»Mythos Übergewicht« von Achim Peters

Eine Buchrezension von Malena Glück

Achim Peters: Mythos ÜbergewichtAchim Peters schreibt in seinem Werk »Mythos Übergewicht« über die wissenschaftliche Arbeitstheorie, dass Dicksein eine gesunde Reaktion auf Stress darstellt und gestresste Dicke gesundheitlich besser dastehen als gestresste Dünne. Denn Dicke, so seine Annahme, gleichen Stress und den Mehrbedarf an Zucker im Gehirn durch Mehressen aus.

Laut seiner Forschung sind unter anderem soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit Ursachen für das Dicksein und Dickerwerden. Insbesondere die Diskriminierung von Dicken im Gesundheitswesen und in der gesamten Gesellschaft tragen dazu bei, den Stress von allen zu erhöhen und damit auch ihr Gewicht. Dabei teilt er alle Menschen in zwei unterschiedliche Typen. Je nachdem wie sie mit Stress umgehen gehören einige dem Typ A an und andere dem Typ B. Typ B sind Menschen, die unter Stress zunehmen. Während Typ A Menschen sind, die unter Stress abnehmen, aber dafür auch bei Dauerstress Bauchfett ansetzen und einen sehr hohen Cortisolspiegel aufweisen. Typ A Menschen, so Achim Peters, hätten gesundheitliche Nachteile gegenüber den Typ B Menschen aufgrund des höheren Cortisolspiegels und des Bauchfettes.

Obwohl ich viele seiner Annahmen nicht teile und ich auch die Verallgemeinerung in seinem Buch und die Einteilung aller Menschen in zwei Typen und vier Grundmuster (also Typ A entspannt, Typ A gestresst, Typ B entspannt, Typ B gestresst) für absolut ignorant gegenüber der Vielfalt ansehe, gab es viele Passagen in dem Buch, die mich wirklich beeindruckt haben, unter anderem: er beschäftigt sich wirklich mit Gewichtsdiskriminierung auf allen Ebenen – zunächst erläutert er auch den Begriff des Übergewichts oder Normalgewichts als unzutreffend und führt den Begriff des Neutralgewichts ein, weiters beschäftigt er sich auch mit Bariatrischen Operationen (Übergewichtschirurgie) und den Studien darüber, sowie den gefährlichen Fakten daran und er fordert ein gesellschaftliches Umdenken und Weiterdenken insbesondere im zwischenmenschlichen Umgang miteinander. Ebenso sind die Quellenverweise, die ausführlich angeführt werden, und die damit verbundene Bitte, sich selbstständig ein Bild zu schaffen und weiter zu denken, zu forschen und zu diskutieren, eine wahre Bereicherung.

Ich finde es lesenswert, doch würde ich nicht alles für bare Münze nehmen nur weil es »wissenschaftlich« ist.

Ich finde Dicksein an sich bedarf keiner Rechtfertigung und keiner Ursache. Meiner Meinung nach bedarf es nur bei dem Wunsch abzunehmen der Ursache für das Dicksein – um diese Ursache zu beheben und wieder dünner zu werden. So auch die Logik: ist jetzt die Ursache Stress, reduziere den Stress und du kannst wieder abnehmen. Ich bezweifle einfach, dass es so funktioniert. Es ist aber sicher hilfreich um dünnen Menschen die Anliegen und Bedürfnisse Dicker näher zu bringen und um sie auf Dickendiskriminierung aufmerksam zu machen – insofern kann ich nur empfehlen es zu lesen und sich selbst ein Bild zu machen.

Achim Peters
Mythos Übergewicht
Warum dicke Menschen länger leben
Bertelsmann Verlag, München, 2. Auflage, 2013
272 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-570-10149-0

Ein Gedanke zu “»Mythos Übergewicht« von Achim Peters

  1. Die Aussagen des Buches stimmen mit meine eigenen Erfahrungen (50+) sowas von überein, das hat mich extrem erleichtert. Meine ehem. Schulfreundin (A) und ich (B) sind nach 30 stressvollen Jahren die Paradebeispiele, und ich erkenne erstmals Vorteile meiner vielen Kilos. Das Buch veranschaulicht, wie wichtig es auch für Dünne ist, an ihrem Stress zu arbeiten und wie menschenverachtend der Trend zu Magen-OP usw. ist.

    DagmarIch arbeite das Buch gerade intensiv durch und sage.: Die obige Rezession wird der Bedeutung dieser vielen Forschungserkenntnisse leider nicht gerecht.

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