Vereinsamung

geschrieben von Malena Glück

Wir unterliegen in unserem Denken sehr häufig gewissen Täuschungen. Eine große Täuschung in Zeiten von Facebook, Twitter, Instagram und Co. liegt darin eingebunden zu sein in menschliche Gemeinschaften. Es täuscht darüber hinweg, dass viele Menschen sehr vereinsamen. Ihre menschlichen Kontakte beschränken sich zunehmend auf das Lesen und Verfassen von Mitteilungen und Bekundungen im Internet.

Ist mensch kein extrovertierter Charakter fällt es einem im realen Leben nicht so einfach Freundschaften zu schließen. Es gibt dazu in der Gesellschaft bestimmte Möglichkeiten darunter der Kindergarten, die Schule, Nachbarn, Freunde und Bekannte der Eltern, Freunde und Bekannte von Verwandten, Beruf/Arbeitsplatz, Kurse (Weiterbildungsmöglichkeiten, Freizeitgestaltung aller Art),… In großen Städten wie Wien kennt man kaum mehr seine Nachbarn, da kann mensch von Glück reden wenn mensch sich grüßt. Dazu kommt im Kindergarten, in der Schule und am Arbeitsplatz die Gefahr von Mobbing und Diskriminierung. Die Erfahrung von Mobbing und Diskriminierung erschwert das Schließen von realen Freundschaften. Als dicker Mensch in einer dickenfeindlichen Gesellschaft kostet es viel Überwindung aus dem Haus zu gehen und oft sperrt mensch sich selbst dann ein. Die Isolierung nimmt zu.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass mensch sich dann im eigenen Kopf Gefängnisse mit Gitterstäben aus Angst schafft. Wie oft kam mir der Gedanke: „Ich weiß nicht was ich sagen soll? Wie ich mich verhalten soll, dass sie mich mögen. Wie finde ich Freunde?“ Oder ich gab mir selbst die Schuld: „Was habe ich falsch gemacht? Was habe ich falsches gesagt oder getan? Bin ich wirklich so ein schlechter Mensch? Bin ich wirklich so anders?“ Oder ich glaubte nie Freunde zu finden, die mich so nehmen wie ich bin. Ganz schlimm war die Vorstellung allein zu sein – vollkommen allein ohne Anschluss und ohne gedanklichen Austausch. So eine Vorstellung ist gefährlich, weil sie dafür sorgt, dass wir uns alles von anderen gefallen lassen. So werden und bleiben wir freiwillig Opfer von Diskriminierung und Mobbing.

Mobbing Erfahrung führt auch dazu, dass wir unser Vertrauen verlieren in uns selbst aber auch in die Menschen. Ich zog mich in mich selbst zurück. Ich gab mich damit zu Frieden zweite Wahl zu sein – wenn Menschen mit mir zusammen sein wollten war ich dankbar und nahm es an egal wie sie mich behandelten.

In der Schule gab es einen Jungen mit dem ich mich gut verstand, wir plauderten in der Schule (während der Stunde, in den Pausen) aber sobald der Unterricht vorbei war – gab es keinen Kontakt er lud mich nie ein und er wollte nie von mir eingeladen werden. Aber er wollte immer mit den anderen Kindern am Nachmittag etwas unternehmen. Es wäre eine Jungen-Mädchen-Sache sagte ich mir immer. Später in einer anderen Schule hatte ich eine Freundin mit der ich mich während der Unterrichtszeit und in den Pausen gut verstand aber auch sie wollte nichts mit mir in der Freizeit machen. Ich sagte mir immer, dass ist weil sie weit weg wohnt aber mit anderen aus der Klasse hat sie es ja auch geschafft sich zu treffen.

Ich war für diese Menschen gut genug wenn sonst niemand da war oder Zeit für sie hatte und so behandelten sie mich auch. Und ich glaubte ihnen aus Angst, dass sie Recht haben und ich nichts Besseres verdiene.  Sie setzten sich nicht ein, wenn man mich verspottete und gaben den Mobbern Recht. Ich war nur zweite Wahl. Mit jedem Jahr habe ich mich mehr verschlossen, habe weniger von mir gezeigt. Ich habe mich selbst immer mehr isoliert. Dazu kam eine unglaubliche Scham ich selbst zu sein. Ein Gefühl des Ekels und Wertlosigkeit mir selbst gegenüber.

Der Prozess mich selbst Lieben zu lernen, mir selbst und meinem Leben wert zu geben hat verdammt viel Kraft gekostet. Ich musste wieder lernen zu vertrauen. Noch heute kämpfe ich damit. Damit ausgeschlossen zu sein und keinen Zugang zu finden. Die ARGE Dicke Weiber gab mir das. Sie gab mir das Gefühl von Zugehörigkeit und Teilhabe.

Aber die ARGE Dicke Weiber ist hauptsächlich eine Idee. Die Idee einer Gesellschaft in der das Miteinander auf Selbstachtung, Mitgefühl und Menschenwürde beruht. Und jede/r ist dazu aufgerufen einen Beitrag zur Verwirklichung einer solchen Gesellschaft zu leisten.

Wie wäre es: „Menschen zu grüßen und anzulächeln? Aber vor allem das Herabwürdigen eines anderen zu unterbinden? Für die Menschenwürde jedes Menschen einzutreten? Sich über die eigenen Werte klar zu werden? Anstand? Verantwortung? Mitgefühl? Rücksichtnahme?“

Wie wäre es: „den eigenen Egoismus hinten anzustellen und mal in einem gemeinschaftlichen Miteinander zu denken? Füreinander da sein real und nicht nur im Internet?“

Wie wäre es: „Menschen anzurufen, die wir schon lange nicht mehr angerufen haben und sie wieder einzubinden in unser Leben – Menschen, die sonst vielleicht in der Menge verloren gehen – vereinsamen?“

Der ARGE(n) Dicke(n) Weiber ist es wichtig dicken/fetten Menschen Zugehörigkeit und Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Dafür steht sie für mich. Für eine Idee. Ich habe keine Antwort was wir tun können um der Isolierung entgegenzuwirken – aber ich möchte daran arbeiten und mich dafür einsetzen. Und je mehr Menschen sich finden um sich mit der ARGE Dicke Weiber zu solidarisieren und zusammenzuschließen, desto mehr können wir bewirken.

Aber schon der kleinste Funke reicht aus um einem Menschen sein Leben wieder mit Freude zu füllen – und das ist das Wissen: Das wir alle gut sind wie wir sind! Das es ok ist so zu sein wie mensch ist! Egal wie das ist! Das wir nicht allein sind! Und das wir uns das nicht gefallen lassen müssen! Wir haben keine Schuld! Wir müssen uns nicht schämen! Es gibt Milliarden Menschen auf dieser Welt und dabei ist sicher irgendwer, der mit uns auch im realen Leben befreundet sein will – mit uns ins Kino gehen will – mit uns Reden und Diskutieren will – was auch immer machen will! Und wir müssen uns dafür nicht verbiegen, nicht wer anderer sein, uns nicht verstellen und nicht verstecken! Und es gibt auf jeden Fall Menschen, die für uns einstehen – die Nein zu Mobbing sagen, die sich vor uns stellen wenn wir selbst nicht dazu in der Lage sind – die sich aber auf jeden Fall neben uns stellen wenn wir ausgeschlossen werden! Es gibt Menschen, die uns den Rücken stärken, unsere Tränen abwischen, die uns ihr Vertrauen schenken wo wir keines mehr haben! Es gibt Menschen, die für uns da sind und da sein wollen! Nicht nur im Internet! Aber auch im Internet!

Dies hier ist ein Aufruf umzudenken und reale Kontakte zu pflegen aber auch der Vereinsamung und Vereinzelung entgegenzuwirken! Denn es ist verdammt hart zu glauben allein zu sein – verdammt hart sich ausgeschlossen zu fühlen oder noch schlimmer zu denken alles machen zu müssen nur um angenommen zu werden!

Das Gefühl der Zugehörigkeit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Und wird oft missbraucht. Zugehörigkeit dient leider oft als Druckmittel Macht über Menschen auszuüben, sie zu kontrollieren und sie klein zu halten. Dadurch bleiben sie folgsam und gefügig.

Wir wollen alle dazu gehören, alle Zugang und Möglichkeiten der Teilhabe an der Gesellschaft haben. Wir suchen alle unseren Platz in diesem Gefüge. Und jede/r muss auch Platz haben – Raum haben!

Dies hier ist auch eine Anregung darüber nachzudenken was Freundschaft, Zugehörigkeit und Anstand für einen selbst heißt. Die eigenen Werte zu reflektieren und sich darüber klar zu werden wofür man selbst kämpfen und einstehen möchte. Darüber nachzudenken wie anderen geholfen werden kann. Wie Menschen geholfen werden kann, die vereinsamen und oder Mobbing/Diskriminierung erleben.

Danke fürs Lesen, Teilen, Nachdenken und Verwirklichen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s