Was passiert bei den einzelnen Verfahren der Adipositaschirurgie?

Der dritte Text zum ARGE Dicke Weiber Themenschwerpunkt »Übergewichtschirurgie«.

Dieser Artikel soll als Kurzüberblick dienen, auf die Komplikationen und Langzeitfolgen der verschiedenen Verfahren werden wir noch gesondert eingehen.

Magenballon

Der Magenballon wird ohne Operation mittels Speiseröhre in den Magen eingeführt und dort mit Wasser und Luft gefüllt. Der Fremdkörper soll die Nahrungsaufnahme für maximal sechs Monate regulieren und auf eine chirurgische Maßnahme vorbereiten.

Da das Material mit der Zeit spröde wird, kann es bei einem unbemerkten Abgang zu einem Darmverschluss (Ileus) kommen.

Magenband

Das Magenband ist ein körperfremdes Implantat aus Silikon und wird ringförmig um den obersten Teil des Magens platziert. Über ein Schlauchsystem steht das Magenband mit einem «Reservoir»-System in Verbindung, welches unter die Haut implantiert wird. Es muss immer wieder eingestellt werden und kann zu verschiedenen Komplikationen führen, die dann eine Entfernung notwendig machen. Meist wird ein Magenband nach einigen Jahren umgebaut zu einem Schlauchmagen oder einem Magenbypass.

Komplikationen sind: Infektionen und Verwachsungen am Magen, eine sackförmige Erweiterung der Speiseröhre, Leckagen des Schlauchsystems, das Verrutschen des Magenbandes, Vormagenerweiterungen auch Pouch-Dilatation genannt (Intoleranz für feste und im späteren Verlauf auch für flüssige Kost), Probleme im Bereich des Ports (Infektionen, Verrutschen/Drehen der Portkammer, Abreißen des Schlauches etc., gefährliche Blutvergiftung), gehäuftes Erbrechen.

Außerdem sollte Aspirin nicht mehr eingenommen werden (zu große Nahrungsbrocken oder Medikamente reizen die Magenschleimhäute).

Der Schlauchmagen (Gastric Sleeve)

Bei der «gastric sleeve» Operation wird ein dünner Magenschlauch gebildet. Der abgetrennte Magenteil wird im Unterschied zum Magenbypass entfernt. Von der Häufigkeit des Eingriffs liegt die Schlauchmagenoperation mittlerweile deutlich vor dem Magenbypass (Statistische Bundesamt 2012: Schlauchmagen 3351 versus 3157 Magenbypass). Der Schlauchmagen kann in einen Magenbypass oder in «Duodenal-Switch» umgewandelt werden.

Komplikationen sind: Nachblutungen, das «Aufgehen» der maschinellen Klammernaht am Magen, Blutarmut, Vitaminmangel, Haarausfall, Osteoporose, Mangelernährung, Depressionen, Selbstmordgedanken.

Roux-en-Y-Magenbypass

Bei der Magenbypass-Operation wird eine kleine Magentasche gebildet, die direkt mit dem Dünndarm verbunden wird. Im Gegensatz zum Schlauchmagen werden hier auch der Zwölffingerdarm und ein Teil des oberen Dünndarmes ausgeschaltet.

Komplikationen: Lecks im Bereich der Klammernahtreihen und im Bereich der Verbindungsstellen, Blutungen, Bauchfellentzündung, Schleimhautentzündungen, Geschwüre an den Verbindungsstellen sowie Infektionen und Abszesse, Gastritis, Sodbrennen, Speiseröhrenentzündungen, Hernien , Gallensteine, »Dumping-Syndrom«, Blutarmut, Vitaminmangel, Haarausfall, Osteoporose, Unterernährung, Dehydration, Depressionen, Alkoholkonsum und Selbstmordgedanken.

Die biliopankreatische Diversion

Die biliopankreatische Diversion ist vom Aufbau her der Magenbypassoperation vergleichbar. Im Gegensatz zum Magenbypass wird aber ein größerer Teil des Dünndarmes aus dem »Ernährungsschenkel« ausgeschaltet. Zudem wird der Restmagen entfernt. Der Effekt der Gewichtsreduktion beruht vor allem darauf, dass durch die Umstellung der Dünndarmlängen weniger Energieträger (Fette, Zucker, Proteine) durch die Nahrung in den Körper aufgenommen werden.

Komplikationen sind: Nachblutungen, Anastomoseninsuffizienz (Aufgehen der maschinellen Klammernähte zwischen Darm und Magen), »Dumping-Syndrom«, Mangelernährungen, Vitaminmangelsymptome, Blutarmut (Anämie), Osteoporose, Dünndarmsyndrom, Diarrhöe, Gallen oder Nierensteine. Zudem können häufig übelriechende Stuhlgänge und Gasabgänge auftreten.

Die «Duodenal-Switch» Operation

Bei der «Duodenal-Switch» Operation wird wie bei der «gastric sleeve» Operation ein Schlauchmagen gebildet. Zusätzlich wird aber der Zwölffingerdarm (Duodenum) durchtrennt und mit einer zuvor durchtrennten Dünndarmschlinge verbunden.

Komplikationen: Nachblutungen, Anastomoseninsuffizienz (Aufgehen der maschinellen Klammernähte zwischen den Darmschlingen), Mangelernährung, Vitaminmangelsymptome, Blutarmut (Anämie), Osteoporose, Gallen oder Nierensteine. Übelriechende Durchfälle, vor allem nach fetthaltiger Ernährung, sind häufig.

Magenschrittmacher

Ein Magenschrittmacher ist ein Mini-Computer der mittels chrirurgischen Eingriffs implantiert wird und der den Magen mittels kleinen elektrischen Impulsen anregen soll um ein schnelleres Sättigungsgefühl zu erreichen. Ebenfalls überwacht der Magenschrittmacher den oder die TrägerIn und seine/ihre Lebensgewohnheiten (überwacht körperliche Aktivität und Essgewohnheiten). Die gesammelten Daten sollen helfen ein individuell passendes Konzept zu entwickeln für eine Gewichtsreduktion.

Bei all diesen Verfahren gibt es die sogenannten »Therapieversager«, PatientInnen bei denen die Operation nicht zu dem gewünschten und versprochenen Ergebnis einer Gewichtsreduktion führt. Der Magen ist ein Muskel, der sich nach der Operation auch wieder dehnen kann.

Weitere Quellenangaben:

Knochenbruchrisiko nach Adi­positas-Operationen
Nach Adipositas-Chirurgie kehrt Diabetes oftmals zurück
»Super-Adipositas« erhöht Sterberisiko nach bariatrischer Operation
Adipositas-Chirurgie begünstigt Frühgeburten
Typ-2-Diabetes mellitus: Rückfallrisiko nach bariatrischer Chirurgie
Adiposi­tas-Chirurgie: Dünndarm reguliert Blutzucker
I Had Multiple Surgeries in the Name of »Living Thin« — And It Almost Killed Me

Zum Nachlesen:
Adipositaschirurgie – Was ist das?
Gegen Übergewichtschirurgie

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