Die Erforschung des Dickseins

verfasst von Christine Abdel Maguid-Fiedler

In den letzten Jahren beschäftigt sich die medizinische Wissenschaft intensiver mit der Erforschung der „Volksseuche Nr.1“. Es scheint in das Bewusstsein der Forschung eingedrungen zu sein, dass nicht alle dicken Menschen einfach undisziplinierte Fresssäcke sind, deren Mägen man verkleinern muss, um sie der gültigen Körpernorm anzupassen. Natürlich wird auch das immer noch gemacht, und es gibt weltweit viele Institutionen, die Übergewichtschirurgie als das alleinige Lösungsmittel für Adipositas propagieren.

Allerdings stellt sich den Forschern immer mehr die Frage, warum es immer noch so viele dicke Menschen gibt. Von einer Endemie ist sogar die Rede, da muss es doch auch andere Ursachen geben, als nur unkontrolliertes Essen.

Ich möchte hier einen kurzen Überblick geben, was die Wissenschaft im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren so alles herausgefunden hat. Weiterlesen

Anmerkungen zum aktuellen Adipositas-Bericht des Wiener Programmes für Frauengesundheit

Quelle: „Wiener Programm für Frauengesundheit“

Quelle: „Wiener Programm für Frauengesundheit“

geschrieben von Anita Drexler

Das Wiener Programm für Frauengesundheit, gefördert durch die Stadt Wien ist eigentlich eine gute Sache. Seit dem Jahr 1998 nimmt man sich dort frauenspezifischer Gesundheitsthemen von Brustkrebs bis hin zum Umgang mit Gewalterfahrungen an und setzt sich sowohl mit der wissenschaftlichen Erschließung als auch der Wissensvermittlung in diesem Kontext auseinander. In der Vergangenheit sind mir die dort veröffentlichten Materialien durch eine analytische Herangehensweise und einen weitgehend ausgewogenen Umgangston positiv aufgefallen. Einen Grund mehr, einen Blick auf den aktuellen Adipositas-Bericht zu werfen der im Jänner 2016 veröffentlicht wurde. Weiterlesen

„Wieviel Lust, wieviel Lebensfreude sind wir bereit einzutauschen? Und wogegen eigentlich? Wie gesagt: Abnehmen macht eher krank als gesund, auf Dauer funktioniert es sowieso so gut wie nie und selbst wenn, ist noch nicht einmal ein Mehr an Lebensjahren für Verschlankte nachgewiesen. Wenn es den Begriff der Loose-Loose-Situation noch nicht geben sollte, hierfür würde er zutreffen.“

Udo Pollmer

(Esst endlich Normal! Das Anti-Diät-Buch. Piper Verlag GmbH, München. 4.Auflage März 2011, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Seite 260f)

„Was ist SUCHT? Ich gehe heute nicht weg, weil ich essen will – soziale Definition. Doch gehen wir wirklich nicht weg weil wir essen wollen oder wollen wir nur nicht vor anderen essen? Ich gehe nicht raus weil ich vor anderen nicht essen will – ich schäme mich vor anderen zu essen, weil mir unterstellt wird ein Vielfraß zu sein und ich will kein Vielfraß sein. – Also soziale Ausgrenzung und Beschämung sind die Ursache warum ich nicht raus gehe, nicht das Essen selbst.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

„Essen als Sucht übersieht die Lebensnotwendigkeit von Essen – schließlich ist es bei den meisten Süchten so, dass durch den absoluten Verzicht auf das Süchtigmachende eine Gesundung eintritt. Schon bei dem kleinsten Nichteinhalten des Verzichts schaffen es viele nicht und werden sofort wieder süchtig und abhängig. Doch Essen ist lebensnotwendig – jeder Mensch muss essen sonst sterben wir. Was bedeutet es Menschen von der Nahrungsaufnahme (die lebenswichtig ist) abzutrennen?“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber

Gewicht und Gesundheit?

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Dazu zählt auch die Beschäftigung mit der Frage:

Warum ist die ARGE Dicke Weiber der Überzeugung „Gewicht und Gesundheit hängen nicht miteinander zusammen“?

Zu allererst bedarf es hierfür eine genauere Definition was Gesundheit ist. Für die Mitglieder der ARGE Dicke Weiber ist Gesundheit eine persönliche Empfindung (Selbstwahrnehmung) – ein Wohlgefühl. Empfindungen sind schwierig in Worte zu fassen. Schmerzempfinden, Hitzeempfinden, Kälteempfinden und Wohlgefühl sind bei allen Menschen ganz unterschiedlich. Beim Wohlgefühl steht im Mittelpunkt gut mit sich selbst leben zu können – sich in sich selbst und mit sich selbst wohl zu fühlen – egal in welchem „gesundheitlichen Zustand“ (hier im schulmedizinischen Sinne) frau sich befindet. Für das persönliche Wohlgefühl bedarf es: Lebensfreude, Lebensliebe, Vertrauen und Hoffnung, sowie einen positiven stabilen Selbstwert. Alle menschlichen Grundbedürfnisse sollen erfüllt werden: neben Wärme, Essen, Schlafen, Trinken, Hygiene – haben wir auch ein Bedürfniss nach einem Sinn im Leben, Interessen und Leidenschaften, soziale Kontakte, Teilhabe an der Gesellschaft, nach Liebe und Anerkennung, respektvoller Umgang, Sicherheit und Geborgenheit. Die Erfüllung der Bedürfnisse ist leider nicht immer gegeben und liegt nicht immer unter eigener Kontrolle –so hängt es auch vom Geld ab ob ich Essen und Heizen kann etc. Es liegt nicht im eigenen Ermessen wo wir geboren werden, in welchen sozialen Verhältnissen wir leben, mit welchen körperlichen Bedingungen wir ausgestattet sind (wie groß wir werden, wie unsere Knochen geformt werden, ob wir eine Behinderung haben bzw. bekommen).

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„Mir geht es um das Hinterfragen und Aufzeigen von gesellschaftlichen Missständen, dazu zählen auch die Diskriminierung von Dicken im Gesundheitswesen – vor allem die Verallgemeinerung alle Dicken wären ungesund, unbeweglich, ess-süchtig. Diese angeblich wissenschaftliche „Wahrheit“ ist nicht wissenschaftlich bewiesen, die Studien hierzu sind kaum wissenschaftlich und beruhen meist auf wirtschaftlichem Interesse (schließlich lässt sich mit Dicken viel Geld verdienen, auch Fitnessstudios verdienen an Dicken). Es ist nicht bewiesen, dass wenn Dicke abnehmen sie gesünder und länger leben als wenn sie dick geblieben wären.“

Mitglied der ARGE Dicke Weiber