FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL: Party machen für ein positives Selbstbild

 

Neulich war ich bei einer interessanten Veranstaltung zu Gast, einem Abend unter dem Motto „FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL“ in einer alternativen Partylocation namens Celeste in Margareten .

Dort  gab es gute Musik, eine ziemlich geniale Performance von Julischka Stengele und eine Diskussionsrunde mit illustren Gästen wie Sara Ablinger, Vina Yun, Denise Kottlett und Hengameh Yagoobifarah.

Thema des Abends waren dicke/fette Femmes, ihre Repräsentation in der Szene, ihre Probleme und die Ursachen dieser.

Was nämlich auch ich in meiner linksliberalen Kreativmilieu-Blase, in der ich mich in den vergangenen Jahren bewegen durfte, vergessen hatte: Auch in der sogenannten „Szene“ gibt es Ausgrenzung auf Grund körperlicher oder geistiger Unterschiede, Gewichtsdiskriminierung und Klassismus. Immer noch. Denn: Die LGBTIQA-Community darf nicht automatisch gleichgesetzt werden mit einem queerfeministischen Umfeld oder auch nur von Vornherein im aufgeklärt-iberalen Umfeld verortet werden. Und nicht jede_r, die_r sich als nicht heterosexuell definiert, ist automatisch an der totalen Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt interessiert.

Besonders gut sichtbar wird das am Beispiel an der Fat Femme. Denn ihr schlagen, obwohl in einem vermeintlich alternativen Umfeld verwurzelt, all jene Probleme ins Gesicht, mit denen die heterosexuelle Frau sich auch herumzuplagen hat. Reduktion auf das Körperliche, permanente Unterschätzung der Fähigkeiten, Geringschätzung emotionaler Qualitäten. Geachtet wird nur auf die Fassade -die Person hinter dem Speck bleibt unsichtbar.

Ein dicker/fetter Körper erzeugt bei der Partner_innensuche normalerweise zwei Reaktionen; eine Entsexualisierung oder eine Hypersexualisierung des jeweiligen Körpers. Entweder wird frau* durch den runden Körper gleich jedweder Anspruch auf  Sexualität abgesprochen und sie* zum „Kumpeltyp“  oder zur „Gruppenmama“ abgestempelt oder sie* darf auf Grund ihres* Körpers als Fetischobjekt herhalten. So weit, so schlecht. Addiert man nun noch die „klassischen“ Probleme einer feminin oder hyperfeminin auftretenden Nicht-Hetera; die fehlende Sichtbarkeit und damit einhergehend die fehlende Anerkennung in Teilen der Szene, wird klar, in welchem Spannungsfeld wir uns bewegen.

Dazu kommt dann noch, dass die, eigentlich konstruierte Ungleichheit zweier Gruppen biologischer Frauen* ( in diesem Fall die immer noch gerne benutzte Selbstkateorisierung mancher Frauen* als Butch oder Femme) zwar in erotischer Hinsicht reizvoll sein kann,sich deren Kehrseite aber offenbart, sobald es um Bodyshaming oder Fatshaming geht.

So können Butches z.B. auf Grund der Konstruktion ihrer Rolle als „männerorientiert“ einige Aspekte ihres Dick/fettseins besser für ihre Zwecke nutzen als Femmes. Zwar findet auch hier der oben beschriebene Vorgang der Entsexualisierung ihres Körpers  durch Fett statt, allerdings kann diese auch als Distanzierung zum weiblichen Anteil gelesen werden. Dadurch kann die ohnehin schon durch andere Komponenten wie Kleidungsstil, Haarschnitt, Körperhaltung, Make-up erzeugte Betonung des männlichen Anteils noch stärker akzentuiert werden. Auch, das durch ein größeres Körpervolumen mehr Raum eingenommen wird, lässt dich eher mit der männlich-orientierten Rolle vereinbaren, als mit der weiblich-orientierten. Jede_r, die_r mit den Öffis fährt, kennt das Phänomen. Das Fett bringt also nicht jeder* in gleichem Maße Nachteile², was für die benachteiligte  Gruppe zu Frust führen kann und mitunter Feindseligkeiten erzeugt.

„FAT FEMME & BODY POSITIVE SPECIAL“ – eigentlich klingt nichts mehr wie ein Event für die Randgruppe einer Randgruppe einer Randgruppe. Aber erstens wäre das nicht schlimm und zweitens ist das auch nur auf den ersten Blick der Fall. Natürlich brauchen gerade jene, die außerhalb der breitgetretenen Pfade durchs Leben gehen so viele Möglichkeiten zur Selbstermächtigung wie möglich und Abende wie dieser bieten genau das. Allein schon dadurch war die Veranstaltung eine, auf die ich gerne mein, sagen wir, 16-jähriges Ich mitgenommen hätte, um ihm zu zeigen, wie die Welt auch noch aussehen kann. Besonders bereichernd fand ich dabei jedoch, dass man, gerade durch Performance und Diskussionsrunde, verstehen lernen konnte, wie weit patriachale Grundstrukturen in unsere Gesellschaft hineinreichen und welche ungeahnten Blüten sie tragen.

Ich würde es daher wahnsinnig begrüßen, fänden sich künftig Gelegenheiten, mehr Veranstatungen dieser Art zu organisieren.

 

² Was klargestellt werden muss: Es geht hier keinesfalls darum, verschiedene Identitäten gegeneinander auszuspielen – im Sinne von „Gruppe A hat es besser als Gruppe B“ oder „nur Gruppe B hat Probleme“. Es ist aber so, dass man anhand dieses Beispieles das gesamtgesellschaftliche Problem gut erkennen kann da es uns zeigt, dass Gewichtsdiskriminierung und Sexismus keine Geschlechtergrenzen kennen.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s