Einkaufserlebnis ab Größe 60

geschrieben von Malena Glück

Kleidungskauf in Größe 60 und mehr? Ich kann froh sein, dass mir überhaupt irgendwas passt. Unterhosen schnüren ein, rollen sich hinunter und im Endeffekt ist es oft so als würde frau keine tragen. Hosen schnüren den Bauch ein oder sind so groß, das frau einen Gürtel braucht und Gürtel in meiner Größe sind eine Rarität und auch die hinterlassen geröttete Druckstellen auf meinem empfindlichen Bauch. Jacken in 68 wo seid ihr? Ich will schließlich noch was drunter tragen. Und Regenmäntel in Übergröße sind wohl nicht drin oder? Tja und mehr als schwarz und hässliche Muster kann frau sich wohl ab Größe 60 nicht erwarten? Ach was mit einem Gewicht von 175 kg geht eh niemand mehr hinaus – wieso auch? Meinen 175kg Körper kann ich wohl der Gesellschaft nicht zumuten wenn es nach Modemachern und Kleidungsgeschäften geht vor allem in Österreich. Auch Geschäfte die sich für Übergrößengeschäfte deklarieren enden bei 54 max. 60 oder bieten max. 4 Kleidungsstücke in Größe 64 an. Größe 68 kannst du so gar nicht kaufen also ran ans bestellen oh warte auch hier sind die Internetdienste sehr eingeschränkt in ihrer Auswahl wenn frau jetzt nicht unbedingt in den USA oder England bestellen möchte. Gut einen Schneider kann ich mir jetzt nicht für jedes Kleidungsstück leisten das ich brauche also muss ich mich wohl mit dem Angebot zufrieden geben – NEIN mach ich aber nicht. Ich bin wütend und das mit Recht.

Dazu kommt Online – Einkaufen ist aufwendig: zunächst schaust du stundenlang irgendwelche Seiten und Online-Kataloge durch um ein Angebot zu finden in deiner Größe und annehmbaren Aussehen. Dann bestellst du es in mehreren Größen und Farben (denn du weißt nicht wie genau das geschnitten ist und Farben am Computer schauen ganz anders aus als dann in Wirklichkeit). So nun ist es vielleicht ein Online-Anbieter der Vorausbezahlung erwartet – schon bist du verschuldet (ja du bekommst dein Geld wieder sobald du deine Auswahl getroffen hast und die Artikel wieder zurückgesendet hast die nicht passen aber das dauert). Dann wartest du mal auf deine Kleidung, dass kann auch ein bis zwei Monate dauern (denn vieles muss frau vorausbestellen – da gibt es im Februar die Kollektion von Mai schon anzuschauen und zu bestellen und wer nicht im Februar gleich zuschlägt bekommt im Mai nur mehr die Reste – falls überhaupt noch was von der Maikollektion vorhanden ist). Dann heißt es der Artikel kann nicht mehr geliefert werden. Tja oder du bekommst erst einen Teil und der andere Teil deiner Bestellung folgt eine Woche darauf – aber zum Auswählen bräuchtest du auch den anderen Teil deiner Lieferung. So nimmst du stets das Allererste solange es dir auch nur halbwegs passt. Du brauchst schließlich was zum Anziehen und ob der andere Teil deiner Bestellung passt weißt du ja noch gar nicht. Von Spaß und Freude keine Rede – hier wird eingekauft weil niemand gerne nackt durch die Gegend rennt. Persönliche Ausdrucksmöglichkeit? Vielleicht wenn du selbst nähen kannst und genug Zeit und Geld hast. Du bist gezwungen dir etwas zu kaufen, denn du kannst nie wissen ob dir das nächste auch passt. Tja und Qualität kann frau sich auch bei erhöhten Preisen nicht erwarten – da bekommen Jacken beim ersten Tragen Löcher, nähte gehen auf, nach dem ersten Waschen ist die Form dahin, die Farbe weg etc. und was dann zurück schicken wer macht das schon? Alles was zurück geschickt wird muss ich ja auch einpacken und zur Post tragen und dann müsste ich abwarten ob meine Reklamation als solche angenommen wird oder ob sie mir nicht einen falschen Umgang mit ihrem Artikel unterstellen.

Es fehlt in Wien und sicher auch anderen Orts in Österreich an Möglichkeiten Kleidung in Großen Größen auch oberhalb von Größe 60 zu kaufen, zu tauschen, zu handeln. Fürs kleine Geldbörsel wären Kleidertausch und Flohmärkte in Großen Größen gefragt.

Ulla Popken schön und gut aber das kann doch nicht alles sein? Ab einer Größe von 60 ist die Auswahl wesentlich kleiner – 66 und 68 sind kaum vorhanden und wenn nur im Onlinekatalog.

Kleidung ist ein so wichtiges Element im Leben, das merkt frau dann wenn sie kaum bis keine Kleidung in ihrer Größe findet. Über Kleidung werden dicke/fett Menschen von der Gesellschaft ausgeschlossen. Mit passender Kleidung können wir unser Wohlgefühl und unsere Lebensqualität steigern – also lasst uns passende Kleidung fordern. Mit einer solchen Forderung stehen wir ein für unsere wunderbaren Körper und schenken uns selbst die Liebe, die wir verdienen.

 

10 Gedanken zu “Einkaufserlebnis ab Größe 60

  1. Ich veranstalte Plus Size Second Hand Märkte und wäre erfreut, wenn es auch Verkäuferinnen gäbe, die Kleidung jenseits der Größe 60 verkaufen. Leider war das bis jetzt nicht der Fall. Aber…ich gebe die Hoffnung nicht auf.

  2. Meiner Meinung nach geht das ab KG58 los, denn wie du schreibst sind die Übergrößenläden in der Regel bis einschl. 56. Zumindest geht es mir mit 60 genau so wie dir. Ich möchte täglich heulen, weil ich froh bin, wenn ich überhaupt eine Klamotte habe, die passt.

    Freiwillige Auswahl gibt es da nicht. Kleidung einkaufen müssen ist Demütigung pur für mich.

    Es kommt allerdings auch hinzu, dass ich groß bin und Oberteile müssen min. 86cm sein (Kompromiss von 85cm ist möglich) und damit sind die 8 Shirts, die es in meiner Größe überhaupt gibt, auch schon wieder draußen.

  3. sehr geehrte malena,ich bin selbst vom starken gewicht -180 kilos betroffen und kann deine gedanken sehr gut verstehen.ich bestell mir mitlerweile über eine freundin die selbst sehr stark ist kleider aus den usa .es ist einfach schöner und lebensbetonend farbig dort einzukaufen .war dort vor 3 jahren und besuchte abends mit ihr ein konzert .mich hat es erfreut wie gut sehr sehr runde damen und herren schick für den konzertabend sich gekleidet und gestylt haben .wir hängen 25 jahren in dieser entwicklung hinterher.
    eli

  4. Super Beitrag! Die Wut kann ich gut verstehen.
    Zur Alternative des Selber-Nähens kann ich leider nur sagen, dass sich das Problem weiterzieht. Ich trage selbst Größe 54. Die meisten Schnitte, die noch zu kriegen sind hören bei 52 oder 54 auf (Burda plus, Ottobre women, ….). Für mich kriege ich es grade noch hin. Mir ist aufgefallen, dass es selten Schnitte bis Größe 60 gibt (und die sind dann auch meist Oma-Style oder sackartig), aber drüber hinaus wird wohl auch das Bestellen in den USA anfallen. Selbst stylische Schnitte um mehrere Konfektionsgrößen vergrößern ist sehr schwierig, da stehen normale Hobbynäherinnen auch schnell an.
    Einen Vorteil hat das Selbst-Nähen: ich kann Biostoffe verwenden, die unter vernünftigen ökologischen und sozialen Bedingungen produziert wurden oder gebrauchte Stoffe verwenden oder Dinge vom Flohmarkt restylen. Das ist gut, denn in der ganzen Wear-Fair-Branche schaut es auch für meine Kleidergröße noch ziemlich karg aus.

  5. ich suche freundinnen für den austausch mit supersizebestellungen und erfahrungen ab grösse 60 .gibt es sowas in deutschland .würde mich auf zuschriften freuen.
    eleonora

  6. das jahr geht nun zu ende .können wir für das kommende jahr ein austausch machen mit frauen wie ich,die das haus nicht mehr verlassen können .

  7. Also tut mir leid…
    ABER wenn man so dick ist dass man selbst in gängige übergrößen nicht mehr passt sollte man aufhören den Fehler bei wem anders zu suchen. Ich bin auch nicht schlank (1,65m 75kg) und finde stellenweise gerade bei „junger mode“ oft keine Größe 42/44 weil diese entweder vergriffen sind und oder gar nicht erst angeboten werden. Aber wenn ich größere Auswahl will liegt es einfach an mir mich zu disziplinieren und dadurch abzunehmen (bisher 15kg innerhalb eines Jahres) PUNKT! Ich finde dieses Anspruchsdenken zum kotzen! Alles hat Grenzen, in dem Fall ist Größe 60 die Grenze, umd wenn man selbst über diese Grenze hinaus ist sollte man vielleicht mal ehrlich reflektieren woran es liegen könnte.

    • Liebe Christiane,
      wir die ARGE Dicke Weiber sind der Überzeugung, dass in unserer Gesellschaft platz ist für alle Größen. Wir sind der Überzeugung, dass es möglich ist für alle individuellen Bedürfnisse platz zu schaffen und dazu zählt auch Kleidung herzustellen in Größe 60 und mehr. Wir leben alle auf dieser Welt und heutzutage gibt es zum Glück die Möglichkeiten auf Bedürfnisse auch einzugehen. Wir dürfen demnach auch Ansprüche an unsere Umwelt haben und uns darüber freuen wenn auf unsere Bedürfnisse eingegangen wird. Es sollte jedem und jeder möglich sein so zu leben wie er/sie nun mal ist. Die Vielfalt sollte nicht als „zu hohes Anspruchsdenken“ eingeordnet werden sondern als eine Möglichkeit des menschlichen Miteinanders voller Freude und Menschlichkeit. Jemanden Disziplinlosigkeit zu unterstellen – missachtet die Würde des Einzelnen. Wir brauchen keine Grenzen ab der Menschen zu Menschen zweiter Klasse werden und keine Kleidung mehr haben dürfen – sondern erst wieder sozusagen zur Gesellschaft dazu gehören wenn sie abgenommen haben und in den „vorgeschriebenen“ Maßen existieren. Für uns als ARGE Dicke Weiber gibt es keine Grenze ab der wir einem Menschen seine Menschlichkeit und seine Würde absprechen würden. Als Mensch darf natürlich auch der Wunsch und die Forderung bestehen Kleidung zu haben, die einem bequem passt. Keine Kleidung heißt nackt ausgeliefert zu sein und nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Ein solcher Ausschluss aus der Gemeinschaft kann nicht in unserem Sinn sein. Und die Bevormundung zu sagen: die Person hat selbst Schuld und könnte es jederzeit ändern – ist anmaßend und grausam und unmenschlich und vor allem „dumm“ (Fettsein/Dicksein ist keine Schuldfrage – Nicht jeder kann abnehmen und schon gar nicht dauerhaft)! Vielleicht liest du dir ein paar andere unserer Artikel durch und begreifst, dass Abnehmen nicht die Lösung für alle Probleme darstellt und wir uns nicht durch Abnehmen die Erlaubnis zu existieren erkaufen müssen. Wir müssen auch nicht durch Abnehmen uns die Menschenwürde erkaufen, denn die kommt uns automatisch zu. Und wenn du unsere Positionen genau kennst und verstanden hast – kannst du vielleicht reflektieren warum du Menschen, die Dicker sind und nicht abnehmen wollen (obwohl in diesem Artikel nicht einmal gesagt wurde, dass die Person nicht abnehmen will bzw. ob sie es gerade versucht) so verurteilst und es diesen Dickeren auch unbedingt auf die Nase binden willst was du von ihnen hältst und was sie unbedingt tun müssen (abnehmen) um auch Würde und Kleidung zu verdienen.

      Dicke Grüße
      ARGE Dicke Weiber

    • @christiane:

      Ich werde mich sicher nicht disziplinieren (lassen) nur weil unser kapitalistisches Wirtschaftssystem nicht auf Versorgung ausgerichtet ist, sondern auf Profitmaximierung. Ich hoffe dass bald so viele Menschen ein kompromissloses Anspruchsdenken entwickeln werden, dass der Kapitalismus durch eine Gemeinwohlökonomie ersetzt wird. Da können dann alle ihre materiellen Bedürfnisse problemlos befriedigen, auch wenn sie aus irgendwelchen Normierungen herausfallen. Ansonsten wünsche ich dir noch viel Spass beim Grenzen definieren und bei der Selbstkasteiung.

      Charybdis

  8. Pingback: Dicke Kleidung: Zu Besuch im Stocksale Pop-up-Store | ARGE Dicke Weiber

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