„Personengruppen , die qua äußerlicher Erscheinung oder aber sichtbarer Körperpraktiken als ›gefährlich‹ wahrgenommen werden, werden entsprechend aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen. Sie werden in der Stigmatisierung und dem auf diese folgenden Ausschluss zu marginalisierten Körpern. Sie werden als bedrohlich wahrgenommen, weil sie zum einen die Angst vor der Exklusion und der damit zusammenhängenden potenziellen Verelendung verkörpern. Zum anderen sichert die Angst vor der drohenden Marginalisierung das Funktionieren der Norm ab, einer flexiblen Norm der Modulation, an der sich möglichst unauffällige, konforme Körer ausrichten. Diese Norm stabilisieren die herrschenden Diskurse von Eigenverantwortung und Individualisierung  gesellschaftlich produzierter Unsicherheiten und Risiken. Abgesichert werden diese neo-liberalen Diskurse über die Konstruktion von Risiko-Populationen und damit von Risikokörpern, d.h. kranken, behinderten, alten, dicken Körper, die als gesundheitspolitisches ›Problem‹ für den reibungslosen Verwertungsprozess kollektiver Körper produziert werden. Wenn das zeitgenössische Narrativ als eines von Sicherheit und Gefahr beschrieben werden kann, in dem sich gesellschaftliche Ängste und Teilhabe codieren, dann sind die ›gefährlichen‹ Körper die außergewöhnlichen Körper von heute.“

Imke Schmincke

(‘Außergewöhnliche Körper’ in Marginalisierte Körper – Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, UNRAST-Verlag, Münster, Mai 2007, S.24)

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