„Damit das Geschäft mit den Dicken floriert, genügt es nicht, Mythen zu streuen, mit falschen Zahlen zu operieren und Angst zu verbreiten, es ist auch notwendig, die Opfer wehrlos zu machen: Dicke dürfen nicht aufgrund ihrer ethnischen Herkunft dick sein, sonst müßte man sich den Vorwurf eines neuen Rassismus gefallen lassen. Dicke dürfen aber auch nicht ohne eigenes Verschulden dick sein, das käme einer Diskriminierung Behinderter gleich. (…) Die Psychologin Marlene Schwartz von der Yale University sieht das ähnlich. Das Gesundheitsargument sei allenfalls vorgeschoben, um die Diskriminierung fettleibiger Menschen besser verschleiern zu können. (…) Die Dicken der Gesellschaft als neue Sündenböcke zu präsentieren war eigentlich genial. Denn anders als früher etwa die Hautfarbe oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk ist Dicksein nichts, vor dem man selbst dauerhaft sicher sein kann. (…) Die »Gefahr«, dick zu werden, droht uns allen – ein ganzes Leben lang. Und die Angst davor, womöglich plötzlich zu den neuen Aussätzigen der Gesellschaft zu gehören, veranlaßt viele Menschen, sich völlig sinnlosen, ja sogar kontraproduktiven Maßnahmen zu unterziehen, dafür zu leiden und zu zahlen.“

Udo Pollmer

(Esst endlich Normal! Das Anti-Diät-Buch. Piper Verlag GmbH, München. 4.Auflage März 2011, ungekürzte Taschenbuchausgabe. Seite 251f)

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