke auf von  Kund_innen eingereichten Fotos, quasi „am echten Körper“ noch einmal anzusehen, was bei einer Kaufentscheidung sehr nützlich ist. Chapeau, genau so sollte es sein!

Negativ am Einkaufserlebnis aufgefallen ist mir das außergewöhnlich hohe Maß an Spam, meist Gutscheincodes für Aktionsangebote, die nach einer Bestellung ins digitale Postfach flatterten. Auch hier glaube ich zwar, dass man das irgendwie abstellen könnte, aber allein die Tatsache, dass man, wenn man dies nicht tut, mehrmals die Woche Werbepost eines einzigen Anbieters zugeschickt bekommt,halte ich für lästig bis an die Grenze zur Dreistigkeit gehend.

Abschließend noch ein Wort zu Lieferung und Versandkosten. Wie sich diese gestalten, ist bei Käufen aus Drittländern immer schwierig vorherzusehen. Bleibt das Stück im Zoll hängen, kann man, zumindest derzeit, gut und gerne 5 Wochen auf ein Paket warten und hat, je nach Höhe der Bestellung, mit zusätzlichen Kosten von etwa 20% des Einkaufspreises als Zollabgabe zu rechnen. Geht hingegen alles glatt, hat man die Lieferung in etwa 14 Tagen in seinem Postkasten liegen und kann sich, je nach Wechselkurs, auch über günstige Preise freuen. Die reinen Versandkosten betrugen immer um die €20.- .

 

 

 

 

Zusammengefasst gesagt:
Pro: leistbar, ansprechende Designs, breites Spektrum an Stilen und Funktionen
Contra: keine physischen Läden, Versand aus den USA ( wenn man Pech hat, bleibt das Paket lange im Zoll), dieser elende Spam
Kaufempfehlung für: Bademoden aller Art für Konfektionsgrößen bis 62

 

Zur Website von Swimsuits for all gelangt ihr hier.

 

Das Ende des Versteckens

Das Ende des Versteckens
von Anita Drexler

Es ist jedes Jahr dasselbe. Die Hitze kommt dahergerollt und man möchte sich eigentlich nirgendwo lieber aufhalten als im kühlen Nass eines Schwimmbeckens.

Nur sind Schwimmbäder für viele Dicke negativ besetzte Orte. Man fühlt die abwertenden Blicke der anderen, hört Gekicher und Getuschel à la „die schaut aus, wie eine Knackwurst“ oder „der hängt der Arsch aus der Hose“ und fühlt sich erbärmlich.

Schwimmbäder sind Orte des Ausgeliefert-Seins und der Sommer damit die Zeit, in der man als dicke Frau am meisten das Gefühl hat, in der Gesellschaft nichts verloren zu haben.

Das spiegelt sich auch wider im Umgang mit Badebekleidung für füllige Frauen.

Die Badeanzüge, die es allgemein in Geschäften zu kaufen gibt, sind einfach nicht für Dicke gemacht. Bikinis enden in der Regel bei Größe 44 – zumindest alles, was nicht schwarz ist oder keinen Oma-Print hat.

Das stylishe Neon-Zeugs, das es bei Tezenis uns Co. zu kaufen gibt, hört sowieso oft schon bei Größe 42 auf. Frauen mit Kurven dürfen maximal auf Badeanzüge mit „kaschierenden“ Raffungen oder Tankinis mit großen Mustern hoffen.

Was immer vergessen wird: Auch dicke Haut bräunt und sieht in Leuchtfarben und gewagten Schnitten gut aus – die amerikanische Designerin Gabi Fresh, die dieses Jahr gemeinsam mit dem US-amerikanischen Bademodenhersteller „Swimsuits for all“ ihre zweite Kollektion unter dem Label „Swim Sexy“ herausgebracht hat, beweist es. Die erste Kollektion mit Galaxy-Prints war letztes Jahr im Handumdrehen weg, auch aus der diesjährigen Kollektion sind viele Stücke schon vergriffen.

Dabei sind diese Badeanzüge, zumindest in meinen Augen, nicht einmal das Nonplusultra, setzt sie doch ganz auf den Entwurf der „selbstbewussten kurvigen Frau, die es versteht, Ihre Rundungen gekonnt zu inszenieren“. Nun will halt nicht jede Frau sexy sein. Aber ihre Entwürfe und deren Beliebtheit zeigen dennoch, wie notwendig es ist, diesen Markt noch weiter zu bedienen.

Ich frage mich also: Wo sind die Hersteller, die Produkte auf den Markt bringen, die sich um dicke Probleme wie reibende Oberschenkel (es gibt kaum Produkte mit Bein), raushängende Brüste (die Körbchengrößen spielen sich immer irgendwo zwischen C und DD ab – alles drüber und drunter wird außen vor gelassen) oder aus dem Höschen quellenden Hüftspeck kümmern? Und warum gibt es in ganz Wien nicht ein Geschäft, das wirklich dickenfreundliche Bademode anbietet? Muss man wirklich in den USA bestellen?

Warum muss das Wenige, das angeboten wird, immer dunkel und unscheinbar und hässlich sein? Vielleicht, weil das Eigenschaften sind, die Dicken zugeschrieben werden? Vielleicht, weil der gesellschaftliche Tenor uns sagen will: versteckt euch, schämt euch, macht euch unsichtbar, verändert euch!

Was niemand versteht: Vielleicht wollen wir uns gar nicht verändern. Wir wollen stolz sein auf unsere Körper jenseits der Norm und trotzdem auf unser Recht pochen, uns würdevoll in der Gesellschaft bewegen zu dürfen – dazu gehört auch das Recht, sich vernünftig kleiden zu können.

Unser Kampf ist ein Kampf gegen die Gleichförmigkeit, die Gleichmacherei und die Indoktrinierung durch die Medien.

Was können wir also tun gegen das Diktat des Marktes? Ich sage: den Mund aufmachen. Briefe an Hersteller schreiben. Kaufen, was am Markt ist und zumindest am Rande den eigenen Vorstellungen entspricht und sich nicht mit den erbärmlichen Resten abgeben, die derzeit den heimischen Anbietern vom Reißbrett fallen. Oder gleich Selbermachen und darüber schreiben oder bloggen. Fast die Hälfte der österreichischen Bevölkerung gilt als übergewichtig. Es wäre also genug Potential vorhanden, um den Markt zu verändern. Das ist vielleicht der einzige Vorteil unserer kapitalistischen Konsumgesellschaft. Der Markt diktiert. Die Kunden bestimmen im Endeffekt das Angebot.

Wenn sie sich laut und konsequent genug dafür einsetzen.