Abnehmen und Dünnsein – Sinn des Lebens?

von Malena Glück

Der ARGE Dicke Weiber wird oft vorgeworfen: »Die warten ja bloß auf die gute Fee, die dann ihre Pfunde wegzaubert« oder auch »Die haben sich aufgegeben«. Wer wenn nicht wir kann verstehen wie sich dicke Frauen fühlen – wer wenn nicht wir kann den einen Wunsch, »abzunehmen bzw. dünn zu sein«, nicht nachvollziehen?

Doch weshalb gibt es einen solchen Wunsch in uns allen? Weil wir wirklich glauben, Dünnsein ist der Sinn unseres Lebens? Oder vielleicht, weil wir glauben, dass dünne Frauen ein leichteres, unbeschwerteres Leben haben? Wieviele indirekte Botschaften über unser Aussehen erhalten wir doch tagtäglich und wieviele zeigen das Bild einer glücklichen, aktiven, gesunden Dicken? Da scheint es doch nur eine Lösung zu geben, denn anscheinend haben die Dünnen das Lebensglück für sich gepachtet und was bleibt einer Dicken dann anderes als der Wunsch nach dem Dünnsein?

In Wahrheit streben wir alle danach ein glückliches, erfülltes und sinnvolles Leben zu führen. Ein Leben, das wir nach unseren eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestalten. Ein Leben, in dem wir eben nicht gegen Vorurteile kämpfen müssen, indem wir nicht verspottet werden, indem wir uns nicht für uns selbst schämen müssen. In einer idealen Welt in der Dicksein Teil der menschlichen Vielfalt ist und keine Gehirnwäsche tagtäglich unser aller Unterbewusstsein beeinflusst, da ist ein glückliches, erfülltes und sinnvolles Leben für alle möglich – somit würde sich die Frage nach dem Wunsch des Dünnseins erübrigen, denn es gäbe ihn einfach nicht.

In dieser idealen Welt habe ich beschlossen zu leben! Diese ideale Welt habe ich beschlossen mitzugestalten! Noch ist es harte Arbeit und sie gelingt mir nicht immer – doch ich bin guter Dinge, dass es einmal so sein wird. Ich bin guter Dinge, dass es nicht immer das oberste Gut bleiben wird »Dünn zu sein«, sondern das wir wieder alle nach dem Höchsten streben, das wir erreichen können »Freude, Liebe , Glück, Fülle und Freiheit«.

Ich und die anderen Weiber der ARGE Dicke Weiber sehen in der bedingungslosen Selbstliebe nicht nur den ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Lebensqualität, sondern auch die Voraussetzung für dauerhafte Lebensfreude und Glück. Sinn und Zweck all unserer Gedanken, Gefühle, Worte und Handlungen ist Freude und Liebe – und nicht das Abnehmen – wenn wir abnehmen aufgrund dessen, was wir in Freude und Liebe tun, dann ist es so und wenn nicht, dann eben nicht. Abnehmen oder nicht abnehmen erhält keine Bewertung mehr – es verliert jegliche Bedeutung für das eigene Leben.

Wir haben festgestellt, jede anhand unzähliger eigener Erfahrungen, dass wir bei dem Versuch abzunehmen, uns selbst verlieren, uns selbst beginnen zu hassen und dabei unser eigenes Leben versäumen. Die Lebensqualität und die Lebenslust gehen verloren, wenn das »Dünnwerden, das Dünnsein und das Dünnbleiben«, zum Lebensinhalt wird. Unser Leben ist mehr als Abnehmen – unser Leben ist ein Geschenk – genauso wie die Körper, die uns dieses Leben ermöglichen. Insofern haben wir uns nicht aufgegeben, sondern sind – ganz im Gegenteil – das erste Mal in unserem Leben wirklich bereit, auf unseren Körper und seine Bedürfnisse zu hören und für uns und unsere Lebensfreude einzustehen.

Wir haben das für uns so entschieden, weil es uns gut tut! Und auch wenn wir davon überzeugt sind, dass Selbstliebe ein Geschenk für alle ist, trifft doch jede und jeder selbst die Entscheidungen für ihr/sein Leben.

Ich weiß, dass dies anscheinend viele vor den Kopf stößt und ihr Weltbild »angreift« – so »angriffig« sind oft dann auch die Kommentare dazu. Dies soll keinesfalls als persönlicher Angriff verstanden werden – sondern ist eine Möglichkeit aus dem bisherigen Denken auszubrechen und mehr Lebensqualität und Lebensfreude in diese Welt zu bringen. Es ist eine Möglichkeit eine andere Perspektive zu gewinnen und vielleicht jetzt und hier mit uns gemeinsam etwas für uns alle zu bewirken.

Dieser Beitrag entstand anlässlich einer Auseinandersetzung auf unserer Facebook-Seite. Eine unserer Administratorinnen hat dort das Interview des Vereins Dicke e.V. mit Alexandra Baumann von RunCouchPotatoesRun mit folgenden Worten verlinkt: »Es ist inspirierend, dicke Sportlerinnen zu sehen. Leider strotzt der Blog RunCouchPotatoesRun aber vor Abnehmtipps und Dickenfeindlichkeit. Also Achtung!« – Der Vorwurf der »Dickenfeindlichkeit« wurde von Alexandra und vielen anderen als Angriff empfunden und deshalb hat sie diese Antwort auf ihrem Blog veröffentlicht.

Ein Gedanke zu “Abnehmen und Dünnsein – Sinn des Lebens?

  1. Ein wundervoller Beitrag!
    Ich habe diese Website erst vor ein paar Tagen entdeckt, deshalb lese ich mich jetzt mal so durch und hinterlasse das ein oder andere Feedback, auch wenn die Texte teils schon etwas älter sind.
    Vermutlich gehöre ich zu einer aussterbenden Spezies, denn ich hatte noch nicht einen Tag meines Lebens den Wunsch, dünn zu sein. Als Kind war ich es, doch das machte mein Leben weder besser, noch schlechter. Ich war nicht gesünder als andere Kinder, nicht beliebter, und auch nicht glücklicher. Dünn zu sein, war für mich kein Grund, mich stolz oder erhaben zu fühlen. Es war für mich so ziemlich das „egalste“ überhaupt. Vielleicht auch, weil es diesen Schlankheitswahn in den 80ern noch nicht gab.
    Nun bin ich erwachsen, und nicht mehr schlank. Das ist für mich kaum bedeutsamer, als all die anderen Dinge, die sich für mich mit dem Erwachsenwerden geändert haben. Und insgesamt ist das Leben weder besser, noch schlechter geworden. Dass ich mich gefälligst schlecht fühlen soll, nur weil es da diese eine Sache an mir gibt, die „falsch“ sein soll, verstehe ich einfach nicht. Oder dass ich mich für den Rest meines Lebens mit Diäten kasteien soll, nur um wenigstens den Anschein zu erwecken, dass ich etwas an meinem „Problem“ ändern will. Oder aber dass ich meine kostbare Lebenszeit mit Fitnessprogrammen vergeude, obwohl es so viel Sinnvolleres und Schöneres zu tun gibt. Und all das nur, um etwas zu werden, was ich gar nicht sein will. Ich kann keinem Wunsch nacheifern, der nicht vorhanden ist. Und ich habe zugegebenermaßen auch wenig Verständnis für Leute, die ihr ganzes Leben nur auf diesen einen Wunsch ausrichten, als hätte diese wunderschöne Welt tatsächlich nichts anderes zu bieten. Traurig. Ja, wirklich traurig. Vor allem, wenn man erstmal erkannt hat, warum tagtäglich so vielen Menschen der fatale Wunsch nach Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper eingeimpft wird. Ich denke, wer das einmal herausgefunden hat, kann sich getrost von seinen „Traummaßen“ verabschieden und anfangen, zu leben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s