Dicke Kleidung: Carmakoma

geschrieben von Anita Drexler

Kleidung finden im Plussize-Bereich ist per se schwierig. Darum möchten wir unsere Rubrik „Dicke Kleidung“ nutzen, um euch Labels und Geschäfte vorzustellen, in denen man fündig werden kann – oder euch, sollten wir danebengelangt haben, auch diesbezüglich mit Erfahrungswerten zu versorgen.

Liest man sich einschlägige Modeblogs durch, fallen einem einige Marken auf, die immer wieder genannt werden. Carmakoma ist eine davon. Mich begleitet die Mode dieses Erzeugers schon seit vielen Jahren – trotz ihrer Schwächen. Aber zäumen wir das Pferd nicht von hinten auf…

Bei Carmakoma handelt es sich um ein dänisches Label, das sich auf moderne, urbane Mode spezialisiert hat. Das Ganze mutet dabei wirklich sehr nordisch an: klare Linien, wenig Farben. Meist setzt man pro Kollektion auf ein, zwei Schlüsselfarben – der Rest wird in Schwarz gehalten. Das Schöne an Carmakoma ist in meinen Augen folgendes: Looks, die man sonst nur in kleineren Größen findet, werden hier zeitgerecht einer interessierten Klientel zugängig gemacht.

Diese sollte vor allem eines sein: modebewusst und zahlungskräftig. Die Preise sind im oberen mittleren Bereich angesiedelt; außerhalb des Abverkaufes könnte man sich vieles nicht leisten.

Sieht man sich die Verarbeitung an, kann man diese Preispolitik nur teilweise nachvollziehen. Vorzüge der Mode von Carmakoma sind sicher die interessanten Texturen der verwendeten Stoffe und die sehr schönen Designs (wenn man es urban und streng mag). Bei der Verarbeitung werden dafür aber leider Abstriche gemacht. Ein Beispiel: Wenn man Hosen für Plussize-Damen herstellt, sollte man diese so vernähen, dass sich die Nähte an beanspruchten Stellen (zwischen den Beinen) nicht schon nach ein paar Monaten aufzulösen beginnen. Außerdem hatte ich auch schon Mäntel, die innerhalb der ersten Tragesaison ihre Knöpfe verloren haben. Das sollte bei Preisen in dieser Höhe und bei einem Label, dass sich selbst mit dem Slogan „Luxury Clothing for Plus-Size Women“ bewirbt nicht vorkommen.

Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass die meisten Carmakoma-Stücke in China gefertigt werden. Man sollte hier nicht pauschalisieren, die Qualität ist en gros trotzdem in Ordnung. Es ist aber doch ein Signal, dass Regionalität und Nachhaltigkeit nicht die wichtigsten Faktoren seitens der Hersteller_Innen sein dürften.

Ein zweiter Kritikpunkt sind Tendenzen in der Größenpolitik Carmakomas. Ursprünglich war Carmakoma eine Marke, die das Spektrum von 42 (= Carmakoma S) bis 54 (= Carmakoma XL) abdeckte. Das ist schon mal ganz gut, wenn man bedenkt, dass normale Marken nicht weiter als bis Größe 46 gehen. Allerdings ist das im Plussize-Sektor immer noch Mittelmaß. Nun kann man argumentieren, dass es sich um ein recht junges Label handelt und es ein fast unmögliches Unterfangen wäre, jede „Randgröße“ abdecken zu wollen. Dieser Einwand hätte sicher seine Berechtigung, hätte man nicht seit der letzten Saison damit begonnen, die Kleidergrößen nach unten hin bis zur Größe 38 zu erweitern (Carmakoma XXS), nach oben die Konfektionsgröße 54 als Obergrenze zu belassen. Das sendet keine gute Message an die Kundinnen und zeigt, dass man sich im Zweifelsfall lieber dem gut bedienten Mainstream annähern möchte, als sich weiter auf die eigentliche Kernklientel zu konzentrieren.

Die Lieferung ging bisher immer reibungslos und schnell vonstatten: Das gewünschte Stück hatte ich meist innerhalb einer Woche bei mir zuhause, auch der Kundenservice ist höflich und fix. Ab einem Bestellwert von €140.- zahlt man keine Versandgebühren, darunter sind immer um die €20.- angefallen.

Zusammengefasst gesagt:

Pro: schöne, moderne Designs, elegante Stoffe, immer wieder Abverkäufe, die die Sachen leistbar machen. Coole Kleider, sehr gut sitzende Hosen – wenn man das Glück hat, innerhalb des Größenspektrums etwas zu finden.

Contra: Verarbeitung, Größenpolitik

Kaufempfehlung für: Business, besondere Anlässe, für Modebewusste im kleinen und mittleren Plussize-Segment

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