Dicker Erfahrungsbericht: Sitzen?

Im Turnsaal, Dezember 2010, 5

© ARGE Dicke Weiber

Ich bin eingeladen zu einer Party. Kaum dort angekommen stelle ich fest, dass das kleine Sofa leider schon besetzt ist. Ich schaue mich um, da sind noch so Korbsesseln, die aber schon krachen bei meinem leichtgewichtigen Sohn und mit deren Lehnen ich sicher meine Probleme hätte. Ich schaue weiter da sind Hocker aus Bambus mit Bambusmatten, ziemlich filigran aussehend und klein. Da passt nicht einmal die Hälfte meines Hinterns drauf. Gut, dann gibt es noch so alte Holzsesseln mit samtbezogenen Sitzflächen aus ich weiß nicht welchem Jahrhundert (ziemlich alt, ziemlich schmal, ziemlich dünn und nicht sehr robust). Ich komm mir leicht komisch vor – das einzige wo ich mit meinem Gewicht sitzen könnte ohne es zu ruinieren wäre das Sofa. Doch gerade da sitzen zwei dünne Personen. Ich überlege eine Weile und bleibe stehen – ist nur komisch, wenn die meisten sitzen und ich von oben auf sie herab blicke. Also entscheide ich mich doch wieder mal für den Boden. Witzig dabei ist nur, dass mir da ich das sehr oft tun muss auch schon unterstellt wird ich säße aus voller Überzeugung und mit Freude auf dem Boden. So kam es, dass mir mal jemand angeboten hat für mich aufzustehen und mir den Platz am Sofa zu überlassen und dann gleich von jemand anderem die Aussage kam: „Ach lass nur sie sitzt lieber am Boden“ (Und das war nicht böse gemeint – das meinte diese Person wirklich mit guter Absicht ernst).

Ja mit meinem Gewicht kann ich mich nicht überall hinsetzten. Ich weiß das. Andere wissen es nicht und machen manchmal dann solch filigrane Sesseln und Sitzgelegenheiten von „Freunden“ kaputt und bekommen zu hören: „Wie konntest du dich doch nur darauf setzten mit deinem Gewicht?“ Andere wissen aber auch nicht, dass ich mich nicht überall hinsetzen kann und wundern sich dann dass ich mich nicht setze. Es ist ihnen einfach nicht bewusst, dass ab einem bestimmten Gewicht frau sich nicht überall drauf setzen sollte.

Es kann aber auch anders gehen. In einem Kurs für meinen Sohn, den ich besuche bereitet die Leiterin mir stets einen geeigneten Sessel ohne Lehne vor – damit ich mich auch bequem hinsetzen kann. Und das tat sie von alleine und ohne aufgefordert oder gebeten werden zu müssen. Jedesmal wenn ich komme steht für mich ein extra Sessel zur Verfügung – eben weil ich in die mit Lehne nicht hineinpasse. Das war noch nie ein Problem und für die anderen Mütter in der Gruppe war das auch nie ein Problem – dieser Sessel gehört mir und alle wissen und respektieren das. Es ist ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass es einen Sitz für mich gibt. Das macht wirklich einen großen Unterschied im eigenen Wohlgefühl.

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