Dicke Kleidung: Zu Besuch im Stocksale Pop-up-Store

geschrieben von Anita Drexler

 

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Pop-up-Stores boomen ja zur Zeit, Lagerabverkäufe sind generell eine gute Sache und nachhaltig produzierte Mode, so wichtig sie ist, immer noch viel zu selten – und in Plusgrößen leider sowieso kaum vorhanden.

Stocksale kombiniert seit 2013 diese drei magischen Ingredienzien, abwechselnd bei Verkaufsevents für Kinder- und für Erwachsenenmode.

Nach dem Lesen der Anzeige auf der Webpräsenz der Zeitschrift „Woman“, war ich aber erst einmal frustriert.  „ Für Frauen in den Größen 34-44 und Männer in den Größen 48-54“ schmetterte mir der Artikel entgegen. Das machte mich ein bisschen traurig, denn ich mag Lagerabverkäufe sehr und nachhaltige Mode würde ich auch gerne viel mehr kaufen.

Da ich im Händler_innenverzeichis aber auch auf Labels gestoßen bin, deren Mode ich selbst regelmäßig kaufe, habe ich, obwohl ich längst keine 44 mehr trage, den Versuch gewagt, hinzugehen und die Veranstaltung gleich auf ihre Dickenfreundlichkeit zu prüfen.

Der Pop-up-Store findet in wechselnden Locations statt, diesmal in der Schloßgasse im 5.Bezirk. Der Veranstaltungsort, ein an der Baufälligkeit schrammendes Gebäude, liegt etwas versteckt in einer Seitengasse. Auf Grund des regen Besucher_innenandranges  wurde ich gleich vom Strom der Meute ans Ziel gespült, was sehr praktisch war.

Über die Treppe hinauf gelangte man in den zweiten Stock. Dort reihten sich dann, auf zwei mittelgroße Räume verteilt, ganz puristisch Kleidungsstücke auf etwas abgenutzten Stangen aneinander. Die Ware wurde sowohl nach Größen, als nach Kategorien und nach Geschlecht unterteilt, nicht jedoch nach Herstellerfirmen. Dabei war das Publikum bürgerlich-alternativ, darunter viele junge Leute. Trotz des Andranges war die Stimmung sehr freundlich, Gepöbel habe ich während meiner Zeit dort nicht erlebt.

Größenmäßig fand ich im Wesentlichen das Erwartete vor – vornehmlich kleine Größen. Allerdings wurde ich dann, unter Berücksichtigung der folgenden beiden Punkte, auch mit meiner größeren Kleidergröße fündig:

  1. Es gab eine gute Auswahl an „One Size“-Stücken – die Schnitte und Passform unterscheiden sich von Marke zu Marke, aber bis etwa Größe 52 wird frau ( die Männergrößen habe ich mir nicht im Detail angeschaut) dort sehr wahrscheinlich etwas finden können.
  1. „Kenne dein Label“ – einige der angebotenen Herstellerfirmen produzieren auch in Größen jenseits der Kleidergröße 44- meinen Recherchen nach bis zur Größe 52. Genau so war das Kleidungsangebot auch im Stocksale vertreten. Allerdings leider oft versteckt in der One-Size-Sektion oder hinter nichtnumerischen Größenangaben, daher musste man einiges an Zeit zum Suchen aufwenden. Dazu sollte man auch wissen, dass eine Größe XL bei einem Label eher einer 44 enstsprechen kann, während es beim anderen einer Konfektionsgröße 52 gleichkommt.Vorabrecherche ist der Schlüssel – das klingt mühsam und ist es auch – aber es lohnt sich.

Generell sollte man für einen Besuch beim Stocksale  Zeit und Muße mitbringen. Wo der Andrang groß ist, können Gänge eng werden und um Kleidung probieren zu können steht man gut und gerne 30 Minuten an. Dafür steht man dann in einer großen, mit Tüchern abgetrennten Massenkabine, was bedeutet: keine Privatsphäre, aber dafür viel Platz.

Am Ende habe ich für mich,  einer gewissen Frustration zum Trotz, 11 Teile gefunden und bin bei der Gelegenheit auch gleich auf ein, zwei Labels gestoßen, die ich im Auge behalten werde. Es hat sich also ausgezahlt.Unterm Strich war mein Eindruck der, dass es sich beim Stocksale um eine gelungene Veranstaltung handelt.

Aus Sicht einer dicken Frau wäre es jedoch wünschenswert, in Zukunft verstärkt auch Mode in Größen jenseits der 50 kaufen zu können.  Natürlich kann es gut sein, dass diese Lücke einfach einem Mangel an geeigneten Herstellern geschuldet ist. Meiner Erfahrung nach versteifen sich gerade junge, kleine Labels oft ausschließlich auf die Größen 36-44; vermutlich, weil die das als die wirtschaftlichste Lösung ansehen. Dass der Markt in diesem Segment ziemlich gut gesättigt ist und es durchaus geschickt sein könnte, auf  individualisierbare Konzepte oder gleich auf große Größen zu setzen, weil der Mangel an Angebot auf diesem Sektor eklatant ist , wird oft übersehen. So betrachtet ist der Stocksale einfach Spiegel einer nicht sehr dickenfreundlichen Branche. Allerdings gibt es vereinzelt Hersteller, die mit inklusiveren Größenmodellen aufwarten. In diesem Sinne die Anregung an die Veranstalter_innen, bewusst Kontakte zu Herstellern zu suchen, die auch große Größen anbieten. So könnte diese, ohnehin schon sehr gute, Veranstaltung noch mehr an Reiz gewinnen.

Zusammengefasst gesagt:

Pro: nachhaltig produzierte, hochwertige Mode zum leistbaren Preis

Contra: ziemliches Gedränge, definitiv nur für kleine Übergrößen bis max. Größe 52

Kaufempfehlung für: Büro- und Freizeitmode, nachhaltig und fair produzierte Stücke – preislich im unteren bis oberen Mittelmaß angesiedelt

Die Seite von Stocksale findet ihr hier.

Der derzeitige Verkauf geht noch bis 23. April.

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