Gewicht und Essen?

ARGE Dicke Weiber Positionspapier

Eines unserer laufenden Projekte ist die Arbeit an einem Positionspapier. Dazu zählt auch die Beschäftigung mit der Frage: 

Warum ist die ARGE Dicke Weiber folgender Überzeugung „Gewicht und Essen hängen nicht miteinander zusammen.“ ?

Über dieses Thema  haben wir sehr lange und ausführlich diskutiert,  sind zu keiner endgültigen Lösung gekommen und so wird es uns noch länger beschäftigen …

Sich dem Thema Essen als dicke Frau zu stellen ist nicht einfach und löst vielfacherweise verschiedene Strategien aus: bei manchen den Versuch vorzuführen stets weniger zu essen als alle anderen, bei anderen das ständige Thematisieren der neuesten Diätvorschläge, bei wieder anderen die Vermeidung in der Öffentlichkeit zu essen oder auch essend gesehen zu werden. Dahinter liegt der innige Wunsch von allen Menschen weder als Vielfraß noch als faul oder gar als undiszipliniert wahrgenommen zu werden bzw. sich selbst so wahrzunehmen. Hiermit hängt auch ein oft ausgesprochener ethischer Vorwurf zusammen: „Iss doch den Armen nichts weg!“ Die Schuld, die Scham und die Schande, die Dicken damit aufgebürdet werden führt zu Selbstekel und Selbsthass. Die ARGE Dicke Weiber will mit dieser Hetzkampagne gegen Dicke brechen. Dazu muss das Wort Vielfraß eine neue Bewertung erfahren: „Ja und? Ich bin ein Vielfraß!“ Es muss soweit kommen, dass frau Vielfraß sein kann und darf.

Also: Wenn du glaubst wir sind Vielfraße  und wir scheißen auf Gesundheit, dann ist uns das WURSCHT – Denn MENSCH darf Vielfraß sein und MENSCH darf auf Gesundheit scheißen. Wir müssen das nicht widerlegen. Wir haben uns entschieden keine Ursachenforschung zu betreiben, denn wir brauchen keine Rechtfertigung und keine Entschuldigung dafür dick zu sein. Dicksein ist in Ordnung. Wir brauchen auch keine Glaubenssätze, die uns suggerieren wir können und müssten anders sein als wir sind „und zwar dünn“.

Neben dem ungerechtfertigten Vorwurf der ethischen Verfehlung, kommt meist noch der Vorwurf der „Esssucht“, also der Pathologisierung, sobald frau sich nicht mehr bereit erklärt Diät (bzw. neuerdings Ernährungsumstellung genannt) zu halten. Wir lassen uns nicht länger geißeln oder zu „Süchtigen“ erklären. Essen als „Sucht“ übersieht die Lebensnotwendigkeit von Essen. Eine „Sucht“ wird durch absoluten Verzicht auf das Suchtmittel bezwungen. Schon bei  dem kleinsten Nichteinhalten des Verzichts schaffen es viele nicht und werden sofort wieder abhängig. Doch Essen ist lebensnotwendig – jeder Mensch muss essen sonst stirbt er. Essen ist ein Grundbedürfnis. ESSEN ist weder „SUCHT“ noch Krankheit.

Adipositas Selbsthilfegruppen, die sich als Hilfe für „ESSSÜCHTIGE“ oder „Essgestörte“ ausgeben, haben das ABNEHMEN zum Ziel– und zwar weil ihr Glaubenssatz ist: DICKSEIN IST SCHLECHT.

Wir rollen das von der anderen Seite auf und sagen DICKSEIN ist GUT, es gibt keinen Grund abzunehmen oder es auch nur zu wollen – es gibt weiters keinen Grund unbedingt eine Ursache zu finden und diese Ursache zu bekämpfen um anders zu werden. Damit gibt es auch keinen Grund einen Zusammenhang zwischen Essen und Gewicht herzustellen. Wir haben also einen ganz anderen Ansatz. Dieser Ansatz fußt auf unserer eigenen Erfahrung: seitdem wir uns entschieden haben, selbstbestimmt zu Essen, ohne jegliche Vorschriften – sondern nach unserem eigenen Körpergefühl und Willen, haben wir nicht signifikant zugenommen – sowie es überall mit Schrecken behauptet wird. Unsere Erfahrung zeigt, dass eine positive Einstellung zum Dicksein sehr viel zu einer besseren Lebensqualität beiträgt und ein eventueller „Einfluss“ von Essen auf Gewicht nicht dem behaupteten Schreckensmythos entspricht.

Die Behauptung „Essen und Gewicht hingen miteinander zusammen“, wird dazu benutzt Druck auszuüben um Schuld und Scham zu erzeugen und Menschen gefügig zu machen. Hierbei geht es um Macht und Kontrolle. Durch den hergestellten Zusammenhang von Essen und Gewicht kann man alle Dicken verteufeln, beschuldigen und beschämen  und zudem viel Geld mit diversen Diätprodukten verdienen.

Doch nicht das Essen ist unser Problem, sondern die Scham davor und diese Scham muss aufhören. Wir müssen uns wieder trauen alles zu tun, auch zu essen,  was wir wollen.

Die Frauen der ARGE Dicke Weiber haben entschieden polemische Hetzkampagnen, diskriminierende Vorurteile und zu Selbsthass führende Darstellungen nicht länger hinzunehmen.

Es gibt unterschiedliche Körper. Jeder Körper verarbeitet die Nahrung anders. Jeder Körper hat andere Bedürfnisse. Unser Tipp: Lerne deinen eigenen Körper kennen und spüren. Die ARGE Dicke Weiber steht ein für bedingungslose Selbstliebe. Du bist gut so wie du bist – egal wie viel oder wenig, was, wie oft, etc. du isst.

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